Monsters of Liedermaching in Braunschweig (Brunsviga)

Sonntag, 18. November 2007 - Robert

Aufgewacht und erschrocken auf die Uhr geschaut – huch, schon fast halb elf…ich bin in Förste im Harz, habe am Abend davor ein großartiges Konzert von Boppin’ B erlebt, die Aftershow-Party wurde etwas später. Bis man dann so einschlummert…na ja, eigentlich wollten wir in unserem Übernachtungsdomizil so um 10 Uhr frühstücken, um den lieben Menschen hier nicht zu lange auf den Wecker zu gehen, aber dafür ist es nun zu spät. Also aus dem Bett gekrochen, meine Freundin Uta ist auch gerade aufgestanden – wieder gesellschaftstauglich machen und an den einladenden Frühstückstisch gesetzt.
Gegen 12 Uhr machen wir uns dann auf den Weg nach Braunschweig. Ich hatte gelesen, dass dem Veranstaltungsort Brunsviga eine Cafeteria angeschlossen ist, die sonntags von 10 bis 24 Uhr geöffnet hätte. Fein, dann wissen wir wenigstens, wo wir unseren Tag verbringen können.

Da wir ja aus unterschiedlichen Richtungen kommen und jeder nach dem Konzert wieder heimfährt, müssen wir leider getrennt nach Braunschweig fahren. Meine Freundin nutzt die Gelegenheit, um ihre in der Nähe lebende Schwester kurz zu besuchen, ich fahr schon mal zum Club. In der Cafeteria erfahre ich dann, dass die hier von 14.30 Uhr bis 17 Uhr schließen werden. Hm…also müssen wir unsere Zeit dann doch anderweitig verbringen. Als Uta eintrudelt, entscheiden wir, zu Mc Cafe zu fahren und verwöhnen uns dort mit Hot Chocolate, Kuchen und Obstsalat. Voll und lärmig ist es dort, aber wir haben soviel zu quatschen, dass uns das nicht weiter stört. Um 17 Uhr dann wieder zur Brunsviga, Parkplatz gefunden und erst mal umgeschaut, wo denn der Einlass zum Veranstaltungssaal ist…Ah, da. Wir hocken uns an den nächstgelegenen Tisch, gucken mal in die Speisekarte und beschließen, noch eine Kleinigkeit zu futtern…schnell ist die Entscheidung für gebackenen Schafskäse mit Knoblauchbrot und Salatbeilage gefallen. Geht auch alles schnell mit dem Essen, sehr lecker und gut angerichtet.

Zwischenzeitlich wird der Soundcheck im Saal gemacht, das eine oder andere Monsters-Member wird begrüßt…und die Vorfreude steigt weiter. Leider ist dies ja schon das Abschlusskonzert ihrer Herbsttour 2007. Aber ich freu mich, dabei zu sein – und bin natürlich sehr gespannt, wie es meiner Freundin gefallen wird. Hat schon mal jemand versucht, zu erklären, was die Monsters so machen…das in Worte zu fassen, ist so schwer. Mir ist es noch nicht gelungen, ich hab ihr einfach gesagt: Die sind super und absolut lustig und ich bin sicher, dir gefällt’s, wir haben schließlich den gleichen Humor! Also hat sie sich auf das Experiment eingelassen.

Nachdem immer mehr Menschen in die Cafeteria kommen und ich immer kribbeliger werde, beschließen wir, unseren Tisch zu räumen und uns mal direkt vor die Saaltür zu stellen. Gute Idee…denn sofort machen es uns viele nach und wir tauschen uns alle erst mal fröhlich aus. Kurz nach 19.30 Uhr dann endlich Doors open. Ich hab die freie Auswahl…klar, erste Reihe, muss eh sein – so vor Pensen und Burger mag ich heute sitzen. Irgendwie füllt es sich rasend schnell…ich geh noch mal in die Cafeteria, um ein alkfreies Bier zu holen – und da stehen immer noch so viele Menschen draußen…wow, wo wollen die noch alle hin? Erinnerungen an das Fabrik-Konzert in Hamburg werden wach, wo die Leute versucht haben, sich auf die Bühne zu setzen, vor der ersten Reihe zu stehen etc. Aber nix. Hier in Braunschweig läuft das alles sehr geregelt und zivilisiert – und auch das sonst oft vertretene rüde Publikum fehlt hier. Liegt es daran, dass Sonntag ist und man am Montag doch früh raus muss? Hehe…na gut, ich nicht, ich hab Urlaub:-) – auf jeden Fall viel weniger Betrunkene als sonst so…sehr gut.

Schwer fällt mir die Vorstellung, ein rauchfreies Konzert der Monsters zu erleben. Zu den Kerlen gehört die Zigarette doch nun mal genauso wie das Bier, oder? Okay, ich hab die Qualmerei vor 14 Jahren aufgegeben und freu mich natürlich über rauchfreie Konzerte – aber Monsters of Liedermaching und Zigaretten gehören irgendwie zusammen.

Aber vorab gibt es noch eine Überraschung. Fred kommt auf die Bühne und sagt an, dass Kollegen aus Hannover jetzt mal den Anfang machen – die Wohnraumhelden. Oh…ich hab viel von ihnen gehört, aber noch keine Songs. Ich bin sehr gespannt und amüsiere mich dann wie Bolle…zwei lässige Typen kommen auf die Bühne und singen von Helden, die sie ja nun mal sind, wie toll es ist, reich zu sein und wie schlimm, wenn man dann wieder arm wird…davon, dass Frauen nur Beine, Arsch und Titten zu bieten haben und ähnlich interessanten Dingen. Sie werden mit ordentlich Applaus bedacht und sind ein verdammt guter Opener gewesen, wie ich finde.

Aber nun dauert es auch nicht mehr lang und die Monsters kommen auf die Bühne. Passend zum Wochentag eröffnet Rüdi mit seinem Song „Sonntag“ – für mich gleich mal eine Premiere, den hatte ich auch noch nicht live erlebt. Fred legt nach mit „Zu meiner Band“, immer wieder supergern gehört. Tottes „Caipirina“ macht Durst und ich bin froh, ein Bierchen in der Hand zu haben, wenn es auch ein falsches ist *gg*. „Montag“ und „Biene Berta“ kann man sicher schon zu den Klassikern im Monsters-Programm zählen. Ich sehe auch voller Freude, dass meine Freundin sich köstlich amüsiert...ein Glück :-)

Ansonsten fällt mir einfach auf, dass es hier extrem ruhig von der Publikumsseite zugeht…schon zu Beginn keine Monsters-Chöre…hab ich noch gar nicht erlebt. Auch kaum Mitsingen…was ist los? Da sind Leute dabei, die schon sehr viel mehr Konzerte erlebt haben als ich – aber ich hab auch heute das Gefühl, dass ich da allein mitsinge und brülle. Dabei hab ich mir meine Stimme doch schon am Vortag bei Boppin’ B fast ruiniert – okay, da ist nicht viel zu ruinieren…aber ich bin eben schon etwas heiser. Macht aber nix, bei Burgers „Hartz 4“ oder Tottes „Als der Staat gewann“ gröhle ich mit, komme was da wolle.
Neuere Sachen im Programm wie Freds „Französische Kleinstadt“, Burgers „Der Fisch“ oder Rüdis „Vis-a-vis-Bereich im ICE“ wechseln sich ab mit schon länger bekannten Sachen wie Frische Misches „Halt die Schnauze“, Rüdis „Winterschlussverkauf im KaDeWe“ oder Freds „Durchschnitt“.
Ich freue mich, heute auch mal wieder Tottes „Häschen-Song“ zu hören – die Live-Performance von Labörnski ist die Schau dabei. Er hoppelte über die Bühne und wird dann doch von Fred dahingemeuchelt. Armer Hase ;-)

Der Frische Mische-Song „Blasenschwäche“ sorgte wieder für Lachsalven. Das erste Set ging dann zu Ende mit Interesse ist gut und auch hier war mir der Mitmachfaktor der Leute etwas gering.
In der Pause sinnierte ich drüber, ob ich nun besser finde, wenn es ein irres Publikums-Feedback wie in Hamburg gibt, wo aber dann natürlich auch viele blöde Zwischenrufe nerven und die ruhigen Songs kaputt gequatscht werden…oder ob es mir lieber ist, so ein leises Publikum wie in Braunschweig zu haben. Leute, mit denen ich mich austausche, halten dies aber alles für völlig normal bei einem Sitzkonzert…oha, da war ich dann wohl meist doch auf anderen Konzerten, oder wie?

Meine Freundin hat die Pause mal gleich dazu genutzt, sich eine Monsters-CD zuzulegen. Gute Entscheidung. Mein Plan ist aufgegangen, ich habe sie angefixt :-)
Dann geht’s aber weiter in der Brunsviga. Set Nr. 2 beginnt mit Freds „Ich mag mich“ und Tottes „Döner“. Ein Glück, dass wir vorher etwas gegessen haben, spätestens bei dem Song knurrt sonst immer der Magen ;-)
Auch heute wird zu meiner großen Freude das „Schmiedeeiserne Schlachtgebet“ gespielt, Börnski, dessen Stimme nach 12 Tagen Dauertour und grassierender Band-Erkältung (außer Fred hat’s alle nach und nach erwischt) leicht angegriffen ist, gibt alles – und gewinnt…großes Kino!

Rüdis „Weltklassemelodie“ folgt Burgers Ansage zum „Sexkranken Ex-Punker“ Seine Eltern sind heute im Saal, wir sollen also keine bösen Worte benutzen…aber er fordert uns auf, doch Yo Motherfucker zu rufen, seine Mama kann kein Englisch…alles klar :-) – auch folgt seine Entschuldigung für die 2. Strophe des Songs, immerhin ist er ja nun zweifacher Vater, aber ein bisschen Punkrock hat er noch in sich…und berichtet, dass er, als die Tour begann, den Roller seiner Tochter plattgefahren hätte…na, wenn das kein Punkrock ist, dann weiß ich auch nicht…

Tottes „Mofo-Mücken“ begeistert auch in Braunschweig das Publikum und ich habe sowieso das Gefühl, die Leute werden hier langsam wach…es wird doch alles sehr viel lebendiger. Zu einem Frische Mische-Song starten die Monsters erst mal mit deinem Dudelsack-Intro – natürlich ohne Dudelsäcke…und die FriMis erzählen musikalisch davon, dass ihre Scheide Hunger hat. Okay:-) Rüdi outet sich gleich drauf als Klugscheisser, der die Quizfragen in TV-Shows ohne Probleme beantworten könnte. Dann erzählt Fred die Geschichte von den feisten Maden in seinem vergessenen „Zwiebelmett“ – spätestens jetzt ist richtig Stimmung. Aber…nun soll die ruhige Viertelstunde anfangen – und es wird grandios…wirklich ruhig und bis auf einen dödeligen Zwischenrufer ein Genuss. „Dauertrauer“ von Pensen und Labörnski, einen neuen Song von Rüdi und natürlich den unverzichtenbaren „Blues“ von Burger…danke!!!

Totte muss nun die schwere Aufgabe übernehmen, das Publikum wieder aufzuheizen, aber mit seinem „Türen-„Song gelingt ihm das spielend. Bei „Weichei“ wird dann kräftig mitgesungen“, bei „Schönheitschirurgie“ wird wieder eifrig beim Refrain aufgestanden und bei der Strophe wieder hingesetzt…da ist richtig Bewegung im Saal.
Aber leider ist auch schon Zeit für den letzten Song dieses Sets. „Ich muss weg“ *seufz* - egal, Monsters-Chöre erklingen gleich darauf und holen die Band glückselig zurück auf die Bühne. „Tod in der Nordsee“ macht wie immer Spaß, aber ich bin leicht abgelenkt, weil so ein etwas stoned aussehender junger Mann eine abgefahrene Mütze vor Fred niederlegt…er soll sie aufsetzen. Fred hat aber bereits eine Mütze auf, gibt sie also an Börnski weiter. Der ist sich auch nicht zu schade dafür und macht den Spaß mit – abgefahren.
Hurra, von Fred gibt es jetzt mal wieder den „Herzblatthubschrauber“, die Feindschaft zwischen Braunschweig und Hannover wird dabei wieder etwas angestachelt.
Dann wird angekündigt, dass es diesmal ein allerletztesmal überhaupt die liebgewonnene Choreografie zu „Zwerge“ geben wird. Das wäre nun aber mal wirklich zu schade!
Danach verkündet Rüdi, dass seine „Muse“ ihn nicht geküsst hat…faules Stück!
Mit dem FriMis wird noch mal dem Alkohol gefrönt…“DralleDrinks.de“ ist dran, dann werden die letzten Knicklichter verteilt und es geht mit Burger und den nie weinenden „Fröschen“ weiter und die erste Zugabe damit zu Ende. Aber nee nee…nun ist Braunschweig wach, nun will Braunschweig mehr.

Die Chöre beim „Marzipan“ sind frenetisch, leider hab ich kein Bier mehr, um bei Rüdis „Trink mit mir“ zuzuprosten. „SuSuSu“ von Burger verläuft absolut chaotisch, irgendwie ist der Text völlig durcheinander, aber dass die Katze schläft, wissen dann doch alle:-)
Trotz rauchfreier Zone fehlt auch heute „Vier Meter“ von Totte nicht – und dann rücken Fred und Pensen zusammen, die restlichen Monsters hocken sich vor die Monitor-Boxen und lauschen „Morgens um acht“ – und tanzen natürlich danach auf den Stühlen (in Ermangelung von Tischen auf der Bühne). Labörnski erklimmt den Kühlschrank und zieht sich schon mal sein Shirt aus – oha – hier wird was geboten fürs Geld :-)
Wieder verlassen die Monsters die Bühne, aber Standing Ovations sind ihnen sicher. Nun ist es aber schon einen Zacken nach Mitternacht – laute Musik darf nicht mehr gemacht werden (schon toll, dass sie überhaupt am Volkstrauertag spielen durften) – da es aber noch ein bis mehrere Geburtstagskinder im Publikum gibt, gibt’s den Gratulationssong eben unplugged…danach noch schnell „Algerien“ und dann ist wirklich alles vorbei. Die Monsters liegen sich in den Armen, lassen sich feiern und verlassen glücklich die Bühne (behaupte ich jetzt einfach mal so –aber selbst in der TV-Werbung wird ja immer wieder behauptet: Monster sind glücklicher!!! – und Monsterfans auch…aber ich schweife ab…).

Wir bleiben noch ein kleines Weilchen, Uta möchte ihre neuerworbene CD signiert haben, aber dann ist es leider auch für uns Zeit, die Heimfahrt anzutreten. Es war so ein schönes, einmaliges, großartiges Wochenende – musikalisch und menschlich hat hier alles gestimmt. Da kann man nur auf eine baldige Wiederholung hoffen.

Und ich fiebere natürlich Silvester entgegen…Boppin’ B, Monsters of Liedermaching und die Wohnraumhelden auf einem Event…kann man besser ins neue Jahr starten?

- BiBi -

Fotos aus Braunschweig der Monsters of Liedermaching

Fotos aus Braunschweig der Wohnraumhelden