Monsters of Liedermaching in Hamburg (Fabrik)
Endlich wieder monstern – und das direkt zum Tourstart der Monsters of Liedermaching in der altehrwürdigen Hamburger „Fabrik“. Ich kannte diese Location noch nicht, war aber sehr, sehr gespannt, wurde doch immer berichtet, wie cool es dort ist.
Aber erst einmal musste nach einigen wenigen Stunden Schlaf (schließlich war ich mit Micha schon am Donnerstag in Hamburg) der Arbeitstag überstanden sein. Etwas früher freigenommen, nach Hause gefahren, wo Micha ihren Tag verbracht hatte, umziehen und wieder los. Autobahn voll, aber Verkehr lief flüssig. Kein Stau vor dem Elbtunnel, hurra. Auf einem Freitag auch nicht gerade selbstverständlich. Und die Fabrik selber war ohne Probleme gefunden, kein orientierungsloses Herumirren in der großen Stadt. Dank der Beschreibung auf der Homepage wusste ich von einem Parkhaus, das wir auch zügig fanden. So waren wir um 18.01 Uhr angekommen:-)
Vor dem Eingang der Fabrik standen reichlich Leute herum, so was macht mich ja bekanntermaßen nervös. Wieso stehen die da? Was wollen die? Wo kommen die her? Schon alles Konzertbesucher? Nö, irgendeine Aktion, keine Ahnung, was, aber hat nichts mit dem musikalischen Abend zu tun. In der Hoffnung, dass man irgendwo eine Toilette in der Fabrik aufsuchen kann, sind wir mal ins Foyer gegangen, da die Eingangstür offen war. Aber weiter trauten wir uns auch nicht. Da gerade der Soundcheck begann, lauschten wir nun verzückt und vergaßen kurzfristig den Wunsch, auf Toilette zu gehen. Aber nicht sehr lang, wurde es langsam doch sehr dringend. Wir einigten uns auf eine Kneipe, in der wir dann die ersten Gäste des Abends zu sein schienen. Wir machten es uns noch auf eine Cola gemütlich, dann ging es wieder zurück. Inzwischen sehr viel weniger Leute vor dem Eingang, aber immer noch keine Fans. Die Tür zwischenzeitlich verschlossen. Die People trollten sich dann auch bald davon und die ersten Konzertbesucher erschienen. Wir stellten uns mal vorsichtshalber direkt vor die Tür, man weiß ja nie, wer diesen Job sonst übernimmt ;-)
Etwas Unmut kam auf, als es 19.30 Uhr wird und sich nichts im Club tut. Ich finde das nicht verwunderlich, auf meinem Ticket steht ja auch: Einlass 20 Uhr – aber bei den meisten anderen ist da 19.30 Uhr verzeichnet. Sehr seltsam.
Pünktlich um 20 Uhr gehen dann auch die Türen auf. Totte steht drinnen und filmt die einströmenden Massen mit. Wir waren sehr gespannt, hatten wir doch im Vorfeld spekuliert, wie es mit einer Bestuhlung sein wird. Und im Club sehen wir dann, es stehen ein paar Reihen Stühle vor der Bühne. Irgendwie werden da einige uns nachfolgende Fans etwas panisch und fangen an zu rennen, um sich ja die besten Plätze zu sichern – ja, sind wir hier denn beim Sasha-Konzert? Sowas bin ich eigentlich nur da gewohnt. Aber wir lassen uns da nicht irritieren, sichern uns einen Spitzenplatz auf der linken Bühnenseite und freuen uns erstmal kräftig drüber. Dann langsam umschauen in der Location…oh, wirklich schön hier, Eine riesige Galerie im ersten Stock, Publikum kann dort sicher auch gut auf die Bühne sehen. Links und rechts etwas abseits noch Sitztribünen, dort möchte ich aber nicht sitzen. Da kann man doch gar nichts mehr sehen, wenn der Laden voll ist und die Leute vor einem stehen. Und…der Laden wird voll…Hatten wir im Vorfeld noch etwas Angst, dass die Fabrik womöglich doch ein klitzeskleines bisschen zu groß ist, wurden wir eines besseren belehrt…es wurde proppevoll (hinterher erfuhren wir, das annähnernd 1000 Leutchen da waren – das größte Club-Monsters-Konzert ever). Problem dabei: Vor unserer ersten Stuhlreihe war noch reichlich Platz bis zur Bühne…und mir war auch schnell klar, dass sich da sicherlich Leute hinstellen würden – dann hätten wir keinen Spaß mehr…aber so nicht mit uns. Dafür bin ich ein zu alter Konzert-Hase, als dass ich mich da austricksen lasse…also alle Stühle, die auf unserer Seite standen (waren eh nur vier) ordentlich nach vorn verschoben. So haben wir zwar dicht vor der Bühne gesessen, aber es konnte sich niemand mehr davor aufbauen. Die andere Seite der ersten Reihe (neben mir war eine Lücke für einen Durchgang) hatte nicht so viel Glück, bzw. kam zu spät, denn da hatten sich schon einige Typen breit gemacht, die – sagen wir mal so – sich als sehr anstrengend entpuppten. Sie waren zuerst der Meinung, sie bleiben mal gleich auf der Bühne sitzen, aber da wurde natürlich lautstark protestiert, so dass sie sich gezwungen sahen, sich hinzuknien bzw. hocken. Aber da sie immer wieder aufsprangen, mit Bier rumschütteten, Leute voll aschten, war es nicht gerade lustig mit diesen volltrunkenen Fans. So ist das leider…fünf Minuten vor Beginn kommen und auf die besten Plätze bestehen – notfalls unter Einsatz der Ellenbogen.
Ich war soo soo soo gespannt, was der Abend uns an musikalischen Highlights bieten würde und endlich, endlich ging es dann auch los. Auf die Uhr hab ich nicht wirklich mehr geschaut…war es pünktlich 21 Uhr oder später? Keine Ahnung und auch egal. Die Musiker betraten unter großen Applaus die Bühne und Fred legte los mit „Zu meiner Band“, schon mal ein großer Wunsch von uns, den Song endlich wieder live zu hören.
Rüdi forderte dann auf „Trink mit mir“, dem kamen wir doch gern nach. Sogleich erzählte Totte uns märchenhaftes über „Zwerge“. Schon jetzt war klar, das wird hier eine Schau, der Saal tobte und kochte, die Monsters strahlten, die Luft war zum Schneiden. Aber das gehört wohl dazu.
Und auch jetzt schon wurde klar: Die Geräuschkulisse des Publikums ist sehr anstrengend. Es gab da eine Gruppe Fans, die haben tatsächlich scheinbar den Eintritt ausschließlich für einen einzigen Song bezahlt, denn sie gröhlten lautstark von Anfang bis Ende des Konzerts „Türen“. Keine Äußerung der Monsters, der Song würde sicherlich später noch kommen, ließ sie verstummen. Fred greift zur Gitarre, sie gröhlen „Türen“…Hallo? Türen ist Tottes Song und wird dann jetzt sicherlich nicht kommen. So war das in jeder Situation, während fast jedem Song…Türen, Türen, Türen. Das ist sehr schade, weil es irgendwann einfach nur noch nervt und auch für mich als geduldigen Menschen unerträglich wird (besonders schlimm, als die Typen sich nach der Pause an uns vorbeidrängten und sich auch noch vor die rechte Stuhlreihe hockten und somit direkt neben mir ihr Türen-Gegröhle abließen).
Aber musikalisch ging das Feuerwerk weiter…“Biene Berta“ von Frische Mische, Rüdis „Montag“, Burger singt das vielgeliebte „Hartz 4“…Fred überraschte dann mit einem neuen alten Song von ihm „Französische Kleinstadt“ – super:-) Totte kam mit seinem Punk-Protestsong „Als der Staat gewann“ daher…dann Ansage von Pensen zu einem Song, wenn man denn gerade jemanden kennen gelernt hat, auch wenn sie nicht wie eine französische Kleinstadt aussieht sondern eher wie Hameln…und wir sollten doch nun mal auf alles, was gefragt wird, mit einem lautstarken NEIN antworten. Er testete das gleich an, der Saal brüllte NEIN…klasse, klappt. Seid ihr nun bereit für den Song, fragt Pensen? Der Saal brüllt NEIN…die Musiker rutschen vor Lachen fast von den Stühlen. So kann das passieren:-)
Aber nun folgt „Blasenschwäche“ von Frische Mische, da kommt das NEIN immer wieder zum Einsatz.
Nächster ist Burger, er möchte auch einen sonst nicht gespielten Song aus seinem reichhaltigen Repertoire dazu steuern. „Der Fisch“ von seinem Soloalbum. Cool. Seine Frage: Seid ihr bereit für einen Unterwasser-Chor? wird natürlich mit lautem NEIN beantwortet…*lach* - so kann das gehen.
Aber die anderen Monsters machen den Chor dann trotzdem. Einen Schluck Wasser nehmen und schön ins Mikro gurgeln. Der eine oder andere verschluckt sich zwar regelmäßig *zu Fred zwinker*, aber macht gar nichts, das war eine gute Aktion!
Fischig geht es weiter mit Tottes „Walgesängen“ (ja ja, ich weiß auch, dass ein Wal kein Fisch ist), das Publikum imitiert hervorragend eine sterbende Walherde.
„Halt die Schnauze“ von Labörnski und Pensen folgt, „Durchschnitt“ von Fred, der Mitsingpart ist auch hier überwältigend laut. Rüdi kredenzt uns einen neuen Song „Sehnsucht im ICE“ – wie geil! Angelas Merkel Wellensittich fehlt natürlich auch nicht, das Publikum singt fast allein.
Das erste Set wird beendet mit „Interesse ist gut“…dann streben die Monsters gen Backstage-Räumlichkeiten und wir haben auch etwas Gröhlpause. Micha und ich fühlen uns jetzt schon etwas heiser. So geschrieen haben wir beide wohl schon lang nicht mehr, einfach der helle Wahnsinn. Dann die völlig verräucherte Bude, das tut schon etwas in den Lungen weh. Micha kämpft sich tapfer durch die Menschenmassen auf Toilette und zum Tresen, Getränkenachschub holen.
Obwohl unsere Stuhlreihe nun dicht vor der Bühne steht, drängeln sich ständig Leute davor vorbei, es ist wohl überall kein Vorbeikommen mehr. So was hatte ich wirklich nicht erwartet. Wahnsinn.
Dann geht’s weiter mit dem zweiten Set, eröffnet von Fred mit „Ich mag mich“. Sind wir gerade beim Thema Essen, steuert Totte „Döner“ bei. Nun kommt einer meiner Herzenswünsche, „Das schmiedeeiserne Schlachtgebet“ von den FriMis. So genial. Ebenso Rüdis „Weltklassemelodie“. Burger entschuldigt sich bei der Ansage zu seinem nächsten Song…“Sexkranker Ex-Punker“ und da er doch gerade wieder Vater geworden ist, somit also auch zwei Kinder hat, ist die zweite Strophe des Songs etwas unpassend..*gg* - Wurscht, der Begeisterung des Publikums tut das keinen Abbruch, sie singen extrem laut mit.
Dann eine neue Überraschung – ein Song, der uns allen aus der Seele spricht…Totte singt über Mücken und das ist ein echtes Highlight, was für ein großartiger Song, ich lache Tränen und verstehe seinen Hass auf diese Plagegeister nur zu gut.
Frische Mische schlägt danach vor: „Sprich mal mit dir selber“ und Rüdi, der zurzeit scheinbar besonders kreativ ist, hat einen weiteren neuen Song auf Lager. Er erzählt, dass er den vorher kurz im Backstage-Bereich den Kollegen vorgespielt hat, aber er wäre eigentlich noch nicht fertig. Nur sehen die Kollegen das anders, daher gibt es nun die Uraufführung vor Publikum…Den genauen Titel kenn ich nicht, ich nenn ihn mal „Selten dämlich“, denn Rüdi beschreibt jemanden, der bei einer Quizshow die richtige Antwort nicht wusste und daher als selten dämlicher Looser da steht :-)
Und nun wird es etwas ruhiger…zumindest musikalisch, denn beim Publikum herrscht da keine Gnade, da wird gesabbelt und gegröhlt, das es ein Grausen ist. Ich finde so was sehr respektlos und schade, aber ist schon klar…das ist der Tribut, den man zollt, wenn man in größeren Locations ist. Mit 200 Leuten passiert das nicht so arg. Zu unserer großen Freude erzählt Fred uns musikalisch von seiner „Nr. 2“, Frische Mische kommt mit einem neuen Song namens „Dauertrauer“ daher und dann kommt Burgers fantastischer „Blues“ – boh, Gänsehaut-Feeling lässt grüßen. Die Gesänge des Publikums sind enorm und verstummen auch nicht, als der Song beendet ist und Rüdi schon zur Gitarre gegriffen hat. Burger muss noch mal ran und es gibt tosenden Applaus. *rrrrr*
Aber nun Konzentration für Rüdis „Betroffenheitssongwettbewerb“. Wunderkerzen sprühen wirklich wieder, immer ein schöner Anblick. Totte ist mehr nach alkoholischen Drinks, daher singt er seine Hymne „Caipirinha“. Burger verkündet, dass er ein „Weichei“ ist, Fred erzählt von der „Schönheitschirurgie“…und dann kommt zwar einer meiner allerliebsten Monsters-Songs, der aber auch immer ein bisschen das Ende einläutet…“Ich muss weg“ – seufz.
Die Monsters-Gesänge des Publikums werden natürlich sofort angestimmt. Trotz stark angeschlagener Stimme machen Micha und ich lautstark mit. Mit Erfolg, natürlich kommen die sechs wieder zurück auf die Bühne. Burger startet mit „Tod in der Nordsee“ und Fred legt mutig nach mit „Trotzdem HSV“. Kommt bei vielen Pauli-Fans aber nicht so furchtbar gut an, hab ich das Gefühl, ich finde es einfach nur lustig! Und nun endlich, endlich befreit Totte uns von dem Dauergegröhle einiger Verrückter und singt von seinem Hobby „Türen“.
Da es inzwischen nach Mitternacht ist und es zwei Geburtstagskinder im Publikum gibt, lassen die Männer sich nicht lumpen und gratulieren mit ihrem Geburtstagssong dem Ole und dem Alex. Wir prosten natürlich lautstark mit.
Rüdi berichtet dann von seiner Abneigung gegen den „Winterschlussverkauf im KaDeWe“ und Pensen und Börnski bieten erneut ihre geniale Wortakrobatik mit „Dralle Dinks“ dar.
Nun werden von den Monsters kleine Leuchstäbchen ins Publikum geworfen…sie sollen überall verteilt werden, dann wird das Licht gedimmt und Burger kommt mit seinem „Frösche“-Song daher. Wir schwingen die Leuchtstäbchen, ein toller Anblick, ließ sich nur leider nicht wirklich fotografieren. Zeitgleich fliegen auch jede Menge Haribo-Gummifrösche auf die Bühne.
Als das Licht wieder an ist, stellt Fred fest, dass jemand in den offenen Gitarrenkoffer an seiner Seite 1 Euro geworfen hat. Was dazu führt, dass weiteres Kleingeld auf die Bühne gepfeffert wird *gg* - wer muss da noch in Fußgängerzonen aufspielen, klappt doch auch so!
Aber leider ist nun auch dieser erste Zugabeteil vorbei und wir stimmen die Monsters-Chöre an, damit es weitergeht. Geht’s auch bald, mit einem musikalischen Gast, Katze Klose. Er singt zusammen mit Pensen…wie heißt der Song? Weiß ich nicht genau, ich nenn ihn mal „Gehirn“, weil das das am meisten gesungene Wort ist. Nicht so mein Ding, dieses Lied, aber muss ja auch nicht.
Fred stimmt danach schon „Marzipan“ kurz an, aber Rüdi kommt dazwischen. Er hat noch einen neuen Song, den seine Kollegen noch nicht kennen würden. „Genau da“ – auch ein tolles Ding…wow! Erzählt die Geschichte, dass man ja ausgerechnet da, wo ein Freund dringend Hilfe brauchen würde zum Umziehen und ähnliches, gar keine Zeit hat.
Aber nun gibt’s dann doch „Marzipan“, wie immer mit Totte als Zahnarzthelferin, kuschelnd mit Zahnarzt Burger. Der ist dann auch gleich danach dran mit „SuSuSu“. Totte legt mit „4 Meter“ nach.
Dann aber auch schon „Morgens um acht“ vom Fred…so schön, aber auch wieder ein Abschluss-Lied. Nach vielen Verbeugungen und riesigem Applaus gehen die Musiker erneut von der Bühne. Doch das feiersüchtige Publikum hat noch immer nicht die Nase voll und holt die Männer erneut zurück. Es ist glücklicherweise noch Zeit für „Carola“ und „Algerien“, doch dann ist endgültig Schluss. Boh, wie geil war das denn?
Wir bleiben erst mal noch völlig überwältigt hocken, bis sich die Räumlichkeit etwas geleert hat, dann pilgern wir noch ein bisschen durch die Fabrik, schauen am Stand vorbei, gucken uns die Getränkebecher-Berge an, die zusammengefegt werden – und ziehen dann irgendwann nach 1 Uhr glücklich von dannen. Beide sind wir davon überzeugt, am nächsten Tag keinen Pieps mehr heraus zu bringen, die Kehle brennt und ist rau, die Stimme sehr angeschlagen…aber macht gar nix! Monstern gehen ist großartig.
Auf der Heimfahrt machen wir noch einen ausführlichen Zwischenstop beim Burger King, stärken uns und landen irgendwann nach halb vier in den heimischen Gefilden, wo noch ausführlich mitgefilmte Clips betrachtet werden und Fotos gesichtet. Beide sind wir froh, noch jeweils ein weiteres Monsters-Konzert im November besuchen zu können!
- BiBi -
