Sasha in Schwetzingen (Schlosspark)

Samstag, 18. August 2007 - Robert

Schwetzingen – das liegt in unmittelbarer Nähe zum schönen Heidelberg – und
ist somit eigentlich überhaupt nicht meine Baustelle. Aber nach meinem
letzten Sasha-Konzert in Wernesgrün war die (Sehn-)Sucht dann doch so groß,
dass ich entschied, die weite Reise nach Baden-Württemberg anzutreten. Sehr
zur Freude von Petra, die nun nicht als einziges Nordlicht gen Süden pilgern musste. Eine
Übernachtungsmöglichkeit war auch vorhanden dank Kerstin…und um das alles
etwas stressfreier und ohne Zeitdruck zu absolvieren, ging es bereits am
Vortag nach Feierabend los Richtung Hessen. Nach ca. fünfstündiger Fahrt und
einigen kleinen Staus landeten wir kurz nach 22 Uhr dann bei Kerstin,
machten uns noch einen lustigen Abend und zogen uns dann nicht zu spät in
unsere diversen Betten zurück…die Abfahrt am nächsten Morgen war schon für
10 Uhr verabredet und der Schlaf sollte auch nicht zu kurz kommen.

Drei gut organisierte Frauen schafften es dann am Samstag auch, relativ
pünktlich loszukommen. Nach etwas über einer Stunde trafen wir dann im
schönen Schwetzingen ein. Die Frage des Tages lautete aber: Wo, um Himmels
willen, wird der Einlass zum Festival-Gelände sein. Das Gelände selbst
befand sich im weitläufigen Park des Schwetzinger Schlosses. Wo also
anstellen? Da es noch sehr zeitig war, fuhren wir erst mal eine Runde um den Park.
Kerstin hatte sich im Vorfeld telefonisch erkundigt und die Auskunft
bekommen, es gäbe einen Haupteingang und einen Parkeingang zum
Schlossgarten. Da wir aber nicht wirklich schlauer nach unseren Erkundungen
waren, wurde das Auto in Nähe des Haupteingangs geparkt und wir tigerten in
Richtung Schloss.

Im Kassenhaus bekamen wir dann auf einem Lageplan gezeigt, wo sich die Bühne überhaupt
befindet und dass es zwei Stunden vor dem regulären Einlass auch möglich
wäre, kostenlos den Schlosspark zu betreten – bis dahin aber sollten wir pro
Person vier Euro Eintritt zahlen. Okay, da wir uns immer noch nicht sicher
waren, wie es nun weitergeht, zahlte erstmal nur Kerstin und machte sich
auf, die Bühne zu suchen – Petra und ich warteten auf ihren telefonischen
Bericht. Sie fand auch den Eingang zum Festivalgelände zügig, erfuhr dort
von bereits eingetroffenen Fans noch weitere Einzelheiten bzgl.
Parkmöglichkeiten und entschloss sich, das Auto in Nähe des so genannten
Parkeingangs abzustellen. Weil es a) kostenlos war und wir nicht alle vier
Stunden ein weiteres Parkticket lösen mussten und b) der Weg nach dem
Konzert zum Auto sehr viel kürzer wäre.

Also machte ich mich auf den langen Weg durch den Schlossgarten Richtung
Konzertgelände, Petra und Kerstin starteten die Umparkaktion und irgendwann
waren wir dann wieder am Einlass vereint.

Diesmal ging es dort komfortabel zu, denn für die Abendkasse standen bereits
zwei Tische und zwei Bänke unter einem Zeltdach bereit – ideal für Leute,
die noch sehr lange warten müssen…So mussten wir nicht in der Sonne braten,
sondern konnten es uns richtig gut gehen lassen. Trickreich waren auch so
einige Fans, die nicht den weiten Weg durch den Schlosspark zum
Festivalgelände liefen, sondern sich an das Drehkreuz des nahe gelegenen
Parkeinganges stellten. Hinein ging es dort eigentlich nur für Besitzer
einer Schlosspark-Dauerkarte – die konnten dann das Drehkreuz ungehindert
passieren. Aber viele dieser Karteninhaber waren so nett und ließen dann
auch die Fans mit hinein.

Bis ca. 14 Uhr war auch das Festivalgelände noch problemlos durch das
schmiedeeiserne Tor zu betreten. Von hinten vorbei an der Sitztribüne gingen
wir zur Bühne vor, schon mal die Lage checken, ein wenig beim Aufbau
zuschauen, die auf dem Gelände stehenden Dixie-Toiletten besuchen…aber wie
es so ist, wenn immer mehr und mehr Leute da rein- und rausgehen, wurde uns
der der Zugang alsbald durch die Security verwehrt.

Einlass sollte um 18 Uhr sein, bisher war die Anzahl der Fans noch überschaubar…aber dann wurde gegen 16.30 Uhr der Parkeingang für alle geöffnet und viele Leute strömten hinein. Wir hatten zwischenzeitlich eine ordentliche Zweier-Reihe gebildet, so dass alle Neuankommenden sich brav hinten anstellten und es keinen Stress gab.

Auch die längste Wartezeit geht einmal vorbei, und so hieß es schon kurz vor
18 Uhr: Doors Open…das gestaltete sich als relativ problemlos – nur sollte
ich die Taschen, die ich dabei hatte, durchsuchen lassen.
Selbstverständlich, kein Problem – eigentlich…aber von zwei Ordnern, die mir
die Anweisung gaben, mich durchchecken zu lassen, fühlte sich dann keiner
dazu berufen, diesen Job auch zu übernehmen…ich stand ein paar Sekunden
trottelig da und bin dann einfach losmarschiert – wer nicht will, der hat
schon. So waren auch sämtliche Getränkepäckchen, die eigentlich streng
verboten waren, unentdeckt geblieben. Sehr gut, denn die Getränkepreise auf
dem Gelände hatten es in sich. 3 Euro plus 1 Euro Pfand für eine Flasche
Tafelwasser ist schon heftig, finde ich!

Nach dem Freuen über den tollen Platz in der ersten Reihe ging dann die
nächste Phase des Wartens los…noch mal zwei Stunden aushalten…boh, wat
langweilig. Kerstin und mir fiel der größte Blödsinn ein. So wurde schon mal
das Menü für unseren anschließenden Besuch bei Burger King festgelegt oder
wir sinnierten, wie lange jemand, der an der Halsschlagader verletzt wäre,
wohl noch durchhält…eieiei;-)

Ja, und dann – man mag es immer nicht glauben – sollte es endlich losgehen.
Die Musiker der Support-Band „Candycream“ betraten die Bühne...freute man
sich zuerst noch darüber, war’s schon bei den ersten Klängen wieder vorbei
mit der Freude…die Bässe knallten dermaßen heftig, dass es einem im Magen
wummerte, in den Ohren schmerzte. Meine Haare vibrierten – so hab ich das
noch nicht erlebt. Ich bin da nämlich eigentlich relativ schmerzfrei, ich
mag knallende Bässe und bin auch nicht so sehr geräuschempfindlich – aber
das war viel zu viel. Auch wenn es aus berufenen Kreisen ja immerzu heißt,
der Sound wird nicht für die erste Reihe abgemischt, war uns allen klar,
dass hier was nicht stimmte.

Ich suchte verzweifelt meine Ohrstöpsel, ohne in den Tiefen meiner Tasche
fündig zu werden. Mist, wenn man die Teile mal braucht. Leider konnte ich
mich daher erst mal nicht auf die Band konzentrieren, aber von der Sängerin
war eh wenig zu hören. Soul für Deine Seele – das war das Motto der Band –
nun ja, leider nicht mit diesem Boxen-Sound. Im Laufe der Darbietung wurde
es aber etwas erträglicher. Und ab dem dritten Song konnte ich dann auch
etwas mitfeiern…Ähnlichkeiten mit Joy Denalane, deren Musik ich schätze,
ließen sich hier meiner Meinung nach nicht verleugnen. Drei Bläser, Drum,
Keyboard, Gitarre und Bass formten den funkig-souligen Sound, deutschsprachige Texte gab’s
von der Sängerin dazu…wobei sie mir ein wenig farblos vorkam – sicherlich
war auch sie nicht glücklich mit dem Sound. Die Background-Sängerin hingegen
kam sehr sympathisch rüber, machte Party, hielt Augenkontakt mit dem
Publikum. Sowas kommt gut an!

Der Auftritt von Candycream dauerte auch nur 30 Minuten, dann entschwand die
Frankfurter Band von der Bühne und die Umbauarbeiten starteten…es war 20.20
Uhr…ich hatte Hoffnung, dass Sasha schon vor 21 Uhr beginnen konnte…nachdem
wir von Sashas supernetten Backliner noch mit Wasserflaschen versorgt
wurden, waren wir auch absolut bereit, zu starten.

Die Musiker der Sasha-Band scheinbar auch, denn tatsächlich vor 21 Uhr betraten sie die
Bühne und legten los mit dem Intro von „Miracle mile“. Da wussten wir: Auch
bei Sasha wird’s soundtechnisch sehr anstrengend.
Er selbst stürmte auf die Bühne, der Anfangsapplaus reichte ihm nicht, er
teilte dies wohl auch dem Publikum mit, wovon aber die meisten sicher nichts
verstanden haben – die Stimme war viel zu leise. Trotzdem gab es beim zweiten
Erscheinen doch einen lauteren Applaus und dann legte Sasha sich auch
richtig ins Zeug.
Gutgelaunt, eigentlich völlig außer Rand und Band, ging es durch das
Programm. „This is my time“, das mich immer wieder flashende, rockige „Let
me be the one“…die Publikums-Chöre bei “Rooftop” waren schon hörenswert.
Überhaupt sah der Platz vor der Bühne gut gefüllt aus, auch hinten auf der
Tribüne waren viele Plätze besetzt.

Das Sasha auf der Bühne immer ausserordentlich aktiv ist, ist ja hinreichend
bekannt…aber dermaßen quirlig und herumwuselnd hab ich ihn auch schon lang
nicht mehr erlebt. Man kann sagen, er gab alles, machte den schlechten Sound
absolut wieder wett. Er sprang meterhoch – und das mehr als einmal. Was für
ein Energiebündel. So eine Action reißt natürlich auch das Publikum mit und
wir feierten einfach alle eine große Party.

Das Akustik-Set mit „Coming home“, „Chemical reaction“, „Owner of my heart“
und „Lucky day / I’m still waitin’” war eine reguläre Wohltat für unsere
Ohren.

Das darauf folgende “Slowly” dann aber leider nicht mehr. Obwohl ich den
Basslauf sonst wahnsinnig gut finde, war es diesmal kein Geschenk…Aber auch
das machte Sashas großartige Stimme wett. Daher ging es ohne Zaudern weiter
– „We can leave the world“ war der nächste Programmpunkt.
„Here she comes again“ kann eh nicht laut genug sein, alles hüpfte und
sprang.

Doch schon wieder war man Ende des Programms angekommen. Sasha
kündigte den letzten Song an – und lautstark wurde protestiert mit Pfiffen,
Buh-Rufen etc…ein gefundenes Fressen für ihn, verriet er doch gern einmal
mehr, dass Musiker sich viel mehr gebauchpinselt fühlen, wenn ein lautes
„oooooooh“ ertönt anstelle des Gegröhles oder Gemotzes. Und dass durchaus
die Möglichkeit einer Zugabe besteht, wenn man im Anschluss nur laut und
ausdauernd genug danach verlangt.

Aber nun gab das Publikum bei „Turn it into something special“ noch mal
alles…die Mitsing-Chöre beim „NaNaNaNa“ waren wirklich bombastisch laut.
Danach stürmte Sasha mit seinen Musikern von der Bühne – und die Zugabe-Rufe
erklangen sofort. Erst etwas unkoordiniert, doch dann alle gleichzeitig und
laut. Dieser Aufforderung zum Weitermachen wurde natürlich Folge geleistet,
unter Jubel kehrten die Jungs zurück…“Lonely“ stand auf dem Programm. Und
hier war Sashas Stimme dann einfach total laut und noch großartiger als
überhaupt schon zu hören. *rrrrrrr* Er fand auch beim Instrumentalteil
wieder den Weg in den Bühnengraben, schüttelte Hände etc.

Eine hinter mir stehenden Frau wurde leicht hysterisch…sie versuchte
verzweifelt, Visitenkarten von sich auf die Bühne zu werfen – gelang nicht
wirklich…nun sah sie wohl ihre Chance, wenn Sasha vorbei kommt…aber das ging
alles zu schnell, da kam sie nicht zum Zuge…also warf sie weiter
Visitenkarten – seltsames Gehabe *lach*.

Auch flogen einige Kuscheltierchen auf die Bühne…als Sasha es bemerkte, hob
er eins auf, guckte sich das ganze etwas irritiert an und fragte, ob nicht
noch jemand eine Diddl-Maus hätte. Ich musste so lachen…beim Konzert in
Wernesgrün hatte er ja eine bekommen und war alles andere als begeistert –
dieser Vorfall war ihm wohl noch gut im Gedächtnis…naja, 35 Jahre alt sein und
immer noch Plüschzeug auf die Bühne geschmissen zu bekommen ist ja wirklich
etwas seltsam!

Aber nun war es schon wieder Zeit, unsere Taschentücher zu schwingen. „Good
bye“, der endgültig letzte Programmpunkt, war an der Reihe. Noch einmal sangen wir
aus voller Kehle mit, dann hieß es Abschied nehmen…Bandverbeugung fiel auch
aus, um Punkt 22.30 Uhr stürmten alle winkend von der Bühne…das war’s.

Wir hielten uns auch nicht mehr lang auf dem Gelände auf…die Preise an den
Verpflegungsständen luden nicht dazu ein, oft besuchte Dixie-Klos ebenfalls nicht…und wir
hatten uns ja auch schon einen Burger King an der Autobahnauffahrt
ausgesucht, bei dem wir einen schönen Tag ausklingen ließen.

Eigentlich Wahnsinn, ich war von Freitagnachmittag bis Sonntagnachmittag
unterwegs, habe fast 1200 km zurückgelegt – für ein 1,5 stündiges Konzert –
und wisst ihr was? Ich würde es wieder machen, denn es war einfach nur
super! :-)

- BiBi -

Und hier geht’s zu den Fotos von Sasha
sowie
Candycream