Sasha in Wernesgrün
Auch in diesem Jahr folge ich dem schönen Brauch, mir selber ein Konzert zum Geburtstag zu schenken. Okay, letztes Jahr war es eine kleine, dreitägige Boppin’ B-Tour – und dieses Jahr ist meine Wahl auf ein Sasha-Konzert gefallen. In Wernesgrün, im tiefsten Sachsen, einer Region, in der ich vorher noch niemals war.
Gespannt starteten Petra und ich am frühen Samstagmorgen – erstes Ziel war der Wohnort von Uta, einer lieben Freundin, die ich quasi durch meine Berichte bei den Konzert-Junkies kennen lernen durfte. So führte uns unser Weg in traumhafter Kulisse im östlichen Harz an Brocken und Wernigerode vorbei…schnell Uta eingesammelt und weiter ging es. Die Fahrt verlief sehr gut, nur wenige Staus, sommerliche Temperaturen…durch Sachsen-Anhalt und Thüringen kamen wir so also in Sachsen an. Von Zwickau waren noch 30 km über Land zu fahren. Und Utas Navigationsgerät (ich habe mich sehr gut mit der Dame unterhalten, die mir da die Anweisungen gab:-) führte uns über wildromantische Straßen durch kleinste Ortschaften, an herrlichen Plätscherbächen vorbei, Serpentinen rauf- und runterfahrend, tiefe Wälder durchquerend die gesamte Strecke über einspurige Straßen. Zum Glück gab’s da auch überhaupt keinen Gegenverkehr, ich hätte nicht gewusst, wie man das hätte händeln sollen.
Unglaublicherweise kamen wir dann doch tatsächlich in Wernesgrün an. Dort war die deutschlandweit bekannte Brauerei Wernesgrüner Veranstalter des Konzerts. Im Innenhof des alten Gutshofs war eine große Bühne aufgebaut. Für uns war aber zu dieser Zeit am Eingangstor Schluss. Einlass sollte erst um 18 Uhr sein, also viel Zeit zum Begrüßen der bereits Anwesenden, sich frisch zu machen und auch noch entspannt im Gras zu sitzen. Nach 17 Uhr wurden zwei Schleusen hinter dem Tor aufgestellt, man versuchte, zwei ordentliche Reihen zu bilden, dies gelang nur bedingt. Die bereits lang Wartenden bekamen es hin, die gerade erst gekommenen sahen es nicht ein…okay, das übliche. Auch eine Mutter, die ihre Tochter dazu nutzen wollte, schneller hereinzukommen, war mal wieder dabei. Hat man ja auch immer wieder…dabei heulte das Mädchen schon beim Anstehen, wie sehr ihr die Beinchen wehtun würden. Unglaublich…
Von unserer Position bekamen wir auch den ganzen Soundcheck gut mit…die Band spielte verschiedene Songs – „Pride – in the name of love“ von U2, z. B. Oder auch „Word up“ von Kameo…siehe da, Sasha kannte den Text und sang…großes Kino:-) Als dann noch „Slowly“ zu Ende geprobt war, erkannten dann auch die hinter uns Stehenden endlich, wer da beim Soundcheck singt…der Star des Abends himself…irgendwie haben die wohl gedacht, da kommt ein Stimmdouble zum Soundcheck, oder was?
Beim pünktlichen Einlass hatte man es mit netten, kompetenten Security-Mitarbeitern zu tun, alles verlief zügig und ohne Hindernisse. Im Innenhof waren Getränke- und Imbissstände aufgebaut. Durch den Steg vor der Bühne war die erste Reihe extrem groß, so dass eigentlich alle, die etwas zeitig da waren, einen schönen Platz ganz vorn finden konnten. Es war auch kein Problem, nochmals die sanitären Anlagen aufzusuchen oder etwas zu trinken zu besorgen. Die Menschen, die dort auf dem Gutshof arbeiteten, waren durchweg freundlich und zuvorkommend.
Nun hieß es noch bis mindestens 20 Uhr warten, diese Zeit wurde verkürzt von Fotografinnen, die herumgingen und jeden, der es wünschte, ablichteten und die Sofortbilder kostenlos aushändigten. Eine sehr schöne Erinnerung, eine super Idee! Kurz nach 19.30 Uhr betrat ein Moderator von Radio RTL Sachsen die Bühne – er verteilte dann mit einem Kollegen große Papp- oder Kunststoff-Flyer, die auf sein Geheiß fächerartig gefaltet werden sollten…und dann sollte man damit auf die Hand klatschen, weil es ein lautes Geräusch geben würde. Ich fand das total albern und weigerte mich, da mitzumachen. Auch der Aufdruck auf diesen Karten gefiel mir nicht…ZUGABE stand auf einer Seite und man sollte sie dann zu passender Zeit hochhalten. Ja, großartig…davon haben die Musiker was hinter der Bühne, wenn alle ihre Pappen hochhalten, auf denen ZUGABE steht. Nee, da brüll ich lieber und glücklicherweise habe ich auch zwei Hände zum Klatschen;-)
Alle weit angereisten Fans waren da scheinbar meiner Meinung, denn niemand nahm diese seltsamen Hilfsmitten an. Naja, der Moderator verschwand dann auch wieder und unsere Geduld wurde auf eine weitere Probe gestellt, denn erst um 20.30 Uhr war es endlich soweit…Sasha wurde angesagt, der Bühnennebel begann zu wabern, die Band erschien und legte mit „Miracle Mile“ los und Herr Schmitz erschien. Blaukariertes Hemd, wohlrasiert, gut gelaunt. Nur reichte ihm auch heute der Applaus zum Anfang nicht aus, also noch mal zurück und erneut die Bühne gestürmt…Wernesgrün tobte und es konnte losgehen. Ein durch und durch energiegeladenes Konzert folgte. Sasha sang, sprang, lachte, hopste, erzählte – und wir genossen es einfach.
Er agierte häufig auch auf dem Steg, wir hatten ja wohlweißlich einen Platz in der linken Ecke des Steges ausgesucht, von wo man einen wunderbaren Blick überall hin hatte…
Eine Besucherin durfte auch heute seinen obligatorischen Tee probieren – ihr Gesicht, als er von der Eigen-Urin-Therapie berichete, war nicht wirklich verzückt – aber nicht ängstlich sein, ist nur Ingwer-Tee.
Für weitere Lacher sorgte auf jeden Fall ein Stofftier, das auf dem Steg lag – ich hab gar nicht gesehen, wann es geworfen wurde…Sasha wohl auch nicht. Er entdeckte es irgendwann, hob es auf, guckte es leicht entgeistert an und sagte wenig leidenschaftlich: Oh, eine Diddl-Maus…
Dann berichtete er, er hätte mal zwei Diddl-Mäuse in einen Sack gesteckt und ein Jahr später wieder in den Sack geschaut – da wäre er voll gewesen mit kleinen Mäusen…ja, auch Diddls wollen Spaß haben :-)
Einen weiteren Spaß machte er sich, als bei einem Song der Steg voller Bühnennebel war…The Fog, - Nebel des Grauens…er spielte auf diesen Klassiker-Horrorfilm an, drehte sich erst um, als wenn er zur Bühne gehen wollte, aber stürmte schnell zurück, um die erste Reihe vor dem Steg mit einem lauten BUH zu erschrecken.
Wir lachten wirklich Tränen über diese Aktionen.
Musikalisch lief es natürlich auch fantastisch. Das Akustik-Set wurde auf dem Steg aufgebaut und ich kann nur sagen, den sensationellen Hüftschwung von Sasha bei „Chemical reaction“ von der Seite sehen zu können, war ein absolutes Highlight! Aber auch die anderen Songs kamen großartig beim Publikum an – bei „Owner of my heart“ wurde der Refrain laut mitgesungen und Sasha meinte, das wäre er doch gern. „Lucky day“ hatte hohen Wiedererkennungswert, das merkte man klar an den Reaktionen des Publikums. Radio RTL Sachsen hat den Song scheinbar auch fleißig gespielt.
Auch in Wernesgrün hieß es wieder viel zu schnell: Das letzte Lied, wir müssen gleich aufhören…dann sofort mit folgender Erklärung, dass ein enttäuschtes OOOOOH doch besser bei den Künstlern ankäme als irgendein Gegröhle…und als hätte man es abgesprochen, klappte es beim zweiten Versuch auch viel besser. Glücklicherweise erklärte Sasha auch noch schnell die Sache mit der Zugabe-Ruferei. So kamen die Leute nach dem letzten Song „Turn it into something special“ auch gar nicht darauf, einfach ihre seltsamen ZUGABE-Schilder hochzuhalten. Die allermeisten hatten sich ja auch während des Konzerts schnell dazu entschieden, mit den Händen zu klatschen anstelle mit ihren albernen Fächern.
Da das Publikum wirklich tobte, kamen die Musiker natürlich wieder auf die Bühne und legten noch einen nach. „Lonely“ war wie immer wunderschön – und Sasha besuchte während des Songs wieder das Publikum, schüttelte Hände etc. Immer wieder eine sehr sympathische Aktion, die viele Menschen sehr froh macht.
Doch dann war es soweit…mit „Good-Bye“ wurde endgültig der letzte Song angestimmt, wir sangen noch einmal frenetisch mit, beklatschten die wunderbare Sasha-Band und den Sänger natürlich auch. Und dann war auch schon wieder alles vorbei, es war kurz nach 22 Uhr. Was uns sehr froh stimmte, war die folgende Musik vom CD – auch dort erklangen Songs von Sasha…eine wirklich gute Idee, denn viele Besucher blieben noch ein wenig, ließen es sich an den Ständen schmecken und unterhielten sich angeregt. Wir auch…aber da wir noch einige km bis Uta, die uns freundlicherweise beherbergte, vor uns hatten und die Musik dann irgendwann auf Modern Talking wechselte, verließen wir beschwingt und gutgelaunt die wunderschöne Location. Hier hat die Wernesgrüner Brauerei wirklich ein großartiges Festival veranstaltet, das rundum gelungen war.
Die Rückfahrt gestaltete sich dann leider als etwas schwierig. Keinesfalls wollte ich wieder die kleinen Sträßchen zurückfahren in der Dunkelheit – aber es gab auch Bundesstraßen, man musste das Navigationsgerät nur überzeugen, auch mal den Weg anzuzeigen. Wir stärkten uns noch beim Burger King in Zwickau, setzen dann unsere Fahrt fort…kaum verließen wir Sachsen, setzten schwerste Regenfälle ein, die das Fahren sehr erschwerten. Es ging nur langsam voran, die Sicht war total eingeschränkt, selbst Busse und Autos mit Wohnwagen überholten mich, aber Aquaplaning ist nicht lustig. Der Regen wollte auch überhaupt nicht weniger werden, so dass wir erst um halb vier Uhr bei Uta landeten…puh.
Zum Glück herrschte ja den ganzen Tag über perfektes Wetter, so dass man diese Unwetter in der Nacht auch einfach in Kauf nehmen konnte.
Vielen Dank, liebe BiBi, dass du dir selbst so ein großartiges Geburtstagsgeschenk gemacht hast – fast 1100 km gefahren und soviel Spaß mit so vielen lieben Menschen gehabt – ist das Leben nicht wundervoll?
- BiBi -
Zu den Fotos von Sasha
