The Sinners in Glückstadt (Matjes-Wochen)

Samstag, 21. June 2008 - BiBi

Irgendwie stand dieser Tag unter keinem guten Stern…sind wir sonst immer sehr gut organisiert, fiel ich bei der Routenplanung für unseren Ausflug nach Glückstadt schon aus allen Wolken. Alles war ursprünglich für eine Bühnenzeit ab 20 Uhr geplant. So hatte Micha eben ihre Zugfahrkarten für Ankunft 16 Uhr bei mir gekauft. Warum zum Donnerdrummel steht jetzt plötzlich 18.30 Uhr auf der Website der Sinners – und im Veranstaltungsplan gar 18 Uhr?
Wollten wir ursprünglich schön gemütlich nach Glückstadt zockeln, die Elbe per Fähre in Wischhafen überqueren, fiel dies nun aus Zeitgründen völlig flach. Diese Strecke ist zwar 50 km kürzer, aber dauert mal eben schon ohne Wartezeit 3 Stunden.
Also plante ich die Anfahrt über Hamburg, da nannte der Routenplaner mir dann 1,75 Stunden Fahrtzeit.
Noch unglücklicher machte mich der Hinweis des Veranstalters, dass es in der Innenstadt Glückstadts keine Parkplätze gibt, sondern man Shuttle-Busse von Park and Ride-Parkplätzen nutzen soll. Die sollten aber nur bis 19 Uhr fahren, also wie sollte man dann später wieder zu diesen Parkplätzen kommen? Boh…unter solchen Vorzeichen verließ mich schon mal total die Lust, überhaupt loszufahren.
Kurz beratschlagten Micha und ich noch über ein Kontrastprogramm…Pensen tritt in Lüneburg auf – aber auch schon um 18 Uhr, also auch nicht besser…egal, Augen zu und durch und auf das Beste hoffen.

Michas Zug kam auf jeden Fall pünktlich, schon mal ein Vorteil, auch wenn ich zwei Minuten zu spät am Bahnhof war :) – dann sind wir ohne Zwischenstopp direkt auf die Autobahn, kamen auch super durch, keinerlei Stau oder so. In Elmshorn von der Autobahn, dann noch 25 km über Land, auch ohne Probleme bewältigt. Ich hatte mir vorgenommen, mal so weit wie möglich an den Stadtkern heran zu fahren und dann zu gucken, ob nicht doch irgendwo gerade eine Parkmöglichkeit besteht. Und wir hatten Glück…gleich neben den Parkplätzen, für die man einen Erlaubnisschein benötigte, war auch noch einer für uns armen Touristen ohne solchen Schein. Hurra – nun nur noch über den Flohmarkt rennen und schon waren wir auf dem Marktplatz, wo die Sinners bereits auf der Bühne für den Soundcheck waren. Kaum 10 Minuten waren wir da, fing das Spektakel auch schon an. Also, das hat doch schon mal geklappt.

Es war ein sehr hübscher Marktplatz, schöne Gebäude, Kirche, Rathaus drumherum – so typisch holsteinisch irgendwie. Auch die Bühne war prima, der Sound stimmte. Vor der Bühne hatten die Veranstalter eine Fläche mit Holz ausgelegt. Großartig, man musste sich nicht die Füße kaputt machen auf dem Kopfsteinpflaster. Also gute Vorzeichen – und doch kam bei mir keinerlei Stimmung auf. Mir war es zu früh, zu hell, zu kinderreich. Denn außer Micha und mir sowie zwei weiteren Sinners-Fans traute sich niemand auf diesen Holzboden. Wie durch eine unsichtbare Wand zurückgehalten standen die Leute drum herum, eher lethargisch und unaufmerksam – die Musik schien nur so Klangkulisse für ihren Dämmerschoppen zu sein. Aktiv hingegen war die große Kinderschar, die auf dem Bühnenrand hockte und auf der Fläche Fangen, Bundesjugendspiele und Leute anstarren spielte. Micha und ich brachen abwechselnd in Gelächter und in Kopfschütteln aus. Trotzdem versuchten wir uns immer wieder auf den eigentlichen Grund unseres Besuches dieses Städtchens zu konzentrieren – der Musik. Die Sinners spielten zweimal eine Stunde mit einer halben Stunde Pause dazwischen. Im ersten Set gab es Songs wie den Opener „Come on“, „Little star“, „Loss of hair“, „Mona Lisa“, „I wonder why“, „Road to nowhere“, „You better run for your live“, „Fools fall in love“ etc.
Die Pause nutzten wir zum Auffüllen des Flüssigkeitshaushaltes bzw. dem Gegenteil davon :) – Die Kinder verschwanden ziemlich schnell, als keine Musik mehr spielte, aber auch nur, um zum zweiten Set sofort wieder vor Ort zu sein. Es war schon sehr niedlich zu sehen, wie die Sinners den einen oder anderen Steppke ins Programm mit einbezogen…Matthias sich z. B. bei einem Acapella-Stück auf den Bühnenrand hockte zu einem kleinen Jungen, der aber keine Miene verzog. Auch als sich Tino und Andreas dazugesellten, blieb er wie erstarrt sitzen. Das war ihm wohl nicht ganz geheuer…aber ein Hardrock-Café-T-Shirt tragen.
Ansonsten wurde das Gehopse und Gerenne und Gerangel auf der Tanzfläche von den Sinners humorvoll als Deutschlands erste Pogo-Schule für Kinder vorgestellt.

Das zweite Set bescherte uns dann Songs wie „Gunning for the dog“, „I’m on fire“, „Take good care of my baby“, „Slippin’ and slidin’“, „Julia“, „I don’t wanna break your heart“, „Crazy little Mama“, „Da Do Ron Ron“, „Runaround Sue“ oder ein sehr schönes Elvis-Medley. Um 20.30 Uhr dann war pünktlich Schluss, aber der Moderator schickte die Jungs noch einmal auf die Bühne für eine Zugabe und sie spielten das NDW-Medley. Zum Ende des Auftritts war dann auch einiges mehr los vor der Bühne, vereinzelte Tänzer fanden sich an…im Prinzip wäre dies jetzt die richtige Zeit für den Auftritt gewesen, aber leider mussten die Sinners nun die Bühne räumen und schleunigst abräumen, da die Nachfolge-Band ja auch aufbauen musste.

Die nervten mich dann dermaßen an, dass ich es vor der Bühne nicht mehr aushielt. Ich steh überhaupt nicht auf Top 40-Bands, die einfach nur Chart-Sachen runterspielen. Da wäre jeder DJ, der die Originale auf CD auflegt, eine bessere Investition gewesen. Aber gut, meine Meinung ist nicht maßgeblich und den Glückstädtern schien es zu gefallen, denn plötzlich war es rappelvoll vor der Bühne.

Wir sind zwar noch eine Weile geblieben, aber ich war dann doch froh, als endlich Abfahrt auf dem Programm stand. Klar, war noch sehr früh, aber wenn die Musik nicht gefällt, ist die Party für mich eben vorbei ;)
Auf der Rückfahrt kamen wir wieder durch Elmshorn, diesmal aber eine andere Route und ich quiekte vor Verzückung auf, als wir direkt am Buttermarkt vorbei fuhren…dort hab ich vor zwei Jahren ein wunderschönes Sasha-Konzert erlebt – Erinnerungen wurden wach:)

Der Einkehr beim Elmshorner Burger King bescherte uns auf den dortigen TV-Geräten noch die Verlängerung des Fußballspiels Holland-Russland – wir hatten viel Zeit und ließen sie uns auch, aber um 1 Uhr waren wir dann doch wieder daheim.

Better luck next time, dies war auf jeden Fall nicht mein Wochenende – die Band kann nichts dafür, aber für mich ist es ein Zeichen, solche Veranstaltungen um diese Zeit nicht mehr zu besuchen…olé olé

- BiBi -

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