Sasha und Klaus Doldingers Passport in Leverkusen (Forum)

Donnerstag, 8. November 2007 - Robert

Mein vorerst letzter Konzerttermin mit Sasha steht heute an. Ein bisschen wehmütig bin ich schon, denn dieses Jahr war ich ja auf so einigen Konzerten des Neu-Hamburgers. Dass so gar kein weiterer Termin in Sicht ist, macht mich nicht glücklich – und auch ist der Grund meiner heutigen Fahrt nach Leverkusen etwas, was mich leicht beunruhigt. Ein Jazz-Festival – und Sasha tritt nicht mit seiner eigenen Band auf, sondern mit Klaus Doldingers Passport. Ein legendärer Name, ein Großer der Musik-Szene – mein Problem ist lediglich, dass ich dem Jazz nichts abgewinnen kann. Ich bin halt bekennender Pop/Rock/Rock’n’Roll-Fan.
Aber da es einfach spannend ist, Sasha auch in einem anderen Rahmen als dem gewohnten zu erleben, hatte ich mich natürlich schnell entschlossen, die 40 Euro für ein Ticket zu investieren.

Richtig ängstlich machte mich aber die Vorband – Re:Jazz – eine Formation, die als New-Jazz-Musiker angekündigt waren. New Jazz? Schlimmer geht’s für mich nimmer. Diese Musikart habe ich zweimal bisher live erlebt und war jedes Mal absolut entsetzt – genervt – gequält. Aber was tut und erträgt man nicht alles, um dann die Musiker zu erleben, die man wirklich liebt. Ich habe ja auch seinerzeit auf der Fahrt zum ersten Dick Brave-Konzert gesagt: Ich mach das mit, weil es Sasha ist…aber ich werde nie ein Rock’n’Roll-Fan werden – oh weia…was für ein Irrtum:-)

Gestartet bin ich am frühen Vormittag mit Petra, die Fahrt war ruhig und ereignislos, genau drei Stunden nach Abfahrt sind wir im Parkhaus des Forums in Leverkusen angekommen. Auto abgestellt, mit dem Fahrstuhl eine Etage hochgefahren…und da sitzen schon einige unserer lieben Freunde, die es zu begrüßen gilt. Die Wartezeit vergeht wirklich wie im Fluge, wir dürfen im Foyer des Forums bis fast 17 Uhr bleiben und machen es uns dort bequem. Da die Türen ins Forum selber dankenswerterweise aufgelassen werden, können wir dem Soundcheck lauschen – einerseits will ich es nicht, weil damit ja die Spannung beim Konzert selber weg ist – andererseits ist man ja doch sehr neugierig…und in die Kälte gehen, um dem Soundcheck zu entkommen, kommt auch nicht in Frage.
Nachdem ich noch mal zum Auto musste und zurückkehre, werde ich mit langen Gesichtern empfangen…jemand hat inzwischen mit einem der Veranstalter gesprochen…und bekam als Auskunft, dass Sasha lediglich für fünf Songs auf der Bühne steht.

Es macht sich ein wenig Unmut bei uns breit, denn diese Info hätte man gern im Vorfeld gehabt. Immerhin steht auf dem Ticket nicht: Klaus Doldingers Passport mit special guest Sasha, sondern Sasha und Klaus Doldingers Passport. Das hört sich für mich schon sehr gleichberechtigt an. Halt wie im Vorjahr Sasha und das Babelsberger Filmorchester…das war auch ein ganzes Sasha-Konzert mit lediglich zwei Instrumentalsongs.

Ich bin hin und her gerissen, ob ich es jetzt gut finde, diese Info bekommen zu haben oder nicht. Aber aller Trübsinn hilft jetzt auch nichts, wir sind nun mal alle da und es wird schon werden.
Gegen 17 Uhr bittet der Veranstalter uns dann, das Forum zu verlassen und hinter der Glastür auf Einlass, der um 18 Uhr stattfinden soll, zu warten. Kein Problem. Ganz raus in die Kälte müssen wir ja auch nicht, sondern stellen uns dann eben im Vorraum an. Da ist es auch nicht kalt, so dass Petra sogar noch unsere Jacken ins Auto bringen kann. Es kommen jetzt immer mehr Leute an, die Anstellerei klappt fast gut – einige Ausnahmen gibt’s immer, diesmal waren es aber keine Kinder, sondern im Gegenteil sehr viel ältere Leute, die meinen, dass man sich keinesfalls am Ende einer Schlange anstellen kann. Ist schon recht, die sehen nicht aus, als wenn sie scharf sind auf einen Platz in der ersten Reihe. Vielleicht müssen die dringend aufs Klo und wollen deshalb schnell rein, verkniffen genug sehen sie auf jeden Fall aus:-)

Um 18 Uhr dann der recht ruhige Einlass, keinerlei Durchsuchung. Ich hab mir etwas Sorgen wegen der Digicam gemacht, da überall Schilder hängen, dass Fotografieren etc. strengstens verboten ist und mit Hausverbot geahndet wird. Hauerha…Aber drin ist der Fotoapparat erst einmal, auch meine Getränke sind kein Problem (man muss sagen, dass in der sehr angenehmen Atmosphäre des Forums zwar Getränke- und Essensstände vorhanden waren, aber die Preise auch recht gesalzen sind).

Die Wartezeit bis zum Beginn der ersten Band Re:Jazz ist schnell vorbei, sie beginnt bereits um 18.30 Uhr. Ich bitte zu verzeihen, dass ich über diese Formation nicht viel schreiben kann, da es einfach nicht meine Musik ist, die gespielt wird. Es ist zwar nicht so arg, wie ich befürchtet hatte, da es eine Sängerin mit angenehmer Stimme gibt – schon ein großer Vorteil. Nur gibt mir die Musik eben nichts. Ich kann nur unterscheiden zwischen FURCHTBAR und GEHT NOCH SO. Bin ich ein Banause? Möglich, aber ich kann es nicht ändern. Beim Publikum kommt die Truppe aber gut an, es gibt reichlich Applaus, nur die geforderte Zugabe wird nicht gespielt. Eine Stunde fünfzehn Minuten sind vorüber, ich bin heilfroh, das schon mal überstanden zu haben. Was ist mir in Erinnerung geblieben? Lustigerweise der Name des Gitarristen: Jan Stürmer aus Aschaffenburg ;-) – und an den letzten Song kann ich mich erinnern, nicht, dass ich ihn gut fand, aber da hat einer auf einem Keramik-Vase rumgeklopft (so sah das zumindest für mich aus), das fand ich recht lustig.

Nun wird einmal komplett umgebaut…und die Spannung steigt. Ich werde noch vom Leverkusener Anzeiger interviewt. Der Journalist erscheint mit den Worten: Mir ist gesagt worden, Sie kommen aus Bremen und würden mir sicherlich etwas erzählen. Klar, mach ich doch gern. Er bittet mich dann noch, dass er mich nach dem Konzert ein weiteres Mal befragen darf. Auch das kein Problem…

Vor uns im Graben sind übrigens drei Fernsehkameras unterwegs. Bisher haben sie mich noch nicht sehr gestört, ich hoffe, dass das so bleibt. Auf der Bühne und auch hinten im Forum gibt es weitere Kameras…daher auch das vehemente Fotoverbot. Dies wird auch noch mal in der Ansage des Veranstalters für Klaus Doldingers Passport erwähnt. Er bittet eindringlich darum, auf keinen Fall mit Blitz zu fotografieren. Ja, den Gefallen kann ich ihm tun, Hauptsache, man darf überhaupt ein paar Bilder machen.
Was mich schon bei der Ansage stört, ist, dass Sasha mit keinem Wort erwähnt wird. Warum nicht? So unwichtig? Er ist ja nun schließlich kein Überraschungsgast.

Nun denn, die Musiker betreten die Bühne und legen los. Was soll ich sagen? Meine Geduld wird auf eine sehr große Probe gestellt. Hier fehlt nun jeglicher Gesang. Die Musiker an sich sind sicherlich absolute Spitzenklasse, der Sound im Forum ist großartig. So großartig, dass ich denke, es ist wie von einer CD…die Live-Atmosphäre fehlt mir dadurch. Klaus Doldinger, der ein großer Saxofonist ist, auch Flöte spielt, sagt die Songs an, ich hab sie mir aber nicht merken können. Es ist ein Querschnitt aus seiner langen Schaffenszeit. Marokko ist bei zwei Songs Thema, auch an leichte brasilianische Samba-Rhythmen kann ich mich erinnern.
Und auch hier macht es mich verrückt: Kein Wort über Sasha. Gut, der größte Teil des Publikums feiert die Jazzmusiker frenetisch, sie sind sicher nicht wegen Sasha hier, aber trotzdem könnte man ihn doch mal erwähnen.
Ich leide eigentlich ziemlich vor mich hin. Mein Fuß schmerzt sehr, ich trete ständig von einem Bein aufs andere. Sonst ist man am hopsen, tänzeln, hibbeln, wenn Musik kommt, die man mag…hier zuckt nichts in den Beinen…okay, dann doch, als Klaus Doldinger eines seiner bekanntesten Stücke ankündigt: das Thema zum Kinofilm „Das Boot“ – das gefällt mir auch sehr. Noch zwei, drei weitere Stücke finde ich sehr gut, sie haben schnelle Rhythmen und nicht zu endlose Instrumenten-Soli. Toll finde ich die ganzen Drums und Percussions, die sich auf der Bühne befinden.

Inzwischen bin ich heilfroh, dass wir vorab die Info bekommen haben, dass Sasha nur kurz auf der Bühne steht, denn sonst wäre ich wohl komplett durchgedreht. Das Konzert läuft seit Stunden, keinmal ist er auch nur erwähnt worden…wie hätte man das sonst gedeutet? Das er krank ist und gar nicht auftritt oder so?

Doch gegen 21.30 Uhr ist es dann endlich soweit. Klaus Doldinger kündigt Sasha mit warmen Worten an, nennt ihn den größten deutschen englischsprachigen Sänger seines Faches – und Sasha wird mit viel Applaus empfangen.

Er gesteht, dass er feuchte Hände hat und sehr nervös ist, aber er wird jetzt mal, auch wenn man es erwartet, keinen Jazz singen. Er startet mit einem Coversong von Bill Withers :Kissing my love“. Sasha versprüht eine irre gute Laune, sofort auf den Schlag tut mein Fuß nicht mehr weh, mir geht’s gut, ich fühle mich wohl, ich will nicht mehr nach Hause. Er singt, er lacht, er strahlt, er performt…alles ist gut! Diesen Song habe ich bisher einmal von ihm live gehört, beim legendären Keller-Konzert in Dortmund im September 2003.
Zweiter Song ist „Another Day“ von Buckshot LeFonque. Ich freu mich halb kaputt, diesen Song hab ich einmal von ihm Anfang 2003 im Konzerthaus in Karlsruhe live gehört. Gefühlvoll und großartig. Dann ein Lied aus seinem eigenen Repertoire…eine weitere Version von „If you believe“ – ich weiß nicht, die wievielte, aber mir läuft die Gänsehaut. So gefühlvoll habe ich dieses Lied noch nie gehört. Da kann man nur mitschmachten:-)

Stück Nr. 4 ist dann “Love rears up its ugly head”, ein Cover von der Crossover-Band Living Colour. Auch dieses Lied habe ich bereits beim Keller-Konzert von ihm gehört, gehört nicht zu meinen liebsten Liedern, aber er bringt es großartig rüber. Es ist auch schön zu sehen, wie verzückt er zuschaut, wenn Klaus Doldinger ein Sax-Solo spielt…

„Rooftop“ folgt als letztes, er fordert auf zum Mitklatschen, „auch wenn man das sonst hier nicht so macht“…beim Mitsing-Teil hab ich aber dann doch das Gefühl, dass es nur die erste Reihe ist, die mitmacht.

Doch dann ist auch schon alles vorbei. Der Applaus ist groß, Klaus Doldinger stellt seine Band noch mal einzeln vor, alle stehen vorn und verbeugen sich. Der Saal tobt sehr, schön, dass Sasha so gut beim Jazz-Publikum angekommen ist.

Nun gehen alle von der Bühne…aber die Zugabe-Rufe setzen natürlich sofort ein, die Musiker kommen wieder…man versucht auch, Sasha noch zu bewegen, zurück auf die Bühne zu kommen, aber er weigert sich leider. Wahrscheinlich, weil nur fünf Songs geprobt waren. Uns wäre es ja egal gewesen, wenn eins wiederholt worden wäre, aber ihm wahrscheinlich nicht. Nun gut, die Zugabe besteht dann noch aus zwei Stücken vom Doldinger. Das Tatort-Thema gefällt mir sehr gut, den zweiten Song kann ich aber kaum noch ertragen. Da aber ja immer noch die Hoffnung da ist, dass Sasha doch noch mal auf die Bühne kommen könnte, gehen wir auch nicht einfach…dann wieder Verabschiedung der Musiker…aber das Publikum gibt einfach keine Ruhe…boh, aufhören mit dem Getobe…nee, hilft nix, die Musiker kommen noch mal zurück…ein letztes Stück, ich kann es kaum noch aushalten, ich will weg. Der Fuß tut natürlich längst wieder weh, ich bin kaputt und müde und hungrig und genervt und…und…und…aber dann ist doch endlich alles vorbei, schlagartig leert sich der Saal. Huch, das geht dann ja schnell. Der Reporter kommt wie versprochen, ich erzähle ihm von meinen Eindrücken über das Festival im Allgemeinen und Sasha im Speziellen und dann tigern wir auch Richtung Ausgang. Dort gibt es einen Stand, wo CDs der Musiker verkauft werden. Auch von Sasha gab es da das Greatest Hits-Album – die einfache Version – und die CDs sind alle weg…ausverkauft, wie es scheint. Ich muss lachen, ich stelle mir vor, die Besucher dieses Konzerts sind begeistert von seinem Auftritt, der fantastisch war – und hören dann die Singles der vergangenen 10 Jahre…also, das bringt auf jeden Fall nicht im Geringsten diese Live-Atmosphäre rüber. Man hätte vielleicht besser die Greatest Hits-Version mit der DVD des Konzerts mit dem Babelsberger Filmorchester verkaufen sollen.

Wir halten uns nun auch nicht mehr lange auf, streben dem Parkhaus entgegen, kurze Verabschiedung und ab in die verschiedenen Autos. Petra und ich fahren noch etwas futtern beim Burger King in Unna und dann im überwiegend strömenden Regen und Sturmböen gen Norden. Gegen 3 Uhr morgens bin ich total geschafft zu Hause und ziehe Bilanz:

650 km gefahren, teure Eintrittskarte, zwei Tage Urlaub für 25 Minuten Sasha…Junge, da siehst du mal, was du uns alles wert bist ;-)

- BiBi -

Zu den Fotos aus Leverkusen

TV-Termin des Konzerts: 08.01.2008 – WDR sowie 02.02.2008 – 3Sat