Interview mit den "Monsters of Liedermaching"

Sonntag, 25. März 2007

Nach einer sehr netten Begrüßung und Versorgung mit Getränken machen wir es uns draußen gemütlich, denn heute ist das Wetter prima.

Konzert-Junkies: Könnt ihr kurz zusammenfassen, wie ihr zum Liedermaching gekommen seid und wie ihr euch dann gefunden habt?

Totte: Ich hab zu Schulzeiten in einer Punkband gespielt, die hieß „Innocent Persons“, die hab ich dann aufgelöst, weil eigentlich keiner mehr Lust hatte und sich nur nicht getraut hatte, das zu sagen. Und ich hatte dann aber angefangen, alleine Lieder zu spielen, und zwar das erste Mal beim Berufsfortbildungsausflug nach Gummersbach an die Theodor-Heuss-Akademie, da hab ich ein Lied gespielt, das hieß „Der Hund ist tot“, das war mein erstes Liedermacher-Lied. Aber am nächsten Tag bin ich rausgeflogen, wegen Alkohol auf dem Zimmer, nicht wegen der Musik. Da das aber das Berufsfortbildungszentrum war, bin ich dabei geblieben. Die anderen hab ich später kennen gelernt, das war ungefähr 2000. Das war wunderschön, ich danke dem Herrn...
Dem Herrn Widmann und dem Herrn Simon, dass sie mit Joint Venture, das war ein berühmtes Bonner Liedermacher-Duo, dass die in Kevelaer so ein Liedermacher-Festival ins Leben gerufen haben, das einmal im Jahr stattgefunden hat und wo sich dann alle getroffen haben, die Joint Venture als Vorprogramm bei sich haben spielen lassen und die sie kennengelernt haben auf Tour und dann gesagt haben, ja kommt doch an dem Wochenende alle mal her und lernt euch kennen und habt Spaß und so war es auch, da hab ich dann die Herrschaften kennengelernt.

Fred: Ich hab in einer Band gespielt, die so semi-erfolgreich war, Norbert und die Feiglinge, da hab ich gesungen und Gitarre gespielt, und dann so 1999, da haben wir uns nach 12 Jahren aufgelöst, weil keiner mehr Bock hatte, das war im Sommer 99. Dann hatten wir aber noch ein Konzert im Logo, im Dezember, das wollten wir dann aber nicht mehr als Band spielen. Ich hab mich dann dazu bereit erklärt, an dem Abend die Lieder der Feiglinge allein mit Gitarre zu spielen. Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt ist der Kleinti von Joint Venture gestorben und dann hab ich bei Götz angerufen und ihn gefragt, ob er Bock hat, die andere Hälfte des Abends mit seiner Musik zu füllen. Götz hat mir dann erzählt von Liedermaching und Kevelaer, von den jährlichen Treffen, und da fielen dann auch das erste Mal so Namen wie Rüdiger Bierhorst und der Flotte Totte und das klang alles sehr interessant.

Labörnski: Ja wir haben das ganze eigentlich auch mit Joint Venture begonnen. Ich lief so ein bisschen wie unmusikalisches Freiwild durch die Lande und traf auf Pensen. Wir haben dann so ein bisschen was zusammen versucht, 'n bisschen Texte und Gitarre und Gesang, und dann waren wir auf einem Joint Venture Konzert in Hamburg, waren mit denen überhaupt nicht befreundet bis dato, und haben die auch zusammen gar nicht kennen gelernt, aber auf diesem Konzert fragt Peer mich dann, wo ich schon eine Stunde lang total genossen habe, was da passierte, ob das so was wäre, was wir beide, zumindestens so in der Art und Weise, kredenzen möchten. Ich hab gesagt, das ist eine phantastische Idee, und so hat sich das dann eingespielt, dass wir diese Liedermaching-Komponente von Anfang an im Blut hatten.

Rüdi: Ich hatte früher als Schüler eine Schülerband, in der hab ich Gitarre spielen gelernt und angefangen, Lieder zu schreiben, und nach dem Abi hat sich das dann aufgelöst. Hinterher hab ich dann, weil es mir Spaß gemacht hat, noch ein bisschen weiter gemacht. Erst im Go-In, das war so eine Singer-Songwriter-Kneipe in Berlin und dann ist das wieder eingeschlafen bei mir, weil ich das selber nicht so spannend fand. Dann hab ich in Bonn Joint Venture kennengelernt, wie die meisten, und über die Connection hab ich dann erstmal selber wieder angefangen, Sachen zu machen. Auf der anderen Seite bin ich so nach Kevelaer gekommen und war also beim allerersten Kevelaer-Konzert schon dabei und hab dann so nach und nach alle kennengelernt, Totte auch von Anfang an und wir haben dann so angefangen, zu zweit auf Tour zu gehen.

Fred: Als ich das erste Mal in Kevelaer war, da wollte ich mit Rüdiger und mit Totte befreundet sein. Als ich dann wieder in Hamburg war, hab ich mir die Mailadressen von allen rausgesucht und die alle angeschrieben, so von wegen: Ey, wenn ihr mal in Hamburg mit mir spielen wollt, würd ich auch mit euch in Köln oder Berlin spielen. Es hat leider nur einer geantwortet, das war Rüdi und dann hatten wir schon den ersten schönen Abend in Berlin, ich glaub, das war im...

Rüdi: Checkpoint.

Fred: Ja und da waren wir dann auch das erste mal im Ufa hinterher saufen, und so fing unsere Freundschaft dann ganz zart an.

Rüdi: In diesem Ufa haben dann übrigens auch so Liedermaching-Konzerte stattgefunden und da gab es dann einen Abend, wo wir dreimal Polizeibesuch hatten aber noch weiterspielen wollten. Wir haben dann den Stecker rausgezogen und allen Leuten gesagt, sie sollen einfach nicht mehr klatschen und dann kam dieser Applaus. (klatscht ohne Geräusch)

Totte: Das war noch ein bißchen anders, ich weiß es noch genau. Es war nämlich so, dass es im Vorfeld soviel Ärger da gab mit Polizei, und es hieß, wenn noch einmal die Polizei kommt, dann muss der Laden schließen. Dann haben wir Punkt zwölf auf unplugged umgeschaltet. Vicky Vomit war auch noch dabei und es war wundervoll.

Pensen: Vorher hat Fred noch Frische Mische mit nach Kevelaer genommen, im blauen alten Freund. Weißte noch Hase? Und das war ‘ne schöne Zeit. Dann hat Fred auch noch ein Liedermacher-Festival gemacht im Logo.

Fred: Aber das wisst ihr ja alles von der DVD. Wie ich zum Beispiel Burger kennen gelernt hab, das könnt ihr euch auf der DVD nochmal angucken.

K.-J.: Burger, du bist gerade dazugekommen. Wie bist du eigentlich zum Liedermaching gekommen? Du hast ja einen ganz anderen Start gehabt.

Burger: Ich hab Fred auf einem Konzert besucht in Göttingen und hab da als Fan vor der Bühne gesessen. Dann kam so ein Schein von oben auf mich und eine tiefe Stimme sagte: Burger, du bist bekifft. (lacht) Also ich hatte vorher schon Solo-Auftritte, ich hab schon mal in einer Kneipe bei uns in Bad Gandersheim gespielt, da hab ich so Songs gecovert, aber sonst hab ich mich das nicht so richtig getraut. Dann hab ich das allererste Mal so richtig amtlich meine eigenen Songs gespielt auf seinem (Freds) Festival.

Fred: Also man muss dazu sagen, dass bei diesem ersten Logo-Festival, was ich dann so organisiert hab, weil ich halt wollte, dass das alles meine Freunde werden, außer Frische Mische, das waren so kaufmännische Überlegungen, weil ich mir die Demo-CD von denen überhaupt nicht angehört habe.

K.-J.: Wer von euch macht denn hauptberuflich Musik, und wer hat noch einen anderen, festen Job?

Totte: Ich arbeite noch im Krankenhaus, 4 Nächte im Monat, aber ich denke, dass ich innerhalb der nächsten Jahre auf 3 Nächte herunter schrauben kann.

Labörnski: Da möchte ich auch gerne mal hinkommen, ich muss 5 Tage die Woche arbeiten. Am liebsten wären mir sogar 2 Tage. Das gilt dir, mein lieber Chef, wenn du das sehen solltest, ich weiß, du willst mich trotzdem, auch die 2 Tage bin ich ein Gewinn für dich. Aber es läuft ganz gut, man kann träumen, ein bisschen.

Burger: Ich arbeite auch, aber ich bestimme selbst, wann ich arbeite. Weil ich halt der Chef bin. (alle lachen)

Labörnski: Aber nicht meiner!

Rüdi: Ich arbeite so wie Labörnski 5 Tage die Woche, aber noch 4 Wochen lang und dann arbeite ich gar nicht mehr. Dann muss ich mal gucken. (lacht)

K.-J.: Gibt es denn bei denen, die noch arbeiten, auch mal Konflikte zwischen Arbeit und Job, wenn ihr z.B. lange auf Tour seid?

Labörnski: Also Probleme kann man tatsächlich mit Gewalt lösen, muss natürlich nicht sein, ich krieg das auch ohne hin. Es klappt ganz gut, ich hab ein sehr gutes Team bei mir in der Firma. Wir sind zwar eine kleine Filiale mit 4 Leuten, aber ich mach dafür dann andere Sachen mal länger. Das Hauptkriterium ist für mich eigentlich auch mal mehr Zeit für meine Familie zu haben, das fehlt mir dann nämlich. Arbeiten, Mucke und Familie ist manchmal ein bisschen viel, also nicht, dass ich daran verzweifle, das geht alles, aber das sollte nicht ewig so weiter gehen.

Totte: Bei 3 Nächten im Monat ist das kein Problem, bei 4 ist es dann manchmal schwer, aber dann sag ich halt mal ein Konzert ab, für das Krankenhaus mach ich das doch gerne. St.Josef, Bonn-Beuel.

K.-J.: Und würdet ihr gerne die Arbeit sein lassen und komplett von der Musik leben?

Rüdi: Ja.

Totte: Ich würd die Arbeit einfach gerne sein lassen. Ob nun Musik oder nicht, aber sein lassen ist gut.

K.-J.: Wann habt ihr denn eigentlich angefangen, Gitarre zu lernen? Die, die es denn getan haben...

Labörnski: (lacht) So in zwei Wochen.

(alle lachen)

Burger: Also ich ernsthaft mit 8.

Fred: Ich hab mit 20 angefangen, ich erwähnte ja schon Norbert und die Feiglinge, da ist damals dann der Gitarrist ausgestiegen, da hatten wir dann keinen mehr. Und ich bin ja mehr so Autodidakt, was man ja auch an der Technik sieht und am Sound. Und so bin ich da reingeschmissen worden, die haben dann gesagt, jetzt spielst du Gitarre. Aber gelernt, das kann man bei mir nicht ernst behaupten. Ich habs mir halt selbst beigebracht.

Rüdi: Also ich war 14, und dann mit so einem Liederbuch mit Grifftabellen und Zupfmustern. Jans Liederbuch oder so hieß das, da gibt es mehrere Reihen mit so einem roten Ballon oben drauf.

Burger: Bei mir war es der Liedercorps, der Liederbaum, die Liederkiste.

Rüdi: Die Dinger waren das.

Burger: Das war mit 16 dann schon. Also mit 8 war das so mit Gitarrenunterricht, da durfte ich noch nicht so richtig, da war ich noch so klein. Da hab ich dann bei der Musiklehrerin in Bad Gandersheim vorgesprochen und wollte gern Gitarre lernen und da sagte sie, du brauchst aber lange Finger zum Gitarre spielen, und guckt an mir runter und sagt dann, du kannst aber aufhören, an deinen Fingern zu ziehen. Das hab ich dann unterbewusst so gemacht. Da hab ich dann gemerkt, ich muss Gitarre lernen, ich brauch lange Finger.

Totte: Ich hatte auch einen Lehrer, der kam immer Donnerstags um 16 Uhr und das war der schlimmste Tag für mich. Ich hatte dann also so richtig klassisch Gitarre gelernt und fand das von Anfang an furchtbar, aber ich hatte mir eine Gitarre gewünscht und dann haben meine Eltern gesagt, gut, dann zieh jetzt auch einmal was durch. So DLRG und Tischtennis, das war alles super interessant, für 2 Wochen und an der Gitarre hing ich einfach länger dran. Das war immer so furchtbar, weil ich halt immer Hausaufgaben gekriegt hab, also irgendwas, was ich üben sollte. Ich hab dann jeden Tag in meinem Kalender gezählt: Oh Gott, noch 3 Tage, so langsam müsste ich mich dran setzen. Und das war dann so, um halb vier hab ich dann versucht, die Lieder in doppelter Geschwindigkeit zu spielen um die richtig drauf zu haben und das ist auch jedes mal völlig aufgeflogen. Mein Gitarrenlehrer war nachher schlecht gelaunt und es gab immer eine Aussprache von einer halben Stunde, warum ich denn nicht übe, und in der ersten Viertelstunde hab ich immer versucht, ein Stück von den dreien vorzuspielen, die ich auf hatte. Übrig geblieben ist tatsächlich nur noch der Greensleeves, den ich aber inzwischen fast perfekt beherrsche. Dann hab ich 'ne E-Gitarre gekriegt und dann wurde es ganz interessant, dann kamen auch erst die Akkorde, allerdings kamen dann die falschen Akkorde, nämlich so von den Ramones und so, die kann ich immer noch ganz gut. Aber ich lerne wieder, dafür sind die Monsters auch ganz gut, um wieder besser an der Gitarre zu lernen, weil man sich ja da an einem extrem hohen Level orientieren muss. Und das hat mir Angst gemacht und jetzt spiel ich sogar wieder mal ganz gerne.

K.-J.: Mehr Angst als dein Gitarrenlehrer?

Totte: Der war halt zu nett, außerdem war der Jazzgitarrist und sowieso der Onkel von 'ner Klassenkameradin. Der Donnerstag war schlimm. Der Donnerstag war über viele Jahre ein Horrortag. Jetzt schätze ich ihn sehr. Pensen, Gitarre gelernt?

Pensen: Ich hab mit 9 meine erste Stunde gehabt, an so einer Musikschule. Dann hab ich bei einem Lehrer lange Jahre Unterricht gehabt, so „Privatunterricht“.

Rüdi: Mit Bock?

Pensen: Mit Bock, auch 'n bisschen Mittelbock, und dann mit ihm zusammen, weil er ja nur Akustik-Gitarrist war, hab ich so die E-Gitarre entdeckt. Da war ich dann so 11 oder so, und hab dann die ganzen Metallica-Songbooks ausgecheckt. Dann hab ich ein bisschen rebelliert, aber trotzdem nebenbei behalten so 7 Jahre. Dann hab ich mal 'ne Zeit lang viel mit so Gitarrenvideos mir Sachen reingezogen und das dann geübt, immer verschiedene Bands gehabt, immer Akustik-Gitarre weitergespielt, Nylonsaiten natürlich und dies und das, und dann kam eigentlich schon Frische Mische und dann hat sich das ja so weiterentwickelt, dass ich jetzt auch Liedermaching mache und aber auch Rockgitarre spiele. Das war so der Ablauf bis jetzt.

K.-J.: Was inspiriert euch zu euren Texten?

Rüdi: Wenn ich das wüsste. Das ist ganz schwer. Das fällt vom Himmel. Leider sehr selten, aber es fällt vom Himmel. Ich mach seit 3 Jahren an manchen Sogs ‘rum, wo ich einfach sag, ich möchte den irgendwann mal schreiben und mir fällt nichts ein. Ich hab so eine Strophe und ein Refrain und der fängt sehr stark an. Und obwohl ich mich sehr oft damit beschäftige, kommt er nicht weiter. Und plötzlich putz ich mir die Zähne und mir fällt der Betroffenheitssongwettbewerb ein, beim Zähneputzen. Ganz anderes Thema, nie mit beschäftigt.

Totte: Man sollte Zahnpflege nicht unterschätzen.

Burger: Bei mir ist es oft so, dass mir Ideen kommen, wenn ich andere Musik höre. Da ist dann einfach so'n Groove, und da kann man auch was anderes drauf singen. Oder halt beim Autofahren, da ist mir auch schon oft was eingefallen. Oder wenn ich irgendwie 'n blöden Satz höre. Die besten Lieder gehen ziemlich schnell. Das ist so meine Erfahrung. Wenn man lange daran herum doktort, das ist dann meistens nichts Halbes und nichts Ganzes. Bei mir jedenfalls.

Pensen: Bei uns ist es so, dass wir zusammen sitzen und schreiben dann auch zusammen die Texte. Man könnte auch irgendwie Billard spielen gehen oder so, aber witziger als halt Texte schreiben. Und das war eigentlich schon immer so.

Totte: Fred und ich haben so ein bisschen auf einen gegenseitigen Kreativitätsschub gehofft, als wir dann ... (Fred schüttelt den Kopf) ... nee du nicht? Ich hatte darauf gehofft.

Fred: Ich hab auch drauf gehofft, aber es ist einfach nix passiert.

Totte: Es ist halt nix passiert, weil jetzt haben wir halt 2 Fernseher mehr und Internet in jedem Zimmer und wir sehen uns eigentlich seltener als zu der Zeit, wo ich noch in Köln gewohnt hab. Aber ich glaube, dass die Anzahl der Songs, die in der Zeit entstanden sind, nicht entscheidend mehr geworden sind.

Labörnski: Ihr solltet mal was über Ernie und Bert machen finde ich.

Totte: Ihr solltet das mal machen, über uns.

K.-J.: Was waren denn bisher so eure Konzert-Highlights? Oder gab es auch mal Desaster?

Rüdi: Erstes Hamburg-Logo-Konzert.

Pensen: Das war ein Highlight. Das ist auch das, was bei der 6 Richtigen auf diesem Film drauf ist. Das war uneingeschränkte Freude im Raum. Das war super.

Burger: Mir gefiel dieses Kater-Konzert sehr gut, weil das mal was anderes war. Da kann ich mich ziemlich gut dran erinnern.

Rüdi: Leipzig. Erstes Leipzig-Konzert im Anker. Ich hatte 3 Tage lang die Scheißerei und in Leipzig gings mir super. Das war das eine, und das zweite war ein sensationelles, kleines Publikum und da war Knistern, das war irre.

Burger: Da haben sogar die Leute geheult bei seinem Lied „Alles für mich“.

Totte: Desaströs war dieses Weihnachtskonzert, also nicht Weihnachtskonzert ... da waren wir in so einem Hotel und haben da als Auftragsmusiker gespielt.

Pensen: Aber Frankfurt war auch mies, HR3.

Burger: Das Marburg Konzert, auf dem Uni-Sommerfest.

Pensen: Aber das ist doch nicht so mies wie Frankfurt.

Labörnski: Doch doch.

Totte: Also am unwohlsten habe ich mich wirklich bei dieser Betriebsfeier gefühlt. Wir haben da für irgendeine Firma auf der Betriebsfeier gespielt.

Burger: Die haben uns mit Kohle gelockt, und wir haben gesagt, ja für Geld machen wir das.

Totte: Da saßen halt alle an langen Tischen und der Boss hat dann noch 'ne kurze Ansage durchgegeben und hat uns noch mit Clap auf die Bühne geholt, so ein Typ mit Schnauzbart und Anzug und wahrscheinlich sehr, sehr schnell im Entschluss, wenn es um Kündigungen geht und wir machen den ganzen Scheiß mit und versauen so allen die Stimmung und uns auch. Das war furchtbar. Das war aber auch ein Konzert wo wir im Vorfeld gesagt haben, nee, sowas nicht nochmal. Also nicht irgendwelche Betriebsfeste.

Fred: Um nochmal auf die positiven Konzerte zu kommen, also ich hab da ja, was die Monsters angeht, so eine Idealvorstellung, wie so ein Konzert im absoluten Idealfall abläuft. Dass halt die Besucher bei den Balladen hinhören und leise sind, und wenn halt Party angesagt ist, dass dann alles grenzenlos jubelt und auf den Tischen tanzt. Und dass die Hütte voll ist. Darf auch nicht zu groß sein, der Laden, also eher so ein bisschen kleiner, so 300 Leute. Und dass der Sound geil ist auf der Bühne, dass du spielst und denkst, boah, das klingt ja. Und das fand ich, war so 3-4 Mal erreicht.

Burger: Sehr wichtig ist auch, dass die Leute, die das schon kennen, den anderen nicht immer vorsagen.

Fred: Das erste Konzert war in Marburg im KFZ, da dachte ich, mehr geht nicht. Also es gibt so Konzerte, da ist dann halt eine riesige Masse, Open Flair oder so. Du spielst und alles ist am jubeln, das ist halt toll. Aber wenn alles mal stimmt, dass halt alles super perfekt ist und wenn dann in der ersten Reihe noch so 3, 4 ganz Niedliche sitzen, die einen immer angrinsen... Aber ich denke schon, dass so ein Großteil von unseren Konzerten immer sehr geil war.

Rüdi: Mir fällt das gerade selber auf und ihr merkt das vielleicht auch, dass wir fast nur Club-Konzerte als Highlights nennen. Natürlich war das Open Flair der absolute Wahnsinn...

K.-J.: Das wäre jetzt die nächste Frage gewesen, spielt ihr lieber in Clubs oder auf Festivals?

Rüdi: Ja, das ist vielleicht 'ne ganz gute Überleitung. Es ist so, dass wir unsere Leistung lieber nach 3-einhalb Stunden als nach einer Stunde bemessen, das ist ein irrsinnig schönes Erlebnis, aber wir sind halt auch der ruhige Teil und wir sind auch ein 3-einhalb Stunden Programm. Und wie sich das Publikum dann da entwickelt, ist was ganz anderes, als auf einem Festival. Mir persönlich, wenn ich es jetzt vergleichen muss, macht das mehr Spaß, wenn auch die Festivals das eigentlich größere Erlebnis sind. Das darf man ruhig feiern, wenn man da gespielt hat, aber nach einem Club-Konzert kann man das besser vergleichen, wie waren wir und wie hat sich das alles aufgebaut. Wir haben einfach viel mehr Zeit, was zu machen, als bei einem Festival.

Burger: Außerdem geht so ein Festival-Gig ja auch ziemlich schnell vorbei.

Fred: Man spielt so gegen die Uhr, weil es da auch immer sehr strikte Pläne gibt, da sagen die, Jungs um soundso ist definitiv Schluss, da hat man dann immer den Druck im Rücken, dass man denkt, oh Mist, jetzt wird es eng mit der Zeit, aber man möchte eigentlich noch sehr sehr viel mehr spielen.

Burger: Ist ja auch klar, dass wir dann nur die Smasher spielen, und die anderen Lieder sind uns natürlich genauso wichtig, eignen sich aber für so große Sachen nicht, wo man einfach keine Ruhe reinkriegen kann.

Totte: Man gibt halt kein umfassendes Bild von sich, sondern nur eine Komponente, und natürlich ist die Atmosphäre laut. Das kann dann schon mal passieren, wenn die Leute zu unseren Clubkonzerten kommen, dass die das so auffassen, als müsste das 3-einhalb Stunden so gehen. Aber eigentlich ist das ja so, dass die ruhige Viertelstunde genauso zu den Monsters gehört, wie das Partyprogramm. Was ich sehr schön fand zum Beispiel, das sind so Momentaufnahmen, in Koblenz beim Konzert, dass einer bei „Interesse ist gut“ immer die Namen vorgebrüllt hat und dann von seinen Kumpels aber erzogen wurde. Das sind dann so leuchtende Moment für mich, wo ich denke, mensch unser Publikum ist so aufmerksam, die erziehen sogar ihre Kumpels, muss man gar nicht selber machen. Das ist großartig.

Burger: Ja, das hab ich auch grad schon erwähnt. Dass Publikum, was schon ein paar Mal auf Konzerten war, dass das trotzdem die Stirn hat und nicht den anderen Leuten durch Vorlabern und zu lautes Mitsingen den Spaß verdirbt.

Fred: Wenn man so Ansagen macht, das nächste Lied ist über das und das...“Hartz IV“! Da nehmen die dann ja die Pointe weg. Naja, da gibt es natürlich immer wieder so ein paar Spacken, aber ich mein, auch das gehört irgendwie dazu.

Totte: Es ist nicht schlimm, aber es ist schön, wenns nicht passiert.

Burger: Um nochmal auf das Thema perfektes Konzert zurückzukommen.

Fred: Und das war nämlich in Marburg so, ich glaub, da war alles perfekt.

Burger: Da hatten wir auch so einen super geilen Schreiberling in der dritten Reihe, den wir die ganze Zeit zusammen gefaltet haben und der hat uns das nicht übel genommen und 'ne ganz tolle Kritik geschrieben.

K.-J.: Habt ihr denn noch Lampenfieber vor Auftritten?

Totte: Ja, ich hab immer Durchfall.

Fred: Also bei den Monsters ist das eigentlich nicht so schlimm wie bei Solo-Konzerten. Wenn ich dann bei den Monsters das Gefühl hab, mensch, ich bin heute schlechter drauf als sonst, dann weiß ich, dass die anderen mich...also ich sitz ja immer neben Bimse, und er hat dann jetzt bei irgendeinem Auftritt gesagt, Fred, denk an Hannover, weils in Hannover so geil war und ich so, ja ja, hast Recht, ok. Sowas funktioniert dann manchmal allerdings auch in die andere Richtung. Das halt einer schon so draufkommt, und die anderen dann so, ah ja jetzt hab ich auch keinen Bock mehr. So wie in Frankfurt.

Totte: Das funktioniert im Guten wie im Schlechten. Einer kann alle hochreißen, und viel leichter kann einer alle runterziehen.

Fred: Aber das kommt eigentlich fast nie vor, das ist nur ein, zweimal passiert.

Rüdi: Bei mir gehts, weil wir zu sechst sind, aber in Berlin scheiß ich mir in die Hosen, wenn wir da spielen.

K.-J.: Warum?

Rüdi: Da merk ich so deutlich...ich weiß nicht warum...

Burger (zu Totte): Du bist in Bonn sicher auch nervöser als wir. Das ist immer so, weil man mehr Leute kennt und niemanden enttäuschen möchte.

Rüdi: Vielleicht würde es helfen, wenn man die Prügelstrafe abschaffen würde.

Pensen: Aber das wär uncool.

Totte: Es geht natürlich auch 'ne ganze Menge Energie verloren dadurch.

K.-J.: Seid ihr denn mit der Entwicklung, die die Monsters of Liedermaching genommen haben, zufrieden? Oder geht es euch zu langsam?

Totte: Ich bin erstaunt. Ich habs nicht erwartet und es ist einfach sehr geil, dass es so realistisch wird, davon tatsächlich mal ausschließlich leben zu können.

Burger: Weil das jetzt etwas ziemlich Neues ist, gibt es ja auch nicht viel, mit dem wir uns messen können oder wollen. Es ist schon so, dass wir zu Götz aufschauen und gucken, wo spielt der, was schafft der denn in der Stadt, usw. Aber der macht das ja auch ein paar Jährchen länger als wir. In diesem Sinne ist es für uns natürlich schon ein riesiger Erfolg, dass 500 Leute auftauchen in Hannover.

Totte: Allein die Tatsache, dass man das schon vergleichen kann...

Pensen: Das man auch die gleichen Clubs spielt...

Totte: Ja genau, das ist so: häh, warum?

Labörnski: Es ist auch erstaunlich, wir haben ja so eine musikalische Nische aufgetan, und dass da so viele Menschen auf den gleichen Nenner kommen mit uns und das Publikum mitsingt, dann bin ich immer baff. Das kenn ich natürlich aus irgendwelchen Kneipen, wo die Leute sich so umhauen, dass sie „Rudi hat 'nen dreckigen Schlüpfer an“ mitsingen, übrigens vielleicht auch ein geiler Song. Ich bin extrem begeistert von der Entwicklung, und wenn das diesen Stand einfach halten würde, wär das für mich schon ein Ding der Unmöglichkeit.

Fred: Es ist schon so, dass man nicht abhebt, weil man denkt, Hannover, 500 Leute, fett. Weil einen Tag später kommt dann meisten wieder so ein Down, 20 Zahlende. Also es hebt halt keiner ab, das ist ganz wichtig, dass man realistisch bleibt und sich selber noch einschätzen kann. Also ich freu mich immer noch wie ein Kind, wenn ich irgendwo spiele, am Arsch der Welt, so Würzburg oder so, und da kennt einer die Lieder, oder da hat einer ‘n T-Shirt an, so Monsters of Liedermaching. Da kann ich mich immer freuen wie ein kleiner Junge, wenn das passiert. Ich hoffe, das bleibt auch so, dass man irgendwann nicht so abgebrüht wird, so: Wo spielen wir morgen...ja egal, is eh ausverkauft.

Pensen: Auf dieser Tour ist es auch irgendwie der krasseste Besucherunterschied, Hannover so 500 nochwas und dann Siegen, 17 Zahlende, was man auch erstmal peilen muss. In Hannover, wo die Bühne hoch ist und die Leute gucken so hoch, das ist anders. als wenn man auf einer Ebene sitzt und Lieder singt, was ja eigentlich der Witz an der Sache ist, und irgendwie zusammen feiert. Im Moment isses noch ganz gut, das man sowas wie Siegen hat.

Rüdi: Der nächste Punkt ist ja, unsere neue Platte gibt es ja jetzt im Handel, und ich, wenn ich dann im Media Markt bin, die Chance ist absolut eigentlich undenkbar, aber ich geh dann immer hin und guck bei M, ob die Monsters da sind. Irgendwann erlebe ich es dann mal, dass die Monsters in irgendeinem Media Markt in irgendeiner Stadt stehen.

Labörnski: Wenn wir jetzt nachfragen, ist ja immer schon ausverkauft.

Pensen: Zumindestens war das in Leipzig so.

Totte: Was total geil ist, wenn Leute nach dem Konzert auf einen zukommen und sagen: Hier `ne CD von uns, wir haben euretwegen angefangen.

Pensen: Wenns auch noch gut ist.

Totte: Auf die Idee zu kommen, sowas zu machen, wir stellen uns jetzt auch dahin und spielen, und das, weil wir die Monsters gehört haben. Ich bin selbst noch viel zu sehr Fan von Musik und diesem ganzen Liedermaching, als selbst da irgendwie einen Status in Anspruch nehmen zu wollen oder zu können. Das heißt dann immer Wechselbad der Gefühle, auf einmal vor super vielen Leuten zu spielen, hochoffizielles Konzert, und da singen Leute deine Texte mit, und der Realismus holt mich dann immer ein wie in Siegen, wo ich dann denke, eigentlich wär es das ja gewesen.

Burger: Aber um nochmal auf das Konzert in Siegen zu kommen, was auf dieser Tour der Tiefpunkt war quasi, sowohl von meiner persönlichen Laune...

Fred: ... und von deiner Leistung.

Burger: Trotzdem freu ich mich im Endeffekt darüber, dass die Leute das trotzdem gefeiert haben. Dass die Leute, obwohl ich mich richtig scheiße fand, trotzdem gesagt haben, es war ein total geiles Konzert. Und dann machste so‘n Spruch, so aus Spaß, scheiße, so wenig Leute, schreibt uns doch mal was ins Gästebuch, dass es zu voll war oder so. Und dann steht das Gästebuch voll mit solchen Einträgen: Oh Gott, ich konnte überhaupt nichts sehen. Und keiner klärt es auf.

K.-J.: Oh, ok!

Fred: Also ihr habt das auch geglaubt?

K.-J.: Ja, ja, natürlich.

Burger: Es waren 17 Leute, und es ist so witzig, nur weil du einmal einen kleinen Spruch machst. Die Leute feiern das ab und möchten gerne, dass die Leute denken, es wär voll. Und das ist so witzig.

Rüdi: Also ein durchschnittliches Publikum liegt ja so bei 25-30, jetzt checkt daraufhin mal das Gästebuch, da seht ihr's. (lacht)

K.-J.: Wenn ihr längere Touren spielt, seid ihr dann am Ende erschöpft und wollt lieber nach Hause oder seid ihr dann immer noch fit?

Labörnski: Da haben wir jetzt mittlerweile ein ganz gutes Schema hin gekriegt, das liegt vor allem auch an Fred, dass das funktioniert. Sonst waren wir auch noch schwimmen zwischendurch, mal in der Sauna, letztendlich war das aber nur ein großes unkoordiniertes Beisammen-Irgendwas-Hinkriegen. Und jetzt fahren wir immer relativ früh aus dem Hotel, ziemlich schnell in den Club, und dann haben wir vorher immer noch Zeit, bevor wir in den Club gehen, uns im Hotelzimmer ein bißchen breit zu machen...

Totte: Viel viel besser als schwimmen.

Labörnski: ...vorweg zu schlafen, oder mal andere Sachen, die andere nicht dürfen, weil sie noch zu jung dazu sind oder noch nicht dran kommen oder so‘n Zeug. Also es ist echt eine Riesenerholung, ich hab das erste Mal, es ist die siebte Tour, das Gefühl, das es Urlaub ist. Ich komm entspannt wieder, ich muss jetzt gleich arbeiten im Grunde genommen, nach dem Konzert gehts wieder zur Arbeit, ich werde sehr erholt aussehen, glaub ich.

Burger: Wobei wir realistisch gesehen schon harte Schweine sind, also es gibt wahrscheinlich nicht so besonders viele Bands, die 10 Tage am Stück spielen, und dann sogar noch 3 einhalb Stunden, ohne Off-Day. Wenns mehr als 10 Tage wären, dann müsste jetzt bald mal ein Tag kommen, der frei ist. Sonst verschwimmen die Erlebnisse auch irgendwann.

Fred: Also es ist schon so, dass man müde wird. Man ist halt nie richtig alleine, im Hotel, oder im Auto, oder auf der Bühne, oder Backstage. Also man kann halt überhaupt nicht abschalten, das ist eben halt Tour, das ist auch in Ordnung, aber es schlaucht dann schon. Also ich würde dann jetzt auch gerne nach Hause und mal so ganz in Ruhe alleine was machen, mal baden und duschen und Wäsche waschen. Also nicht, dass das falsch rüberkommt, ich könnte wahrscheinlich nach ‘nem Off-Tag auch nochmal ‘ne Woche weiter.

An dieser Stelle legen wir eine Pause ein, die Monsters verschwinden zum Soundcheck und Essen, und nach etwa einer Stunde geht es dann Backstage weiter.

K.-J.: Gibt es denn auch manchmal so einen richtigen Tourkoller, wenn ihr unterwegs seid?

Pensen: Also auf dieser Tour zum ersten Mal nicht. Das ist tatsächlich so.

Fred: Man macht sich auch so gewisse Regeln, also man hält auch mal die Schnauze, das ist irgendwie ganz gut. Hat sich ganz gut eingespielt. Damals hat es mal öfter gekracht, das ist aber auch irgendwie kein Wunder, wenn man mit sechs Mann, über so lange Zeit...das hatten wir ja vorhin schon, dass es keine Intimitätsphäre gibt auf einer Tour. Also man ist halt entweder auf der Bühne, oder im Hotel, oder man ist im Bus. Man ist halt nie richtig alleine, das haben wir ja schon erzählt. Man ist auch nie richtig ausgeschlafen, weil man um 11 aus dem Hotel fliegt und weil wir ja immer sehr lange spielen. Es ist ja immer so, dass wir nie vor 2 dann irgendwie in den Betten sind, und auch da entwickelt unsere Gruppe diese Dynamik, dass bei 6 Mann einer da ist, der sagt, och komm, wir nehmen noch einen bei uns auf dem Zimmer. Wir sind da immer ein bißchen unvernünftig. Also man schläft eigentlich fast nie richtig aus, man ist immer im Auto oder man ist im Laden und alle sechs haben so ihren Ego-Film, aber man muss auch mal lernen, das eigene Ego ein bißchen herunter zu fahren und an das Wohl von allen zu denken. Und das haben wir jetzt auch ganz gut rausgekriegt.

Burger: Also eigentlich kuschen alle, damit ich keinen Ausraster kriege.

(Konzert-Junkies lachen)

Rüdi: Und wir dürfen jetzt noch nicht mal lachen.

Totte: Papa Burger halt. Das ist so ein bißchen wie Familienurlaub, er ist halt so der Vater und sagt uns: Jetzt haltet mal alle die Klappe. Da streiten sich Geschwister ja auch, wenn man unterwegs ist und es ist ja nie was Grundsätzliches, das sind dann halt Sachen, die schnell hochkochen. Es sind 6 Egomane unterwegs, auf engstem Raum. Und viel Alkohol.

Burger: Ich hab einen Walkman dabei, den ich sehr oft trage, um mich allein zu fühlen.

Pensen: Was total ätzend ist, weil die Hörer abgeschirmt sind.

Burger: Ich hör dann echt nichts.

Fred: Als Fahrer komm ich mir vor, wie so ein Taxifahrer. Man fährt, und hinten wird was geguckt oder was gehört, und wenn wir dann da sind: Oh ja, wir sind da. Das ist immer ein bißchen blöd.

K.-J.: Bist du ein bißchen ausgeschlossen dann?

Fred: Ja, das ist immer ein bißchen komisch.

K.-J.: In den Tourberichten haben wir früher häufiger gelesen, dass ihr auch mal bei Fans übernachtet habt. Schlaft ihr mittlerweile in Hotels und habt dann auch Einzelzimmer und müsst ihr euch die Zimmer teilen?

Labörnski: Also es gibt verschiedene Einstellungen zu dem Thema. Es gibt hier eine Fraktion, die würde eigentlich überall schlafen, oder eigentlich auch gar nicht schlafen. Und dann gibt’s halt auch welche, die sagen, ich brauch ‘ne Dusche und ich brauch ein Zimmer und ich möchte die Tür auch zumachen können und ich möchte absolut mal Ruhe haben. Dann muss man halt sagen, ok, dann lieber denjenigen glücklich machen, das ist dann ja einfacher ins Hotel zu gehen. Man raubt sich dadurch natürlich viele besondere Geschichten, die sich dadurch ergeben, dass man privat übernachtet. Ich bin dann auch glücklich, wenn es mal passiert, es ist ja nicht gänzlich ausgeschlossen. Da sind ja manchmal so Unterbringungen, die einer privaten ähneln, aber ich bin mittlerweile auch zufrieden, ein Hotelzimmer zu haben, obwohl ich eher zur anderen Fraktion gehöre.

Totte: Also optional haben wir jetzt immer Hotelzimmer, aber es kommt immer mal wieder vor, dass man auf einer Party versackt und irgendwo pennt. Jeder hat da natürlich unterschiedliche Präferenzen, was so als Ventilfunktion zu sehen ist, die einen müssen halt Dampf ablassen gehen, Party feiern in irgendeiner WG, und die anderen dann lieber: Konzert war schön, aber jetzt brauch ich meine vier Wände. Das ist als Möglichkeit da, dass man sagen kann, wenn man will, kann man ins Hotel gehen. Es sind meistens Doppelzimmer, ich teil mir das gerne mit Fred, weil wir sehen uns ja sonst auch nie, da kann man endlich auch mal ein bißchen quatschen. Also dass das als Möglichkeit da ist, finde ich super, aber es kommt auch immer mal wieder vor, dass man auf einer Party bleibt oder in einer WG pennt, weil es dann halt lustiger ist.

K.-J.: Macht ihr denn auch manchmal privat was zusammen?

Labörnski: Also wir treffen uns in Hamburg manchmal zu Konzerten, vor allem Fred und Pensen sind oft unterwegs, oder auch Totte.

Totte: Nö.

Fred: Öhm... einmal, oder zweimal?

Pensen: Aber das war super.

Labörnski: Also es ist nicht so, dass man sich gar nicht sieht, es gab schon Situationen...

Pensen: Eigentlich sieht man sich gar nicht.

Burger: Es bietet sich nicht wirklich immer an, die Hamburger wohnen schon ein bißchen weiter auseinander.

Pensen: Ja also ich treff mich halt mit Bremse, wenn der da ist, dann proben wir halt oder machen was, aber so mit den anderen eigentlich selten. Ich treff mich öfter mit Rüdi als mit Fred.

Rüdi: Wenn Fred ‘ne Party macht, dann kommen alle.

Totte: Zielorientiert macht man das schon mal, aber wir sind ja auch nicht als Schulclique oder beste Freunde zu einer Band zusammen gewachsen.

Pensen: Doch.

Totte: Ihr schon, natürlich. Aber wir haben ja auch unseren sozialen Background, jeder seinen eigenen. Und da verbringt man natürlich auch gerne Zeit.

Burger: Wir haben jetzt was Nettes gemacht, das hat mir super gefallen. Wir waren bevor die ersten Konzerte losgegangen sind, in der Monster-WG, einfach mal um uns selbst zu feiern. Ohne besonderen Grund, wir haben auch nicht geprobt.

Rüdi: Einfach zu sechst.

Burger: Haben unseren Deal unterschrieben, unseren Verlagsvertrag, das ist ja auch nicht so spektakulär, aber das haben wir einfach mal zum feiern genommen, war eigentlich ein ganz netter Abend.

Pensen: Sehr nett.

Burger: Also ich bin einmal privat nach Hamburg gefahren, zum Konzert. Gipfeltreffen. Es ist halt auch ein bißchen weit und bietet sich nicht immer so an.

Fred: Es ist aber trotzdem so, also Totte mal ausgenommen, weil ich den ja ab und zu in der Küche treffe oder in unserem Wohnzimmer, dass ich die anderen häufiger sehe als andere Freunde. Das ist immer sehr schwierig geworden, weil ich ja meistens am Wochenende auf Tour bin, und die anderen dann sagen: Komm, Alter, hier Freitag mal. Und ich dann: Ja gut, ich bin aufm Konzert.

Pensen: Es ergibt sich hin und wieder auf jeden Fall mal.

Fred: Es ergibt sich mal, aber weil wir uns eh schon immer sehr oft sehen, sodass man dann nicht auch noch sagt: Sonntag ist die Tour vorbei, lass mal ‘n Kaffee trinken gehen. Das muss dann ehrlich gesagt auch nicht sein.

Totte: Aber es ist oft die erste Adresse um mal rumzutelefonieren, wenn es um Konzerte geht, die man besuchen will.

K.-J.: Welche Musik hört ihr privat?

Fred: Das ist bei uns sehr brisant, weil die Zeit im Tourbus, wenn da mal nicht eine DVD geschaut wird, also wenn Musik aufgelegt wird, dann haben wir so ein paar gemeinsame Nenner. Z. B. Die Kassierer oder Die Ärzte oder TempEau oder Johnny Cash – oder die Ohrbooten, auch eine sehr geile Band.

Burger: Privat ist da aber jeder so ein bisschen anders. Ich bin der einzige in der Band, der Frauenstimmen ertragen kann. (diverse Einwände der Kollegen)

Burger: Stimmt nicht wirklich, ne? Ich mag auch so komische Sachen. Dixy Chicks find ich momentan ganz geil. Cheryl Crow mag ich, aber auch Beatsteaks, Ärzte und solche Sachen.

Pensen: Meinst du, was wir im Bus hören?

K.-J.: Naja, was jeder so hören mag.

Pensen: Na, Beatles natürlich und die Foo Fighters und noch sehr viel anderen Kram, der mit Eiern und Liebe gemacht ist – und daraus entsteht ja die Leidenschaft. Und wenn ich da etwas rausziehen kann, dann möchte ich das gern tun.

Rüdi: Bei mir wechselt das immer. Ich bin so mit Peter Gabriel, Genesis, die alten Sachen eben groß geworden. Ich habe meinen Horizont dann aber komplett erweitert um Sachen, die sich da eigentlich widersprechen. Ich bin halt, wenn ich zu Hause bin nach der Arbeit, nochmal weg oder ich höre zu Hause nicht so viel Musik. Da läuft dann auch meistens die Glotze. Aber demnächst hab ich ja mehr Zeit. Keine Ahnung, ich lass mir immer wieder gern was empfehlen und bin auch sehr beeinflussbar. Ich hör jetzt plötzlich z. B. Hip Hop, was ich vor drei Jahren wohl noch bekämpft hätte. Ich bin nicht festgelegt. Aber ich glaub, ich erkenn überall, was geil ist und was nicht.

Totte: Ich höre gerne Hip Hop, Eminem sehr gern, und inzwischen gern wieder Punkrock, Dead Kennedys. Die alten deutschen Sachen, Molotow, Walter F, naja, ist mir schon wieder zu poppig. Die Goldenen Zitronen finde ich großartig. Ich mag viele Bands, ich mag auch Frank Zappa oder ich mag The Prodigy. Auch mag ich Elektronik ganz gern. Das richtet sich ein bisschen danach, was ich gerade selber mache – nee, das klingt blöd, jetzt nicht nur Punkrock, weil ich gerade selber Punkrock mache. Aber ich lass mich da auch leicht beeinflussen. Wenn jemand mit Elektronik kommt und man verbringt damit einen guten Abend, dann hör ich das auch eine Zeitlang gern und sehr exzessiv. Und dann ist es auch schnell wieder vorbei. Durchgesetzt hat sich auf Dauer eigentlich nur Hip Hop, Punkrock und die Münchner Freiheit. (Lachen) – Falco hör ich inzwischen auch wieder sehr gern.

Fred: Und Boppin’ B finden wir ganz toll! (allgemeine Zustimmung)

Pensen: Nächste Frage. (zu Labörnski) Du warst noch nicht dran...den Bud Spencer-Soundtrack, den fanden wir beide geil.

Labörnski: Das stimmt.

K.-J.: Ward ihr mal richtig Fan von jemandem? Früher in der Jugendzeit oder jetzt noch? So mit Poster an die Wand hängen?

Pensen: Guns’n’Roses, Metallica – und Joint Venture natürlich.

Burger: Adam Ant, Wham, Depeche Mode, The Cure...das war meine Zeit, wo ich Teenager war. Da fand ich die geil, da war ich auch auf Konzerten. Ich bin für Wham nach London gefahren. Ich habe das letzte Wham-Konzert gesehen, im Wembley-Stadion.

Pensen: Ja, im Wham-bley-Stadion (lacht).

Burger: Ja, deswegen heißt das ja auch Wembley-Stadion.

Pensen: Ich hatte noch Slayer und die ganze Scheiße, aber darüber bin ich auch schon hinweg.

Totte: Die Waltons fand ich mal toll, also die Band aus Berlin. Die Ärzte auch, Toten Hosen. Und die Goldenen Zitronen, das war tatsächlich auch das erste Konzert, dass ich besucht hab. Und das erste Mal, dass ich gekifft habe. Ich habe dann am nächsten Tag alle TKKG-Bücher weggeschmissen. Weil ich merkte: Es geht auch anders.

Fred: Also, mein erstes Rockkonzert waren die Dire Straits. Da bin ich aber nur hingegangen, weil die halbe Schule da hingegangen ist. Ich kannte die überhaupt nicht. Ich hab mir einfach eine Karte gekauft, das war in Hamburg in so einer riesigen Halle. Und dann hab ich die Jungs alle nicht gefunden und hab so allein in der Ecke gestanden. Dann hat da eine Band gespielt und ich hab gedacht: Naja, das sind die Dire Straits. Das war aber die Vorgruppe. Ich bin danach dann halt wieder gegangen. Da hat mich dann ein Ordner gefragt: Willst du schon wieder gehen? Und ich hab geantwortet: Jo, ist doch jetzt irgendwie zu Ende. Und dann hat der mich ausgelacht und gesagt: Das waren aber noch nicht die Dire Straits. Und so richtiger Hardcore-Fan war ich eigentlich nie. Aber die Chamelions aus England – die haben sich irgendwann mal aufgelöst und der Sänger hat nochmal ein Konzert gegeben in Bremen und da bin ich dann extra hingefahren – von Hamburg ganz nach Bremen, um mir das Konzert von dem anzuschauen. Aber so richtig Fan mit Poster aufhängen und alles sammeln, Platten rauf und runter hören und dann noch die EP-Pressung aus Japan besorgen – das hab ich eigentlich nicht gehabt.

Rüdi: Ja, schlecht klingende Raubpressungen für 70 DM.

Fred: Von den Chamelions hatte ich mal so ein Tape, so eine Kassette. Da hatte dann einer mit einem Mikrofon ein Konzert in der Hamburger Markthalle aufgenommen. Das hab ich ihm dann abgekauft und hab es angehört, das war aber nur so Rauschen. Ich hab’s wirklich durchgehört, aber das war’s auch nicht so richtig.

Burger: So ein Album hab ich mal von Prince gekauft. Das weiße Album von Prince auf einer Kassette für 50 DM. Das klang total scheiße. Aber den fand ich auch mal gut.

K.-J.: Wenn ihr euch unter allen Musikern und Produzenten jemanden aussuchen dürftet, mit wem würdet ihr gern mal zusammen arbeiten?

Fred: Kann das ein utopischer Wunsch sein? Ich hätte gern, dass Johnny Cash einmal von uns ein Lied covert. Aber das geht ja nicht mehr.

Burger: Ich hatte früher immer den Traum, einmal Peter Ustinov kennen zu lernen. Er ist ein englischer Freigeist, Weltbürger, schlechter Schauspieler eigentlich.

Rüdi: Wie bitte? Hey, Nero ist ja wohl der Hammer.

Burger: Naja, gut. Aber eigentlich hör ich ihn lieber reden.

Fred: In den Agatha Christie –Filmen als Hercule Poirot ist er auch toll.

Rüdi: „Wir sind keine Engel“ ist Weltklasse.

Burger: Naja, das ist ja schon Ewigkeiten her. Aber so als älterer, weiserer Herr, wenn man ihn so hört...er hat sich hingesetzt und zwei Stunden zu den Leuten geredet. Die haben ihm an den Lippen gehangen.

Rüdi: Er spricht acht Sprachen fließend.

Burger: Aber leider gestorben vor zwei Jahren.

Fred: Aber so als Monsters haben wir es schon drei-, viermal erlebt, dass bei Konzerten im Publikum befreundete Musiker waren, die dann auch mal auf die Bühne gekommen sind, z. B. Ohrbooten oder Götz Widmann oder Pohlmann. Der war mit im Logo auf der Bühne. Wenn dann mal so ein Stoppok mal auf die Bühne kommt und mit uns ein Lied spielt...

Burger: Oder Funny van Dannen – das wäre doch auch nicht schlecht.

Fred: Das wäre gar nicht mal so unrealistisch – obwohl: Funny van Dannen, glaub ich, tritt gar nicht mehr auf. Aber so ein Stoppok, der hat uns auch schon mal irgendwo gesehen und hat uns etwas ins Gästebuch geschrieben. Bei dem würden wir uns schon mal wünschen, dass er sich so backstage meldet: Hallo, ich bin da. Und wir sagen dann: Komm, Alter, mach doch mal was mit uns auf der Bühne. Das würde ich schon ganz schön geil finden.

K.-J.: Was würdet ihr Leuten mit auf den Weg geben, die gern Liedermaching machen wollen?

Fred: Also, es passiert jetzt schon sehr oft, dass man uns Demos schickt und fragt: Was haltet ihr davon. Oder: Darf ich bei euch mal Vorprogramm machen. Da bekommt man inzwischen schon oft Post mit Demoaufnahmen. Und halt auch Fragen: Sind die Texte auch gut? Oder was muss ich noch besser machen? Da fühl ich mich gar nicht so sehr dazu berufen, zu sagen: Du, die Texte sind nicht so, da muss noch das und das mit rein oder da muss noch eine Pointe mit rein. Ich glaub, dass die anderen das evtl. auch anders sehen, aber ich fühl mich da nicht so in der Lage, zu sagen: Komm Alter, hör bloß auf, geh lieber wieder in die Schule.

Rüdi: Ich hab das auch sehr ungern. Ich werde das auch oft gefragt und wenn mir Sachen auffallen, die ich beurteilen möchte, dann sag ich das auch. Wenn jetzt z. B. jedes Lied klingt wie das andere oder es klingt zu sehr z. B. nach Joint Venture oder irgendwas, dann sag ich das. Ich sag aber nicht, das gefällt mir oder das gefällt mir nicht. Ich mach das eigentlich auch nicht gern. Grundsätzlich auf den Weg geben: Einfach machen, Spaß dran haben und auch etwas selbstkritisch sein. Nicht einfach nur machen, sondern auch sich selbst hinterfragen: Ist das witzig oder ist das nicht witzig?

Burger: Ansonsten ist es auf jeden Fall wünschenswert, dass die Szene ruhig noch wächst, dass gute Songs kommen.

Fred: Also, man kann denen, die das auch machen wollen, nur raten, soviel Echo wie möglich zu sammeln. Irgendwie mit der Gitarre auf die Straße stellen und einfach mal gucken oder in die Kneipe gehen und den Wirt fragen: Mach doch mal die Musik kurz aus. Oder auf einer Party, morgens um drei nochmal versuchen. Einfach Reaktionen sammeln und gucken, ob es gut ankommt oder nicht. Wenn man wirklich immer nur hört: Alter, halt die Schnauze, hör auf, dann sollte man davon ausgehen, dass es nicht so richtig geil ist. Aber wie gesagt, ich kann da nicht einem zurück mailen: Ist echt Scheiße oder ist echt geil. Das ist ja immer so subjektiv, wie es bei einem ankommt.

Totte: Es bleibt ja immer die Meinung des einzelnen. Es präsentiert ja nicht immer den Massengeschmack, was man selber macht. Da jetzt so eine Lehrerfunktion zu übernehmen, halte ich auch für unmöglich.

K.-J.: Letzte Frage: Was wünscht ihr euch für eure musikalische Zukunft?

Totte: Eine musikalische Zukunft!

Pensen: Für die Monsters, meint ihr?

K.-J.: Ja...oder auch jeder für sich. Ihr seid ja nicht nur die Monsters of Liedermaching, sondern jeder auch Musiker für sich.

Pensen: Für die Monsters ist auf jeden Fall am wichtigsten, dass wir uns gut verstehen. Sonst ist alles egal. Die Leute – ja, es kommen ja immer mal so ein paar mehr, aber wenn man sich gut versteht, kann man auch die andere Richtung wieder ein bisschen mitmachen. Hauptsache, dass wir gut klarkommen, dann ergibt sich der Rest von selber, das wollen die Menschen ja auch sehen. Zumindest hab ich das Gefühl.

Burger: Also, wenn man Lob oder Kritik über uns hört, dann kommt meistens irgendwann der Satz, dass man merkt, dass es uns Spaß macht. Dass da halt der Erfolg drin liegt. Daher ist das wertvollste, was wir haben, unser Miteinander. Wenn das nicht mehr ist, dann ist es schlecht.

Rüdi: Da ist alles gesagt.

K.-J.: Wir bedanken uns bei euch für dieses tolle Interview, es hat uns sehr viel Spaß gemacht!