Boppin' B in Hannover (Maschseefest)

Sonntag, 3. August 2008 - BiBi

Lang ist es her, dass ich Boppin’ B das letzte Mal live gesehen habe – viel zu lang. Vier Monate, ich glaube, das ist seit dem Kennenlernen der netten Rock’n’Roller vor inzwischen etwas mehr als vier Jahren der längste Zeitraum, in dem ich sie nicht gesehen habe. Daher fieberte ich dem Maschseefest in Hannover entgegen – und für mich war klar, dass mich diesmal nichts davon abhalten würde, beim Konzert dabei zu sein.

Die Band sollte einmal mehr an der Löwenbastion auftreten. Das brachte mich auf einen Gedanken, nämlich meine Mutter mitzunehmen. Denn bereits vor zwei Jahren waren wir Konzert-Junkies an der Löwenbastion vor der NDR-Bühne und ich erinnerte mich, dass vor der Bühne Bänke und Tische standen. Sitzgelegenheit ist nun wiederum wichtig, damit meine Mutter zum Konzert kann, denn stundenlanges Herumstehen geht mit ihrem künstlichen Kniegelenk nicht mehr.
Leider wird es in diesem Jahr augenscheinlich nichts mit einem Auftritt der Band hier im benachbarten Worpswede, wo meine Mutter sonst auch immer ein hübsches Sitzplätzchen findet – also bekommt sie ihr jährliches Konzert halt in Hannover.

Um 15 Uhr starten wir bei grellem Sonnenschein…aber Regenschirme sind auch eingepackt, denn der Wetterbericht verheißt uns Regenschauer. Doch selbst in Hannover, wo ich meist Regenkonzerte erlebe, strahlt es vom Himmel. Ich hab viel Zeit eingeplant für die Parkplatzsuche…aber erst einmal muss ich die Löwenbastion wieder finden. Ist auf der Längsseite des Maschsees, soviel weiß ich…also einmal rauf und runter gefahren, ah da: Die breite Treppe mit den steinernen Löwen an der Seite – die NDR-Bühne ist auch zu sehen…nun muss nur noch der Parkplatz in erreichbarer Nähe her…ich muss zweimal wenden, ein Unfall mit Absperrung ist etwas hinderlich, aber dann: Da steigt wer in sein Auto…fährt er weg? Warten…ja, er startet, juchhu…der Parkspot ist meiner!
Das ging nun schneller als erwartet…nun müssen wir nur noch ein Sitzplätzchen vor der Bühne ergattern, ich stell es mir schwer vor, denn es ist Sonntag, die Sonne strahlt, viele Menschen sind unterwegs. Kurz bevor wir die Löwenbastion erreichen, höre ich schon vertrauten Rock’n’Roll-Klänge. Soundcheck:)
Und vor der Bühne dann: noch ganz viele freie Plätze an den Tischen…wie schön. Sofort beziehen wir die besten Plätze, das wäre geschafft. Wir lauschen noch kurz dem Soundcheck, aber dann ist er auch schon beendet, hier sind Profis am Werk. Die Band verabschiedet sich von der Bühne mit den Worten, sie kommen denn um 20 Uhr wieder…was? Wie? Warum? 18 Uhr sagt die Seite vom NDR, beginnt das Warm-Up…19 Uhr sagt die Seite der Boppin-Bande, beginnt der Auftritt…von 20 Uhr ist nirgends die Rede. Aber es ist kein Gag, nun soll die Live-Musik erst um 20 Uhr beginnen. Grummel, es ist immerhin erst kurz nach 17 Uhr – da haben wir ja eine lange Wartezeit vor uns. Und weil der Himmel mit uns ist, bezieht es auch mal flott und die heiße Sonne versteckt sich. Nun nicht auch noch regnen…na ja, wie soll ich sagen…bis zum Konzertbeginn fängt es schon einmal an, ein bisschen zu pladdern, aber nicht schlimm…Regenschirme werden ausgepackt, doch meiner liegt brav im Auto und ich brauch ihn auch nicht wirklich. Selbst die Kapuze an meiner Jacke ist eigentlich überflüssig.

Wir vertrödeln die Zeit mit bisschen Futtern, bisschen Wasser trinken (bei 2,50 Euro für ein Glas Wasser überlegt man schon kurz, ob man sich mal ein Glas aus dem Maschsee schöpft) und werden ab 18 Uhr von einem NDR-DJ so laut mit Partymucke beschallt, das Unterhaltungen leider fast nicht mehr möglich sind. Da geht nur noch direktes in die Ohren brüllen…
Der Unmut der Leute ist schon groß, als der DJ dann zwischendurch ansagt, die Band beginnt um 20 Uhr…es sind ja viele neue dazugekommen, die es nicht wussten und ungehalten sind und sich veräppelt fühlen. Buh-Rufe ertönen…ob das den DJ nachdenklich macht? Irgendwann ist er verschwunden und als er wiederkommt, macht er die Ansage, er hätte gerade gehört, Boppin’ B startet nun doch schon um 19.30 Uhr…Hurra, dann nur noch 20 Minuten warten. Und wirklich, Punkt halb acht stürmen die Aschaffenburger die Bühne.

Für mich war diese Woche ja so ganz im Zeichen des SITZPOGO (die neueste CD der Monsters of Liedermaching, die am 1.8. herausgekommen ist – und die Feierlichkeiten dazu – siehe Konzert-Bericht dazu) – und in diesem Stil geht es für mich heute weiter, denn das wird mein erstes Konzert bei Boppin’ B im Sitzen…aber die Tische und Bänke sind in diesem Jahr einfach zu dicht gestellt, als das man dort noch Platz zum Stehen hätte – und ich will meine Mutter auch nicht allein lassen und mich weiter weg stellen…also zelebriere ich den Sitz-Rock’n’Roll :)

Erst mal geht es alt vertraut los – „Army of Rock’n’Roll“, gefolgt von „The only way“ und „Trouble“ – noch bin ich etwas stimmungsgehemmt, weil ich halt sitze, aber spätestens bei „Sh-Boom“, „Everybody loves you“ und „Those were the days“ ist das vorbei und ich fühle mich ein bisschen, als wenn ich nach Hause komme! Das große Grinsen im Gesicht ist da und ich genieße „Wild saxophone“, „Ein toller Tag“ und ganz besonders „Take me away“ vom neuen Album. Bei der Band-Hymne „Scheisskapelle“ find ich den Mitmachfaktor der Hannoveraner noch etwas gering, aber das änderte sich im Laufe des Abends doch noch gewaltig.
„Rockin Rollin Stone“ und „Bop won’t stop“ beschließen schon dieses erste Set. Nun ist Pause, alles geht mal Getränke holen, auf Toilette oder so…
Aber dann geht’s weiter…immer wieder schielen wir gen Himmel, ab und zu verliert er ein paar Tropfen, aber das ist alles nicht schlimm…die verdampfen gleich bei dem heißen Rock’n’Roll, der geboten wird.

Das zweite Set startet mit „Just rocking and rolling“, ein eher neuer Titel im Programm. „King of Bongo“ und „How low“ sind mir wieder gut bekannt, „Do it to me“ vom Album Bop around the Pop auch, aber trotzdem freu ich mich immer ganz besonders, das Stück zu hören – ist es doch eins meiner liebsten!
Bei „If you believe“ gibt Micha wieder alles, das Ende ist grandios und ich freu mich halb kaputt und weiß jetzt, wie sehr ich das alles doch vermisst habe. „I can’t dance“ nimmt mal etwas Tempo aus dem Programm, alles schnippt begeistert mit.
Aber danach ist wieder richtig Gas geben angesagt mit „Hand in hand“ und „Riding on a bullet“. „Save our soul“ ist der nächste Programmpunkt…hab ich das schon mal live gehört? Man weiß es nicht…aber ich weiß, ich finde es großartig!
„Sexbomb“ ist wieder altbekannt, Micha rollt die Hüften und die anwesenden Damen juchzen vergnügt – selbst meine Frau Mama guckt ganz verklärt!
Mit dem König des Affenstalls aus dem Dschungelbuch und der dazugehörigen Fünfer-Pyramide wird das 2. Set beendet.

Die folgende Pause kommt mir kürzer vor als die erste, aber wirklich weiß ich es nicht, ich hab nicht auf die Uhrzeit geachtet…auf jeden Fall geht es zügig wieder los…das überhaupt drei Sets gespielt werden, finde ich großartig. Auch wenn es inzwischen etwas kühl geworden ist, verzichte ich auf die Jacke – nach den mörderheißen Tagen darf es auch mal angenehm frisch sein…

Aber nicht lange, denn die Jungs von Boppin’ B heizen auch weiterhin richtig. Beginnend mit dem alten Klassiker „Rock’n’Roll“ und einer großartigen Bühnenperformance dazu. Herrje, das habe ich auch lange nicht mehr gehört! Heftig schnell geht’s mit „Drive my car“ weiter – um dann umzuschalten und das wunderschöne „Volare“ erklingen zu lassen…alle am Maschsee singen begeistert mit! „Ich träum von dir“ kann ich auch gar nicht oft genug hören…dann eine Hommage an die Ramones – die von Boppin’ B entlarvt werden als weniger Punkband als eigentlich Country- und Western-Kapelle! „Rockaway Beach“ ist das Stück dazu, klasse!
„Jump jive and wail“ sowie „Chemical reaction“ sind eher altbekannte Stücke, „Boulevard of broken dreams“ rockt einmal mehr wie die Hölle und mir fällt es echt schwer, sitzen zu bleiben. Wieso Boppin’ B den German DJ-Award bekommen hat, verstehe ich bei der Ansage zum nächsten Stück überhaupt nicht – denn es folgt „Hold on“ und was das mit DJ- Musik zu tun hat, ist mir ein Rätsel – aber den Musikern ja vielleicht auch :)
Gut, genug geschmust bei „Hold on“, nun ist wieder Speed angesagt, „Radio Day“ und das von Golo gesungene „Ubangi stomp“ zeigen, wie es geht.
Über „Runaround Sue“ freu ich mich auch riesig und der Chor des mitsingenden Publikums schallt laut über den verträumten See!
Die Boppin-Band erzählt natürlich zwischenzeitlich auch allerlei Kurzweiliges und meist auch Unsinniges – aber es unterhält kolossal. Z. B. wird Saxofonist Franky als Jägerzaun-Verkäufer angepriesen…da er ja nicht so der Großverdiener im Musik-Business ist, braucht er halt noch einen anderen Job. Und das Maschseefest eignet sich immer dazu, seine Zäune anzupreisen. Logisch! Steht doch die Bühne hinter einem weißgestrichenen Gartenzaun:)
Auch berichten die Musiker, dass sie in ihrer vielen Freizeit, wenn ihnen langweilig ist, mit der Strickliesl arbeiten oder Brombeer-Marmelade und Quitten-Gelee kochen. Wobei Golo zu berichten wusste, dass sein Quittenbaum eine Krankheit hat und nicht so viele Früchte trägt. Ja, das sind Infos, die die Welt braucht *lach*
Nur leider ist ja auch die kurzweiligste Plauderei irgendwann zu Ende und so folgen als letzte Programmpunkte noch „King Creole“ und „Bye-Bye“…ich hocke auf meiner Bank und winke wehmütig zum Abschied.
Aber klar, dass die Hannoveraner die Band nicht so einfach von der Bühne lässt…nee nee, nun wird vehement Zugabe und Scheisskapelle durcheinander gerufen und es wirkt…da bis 23 Uhr Zeit ist, gibt es noch einen Nachschlag in Form von drei Songs, die da sind: „Americano“, „Fools fall in love“ und „Blitzkrieg Bop“ – besser geht’s kaum, oder? Na ja, es sei denn, es gibt noch mehr Zugaben, aber da die Zeit abgelaufen ist, stellt der DJ schnell CD-Musik an – Ende der Vorstellung.
Wow, das war toll, ich bin absolut berauscht von soviel Rock’n’Roll und superfroh, dass ich am kommenden Freitag schon wieder zu einem Konzert kann!

Wir räumen dann auch zügig unsere Plätze, am Stand ist es noch recht voll, aber nach und nach kehrt Ruhe ein, man kann noch ein paar schöne Unterhaltungen führen…die Band hat nicht sehr viel Zeit, denn der weite Heimweg steht ihnen noch bevor. Da hab ich es mal besser, denn innerhalb einer Stunde hab ich meine Mutter heil zu Hause abgeliefert (hier goss es übrigens in Strömen) und wir beide blicken auf einen tollen Sonntag zurück!
Löwenbastion, ich komm wieder (sogar schon nächste Woche - VIVA PUNKROCK, und ich bin gespannt, wie lange da die Tische und Bänke stehen bleiben, hehe)

- BiBi -

zu den Fotos vom Maschsee geht’s hier…