Die Schröders und Das Pack in Fulda (Kulturkeller)

Freitag, 13. June 2008 - BiBi

Fulda – ja…was fällt mir zu diesem Städtchen ein?
Erst einmal: weit weg von zu Hause – 400 km liegen zwischen meiner Hometown und der barocken Stadt.
Und dann noch: Ich war erst einmal da – und das war ein so guter Abend bei einem Dick Brave-Konzert auf dem Schlosshof, davon schwärme ich noch heute.
Ach – und dann soll Fulda wohl die unzufriedensten Einwohner überhaupt haben. So, wie die Aschaffenburger am zufriedensten mit der Lebensqualität in ihrer Stadt sind, so furchtbar finden es die Einwohner Fuldas, eben dort zu leben. Über diesen Umstand habe ich mit ein paar Aschaffenburgern schon sehr gelacht.

Aber nichts desto trotz, wir wollen nach Fulda, denn da steht ein Clubkonzert der Schröders an. Ja, klar ist das ziemlich verrückt, so weit zu fahren, aber wir würden auch nie behaupten, dass wir völlig normal sind, oder?
Micha hat es besonders schwer…sie hat die ganze Woche ordentlich geschuftet, um dann am Freitagmorgen um halb acht mit zum Zug zu mir zu starten. Gegen 11 Uhr hole ich sie vom Bahnhof, sie ist müde, ich aus Solidarität auch gleich mit.
Wir googeln ein bisschen nach der auf der Homepage des Clubs angekündigten Vorband – und immer wieder seufze ich lautstark vor mich hin: Ich will Pensen…so ein liebgewonnener Support-Act ist dann doch besser als irgendeine amerikanische Keine-Ahnung-Band. Naja, das Leben ist kein Wunschkonzert.

Irgendwann vor 15 Uhr starten wir dann – die Fahrt gestaltet sich als ausgesprochen nervig, es sind zwar keine Staus angesagt, aber das hohe Verkehrsaufkommen und die gefühlten 50 Baustellen halten doch mächtig auf. Aber wir haben ja Zeit, Einlass soll 20 Uhr sein, also keine Aufregung.
Fulda liegt ja sehr verkehrsgünstig an der A 7, auch die Innenstadt ist schnell gefunden. Dann gestaltet sich das alles als etwas schwieriger, denn der Club liegt in den Fußgängerzonen und die Altstadt zeigt sich als ein Gewirr aus Einbahnstraßen, Spielstraßen und Fußgängerzone. Frecherweise fahr ich einfach mal durch eine solche durch, ernte böse Blicke, weiß jetzt aber wenigstens, wo sich der Club ungefähr befindet. Dementsprechend wird die nächstgelegene Parkmöglichkeit angesteuert.
Im Innenhof des Museumskomplexes, wo sich der Kulturkeller befindet, gibt’s Fußball auf großer Leinwand zu sehen. Aber weil wir Mädchen sind, müssen wir zu allererst mal die Toiletten aufsuchen, wir dürfen eine Treppe runter, dort befinden sich sanitäre Anlagen – und wohl auch der Backstage-Bereich des Kulturkellers, denn als wir wieder nach oben stapfen, kommt uns Flozze von der Band DAS PACK entgegen und grüßt freundlich. Verwirrung unsererseits…wieso – warum – häh? Sollte mein Gejammer an diesem Freitag, den 13. Gehör gefunden haben? Jepp, hat es. Als wir wieder ans Tageslicht kommen, sehen wir Pensen unter den Fußballguckern und freuen uns wie Bolle. Das Pack als Vorband, das isses doch:)

Wir haben aber immer noch eine halbe Stunde Zeit bis zum Einlass. Also noch mal etwas hingehockt und – ja, gefroren. Himmel, ist das kalt in Fulda. Kurz vor 20 Uhr gesellen wir uns zu den beiden vor dem Eingang wartenden jungen Männern. Die fragen erstmal, ob wir auch zu den Schröders wollen und wo denn wohl die ganzen anderen Zuschauer sind, die sonst immer schon vor einem Club warten. Wir können das auch nicht beantworten. Nur dann kommt ein Mitarbeiter des Clubs und sagt uns, dass sich der Einlass auf jeden Fall mal um 20 Minuten verschieben wird, da „die alten Männer“ ja noch nicht mit dem Soundcheck fertig sind. Oha…

Tatsächlich wird es 20.30 Uhr, bis wir endlich in den Kulturkeller gelassen werden…inzwischen sind wir zu fünft. Eigentlich sollte um genau diese Zeit schon die Vorband beginnen, das verheißt dann nichts Gutes, wenn um diese Zeit kaum jemand da ist.
Drinnen treffen wir dann auch gleich auf Pensen, der uns freundlich begrüßt. Ich vertreibe mir die Zeit damit, immer wieder die Anwesenden durchzuzählen…und zu keinem Zeitpunkt komme ich auf mehr als 19 Leute. Pffff…mir wird Angst und Bange. Ich mag kleine, kuschelige Konzerte, aber nicht mal 20 Leute im Publikum? So klein und kuschelig brauch ich es dann auch nicht.
Auch die Getränkeauswahl im Club ist für mich nicht so großartig. Es gibt noch genau drei Cola-Light – und das alkoholfreie Bier, das auf der Karte steht, ist leider gar nicht vorhanden. Aber der Barmann ist ein freundlicher, das gleicht es dann wieder ein bisschen aus. Auch wenn mir dann noch irgendein anderer Besucher eine der Cola Lights wegsäuft…Frechheit, so was ;)

Irgendwann nach 21 Uhr geht es dann mit Flozze und Pensen als DAS PACK los. Zu unserer großen Freude tatsächlich auch mit einem Song, den wir noch gar nicht kennen. Über Körperhygiene wird gesungen. Es folgen Songs wie „Mein Schwan“, „Angelala“, „Treue oder Pflicht“, „Geh mir aus der Sonne“; „Alle Menschen tot“ und „Fass mich an die Füße“. Aber was dazwischen ist, kann man einfach nicht beschreiben. Pensen macht Ansagen, die ihresgleichen suchen…sinnfrei oder hoch intellektuell? Micha und ich lachen Tränen, aber für die paar Zuschauer, die Das Pack noch nicht kennen lernen durften, ist das alles sicher eher schwer verständlich. Wir sehen die Fragezeichen in den Gesichtern der Leute. Trotzdem amüsieren wir uns und können nicht fassen, was Pensen da verbal so raus haut. Einfach großartig. Und auch über seinen Bühnengruß an die Konzert-Junkies freuen wir uns. Aber klar, bei so einer überschaubaren Zahl an Zuschauer kann schon jeder namentlich erwähnt werden.
Im Club ist es heiß – in einem Keller vermutet man eher kühle Temperaturen, hier aber nicht. Zumindest entledigt Flozze sich auch schnell dem größten Teil seiner Kleidung. Aber eigentlich tut er das scheinbar bei jedem Auftritt, also hat es wohl auch nichts mit den Temperaturen zu tun *gg*. Klar, beim Trommeln kann es einem auch schon schnell heiß werden.

Zugabe wird leider nun nicht gerufen, nachdem Pensen und Flozze von der Bühne sind, sie machen das im Backstage-Bereich mal kurz selber, aber der Umbau für die Schröders hat schon begonnen.

Kurz nach 22 Uhr dann vor immer noch 19 Leuten (die beiden jungen Herren aus Aschaffenburg, die mit uns vor dem Einlass gewartet hatten, waren schon ganz deprimiert, denn sie müssen sich um 23 Uhr auf den Heimweg machen und hatten wohl gar nicht mit Vorband bzw. solcher Verspätung gerechnet) ertönt endlich die Muppets-Melodie, die den Einmarsch der Punkrock-Gladiatoren signalisiert.
Wir sind sehr gespannt, denn immerhin ist der Schröders-Trommler Sascha erkrankt und fällt für einige Wochen aus. Martin von den BITUNEs konnte als Aushilfe verpflichtet werden, er hat sich in einer Woche das Set raufgeschafft und man hatte auch nur sehr wenig Zeit, gemeinsam zu proben. Wie also wird es laufen?
Martin ist dann auch der erste, der auf die Bühne kommt, denn ihm obliegt es, zum Opener „Scheissband“ das fünfte Bandmitglied, den Medion-Laptop zu bedienen – irgendwoher müssen die Bläser zum Song ja kommen.
Das geht leider erstmal gründlich schief…der Start verzögert sich, irgendwann setzt die Band dann doch ein und es brettert los. Trotzdem lustig, wenn man bei kurzen ruhigen Stellen dann die Bläser überlaut hört.
Leider ist der Sound vor der Bühne etwas schwierig. Ungewöhnlicherweise mal zuviel Bass und zu wenig Gitarre, meist ist so was ja eher umgekehrt. Aber egal, wir haben Spaß. Und auch die anderen 17 Leute im Raum. Burger übt mit allen das Applaudieren und das klappt auch schon super laut. Wir sollen Alarm für 200 Leute machen, damit Atmosphäre aufkommt und ich behaupte mal: Ja, das ist gelungen.
Wir feiern alle eine Party zu den Songs der Schröders wie „Schmutzig Liebe machen“, „MoDiMi“, „Frösche weinen nie“, „Emily“, „LaLaLa“, „Vater und Sohn“, „Tod in der Nordsee“, „Thomas“, „Wie geht’s wie steht’s“, „Was nicht passt, wird passend gemacht“, „Nie mehr“, „Frau Schmidt“, „Immer mehr“, „Schrei“…
Pensen, der sowieso immer wieder mal von der Backstage-Seite auf die Bühne schaut, wir dann auch noch gebeten, den Gastgitarristen zu geben, und wie erwartet macht er das großartig.

Klar, manchmal klappt auch was nicht so hundertpro an diesem Abend– aber man kann vor Martin nur den Hut ziehen, er macht das großartig. Dieses Konzert hat einen eigenen Charme und auf jeden Fall riesige Energie. Viel zu schnell kommt die Ansage zum letzten Song „Heute hier morgen dort“.
Aber 19 Leute, Verzeihung, 17, denn die Aschaffenburger sind ja bereits wieder auf dem Heimweg, können auch richtig laut ZUGABE brüllen. Die Band lässt uns nicht lange warten und legt noch mal richtig los. Dann erbrüllen wir uns eine zweite Zugabe…und wer jetzt denkt, die Leute lassen sich von der danach eingeschalteten CD-Musik mundtot kriegen, der irrt. Weiter und weiter wird nach einer Zugabe gefordert, die Burger dann solo gibt. „Holland“ von Joint Venture, aus gegebenen Anlass zur Fußball-EM – so klasse:) – Refrain: Solange es um Fußball geht, hasse ich Holland wie die Pest! Ich werde diesen Monat zwar selber noch nach Holland fahren, aber diesem Ausspruch kann ich nur zustimmen!

Ja, aber irgendwann ist dann auch der schönste Gig zu Ende und jetzt war es soweit. Unsere Befürchtungen, dass sich der Club nun rasend schnell leert, werden nicht wahr, die paar Leute, die da sind, haben auch Durchhaltevermögen. Das Pack verkauft tatsächlich eine eigene CD und ein bisschen Merchandise für die Schröders, die sich irgendwann auch noch unters Volk mischen und so haben wir alle dank des netten Wirtes noch eine richtig gute Aftershow-Zeit.

Aber da familiäre Verpflichtungen am nächsten Tag schon frühzeitig auf mich warten, können wir leider nicht, wie es bei der Entfernung eigentlich vernünftig wäre, in Fulda übernachten, sondern müssen die Heimreise antreten. Doch ich bin so voller Endorphine (oder wie man diese kleinen Dinger im Blut auch immer nennt, die einen dauernd grinsen lassen und ganz wuselig machen), dass ich die Heimfahrt spielend durchhalte (wobei wir – im Gegensatz zum Motto der Schröders: No Pinkelpause till Gandersheim – dann doch eine solche einlegen müssen *gg* - Fischerhude ist halt auch doppelt so weit entfernt wie Bad Gandersheim). Gegen halb acht hat die Heimat mich wieder und trotz des eklatanten Schlafmangels haben meine Verwandten mich wohl schon lang nicht mehr so lustig und so viel Stuss faselnd auf einer Familienfeier erlebt!
Fulda, auch der zweite Besuch war ein Volltreffer!

- BiBi -

Zu den Fotos von Das Pack und
Die Schröders