Boppin' B u. Danny & the Wonderbras in Kaiserslautern (Irish House)
Zu sagen, ich hätte einen Verwandtschaftsbesuch mit dem Besuch eines Konzerts kombiniert, wäre gelogen – es ist so, dass ich einen Konzertbesuch mit dem Verwandtschaftsbesuch verknüpft habe…whatever…seit Jahren wünsche ich mir sehnlichst, nach Kaiserslautern zum legendären Halloween-Konzert von Boppin’ B zu können. Dieses Jahr habe ich das langfristig geplant, dazu vier Tage Urlaub genommen, um noch in der schönen Pfalz bei meinem oberbayrischen Cousin und seiner pfälzerischen Frau einzukehren (das Sprachgewirr allein ist großartig). Also meine Mutter und Schwester mit ins Auto gepackt und am 30.10. entspannt nach Meckenheim/Vorderpfalz gefahren.
An Halloween starteten wir dann um 17 Uhr, leider sind wir dadurch schon total in die Dunkelheit gekommen. Für eine Fahrt durch die pfälzischen Berge nicht so ideal, aber trotz kurzer Verwirrung haben meine Schwester und ich ohne Verfahren den Weg zum Irish House in Kaiserslautern gefunden. Parkplätze direkt vor der Haustür, sehr gut. Ankunftszeit: 18.01 Uhr. Weitere Bekannte trafen direkt nach uns ein, wir sind dann gleich ins Irish House, wo die Kneipe schon geöffnet war. Dort verging die Zeit bis zum Einlass in den Konzertraum wie im Fluge bei kühlen Getränken und lustigen Gesprächen.
Der Konzertsaal vom Irish House ist ein sehr hoher Raum (früherer Bahnhof), oben gibt es noch im hinteren Bereich eine doppelstöckige Galerie, wohl auch mit Sitzplätzen…hätt ich es gewusst, hätte ich meine Mutter auch noch mitgeschleppt. :-) Ansonsten war das ganze Irish House sehr kultig für Halloween dekoriert, ein offener Sarg stand hochkant auf der Bühne. Einige Besucher tauchten auch in gruselig anmutenden Verkleidungen auf, aber es waren nicht so viele, dass man sich als normal Gekleideter dumm vorkam.
Nicht nur, dass die Halloween-Konzert von Boppin’ B jedes Jahr etwas ganz besonderes sind und dort Songs zu Gehör kommen, die im normalen Repertoire nicht auftauchen, nein, auch die Vorband ist eine besondere. Danny and the Wonderbras – ein Rock’n’Roll-Trio aus der Pfalz. Viele begeisterte Berichte über Auftritte der jungen Musiker hatte ich bereits gehört und war dementsprechend sehr gespannt. Sehr sympathisch war, dass die drei die vor der Bühne anwesenden Fans persönlich begrüßten – die meisten kannten sich halt schon – und man auf diese Weise schon ein paar Worte wechseln konnte.
Dann war es auch endlich soweit und der musikalische Teil des Abends begann – Danny (Gesang und Gitarre), Caron (Kontrabass) und Tim (Schlagzeug) gingen auf die Bühne und legten los. Sie spielten ein kurzweiliges Set mit Songs wie Honey Hush, Blue days black nights, Why why why, When I go out, Danny Boy, Tainted love, Return to sender, Pretty baby, You, You’re my baby, Runaway, Beautiful brown eyes etc. Auch wenn Danny der Leadsänger ist, machten sich Caron und Tim bei dem einen oder anderen Song sehr gut am Mikrofon.
1 ¼ Stunden mit guten 50er-Jahre Rock’n’Roll vergingen wie im Fluge – normalerweise mag ich es nicht, wenn die Vorband länger als 45 Minuten spielt, hier war es absolut okay. Die Jungs haben eine gute Ausstrahlung und ich denke, sie machen ihren Weg! Und den gern auch mal gen Norden, gell? Ich kann leider nicht immer 600 km für ein Konzert fahren.
Eine Zugabe wurde selbstverständlich auch noch gefordert, Danny and the Wonderbras ließen sich nicht lange bitten und legten gleich noch nach mit Hey Joe und zu meiner absoluten Freude Great Balls of fire – als alter Dick Brave-Fan ist das für mich ja ein genialer Abschluss eines Konzerts.
Dann wurde flott umgebaut und ohne lange Wartezeit ging es mit dem Hauptprogramm weiter. Der Saal war spätestens jetzt knackevoll. Boppin’ B betrat die Bühne und allein der Anblick der Band war klasse. Didi im Karo-Hemd, Thomas im feinen Zwirn, Franky als Farmer mit Strohhut und Latzhose und Golo in Rüschenhemd – als Lord Scheisse, wie wir schon in den ersten Ansagen erfahren durften. :-)
Aber reden war heute Abend nicht Hauptprogrammpunkt, denn hier wurde Musik gemacht, zack zack, ein Stück nach dem anderen…Das erste Set begann mit Army of Rock’n’Roll, gefolgt von The only way und King of the Bongo. Dann schon die erste Überraschung: Volare. Lautstark war das Publikum involviert, der Saal bebte. Bop won’t stop, Mädcheninternat und Wild saxophone kamen ebenso gut an wie Pack die Badehose ein…hab mich sehr gefreut, diesen Song doch noch wieder zu hören, ich hatte schon befürchtet, in der kalten Jahreszeit müssten wir eher komplett drauf verzichten. Das nächste Stück, Time warp aus der Rocky Horror Picture Show ist auch einer der selten gespielten Lieder. Die letzen Songs des ersten Sets waren dann Chemical reaction, Hand in hand und Scheisskapelle.
Dann wurde uns auch schon eine erste Pause gegönnt, die Luft war zum Schneiden im Irish House. Super war, dass immer wieder eine Bedienung sich ihren Weg durch die Menge bahnte und Getränke brachte. Solch einen Luxus haben wir ja sonst nicht. So war fürs leibliche Wohl immer gesorgt.
Das zweite Set hatte es dann noch mehr in sich. Gestartet mit dem Madness-Klassiker One step beyond gings weiter mit dem großartigem When the saints goes RnR…aber auch If you believe durfte am heutigen Abend nicht fehlen oder Boulevard of broken dreams. Dann ein Live-Premiere für mich, ein Song vom kommenden Album: I can’t dance. Dicht angelehnt an den Elvis-Klassiker FEVER. Ein eher ruhiger Song, leider auch hier in Kaiserslautern das Problem, dass das Publikum einfach laut quatscht, wenn die Musik etwas leiser wird. Ich hoffe, ich kann das ganze noch mal in ruhigerer Atmosphäre hören.
Popstar hatte ich lang nicht mehr gehört, freute mich sehr drüber, doch dann eine weitere Premiere für mich, wenn auch ein uralter Song: Er gehört zu mir – gesungen von Farmer Franky. Wie herrlich:-) – und dann wurde ein ganz ganz großer Wunsch von mir erfüllt, wohl irgendwie einer der Hauptgründe, warum ich überhaupt nach Kaiserslautern wollte: Just a gigolo…hach – ich bin sprachlos (na ja, beinah;-) . Und konnte mich leider nicht zurückhalten und habe, wie ich es von all den vielen Dick Brave-Konzerten, auf denen ich war, gewohnt bin, an einer Stelle ein lautes SILLIBAP rausgebrüllt. Man möge mir verzeihen, das hab ich einfach zu verinnerlicht, um es zurückhalten zu können.
Das neue Radio day folgte, doch ich war wohl noch zu verstrahlt vom Gigolo, das ging etwas an mir vorbei. Aber beim letzten Song dieses Sets war ich wieder voll da: Sternenhimmel, auch schon sehr lang nicht mehr gehört.
Die nächste Pause hatten sich Band und Publikum verdient. Zum Rausgehen war es mir zu voll, also verharrte ich auch einfach vor der Bühne, wo sich zwischenzeitlich auch die Jungs von Danny and the Wonderbras zum Mitfeiern eingefunden hatten.
Das dritte Set startete dann sehr rockig mit Blitzkrieg Bop. Caledonia war wieder ein Song, den ich noch nie live gehört hatte…und dann kam das wunderschöne On the radio, das im nächsten Jahr als Single erscheinen wird. Ein Ohrwurm erster Klasse!
Roxettes The Look hatte ich von der Boppin Bande auch lang nicht mehr dargeboten bekommen, wieder ein Stück mit Mitsingfaktor fürs Publikum, das auch immer noch zahlreich vorhanden war, trotz vorgerückter Stunde.
Sh-Boom, Riding on a bullet, Boppin Bee folgten. Perfect gehörte auch zu den selten gespielten Songs. Und das folgende The Wanderer war dann wieder eine Premiere für mich, ebenso Buona sera – hach wie schön:-)
Damit war das Hauptprogramm beendet, aber ohne reichhaltige Zugaben ging hier natürlich gar nichts. Diese bestanden zum einen aus Wild life, Closes Shop (mit Golo an der Akustik-Gitarre) und dem durchgeknallten, aber sehr lustigen Café Oriental.
Der nächste Zugabenteil beinhaltete dann noch Why don’t you move your feet, Rockin’ rollin’ stone und den Elvis-Sahnestück Fools fall in love.
Den glorreichen Abschluss bildete dann das immer wieder wundervolle „Hold on“ – dann war ein weiteres Konzert geschafft. Ich war zwar total erledigt, aber auch glücklich, das erlebt zu haben.
Glücklicherweise wurde man auch nicht sofort aus dem Saal gefegt, wir konnten noch gepflegt zusammen hocken, ein Gläschen trinken und über den Abend quatschen. Gegen halb vier wollten die Mitarbeiter dann aber den Raum doch schließen und baten uns, doch in das Lokal zu wechseln. Ein legitimes Anliegen, wir nutzten es aber dann dazu, uns doch langsam auf den Heimweg zu machen. Um halb fünf landeten wir dann wohlbehalten in unserem Exil Meckenheim, wo wir noch einige sehr schöne, fröhliche Tage verbringen konnten.
Fazit: Pfalz, ich komm wieder – und Kaiserslautern, auch wenn du an und für sich eine hässliche Stadt bist, werde ich das Irish House sicherlich wieder besuchen – hoffentlich bereits 2008!
- BiBi -
Und hier geht’s zu den Fotos von Boppin’ B
und von Danny and the Wonderbras
