Die Schröders, Monsters of Liedermaching, Das Pack, Kings & Killers in Hamburg (Hafengeburtstag)

Samstag, 10. Mai 2008 - BiBi

Hamburg feiert den Geburtstag seines wunderschönen Hafens – dies passiert jedes Jahr. Ein großes Volksfest mit riesigen Menschenmassen. Buden, Stände, Karussells und Bühnen wechseln sich auf dem langläufigen Gelände rund um Fischmarkt und Landungsbrücken ab. Bühnen? Genau…auch musikalisch wird auf dem Hafengeburtstag immer einiges geboten.
Für mich wäre auf der Mainstage nun jeden Tag etwas dabei gewesen, aber am Samstag war das komplette Programm absolut nach meinem Musikgeschmack – daher war schnell klar, an welchem Tag die Junkies dabei sind. Micha musste auch nicht lang überlegen!

Ich hatte mir da einen grandiosen Plan ausgedacht – da es unmöglich ist, in Hafennähe Parkplätze zu finden, wollte ich das Auto am S-Bahnhof Bahrenfeld abstellen und dann mit Taxi zum Hafen fahren. Taxen-Rufnummern hatte ich vorher im Handy gespeichert, also sollte das kein Problem sein. Nun, Anreise lief ohne Verzögerung, noch vor 16 Uhr stellten wir das Auto in Bahrenfeld ab. Am dortigen Taxenstand waren keine Wagen vorhanden, also anrufen. Ja, Taxi kommt.
Nach 20 Minuten (!) der nächste Anruf. Hallo, wir warten immer noch! Ach, ist noch kein Wagen vorbeigefahren? Sie müssen sich schon bemerkbar machen. Nehmen Sie bitte das nächste Taxi, das vorbei fährt.
Es ist aber noch keins vorbeigefahren – ach doch, vorhin – mit Tempo achtzig. Sollen wir uns davor werfen?
Nein, natürlich nicht. Warten Sie bitte noch 5 Minuten, wenn dann kein Wagen vorbei gefahren ist, rufen Sie bitte noch mal an und sagen, Sie rufen jetzt das dritte Mal an und wir sollen jetzt wirklich ein Taxi schicken…
Gut, so was muss man nicht kommentieren – das am Hafengeburtstag viel los ist, leuchtet auch mir ein, aber so geht’s dann ja auch nicht. Dreimal anrufen, damit ein Wagen überhaupt losgeschickt wird?
Wir warteten aber wirklich noch fünf Minuten und haben dann die nächste Taxinummer gewählt. Innerhalb von fünf Minuten war der Wagen da und ein freundlicher Fahrer kutschierte uns zum Fischmarkt-Gelände. Von dort aus schlugen wir uns durch über den Flohmarkt, bis wir an einer Bühne ankamen – und Bingo, das war auch schon die richtige…die Becks-Bühne! Noch nix los, die erste Band machte gerade Soundcheck…also checkten wir die Toiletten. Kaum zurück, spielten die ersten Akteure auch gleich los…häh? Ist doch noch eine halbe Stunde Zeit – eigentlich sollte der Rockmarathon erst um 17.30 Uhr beginnen, nun war es doch gerade erst 17 Uhr. Dass sich alles eine halbe Stunde nach vorn verschoben hatte, erfuhren wir dann auch erst im Laufe der Konzerte.
Also galt meine und Michas Aufmerksamkeit nun erst mal den Startern…KINGS & KILLERS. Leider noch vor wenig Publikum spielten sie ihr rockiges Programm. Klassische Besetzung mit Gitarre, Bass und Schlagzeug. Der Bassist war gleichzeitig der Sänger mit einer guten Stimme für diesen Sound. Ca. eine Stunde dauerte das Set, einzelne Songs kann ich leider nicht nennen, sie wurden nicht unbedingt vorher angesagt. Wir genossen auf jeden Fall die Mucke, das Ambiente (Blick auf Hafen und Schiffe), das geniale Wetter (kenn ich vom Hafengeburtstag absolut anders).
Dann folgte eine Umbaupause für den nächsten Act – DAS PACK, die Rockband von Monsters of Liedermaching-Member Pensen. Für uns das zweite Mal, die Truppe zu erleben – aber diesmal sollten sie nur zu zweit antreten. Flozze am Schlagzeug und Pensen mit einer Gitarre, die auch noch eine Bass-Saite hat – Doppel-Instrument quasi. Der Kerl kann aber auch irgendwie alles – Respekt!
Nicht schlecht gestaunt haben wir, als wir bemerkten, dass auf der Bühne Tisch und Bänke aufgestellt wurden und alles fürs Grillen bereit stand. Elektrogrill, Wurst, Toast, Senf, kistenweise Bier. Was ist das denn?
Nun – des Rätsels Lösung…einige etwas strange angezogene stattliche Kerle machten es sich dort gemütlich. Gekleidet in knappen quietschgelben kurzen Hosen und knallroten engen Shirts – oha! Man wurde ein wenig blind. Ich weiß nicht, ob die Performance, die von zwei der Herren an den Tag gelegt wurde, dazu diente, die Bühne zu füllen. Ich fand, es lenkte eigentlich eher ab, aber ein bisschen Comedy gehört wohl auch dazu, wenn man dem Pack lauscht. Hier ging es dann auch mal hart, mal zart zur Sache. Begonnen wurde mit „Mein Schwan“ (wenn man am Ende den Buchstaben Z anhängt, weiß man, wovon der Song handelt ;-) – „Angelala“ war mir dann schon wohlbekannt. „Dein Kapitän“ kannte ich hingegen wieder nicht. Weiter ging es mit „Geh mir aus der Sonne“, das auch gern in ein Geh mir aus der Nonne umgewandelt wird :-)
Pensen sang dann sein „Schwach sein“, das wir schon aus den Monsters-Konzerten der letzten Zeit kannten. Der Applaus dafür blieb auch fast gänzlich aus – so ist das, wenn man sein Publikum disst…
Auch Flozze war gut bei Stimme und hatte jetzt seinen Gesangspart. Er wollte wohl den rumhopsenden und grillenden Herren nicht nachstehen und tauchte auch plötzlich mit kurzem Höschen auf der Bühne auf. Naja gut, damit war er aber noch üppiger angezogen als beim letzen Konzert…dort sprang er irgendwann ja nur noch in Unterhosen über die Bühne. Ein bisschen Exhibitionismus gehört wohl dazu.
Bei „Du bist einfach Kacke“ gab’s dann noch eine Schiffsparade auf dem Wasser gratis dazu – die Schiffshörner dröhnten – coole Sache.
Bratwurst (WUUÄÄS genannt) und Bier wurde zwischenzeitlich auch ans Publikum verteilt, der Platz hatte sich schon ein bisschen mehr gefüllt. So kamen dann doch immer mehr Leute in den Genuss, Songs wie „Unsterblich“, „Kalt in Russland“ oder auch das „Schlittschuhlied“ zu hören. Beendet wurde der Auftritt vom Pack dann mit „Fass mir an die Füße“.
Na, das war doch mal ein Spektakel.

Nun folgte eine weitere Umbauphase. Grillutensilien und sonstiges runter von der Bühne – und alles für DIE SCHRÖDERS fertig gemacht…Micha und ich stärkten uns mit von mir mitgebrachten frischen Ananas-Stückchen, eine super Sache, wenn man auf Open Airs den ganzen Tag an der frischen Luft verbringt.
Leider kam zum Ende es Pack-Sets die Sonne hinter der Bühne hervor, so dass wir heftigst geblendet waren. Auch wenn ich die Sonne sonst sehr liebe – aber nix sehen können geht auch gar nicht. So mussten wir die ersten Songs der Schröders mit Sonnenbrillen und schwer blinzelnd überstehen. Als der Muppets-Song erklang, der quasi der Einmarsch der Band ankündigte, bekam ich richtig Gänsehaut – ja, endlich war es soweit.

Die Schröders starteten mit „Scheissband“, gefolgt von „Wie geht’s wie steht’s“. Das Publikum, das inzwischen zahlreich vorhanden war, erschien mir heute doch erheblich lahmer als bei Club-Konzerten. Aber gut, Umsonst-und-Draußen-Konzerte sind natürlich etwas anderes. Viele sind einfach da, weil es nichts kostet und man sowieso gerade auf dem Hafengeburtstag ist und betrachtet das ganze etwas wertneutraler als Fans, die extra Eintritt für einen Gig zahlen. Da heißt es für die Band, sich richtig ins Zeug legen und alle auf die eigene Seite ziehen. Also bekam das Publikum erstmal erklärt, wie man richtig applaudiert, wenn ein Song beendet wird, was man so schreien sollte etc. Und im Laufe des Konzertes wurde das ganze auch immer besser und man darf durchaus behaupten: Die Schröders haben es geschafft, das Publikum war begeistert.
Es gab eine launige Mischung aus den Songs vom neuen Album „Endlich 18“ wie „MoDiMi“, „Emily“, „Thomas“, „Was nicht passt, wird passend gemacht“ oder „Schrei“ – beim letzteren gingen wirklich die meisten Zuschauer in die Hocke und sprangen dann nach Aufforderung von Frontmann Burger auf und brüllten, was die Kehle hergab!
Aber auch Schröders-Klassiker fehlten natürlich nicht. „Frösche weinen nie“, „Lass uns schmutzig Liebe machen“, „Bayern hat verloren“ seien hier mal genannt.
Die Sonne war zwischenzeitlich hinter der Häuserfront verschwunden, wir hatten endlich wieder einen ungetrübten Blick. Die Kollegen der Monsters of Liedermaching feierten am Bühnenrand mit, am Himmel tauchten immer mehr Heissluftballons auf (der wie eine Jägermeister-Flasche aussah, fand besonderen Anklang), Flugzeuge, die Formationen flogen, auf dem Wasser tuteten die auslaufenden Kreuzfahrtschiffe – schon einmalig, dieses Ambiente.
Viel viel zu schnell kam das Ende mit „Heute hier morgen dort“ – aber nun waren die Hamburger heiß und verlangten laut nach einer Zugabe…Wurde glücklicherweise auch gewährt. Zu unserer großen Freude mit „Mädchen wie wir“, „Tod in der Nordsee“, „Saufen“ und „Liebeslied“. Aber dann war die Zeit leider wirklich abgelaufen, die Schröders verließen unter großem Applaus die Bühne.

Die letzte Umbaupause lief und nun dauerte es nicht mehr lang, um den letzten Act des Abends auf der Bühne zu begrüßen – MONSTERS OF LIEDERMACHING. Meine Füße waren inzwischen schon arg malträtiert – war es inzwischen doch immerhin fast 21.30 Uhr und wir standen hier ja nun doch schon einige Stunden. Nervig war ein Mann hinter mir, der mir für meinen Geschmack zu dicht auf den Pelz rückte. Das schränkte die Bewegungsfreiheit doch erheblich ein.

Aber nun war es dann soweit, die Großmeister des Liedermaching betraten die Bühne…und Fred eröffnete mit „Marzipan“ – nicht gerade Micha und mein Liebling, aber für so ein Event wohl durchaus gerechtfertigt, da der Mitsing-Teil doch gleich alle in Stimmung bringt. Es waren sowieso reichlich aus allen Richtungen angereiste Monsters-Fan vorhanden – die Stimmung war schnell prima. Bei „Zwerge“ gab’s auch endlich mal wieder die Band-Performance, die man so lieb gewonnen hat :-)
Nun wurde auch noch verkündet, dass Labörnski am Tag zuvor zum zweiten Mal Vater geworden war – sein Sohn Jesse war auf der Welt. Hach, ein Glück, es standen ja die Befürchtungen, dass der werdende Vater während des Konzerts ins Krankenhaus gerufen wird – aber nun konnte er beruhigt mit Kollege Pensen „Sprich mal mit dir selber“ schmettern.

Burger erzählte uns, wie man als „Hartz 4“-Empfänger so lebt und Rüdi, was man am „Montag“ so erleben kann. Zu meiner großen Freude (auch wenn mein Herz für Werder Bremen schlägt) sang Fred Timm, warum sein Herz dem HSV gehört. Ich finde, dieses Lied gehört einfach zu einem Monsters-Konzert in Hamburg.
Inzwischen war es recht dunkel geworden, die Lichter der Karussells hinter uns funkelten und alles sah super aus – dazu launige Melodien mit mehr oder weniger crazy Texten…“Gewalt“, „Blasenschwäche“, „Kleines Punkermädchen“, „Winterschlussverkauf im KaDeWe“, „Durchschnitt“, „Sexkranker Ex-Punker“, „Türen“, „Weltklassemelodie“ oder „Motivation“…Dann „SuSuSu“ – alle Armen wurden beim Refrain geschwungen – und dann startete es so mitten im Song das große Hafengeburtstags-Feuerwerk. Aber erst wurde zu Ende gesungen, dann widmeten sich alle dem Bestaunen der Pyro-Technik. Untermalt von launigen Ansagen der Monsters, die jegliches Farbenspiel zu kommentieren wussten.
Das ganze zog sich für meinen Geschmack etwas in die Länge, aber dann ging es endlich weiter…natürlich mit dem monsterseigenen Geburtstagslied – wenn der Hafen Geburtstag hat, bekommt er auch ein Ständchen und ein lautes PROST zugerufen.
„Die reine Posie“, der Song mit den Glöckchen passte nun auch perfekt dazu. Schiffshörner und Glocken – tolle Kombination :-)
Nun war es wieder an der Zeit für ordentliche Mitsing-Songs „Interesse ist gut“, „Trink mit mir“, 4 Meter“ oder auch „Haste mal“…und Set vorbei. Nöööö, auch wenn die Füße immer mehr schmerzten und man sich danach sehnte, mal irgendwo fünf Minuten sitzen zu können, wurde natürlich wieder laut Zugabe gefordert. Die gab es dann auch mit „Ich trink dich schön“, „Ich brauch’n Döner“ und „Schönheitschirurgie“. Obwohl es noch nicht ganz halb zwölf war, wurde laut Musik von CD eingespielt – also klar, hiermit ist das Konzert vorbei. Schon schade, irgendwie fehlte da was. Aber egal, alles in allem ein rundum gelungener Konzert-Tag bei besten klimatischen Verhältnissen.
Am Merchandise-Stand suchten wir dann noch das eine oder andere Gespräch – und da die Nacht jung war, tauchten wir auch noch tief ins Hamburger Nachtleben ein. Ich glaube, so bevölkert hab ich die Stadt noch nie gesehen – und so einen fürchterlichen Taxifahrer wie in der Nacht hab ich auch noch nie erlebt…der sich weigert, einen ans gewünschte Ziel zu fahren und auf halber Strecke aussetzt, weil die Straßen ja voll sind und man den Rest auch genauso gut zu Fuß gehen könnte. Vielen Dank, Taxiruf 211 211!

- BiBi -

zu den Fotos von
Kings & Killers
Das Pack
Die Schröders
Monsters of Liedermaching