Sasha und Boppin' B in Haibach (1. Hawisch Open-Air)

Sonntag, 30. September 2007 - Robert

Nach zwei großartigen Konzerttagen bei uns im Norden war es nun mal wieder an der Zeit, das Köfferchen zu packen und gen Süden zu reisen. Mein Konzerthighligt des Jahres stand bevor. Boppin’ B UND Sasha auf einem Event, in Haibach (Aschaffenburg) – da ist es auch vollkommen egal, das das 500 km von mir entfernt ist – und wenn’s in Timbuktu stattgefunden hätte, ich wäre dabei gewesen!

Um den Stress etwas zu mindern, verzichtete ich auf ein weiteres Konzert im Norden am Samstag und reiste bereits mit einer Freundin zu unserer gemeinsamen Freundin in Hessen, bei der wir für ein paar Tage logieren durften.
Am Sonntagvormittag ging’s dann nach Haibach, direkt bei Aschaffenburg gelegen. Unterwegs auf der 50 km langen Fahrt fing es an zu nieseln – nee, Augen fest zugekniffen (ich durfte das, ich bin nicht gefahren ;-) und ignoriert – sehe ich den Regen nicht, ist er auch nicht da. Immerhin ist Open Air angesagt, da braucht man Nässe von oben überhaupt nicht.
Und kaum kommen wir am Festivalgelände (das kleine Sportstadion des Ortes) an, kommt auch die Sonne hervor. So ist fein – wir können unser Glück nicht fassen, stehen mit anderen Fans vor dem Einlass in der Sonne und verplaudern die Zeit. Zur Bühne vor dürfen wir nach Ansagen des Personals mal um 15 Uhr, mal um 15.30 Uhr - nun, wir werden sehen.

Da ich wegen Boppin’ B schon häufiger in Aschaffenburg war, bin ich gespannt, wen ich denn so kennen werde von den Besuchern, Crew etc. Der erste Bekannte, der erscheint, ist der Hausfotograf von Boppin’ B, Björn. Ich freu mich sehr über ein Wiedersehen...Er ist natürlich zum arbeiten hier, fein, ich weiß die Qualität seiner Bilder zu schätzen.
Er ist es dann auch, der einem Journalisten des Main-Echos erzählt, dass ich aus Norddeutschland angereist bin. Solche verrückten Aktionen sind ja bei der Presse beliebt und schon finde ich mich im Interview wieder. Björn schießt dazu die Bilder und ich finde es einfach nur super. Ich mach das zwar auch nicht zum ersten Mal, aber mit Fotoshooting dazu, das ist schon neu.
Das ganze Festival läuft unter dem Motto: Sports meets Music – ich muss aber gestehen, vom Sport, der auf einem benachbarten Platz stattfindet, habe ich überhaupt nichts mitbekommen. Die Neugierde war nicht groß genug, um dort mal vorbei zu schauen.

Was absolut komisch anmutet bei diesem Festival, sind die vielen Menschen jeglichen Alters, die mit Crew-Pässen um den Hals hängend immerzu rein und raus laufen. Was sollen diese Menschen da alles um Himmels willen arbeiten? Es ist ein einziges Gewusel, wir haben uns an den drei Einlassschleusen aufgestellt, aber man steht irgendwie immer im Weg und stellt sich besser an den Rand.
Richtig irre wird es dann kurz nach 15 Uhr. Security erscheint und weist uns an, nun alle mal 10 m zurückzugehen. Wie bitte? Wir stehen doch an den Schleusen, warum zurückgehen? Wie so häufig bei seltsamen Aktionen gibt es keine Erklärung, nur Anweisungen. Also rücken alle zurück...dann werden vier Mülltonnen aufgestellt, wir stellen uns dann eben dort wieder halbwegs ordentlich in Reihen auf. Nun aber die nächste Anweisung: Frauen nach links, Männer nach rechts...aha...aber sonst geht’s gut oder was? Fünf einsame Herren bleiben auf der rechten Seite, der Rest der Anwesenden muss sich dicht gedrängt links aufstellen. Wo der Sinn ist, ist nicht einsichtig, denn es gibt mehr als eine weibliche Mitarbeiterin bei den Securitys für den Bodycheck.
Dann die Durchsage, dass Essen und Getränke auf keinen Fall mit aufs Gelände genommen werden dürfen. Okay, vorher war die Rede davon, dass ein Getränk okay ist, davon will nun niemand mehr was wissen. Kann man nicht ändern, Flaschen werden in die aufgestellten Mülltonnen geworfen...dann noch länger warten, um 16 Uhr dann endlich Beginn des Einlasses. Hier nehmen sie es genau. Hätte man sich denken können, als man sah, dass das Ordnungspersonal Latexhandschuhe überzieht. ;-) Ich habe die Taschen meiner Freundinnen dabei, damit sie schneller nach vorn an die Bühne können. Jede Tasche mache ich brav auf und lasse sie kontrollieren – und dann wird man komplett abgeklopft und abgetastet...eieiei. Aber durch diese Maßnahmen dauert der Einlass dementsprechend lang, ich kann gemütlich zur Bühne vor, wo meine Mädels schon einen schönen Platz gesichert haben. Hier ist alles total relaxt, der Rasen vor der Bühne ist mit einer Folie geschützt (oder soll die Folie uns vor der Nässe der letzten Tage schützen?), die Leute setzen sich und genießen die Sonne. Es ist Zeit für einen Besuch der Dixie-Klos, für eine Runde Pommes essen, für das Begrüßen von später ankommenden Bekannten etc.
So vergeht die Zeit bis zum ersten Music-Act auch sehr schnell. Starten werden heute Phonodrive – ich habe die Band bereits vor zwei Jahren auf dem Aschaffenburger Stadtfest gesehen und die Frontfrau Corinna auch beim Fasching-Event „YEAH“ im Colos-Saal gern gesehen.

Die rockigen Klänge der Rodgauer Band machen Spaß und Corinna hat eine super Ausstrahlung. Stillstehen ist nicht so ihrs, sie rennt und hopst und röhrt...Leider ist es zu diesem Zeitpunkt auf dem Gelände noch ziemlich leer...von den 2000 Leuten, die sich im Vorverkauf ihr Ticket gesichert haben, fehlen noch ein großer Teil. Aber trotzdem bekommen Phonodrive warmen Applaus. Die Musiker von Boppin’ B haben sich auch am Bühnenrand versammelt und feiern den Auftritt ihrer Kollegen richtig ab. Mit dem Song „This is for the music“ verabschiedet sich Phonodrive dann vom Publikum.

Eine kleine Umbaupause folgt und ein Moderator kommt auf die Bühne und kündigt großmundig den nächsten Act an, Captain Overdrive, eine Funk-Formation – ohne Gesang...das ist für mich als bekennender Fan vom Gesang schon mal gaaaanz, gaaaanz schlecht. Und daher verliere ich über diese Band auch nicht viele Worte. Das war einfach nicht meins, ich weiß nicht, warum man diese Leute für so ein Festival gebucht hat. Die Posaune, die anstelle des Gesangs erklang, machte eher agressiv als fröhlich. Für mich war es tatsächlich eine rechte Qual, diese mir ewig erscheinenden Songs, bei denen ich keine Unterschiede erkennen konnte, durchzustehen – aber irgendwann war auch das geschafft.

Boh, wie schön...nun endlich mein erstes wahres Highlight – meine heissgeliebten Rock’n’Roller. Die Umbaupause dauert etwas länger, da immerhin ein komplett neues Set aufgebaut werden muss. Aber so kommen alle in den Genuss eines schönen Soundchecks. Und gleich danach legen sie los, die Aschaffenburger Lokalmatadoren. Der Platz vor der Bühne ist inzwischen sehr viel besser gefüllt, aber noch ist Platz zum Tanzen. Gestartet wird mit „Army of Rock’n’Roll“, es folgte „The only way“ – die Bandhymne „Scheisskapelle“ fehlt hier in der Heimat natürlich nicht...die Leute wissen hier schließlich auch ohne Erklärung, was man auf die Frage: „Do you feel allright“ zu antworten hat :-)

Da der Auftritt ja zeitlich auf 75 Minuten begrenzt war, wird diesmal auch nicht so viel rumgeflaxt wie in den vergangenen Tagen. „Bop won’t stop“ gehört genauso ins Programm, wie „Jump jive and wail“, „Those were the days“, „How low will you go“, “Ridin’ on a bullet” oder “King of Bongo”. Sehr schön war wie immer meine Lieblingsballade “Hold on”, diesmal dann noch mit der Background-Unterstützung der lieben Fries-Brüder Andy und Franz-Josef. Das neue, mir inzwischen schon extrem ans Herz gewachsene „On the radio“ macht mich noch ein bisschen glücklicher als ich überhaupt schon bin.
Auf der Bühne wurde fleißig mitgefilmt – eine Filmcrew turnt um die Musiker herum – man darf gespannt sein, wann man das Material sehen kann.
Die einzigen Sasha-Cover, die gespielt werden, sind „Chemical reaction“ sowie natürlich „If you believe“ – das darf auch auf keinen Fall fehlen, ich würde es sehr schmerzlich vermissen!
Leider ist die begrenzte Zeit viel, viel zu schnell vorbei...und „Bye-Bye“, das ich irgendwie schon länger nicht mehr live hatte, bildet den Abschluss. Ich stehe scheinbar als einziger Boppin’B-Hardcore-Fan vorn in der ersten Reihe und winkte wie gewohnt :-) – das ist inzwischen so in Fleisch und Blut übergegangen, ich kann beim Refrain meinen Arm einfach nicht unten behalten.
Glücklicherweise lässt sich das Haibacher Publikum nicht so schnell abspeisen – lautstark wird aus allen Ecken ZUGABE gerufen – und hurra, die Jungs kommen zurück auf die Bühne...sie bringen auch noch das neue „Radio Day“ zu Gehör.

Doch nun ist ihr Auftritt endgültig beendet und unter Jubel verlassen sie die Bühne. Schnell geht der Abbau vonstatten, die Instrumente für das Sasha-Set werden vorgezogen und richtig platziert. Noch einmal betritt der Moderator die Bühne und sagt den Headliner des Abends an. Und was sich schon in der Umbaupause angedeutet hat, wird jetzt leider schlimmer...ein Gedrängel und Geschiebe, der Platz wird immer weniger. Meine Bekannten hinter mir haben richtig mit üblen Kiddies zu kämpfen, vielleicht gerade im Teenager-Alter, vielleicht aber auch noch darunter. Sie verlangen lautstark, dass wir Erwachsenen zu verschwinden hätten, sie würden nach vorn wollen und könnten nichts sehen. Das wird ihnen natürlich verwehrt, an einem Sonntag hätten auch sie zeitig anstehen können. Die sind aber dermaßen übel drauf, pöbeln, schubsen, schimpfen unflätig und randalieren fast. Der Oberknaller ist ihr Spruch: Da haben wir uns nun überall durchgedrängelt, um vorn zu stehen und hier lassen die uns einfach nicht durch. – Ja, so gemein kann das Leben sein.

Doch dann ist es endlich soweit – unter halb lautem Jubeln betreten die Musiker der Sasha-Band das Set – und der Maestro folgt auf dem Fuße, aber auch heute ist es ihm der Empfang nicht frenetisch genug und er wiederholt seinen Auftritt…dann kann es los gehen. Glücklicherweise verschwinden die maulenden Kiddies bereits beim ersten Song „Miracle mile“ und in der Beziehung kehrt Ruhe ein. Trotzdem wird’s immer enger, von links und rechts wird geschoben, so das kaum noch Platz zum Tanzen ist. Na ja, dann eben nur mit den Armen gewedelt und ordentlich mitgesungen.
Ziemlich schnell denke ich, dass heute irgendwie nicht alles so genial ist wie sonst bei Sasha-Auftritten. Natürlich macht er eine gute Show, natürlich sind die Songs super, aber irgendwas fehlt. Ob es Sasha nicht gut geht, ob er einfach nur auch mal einen Tag hat, wo er nicht soo viel Lust auf Bühne hat – ich weiß es nicht…ich denke auch, vielleicht bin ich einfach noch zu geflasht von Boppin’ B, so dass ich Sasha nicht richtig geniessen kann.
Er macht seine Show gut, und wer ihn das erste Mal sieht, wird auch keinen Unterschied bemerken…aber als Fan, der doch häufiger dabei ist, bemerkt man den kleinen Unterschied dann wohl doch.
Nach dem Konzert, dass etwas über 90 Minuten dauert und die gewohnte Songreihenfolge beinhaltet, tauschen wir Fans uns dann aus – und sind fast einstimmig der Meinung, diesmal ist der Funke nicht so übergesprungen wie sonst. Erwähnenswert vielleicht auch, dass ich das Licht diesmal sehr sehr schlecht fand. Normalerweise bin ich von der Lightshow bei den Sasha-Konzerten immer ganz begeistert, diesmal dachte ich bei den ersten Songs, die Lichtanlage wäre kaputt, man hätte eigentlich nur Arbeitsscheinwerfer an. Fotografieren war äußerst schwierig.
Im Akustik-Set bat Sasha dann auch darum, doch jetzt noch mal ein Foto zu machen – und dann alle Handys und Kameras wegzupacken, um gemeinsam zu feiern. Dieser Aufforderung bin ich natürlich sofort nachgekommen. Das war aber auch irgendwie ein Novum, so eine Bitte habe ich von Sasha bisher noch nicht gehört.

Um 22 Uhr endete dann Sashas Auftritt und ein ansonsten wirklich schöner Tag. Ich habe noch die Möglichkeit gehabt, mit Didi, dem Bassisten von Boppin’ B ein wenig zu plaudern, er hatte sich Sashas Auftritt auch im Zuschauerraum angeschaut. Dann verabschiedeten wir uns nach und nach und trotteten zum Auto, um in Haibach noch schnell einen Besuch beim Burger King zu absolvieren…aber Müdigkeit machte sich breit, der Tag war lang und anstrengend, so viele Stunden ununterbrochen stehen forderten seinen Tribut – und ich war froh, als ich nach Mitternacht im Bett lag und am nächsten Tag erst mal ein Off-Day anstand. Einen Tag ausruhen, bis es am Dienstag dann zum nächsten Sasha-Gig nach Weilburg geht ;-)

- BiBi -

Und hier geht’s zu den Fotos aus Haibach von Boppin’ B und Sasha sowie von Phonodrive und Captain Overdrive