Monsters of Liedermaching in Essen (Zeche Carl)

Sonntag, 20. April 2008 - BiBi

Sonntagmorgen – kalt ist es. Soll ich endlich die Fenster putzen, wie ich es mir lange vorgenommen habe? Nööö, dann ist es ja gleich noch kälter in der Bude. Außerdem diese innere Unruhe. Ich will hier raus, würde Purple Schulz jetzt brüllen. Ich hocke einfach stumpf am Rechner und gucke hier und gucke da und eigentlich ist das alles für den Arsch, denn meine Gedanken kreisen ja doch nur um das heute anstehende Monsters-Konzert in Essen. Micha und Rob sind da…und ich will auch, Himmelherrgottnocheinmal.

Ich versuche, mich zu beruhigen. Ist einfach Wahnsinn, mal eben nach Essen zu düsen. Aber das ich ein Stück weit wahnsinnig bin, ist ja nun auch nichts Neues. So kommt es, wie es kommen muss. Ich verlasse gegen 16 Uhr mit Kribbeln im Bauch mein schönes Zuhause und stürze mich ins Abenteuer.
Fahrt ereignislos, ich bin viel zu früh in Essen. Die Zeche Carl ist ein altes Industrieareal, also auch viele Parkplätze. Ich stell das Auto ab und pirsch mal an den Eingang, man kann schon rein, im Foyer ertönen schon die vertrauten Stimmen und Gitarrenklänge der Monsters. Ah, Soundcheck. Aber ich mag nicht doof herumstehen, und da ist ja auch noch ein Café offen und da hock ich mich mal rein. Bestelle einen Apfelsaft und fall voll auf den Deckeltrick der Bedienung rein. Ich bekomme den Apfelsaft in einem kleinen Fläschchen mit Deckel drauf und einem Glas auf den Tisch gestellt. Okay, in Essen wird nicht eingeschenkt, mach ich das eben selber. Aber vorher schüttelt man so eine Saftbuddel ja. Als ich dann über und über mit Apfelsaft beschmaddert bin, ist mir klar: Wenigstens der Deckel wird schon mal aufgedreht und nur auf die Flasche gelegt. Gedankennotiz: Merken fürs nächste Mal.
Nachdem ich mich gereinigt habe und die Sauerei von Tisch und Boden aufgewischt ist, kommen auch schon Micha und Rob reingestürmt…ein bisschen überrascht sind sie doch, obwohl Micha doch schon im Hinterkopf hatte, dass es eine solche Überraschung geben könnte. Aber nun freuen wir uns mal gemeinsam. Labörnski und Rüdi kommen auch kurz ins Café und begrüßen uns. Rüdi macht mich richtig neugierig, er meint, sogar für uns ist etwas neues dabei :-)
Gegen 19 Uhr suchen wir dann den Einlass zum Konzertsaal, dort ist aber immer noch Soundcheck. Ja, das ist gut, soll auch alles toll klingen, wird ja schließlich alles für die nächste CD mitgeschnitten.

Der Gang vor der Halle füllt sich schnell – aber der Einlass lässt auf sich warten, selbst, nachdem der Soundcheck fertig ist. Erst ca. 19.40 Uhr geht’s hinein. Einen schönen Platz gesucht und noch mal weiter gewartet. Die Bühne ist heute sehr hoch, da ist es natürlich sehr gut, dass die Stuhlreihen nicht so nah dran stehen. Für den Fotojob wird es dadurch schwieriger, aber ich bin guten Mutes, hat Micha doch schließlich ihre Spiegelreflexkamera dabei.
Gegen halb neun betreten die Musiker dann endlich die Bühne und werden sofort mit Monsters-Chören aus dem Publikum begrüßt. Wow, verspricht ein stimmungsvoller Abend zu werden, Sonntag hin oder her.

Fred darf sinnigerweise anfangen mit „Zu meiner Band“ und alle singen schon mal mit. Totte legt mit dem Zwergen-Song nach und schon gibt es die erste Premiere für uns. „Motivation“, gesungen von Labörnski, begleitet von Burger an der Gitarre und Pensen am – Banjo…ja, genau. Richtig gelesen. Das war einfach genial…gehört Country nun auch nicht zu meiner bevorzugten Musikrichtung, war das einfach der Oberhammer!
Und da Burger die Gitarre doch gerade in der Hand hatte, brachte er „Hartz 4“ zu Gehör. Hab ich ja nun wirklich schon häufiger gehört, aber jedes Mal lach ich mich wieder kaputt.
Nächster Programmpunkt: Pensen ist dran – und bringt sein „Schlittschuhlied“ – wir freuen uns da vorn fast kaputt, haben wir doch durch Pensens Soloauftritte seine Songs inzwischen so gern und das ist auf jeden Fall „one of our favorites“. Und nun auch bei den Monsters dabei mit Chancen, auf die neue CD zu kommen.
Rüdiger singt uns als nächstes vom bevorstehenden Wochenanfang „Montag“. Ich will mal gar nicht dran denken, dass ich auch um 7 Uhr wieder aufstehen muss und singe lieber lauthals mit. Nachdem Fred uns erzählt hat, dass seine Freundin aussieht wie eine „Französische Kleinstadt“ legt Totte mit „Walgesänge“ nach und man fühlt sich bei den dazugehörenden Geräuschen wie mitten auf dem Pazifik beim Whale-Watching ;-)

Bei Pensens und Labörnskis „Blasenschwäche“ werde ich immer textsicherer – na ja, und Burgers „Der Fisch“ kann ich eh schon länger mitsingen. Nachdem Rüdi die Geschichte zur Entstehung des Songs erzählt hat, gibt er zu: „Ich bin nicht frei“.
Bei Tottes „Häschen“ wird Labörnki wieder fies von Fred erdolcht, erstochen, erschossen und stranguliert und Rüdi gibt das Erdmännchen. Fun pur!

Labörnskis „Kleines Punkermädchen“ wird gitarrentechnisch von Totte begleitet und macht einmal mehr einen Riesen-Spaß. „Alphamännchen“ von Rüdiger Bierhorst (jetzt übrigens auch bei MySpace unter www.myspace.com/ruedibierhorst zu finden) ist dann wieder ein neuer Programmpunkt. Und neu geht’s auch gleich weiter – ungeschreiblich: „Gewalt“ von Burger. Ich schwöre, ich hab mir noch Minuten später die Lachtränen wegwischen müssen. Allein, weil ich mir vorstelle, was abgehen würde, wenn alle auf seinen Spruch hören würden: „Wenn jetzt jeder gleichseitig seinem Nachbarn eine schallert, das wäre ein Riesen-Hallo!“

Labörnski und Pensen beschließen dieses erste Set mit „Sprich mal mit dir selber“. Ich bin jetzt schon völlig geflasht und so glücklich, hier zu sein. Die Pause wird genutzt, um Freds technischen Probleme zu lösen – aber irgendwann ist dort wohl alles gut und es geht weiter. Er fängt auch direkt an mit „Ich mag mich“, wonach Totte mal zum Punkrockteil übergeht mit „Sabine hat auf Sand gebaut (denn Horst hat keinen Hunger)“. Davor erzählt er uns aber noch eine Geschichte, die davon handelt, als er das erste Mal in der Zeche Carl auf einem Konzert war. Bei seiner früheren Lieblings-Punkband Toydolls. Er wollte stagediven – und das Kabel des Basses hat sich um seinen Hals verwickelt. Der Techniker hat es nicht gemerkt und mal kräftig dran gezerrt und Totte damit auf die Bühne zurückgezogen. Keine schöne Vorstellung, besonders, weil Totte zum Erzählen auf einen Stuhl im Publikum steigt und es bildhaft vorführt.

Fred begleitet als nächstes Labörnksi bei einem neuen Song mit eher nachdenklichem Text „Eingeatmet – ausgeatmet“.
Obwohl wir heute keine Wunderkerzen dabei haben, ist Rüdis „Weltklassemelodie „ wie immer wundervoll – und beim „Sexkranken Ex-Punker“ von Burger geht es richtig ab. Die Stimmung in Essen ist einfach grandios, das Publikum hat so viel Spaß und feiert wie verrückt, aber ohne diese Ausfälle, die man ab und an bei Konzerten dann doch mitbekommt. Als nächstes verrät Pensen uns dann, dass er gern „Schwach sein“ möchte – glaubt ihm aber keiner ;-)- dann schon eher Totte, der von den „MoFo-Mücken“ genervt ist. Oder Rüdi, der sich über den Looser bei einer Game-Show lustig macht mit „Quizmillionär“.
Jetzt wird der Balladenteil eingeläutet. Frische Mische startet mit „Glauben heißt nicht wissen“ (heißt der Song überhaupt so?) und Burger hat ein Liebeslied für alle lange Verliebten geschrieben: „Selbstverständlichkeit“. Das ganze wird abgerundet von Rüdigers „Ich hab dich lieb“ und die Herzen schlagen hoch und alles haben sich lieb und das Leben ist wunderbar!
Nun spielt Totte…und macht eine leise, langsame Überleitung, um dann richtig loszubrettern mit „Türen“. Sofort geht’s in der Zeche Carl wieder hoch her, denn nun folgen noch die Klassiker „Weichei“ und „Schönheitschirurgie“. Natürlich stehen wir bei letzterem bei der Strophe wieder auf, geübt ist geübt. Und der Rest des Publikums folgt:-)

Damit ist das 2. Set beendet, aber die Monster-Chöre sind so laut, dass es nicht lange dauert, bis die Musiker auf die Bühne zurückkehren. „Tod in der Nordsee“ ist angesagt. Gut zum Mitsingen, kann ja eigentlich jeder! Aber beim nächsten Song geht das gar nicht, denn der ist brandneu. Der Name: „Die reine Poesie“ – der Interpret: Fred Timm…aber dann eigentlich alle, denn im Refrain hat jeder ein kleines Glöckchen in der Hand und klingelt und das hört sich einfach super an. Wir sind einmal mehr total begeistert.
Nun heißt es aber: Tassen hoch bei „Dralle-Drinks.de“ und „Trink mit mir“. „Haste mal“ beendet die erste Zugabe.
Auch wenn Sonntag ist – die Essener und Zugereisten wollen nicht heim und lassen die Monsters erst gar nicht von der Bühne gehen. So geht’s zügig weiter mit dem „Herzblatthubschrauber“, dem „Winterschlussverkauf im KaDeWe“ und – juchhee – mit Pensens „Reggae hat nur drei Akkorde“. Super, ein weiterer Pensen-Solo-Song hat es ins Monsters-Programm geschafft!
Die letzten drei Nummern sind dann „Sususu“, „4 Meter“ (mit einer richtig langen und lustigen Wechselansage von Totte und Pensen) und „Morgens um acht“ – ich weiß zwar jetzt auch schon, dass ich morgen um acht wie Kartoffelsalat aussehen werde, aber das ist mir jetzt doch scheissegal!
„Algerien“ bekommen wir als Belohnung auch noch, aber dann heißt es wirklich Abschied nehmen von den Monsters of Liedermaching. Es ist kurz vor Mitternacht…eigentlich müssten Micha und Rob jetzt SOFORT zur S-Bahn hetzen, da später keine mehr fährt. Aber – ich bin ja mit dem Auto da und verspreche, sie zum Hauptbahnhof zu fahren, irgendwie werden wir den wohl finden.
Daher bleiben wir einfach noch eine lange Weile und bereuen es auch nicht, denn irgendwann ist fast alles auf der Bühne zusammengepackt und wir hocken noch alle gemütlich beisammen und der eine oder andere packt noch mal seine Klampfe aus. BiBi ist glücklich, glücklicher, am glücklichsten…
Doch irgendwann machen die wirklich engelsgeduldigen Mitarbeiter der Zeche dann doch das Licht aus und wir müssen gehen, die Monsters müssen ins Hotel nach Mülheim und das Abschiednehmen fällt wieder schwer.
Der Bahnhof ist wie in den meisten Städten auch in Essen in der Innenstadt, also ausgeschildert und auffindbar. Meine Autobahn gen Heimat finde ich danach zwar nicht so leicht wieder, aber um 2 Uhr bin auch ich in die richtige Richtung unterwegs, komme um 4 Uhr zu Hause an, gehe um 5 Uhr ins Bett, stehe um 7 Uhr auf und ich schwöre, so eine selig Lächelnde hat morgens früh noch nie bei einem Vorstellungsgespräch gesessen!

Fazit: Danke vielmals an die Monsters – unfassbar, aber ihr werdet immer besser!
Danke vielmals an Essen – das rockt und ich komme sicher wieder –
und danke vielmals an mich selber, dass ich mir solche Aussetzer entgegen jeglicher Vernunft zugestehe.

- BiBi -

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