Die Happy und Slimboy in Bremen (Modernes)

Sonntag, 27. April 2008 - BiBi

1,5 Jahre ist es schon her, dass ich Die Happy das letzte Mal live gesehen habe *eek* - daher freute ich mich schon lang auf den Besuch der Truppe im Bremer Modernes. Bekanntlich eh mein Lieblingsclub – und das noch in Nähe meines Wohnortes, keine stundenlange Anfahrt, das sind sehr gute Voraussetzungen.

Bei strahlendem Sonnenschein startete ich also am späten Sonntagnachmittag in die Bremer Neustadt. Parkplatz fand ich auch dieses Mal direkt vor dem Eingang des Clubs. Petra war bereits da und begrüßte mich. Viel war noch nicht los, ein paar treue Fans warteten vor der Tür. Petra und ich vertrieben uns plappernd die Wartezeit bis zum Einlass und wie immer in dieser Location wurde pünktlich geöffnet. Die gründliche Durchsuchung war wie jedesmal, auch diesmal wurde meine Kamera misstrauisch beäugt. Und wie immer wurde sie dann doch als Okay befunden, diesmal mit dem Zusatz, sie hätte ja kein Wechselobjektiv. Ich finde es doch immer wieder erstaunlich, dass eine Digicam, nur weil sie nicht winzig klein und superflach ist, gleich als Profi-Kamera bezeichnet wird. Leute, habt ihr denn noch nie Profi-Kameras gesehen? Dagegen ist die meinige doch wirklich niedlich und winzig. ;) Da sollte sich doch jede Diskussion erübrigen. Aber die kompetente Einlass-Frau Katrin hat das ja auch schnell gecheckt und ihrem Kollegen die passende Auskunft gegeben.

Wir freuten uns über unseren Superplatz in der ersten Reihe, linke Seite. Das Modernes füllte sich nur zögerlich. Wir hatten Bedenken, dass die Leute das schöne Wetter doch lieber zum Angrillen nutzen wollten, aber Fakt ist auch, dass viele bis zum letzten Moment einfach draußen bleiben, da drinnen das Rauchen verboten ist. Der Platz links neben mir war auch bald besetzt…ein junger Mann stellte sich dorthin. Wir kamen schnell ins Gespräch und er kam mir sehr bekannt vor. Sehr cool, denn genau er war es, der bei meinem ersten Die Happy-Konzert im Modernes ebenfalls neben mir stand – 2003 war das, damals hatte ich die Karten noch beim hiesigen Radiosender gewonnen. Er ist schon länger Die Happy-Fan und erzählte so allerlei Vergnügliches von der Band, woran ich mich auch noch erinnern konnte.

Ruckzuck ging die Zeit bis zum Beginn der Livemusik vorbei – dann wurde das große Dach geschlossen und pünktlich um 20 Uhr begann das Programm mit dem Support-Act Slimboy (www.slimboy.info). Ich hatte mich im Vorfeld überhaupt nicht informiert, war also recht gespannt, was nun kommt. Drei sympathische junge Männer enterten zu Bandmusik die Bühne und legten dann selber los. Frontmann ist quasi der Bassist Joel, auch wenn er rechts außen steht. Er ist der singende Teil der Band, verstärkt durch Gitarrist Tris’86 und einem nicht näher benannten Schlagzeuger.
Ein wenig erinnerte mich Joel an einen kleinen Bruder von Nevio ;-) – was aber auf keinen Fall etwas Negatives ist.
Die Jungs stammen aus der Schweiz und entgegen aller dummen Vorurteile war da gar nichts mit langsam und gemütlich. Sie ließen es richtig krachen und brachten 40 Minuten wirklich guten Rock zu Gehör. Einzig negativ für mich war das Licht – ich war ständig geblendet. Aber dafür kann die Band ja nichts.
Die Jungs hatte auch schon eigene Fans am Start, die nur für sie ins Modernes gekommen sind. Aus den hinteren Reihen wurde auch schnell ein obligatorisches „Ausziehen“ gebrüllt…von einem Mann, was Joel nicht so wirklich klasse fand. Also wurde dann doch die Forderung von einer Frau wiederholt – aber da zeigte er Humor und meinte, das will keiner wirklich sehen, wenn er sein Hemd hebt und darunter ja mit ordentlich Klebeband die Wampe umwickelt wäre, damit sie nicht über die Hose quillt. :-)
Aber – da gab’s dann zum Ende des Sets ein Mitklatsch- und Mitsingteil fürs Publikum – und das fiel wohl für die Band zufrieden stellend aus, so dass Joel dann doch sein Hemd hob und uns seinen Bauch zeigte…natürlich völlig klebebandfrei und durchaus ansehnlich ;)

Mit ordentlichem Applaus verließen die drei die Bühne und die Crew begann sofort mit dem Umbau – und so konnte dann auch schon kurz nach 21 Uhr Die Happy beginnen.

Da die Tour natürlich zum kürzlich veröffentlichten neuen Album „VI“ läuft, begann es auch mit einem Stück dieses Albums: „Around the world“, gefolgt von der aktuellen Single „Peaches“. Ich empfand das Publikum im inzwischen doch sehr gut gefüllten Modernes noch als etwas zurückhaltend, mag auch an der schnell steigenden Raumtemperatur liegen.
Ich selber war auch sehr irritiert, denn die Strahler waren nach wie vor für mich furchtbar. Ich war wie blind, bekam vieles auf der Bühne überhaupt nicht mit, weil selbst abschirmen der Augen mit der Hand kaum Besserung brachte. Power-Frontfrau Marta sucht ja oft den Kontakt mit dem Publikum durch Ansprache, Blickkontakt etc. Das ging mir sehr ab, weil ich kaum registrierte, was geschah, wenn sie vorn am Bühnenrand stand.
Im dritten Song wurde erst mal Guten Tag gesagt ;-) – „Hello“ aus dem „No nuts no glory“-Album. Hier zeigte das Publikum dann aber durchaus schon Ambitionen, laut mitzusingen und die Stimmung stieg merklich an.
Marta stellte dann fest, nun hätte man sich ja auch begrüßt, nun sollte man es an diesem Abend mal einfach miteinander treiben :-) – ah ja…
„Wanna be your girl“ brachte den Club weiter zum Kochen, nicht gerade einer meiner Favoriten, aber beim Publikum kam der Song höllisch gut an. „Not that kind of girl“ war nächster Programmpunkt. Vom neuen Album folgten dann „Don’t you“ und mein absoluter Liebling „Genuine venus“. Witzige Ansagen von Marta gab es natürlich auch: Sie sprach z. B. von Models, die so richtig lange Beine hätten. Die hätte ihr der liebe Gott nun nicht gegeben, aber für ihre Größe wären ihre Beine doch auch okay. Zustimmender Applaus aus dem Publikum und den Zuruf, sie hätte dafür Busen…was sie gleich aufgriff und sich für ihre Oberweite bedankte.

Mit dem nicht mehr ganz neuen „None of your business“ ging es weiter – und dann wurde es auch etwas ruhiger in musikalischer Hinsicht mit „You’ll never know“ und „Answer“.
Aber danach drehte die Truppe wieder enorm auf mit „Love to hate you“, wo das Publikum auch wieder einen guten Mitmachteil hatte. Gleiches galt für „Easy come easy go“ vom neuen Album.
Ein kleiner Faux Pas ist es natürlich, die Bremer mit den Einwohnern der Hansestadt Hamburg zu vergleichen. Marta konnte das Ausbuhen in dieser Hinsicht nicht verstehen, sie fragte sich, ob sie falsch läge, dass Bremen und Hamburg ja beides Hansestädte wären – nee, damit liegt sie natürlich richtig. Aber genauso wie in Köln gebuht wird, wenn Düsseldorf erwähnt wird, buhen die Bremer bei der Nennung von Hamburg ;-)

Die Stimmung kochte also, ich allerdings auch, aber eher vor Wut. Ich habe wirklich bei diesem Konzert minutenlang mit geschlossenen Augen dagestanden, weil ich die Blendereien nicht mehr aushielt. Bei den vielen, vielen, vielen Konzerten, die ich auf dem Buckel habe, ist mir so was noch nicht passiert. Kann sein, dass ich einfach nur Pech hatte mit meinem Platz, aber das Licht sollte doch nicht so schlecht ausgerichtet sein, dass der eine oder andere Besucher nichts mehr sehen kann. Ich zahl Eintritt nicht nur für die Musik, sondern auch fürs Gucken. Neben einer ansehnlichen Frontfrau sind ja auch Ralph, Jürgen und Torsten nicht zu verachten ;-) - Ich muss gestehen, das hat mir ganz viel den Spaß an dem Abend geraubt.

„New York – Tokyo“ gehört zu den zwei Songs des neuen Albums, die ich eigentlich gar nicht leiden kann – live war es aber auszuhalten.
„I am“ widmete Marta dann allen Mädels im Modernes. Schöner Song, immer noch! Und noch schöner ist einwandfrei „Still love you“, von Marta auch als ihr Lieblingssong vom Album „VI“ angekündigt. Ein wirklich wunderschönes Stück, das hoffentlich noch als Single veröffentlicht wird. Auch wenn der Text doch recht traurig ist.
Mit „Ordinary song“ war dann auch schon das vorletzte Stück des Hauptsets erreicht. „The end“ bildete das Ende…ging für mich aber gar nicht. Weder musikalisch noch lichttechnisch, ich war zu dem Zeitpunkt extrem genervt…aber da ich mich natürlich auch über Zugaben freue, hab ich auch lautstark welche gefordert. Trotz gefühlten 50 Grad im Club, Tinnitus und verblitzen Augen. Und natürlich kam die Band zurück auf die Bühne. Lustigerweise wurde mal instrumental „Thunderstruck“ von AC/DC angespielt und ein Crew-Mitglied sang auch gleich dazu…sehr geil. Was für eine Stimmung, das Publikum tobte.

Nun ging das Mikro aber natürlich zurück zu Frontfrau Marta Jandova und sie startete mit „Are you gonna go my way“, meinem Alltime-Favorite „Big boy“ und „Goodbye“ noch mal richtig durch.
Dann machte die Band Anstalten, die Bühne wieder zu verlassen, aber die Zugabe-Rufe überzeugten sie, doch gleich wieder umzukehren und das wunderschöne „Slow day“ zu präsentieren. Und zum Abschluss ging es dann noch einmal richtig nach vorn mit „Supersonic Speed“. Sehr geiler Abschluss.

Dann war es kurz nach 23 Uhr, das Programm war beendet. Langsam leerte sich die Halle und wir machten uns auch auf den Weg ins Foyer. Dort hielt ich noch kurz Smalltalk mit den Jungs von Slimboy, bevor wir aus dem heißen Modernes in die so angenehme kühle Nachtluft traten. Gegen Mitternacht zu Hause zu sein, war Luxus pur für mich und obwohl mir nach wie vor die Augen tränen und schmerzen, war es doch wieder ein sehr gelungener Abend. Und ich freu mich schon sehr auf das von Marta für das nächste Frühjahr angekündigte Akustik-Konzert im Modernes!

- BiBi -

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