Boppin' B, Empty Trash, The Rattles in Wiefelstede (Night-Festival)

Freitag, 8. August 2008 - BiBi

Obwohl es gerade mal fünf Tage her war, dass ich Boppin’ B am Maschsee gesehen hatte, freute ich mich schon riesig auf das Wiedersehen in Wiefelstede. Im Zuge eines großen Schützenfestes wurde von den dortigen Veranstaltern auch ein Konzertabend organisiert, der unter dem Motto „4 Generations“ stand. Daher auch ein ungewöhnliches Line-Up, das dem Motto aber durchaus gerecht wurde…für die ganz jungen Teenager waren Empty Trash, die Band des durch DSDS bekannt gewordenen Max Buskohl engagiert worden, die etwas älteren Teenager bildeten die Hauptinteressengruppe für Jennifer Rostock, Teilnehmerin des letzten Bundesvision Song-Contests von Stefan Raab, für die echten Oldies gab es The Rattles, die in den Sechziger und Siebziger Jahren ihre Blütezeit hatten – und Boppin’ B einigt ja bekanntermaßen alle Generationen vor der Bühne.
Daher war ich sehr gespannt, was dieser Abend bringen sollte.
Ich hatte mich im Vorfeld mit Bine aus dem Boppin’ B-Forum vor Ort verabredet, denn sie war gerade in norddeutschen Gefilden in Urlaub und wollte die Gunst der Stunde nutzen, um eben in Wiefelstede dabei zu sein. Tickets konnte ich für uns tatsächlich mal im heimischen Reisebüro im Vorverkauf erwerben, für mich als Online-Bestellerin auch ein Novum. Und so freute ich mich nicht nur auf die musikalische Seite des Festivals, sondern auch, eine relativ neue Foren-Nutzerin mal persönlich kennen zu lernen.

Da um 19.30 mit Empty Trash die erste Band auf der Bühne stehen sollte, ich generell neugierig auf Musik bin, startete ich kurz nach 17 Uhr…Plan war, so 18.15 Uhr in Wiefelstede anzukommen, damit ich Bine ihr Ticket noch vor dem Einlass übergeben konnte. Leider traf mich im Oldenburger Raum ein kleiner Freitag-Feierabendverkehr-Stau, so dass ich dann doch erst 15 Minuten später auf dem Parkplatz des Schützenplatzes eintraf – einer eigentlich matschigen Wiese. Ziemlich zeitgleich erschien auch meine Freundin Sabine (eigentlich auch Bine, aber dann wird’s zu kompliziert mit zwei Bines :) – sie war ein paar Tage bei ihren Eltern zu Besuch, die im Umland wohnten und entschied sich spontan, nachdem sie vom Auftritt von Boppin’ B las, doch auch dabei zu sein…sehr zu meiner großen Freude, sehen wir uns auch nicht so häufig.

Wir tapperten also mal zum Einlass des Geländes – erstaunlicherweise muss jeder, der das Schützenfest besucht, auch ein Ticket haben – für Konzertbesucher ja ganz klar, aber jemand, der nur mal ein Bierchen trinken will und eine Bratwurst essen möchte, schon ein etwas teureres Vergnügen…wobei ein Preis von 9 Euro an der Abendkasse nun für das bevorstehende Konzertereignis wiederum spottbillig war.
Also betraten wir den Platz, gingen vorbei an Krake, Fischbude und sonstigen Kirmestypischen Geschäften und betraten das große Festzelt, an dessen Ende sich die große Bühne befand. Die erste Reihe war trotz der frühen Zeit schon ziemlich dicht gedrängt voll. Wir stellten uns mal ganz links, leider vor die Boxen. Es fand gerade der Soundcheck von Empty Trash statt, die Mädels, die sich vorn drängten, waren schon ganz aufgeregt :) – dann irgendwann realisierte ich das Klingeln meines Handys – Bine war auch endlich eingetroffen und ich ging wieder zum Einlass, um ihr das Ticket zu geben. Zusammen ging es zurück ins Zelt. Ich war froh, dass draußen relativ kühles Wetter herrschte…Bei brüllendem Sonnenschein und Temperaturen von über 30 Grad, wie wir es in den vergangenen Tagen ja hatten, wäre die Luft im Zelt nicht auszuhalten gewesen. So war es aber recht angenehm temperiert.
Als der Soundcheck von Empty Trash beendet war, kam Boppin’ B-Bassist Didi zu einem ersten Plausch vorbei, der dann um halb acht brachial durch den Beginn des ersten Konzerts unterbrochen wurde. Ich zögerte auch nicht lange – obwohl ich es sehr selten und ungern tu – und griff auf meine Ohrstöpsel zurück. Das war einfach heftig, was uns da an Lautstärke entgegen pustete. Die beiden Bines standen hinter mir und verließen auch mehrfach das Zelt beim Empty Trash-Auftritt. Ich blieb, um ein paar schöne Fotos zu erhaschen…was sich trotz guter Lichtbedingungen als eher schwierig erwies, wenn man den Anspruch hat, auch Gesichter fotografieren zu wollen. Die Mitglieder der Band zeichneten sich durch ihre ständig vor dem Gesicht hängenden langen Haaren aus *lach* - aber den Mädels, die in dem ansonsten noch recht leeren Zelt dicht an dicht vorn standen, gefiel es. Ein bisschen Kreischalarm gab es auch, hielt sich aber noch in Grenzen – oder mein Gehörschutz ließ es einfach erträglich erscheinen.
Ja, musikalisch kann ich jetzt nicht viel über die ganze Geschichte sagen – nur, dass es bei mir nicht gezündet hat. Obwohl ich durchaus auf Rock stehe, war da nichts für mich dabei, das mich aufhören ließ. Auf der Bühne passiert nicht viel, die meisten Ansagen beschränkten sich darauf, mitzuteilen, dass jetzt ein altes Lied kommt und nun ein neues oder ein ganz neues. Sänger Max erzählte einmal kurz, dass sie fürs Songwriting gerade bei seiner Oma auf dem Lande waren.
Am besten haben mir eigentlich noch die Songs gefallen, wenn Max sich von seiner Gitarre löste und einfach nur mit Mikro agierte, denn dann fegte er mal etwas mehr über die Bühne und es kam Action in die Sache.
Aber ich will nicht nörgeln oder kritisieren. Es handelt sich eben auch noch um eine sehr junge Band, das darf man nicht vergessen. Da mag sich auch noch einiges weiterentwickeln.
Ich für mein Teil war zufrieden, als sich nach einer Stunde die Band von der Bühne verabschiedete…obwohl die Mädels nun sooo begeistert waren, gab es auch keine Zugaberufe…
Die beiden Bines und ich waren nun natürlich darauf erpicht, einen besseren Platz zu ergattern, denn ich wollte die Boppins auf keinen Fall von so einer Außenseiter-Position sehen und war auch einigermaßen sicher, dass die Teenies nicht die beiden folgenden Bands aus erster Reihe verfolgen wollten, sondern lieber bis zum Beginn von Jennifer Rostock am Autoscooter draußen abhängen würden. Die Reihen lichteten sich dann auch so nach und nach, aber da Empty Trash nun noch am Abbauen waren, harrten die ganz vorn Stehenden natürlich noch aus in der Hoffnung auf ein Autogramm und einen letzten Blick. Mich hat dabei besonders ein Mädel belustigt…der Bassist schmiss zusammengeknülltes Papier oder Klebebandreste Richtung Publikum und sie wurde gleich ganz hysterisch und rief dann: „Hier, hier…ich will auch Müll haben.“ – das nenn ich doch mal richtige Fan-Liebe *lach*.

Aber dann waren die Jung-Spunde von der Bühne und zack, waren alle jungen Mädels raus aus dem Zelt – und wir etwas älteren Mädels rückten nach. Somit hatte ich dann einen sehr schönen Platz etwas links von der Mitte und sah dem folgenden Gig der Rattles entgegen, ihres Zeichen Urgesteine der deutschen Rock-Musik.

Als die Band die Bühne betrat, waren wir schon einigermaßen belustigt, denn natürlich sind die Herren nicht mehr ganz so jung wie unsere Boppin-Bande und dementsprechend sind ihre Bühnenshow-Einlagen auch nicht ganz so akrobatisch. Wiegeschritt ist da schon eine schöne Abwechslung, aber trotzdem hatten die Herren eine gute Bühnenpräsenz. Da merkt man schon die jahrzehntelange Erfahrung. Und das beste…ich kannte eigentlich fast jeden Song…The Rattles gehörten früher sicher zu einer bevorzugten Band meiner Schwester (die 12 Jahre älter ist als ich) und covern halt auch Stücke aus der guten alten Zeit, denn daher waren mir die Songs geläufig – oder natürlich von Rock- und Oldiepartys, die man so gefeiert hat im Laufe des Lebens. So bekamen wir Sachen wie „Sha-La-La-La-Lee“, „Hippy Shake“, „Love of my life“, „Twist and shout“, „Mona“, „Memphis-Tennessee“ und sogar „Great balls of fire“ zu hören. Alles prima, hat alles Spaß gemacht und zum Mitwippen und –Singen animiert. Nur „Unchained Melody“ – nee, da bin ich eigen…da will ich nur Michael Treska singen hören! Als letztes Stück gab es natürlich das wohl bekannteste Lied der Rattles, „The Witch“…als wir dachten, es sei beendet und alle Musiker bis auf den Gitarristen die Bühne verlassen hatten, ertönten dann Zugabe-Rufe und der Gitarrist legte nun Solo los. Gut, er kann nichts dafür, dass ich so ewig lange Gitarren-Soli nicht besonders mag, aber er sprang dann tatsächlich von der Bühne und spielte im Publikum weiter…eine lange Zeit…dann waren auch seine Kollegen wieder auf der Bühne und beendeten gemeinsam mit ihm den Song. Nun verließen dann doch alle die Bühne, aber das Publikum verlangte weitere Zugabe und bekam sie auch. „Come on and sing“ sowie „Hey Baby“ (ja, das gab es schon lange vor dem DJ Ötzi…) bildeten den Abschluss des Sets.

Nun mischte sich das Publikum wieder…es verjüngte sich wieder ein wenig und ich sah, dass das Zelt inzwischen aber echt ordentlich gefüllt war. Man spürte es auch, denn die Luft wurde schlecht und schlechter (Rauchen ist in Schützenfestzelten weiterhin erlaubt) und auch sehr viel wärmer.
Nach einem kurzen Umbau und Soundcheck legte dann die Aschaffenburger Scheisskapelle endlich los. Mir war ja klar, dass es kein sehr langes Set werden würde und so verflog die kommende Stunde auch superschnell…
Wir wurden am Anfang erfreut mit Stücken wie „Army of Rock’n’Roll“, „The only way“, „Sh-Boom“ oder „Those were the days“. Obwohl die Band im Oldenburger Land nicht gerade häufig präsent ist, bedurfte es nur einer kurzen Erklärung, was man auf die Frage „Do you feel allright“ antworten sollte und so kam der Ruf beim „Scheisskapellen“-Lied auch schon lautstark daher.
Leider war der Zeitrahmen ja knapp gesteckt, so dass das auf der Setlist verzeichnete „Mädcheninternat“ mal gleich weggelassen wurde, aber man hatte wohl vergessen, das dem Micha mitzuteilen…er stand da mit seiner Gitarre und wurde dann erst aufgeklärt, dass es gleich mit dem scheinbar unverzichtbaren „Chemical reaction“ weiter ging. :)
„Hand in hand“ kam super an, aber auch das ruhige „I can’t dance“, das auch mir irgendwie jetzt immer besser gefällt. Der Song vom übernächsten Album (das nächste fällt ja bekanntlich aus, weil es eh ein Flopp wird ;) „Just rockin’“ brachte wieder Fahrt ins Set. Die Band gab alles, Didi balancierte seinen Bass kunstvoll, stand mit ihm auf dem Schlagzeug, lag auf ihm – und ich sah beeindruckte Gesichter im Publikum.

Inzwischen wurde es um uns herum aber immer enger…die Jugend war zurückgekehrt ins Zelt und wollte sich Plätze ganz vorn sichern und drängelte wie Teufel. Ich hab die Mädels hinter mir mal ein bisschen im Zaum gehalten, indem ich ihnen gleich mitteilte, dass wir nach Boppin’ B unsere Plätze räumen, sie also nach vorn lassen, aber jetzt mal noch ein bisschen ohne Drängelei feiern wollten. Klappte dann auch sehr gut. Wobei die Leute rechts von mir doch etwas mehr zu leiden hatten, denn – man glaubt es kaum – hinter den ersten zwei Reihen wurde Pogo getanzt – ja, bin ich denn auf einem Punkrock-Konzert?
Also gab es Pogo beim folgenden „If you believe“, das mich wie immer aufs höchste erfreute – Micha macht ja auch so eine Art Rock’n’Roll-Pogo am Ende und das liebe ich einfach! Mit „Rindin’ on a bullet“ ging es weiter, dann gab es „Hold on“ zum Träumen. Tja, und nach „Radio Day“ folgte dann auch schon das Schluss-Doppel „Fred vom Jupiter - Wer hat an der Uhr gedreht“ – nöööö, noch nicht Feierabend machen.

Owohl die Leute wie verrückt bei der Scheisskapelle gefeiert hatten, blieb es absolut ruhig. Aber nicht mit uns. Die beiden Bines und ich brüllten uns die Seele aus dem Leib nach einer Zugabe, angezischt von den Mädels, die rund um uns herum standen und ja nur auf Jennifer Rostock warteten. Egal, weiterbrüllen, solange keine CD-Musik erklingt, gibt es eine Chance. Jaaaa, geschafft, die Band kehrte zurück auf die Bühne und wir bekamen noch ein exquisites „Blitzkrieg Bop“ geboten. Das war genial. Mir war heiß wie die Hölle und obwohl ich auch ein bisschen gespannt war, wie denn Jennifer Rostock so live ist, war der Drang, zum Stand zu gehen und Mercher Matte Hallo zu sagen, doch größer. Also versuchte ich, meine Sachen in meiner Tasche zu verstauen, was extrem schwierig war, weil die Teenies wie die Bescheuerten drängelten. Aber irgendwann gelang es mir dann doch und wir bahnten uns den Weg durchs Zelt. Schon nach ein paar Reihen lichtete es sich merklich. Am Stand dagegen: gähnende Leere, da wurde leider nicht viel umgesetzt. Matte war nicht erfreut und wagte es dann, uns die Aufsicht zu überlassen, um mal die sanitären Anlagen aufzusuchen.

Nach dem einen oder anderen Plausch war mir dann aber danach, das Zelt zu verlassen. Ich fand es einfach zu heiß und stickig und die Neugierde auf die folgende Band war gen Null gesunken. Also raus aus dem Riesenzelt und wow…der Schützenfest-Platz wimmelte auch voller Menschen. Die haben echt alle Eintritt bezahlt? Nicht schlecht! Da es nun draußen einen absoluten Temperaturwechsel gab – nix mit lauer Sommernacht, sondern einfach sehr frisch – hielten wir uns auch nicht mehr lange auf dem Gelände auf und machten uns auf zum Parkplatz. Meine Freundin Sabine brachte die Bine noch nach Westerstede zu ihrem Hotel und ich trat direkt die Rückfahrt an, die schon nach 50 Minuten endete- nein, nicht im Straßengraben, sondern schon zu Hause…ein echter Luxus für mich:)

Und übrig bleibt eine schöne Erinnerung an einen tollen Abend, einen netten Menschen kennen gelernt zu haben und die Vorfreude, die Boppins in sechs Wochen in Lingen wiederzusehen…

- BiBi -

Night-Festival-Fotos von Empty Trash
The Rattles
Boppin’ B