Monsters of Liedermaching in Bremen (Lagerhaus)

Sonntag, 21. September 2008 - BiBi

Da ich momentan nicht gerade einen guten Lauf im Leben habe, sind musikalische Highlights das, was mich nicht völlig durchdrehen lässt. Musste ich am Vortag aus Vernunftgründen bereits meine Fahrt nach Lingen zu Boppin’ B und Monsters knicken, weil ich nach gerade mal mit Ach und Krach überstandener schwerer Grippe keinen Rückfall bei einem Open Air-Abend riskieren wollte, freute ich mich natürlich um so mehr, am Sonntag mit einem Monsters of Liedermaching-Club-Gig in Bremen entschädigt zu werden. Hey, endlich wieder Club-Saison, ausführliche Konzerte und nicht nur noch ein paar Lieder, weil nicht mehr Zeit übrig ist wie bei den letzten Open Airs, auf denen ich war.
Und dann noch in Bremen – also nur etwas über 20 km Anfahrt, da jubelt die Geldbörse - und die BiBi mit. Das Ticket hing sowieso schon lange an der Pinwand…einziger Wermutstropfen: Die Location liegt im Steintor-Viertel – uh…Sielwall, nix, wo ich normalerweise allein rumlaufen möchte. Und schon gar nicht, wenn es dunkel ist. Aber was macht man nicht alles für die Monsters…also fuhr ich mal nach einem miesen Sonntag gegen 18 Uhr los. Parkplatz-Suchzeit muss man ja leider in Bremen überall einrechnen. So cruiste ich auch einige Mal die Straßen rauf und runter, dort, wo ich eigentlich einbiegen sollte zum Lagerhaus, war die Straße mit Pollern gesperrt, dahinter natürlich reichlich freie Parkplätze…super!
Aber dann war das Glück mir doch hold und ich fand keine 500 m von der Location entfernt ein Plätzchen, in das auch ein dicker Audi hinein passte.
Am Club angekommen traf ich auch sofort auf nette Leute, die ich vom Oldenburg-Konzert her kannte. Wir stiefelten zusammen die Treppe in den ersten Stock hoch, wo sich der Saal befinden sollte, denn sie wollten noch Karten kaufen und ich wollte einfach nur wissen, wann nun Einlass ist – auf meinem Ticket stand 19 Uhr, auf den Plakaten 20 Uhr…Verwirrung überall. Oben trafen wir dann gleich auf weitere Fans, die mit uns Konzert-Junkies das harte Schicksal des Deichbrand-Festivals in Cuxhaven geteilt haben und auch vergeblich durch die Schlammwüste gewatet sind, nur um morgens um 2 Uhr zu erfahren, dass die Monsters nicht auftreten werden…Also schon mal reichlich Gesprächsstoff…dann ging die Saaltür auf, die Monsters waren fertig mit Soundcheck und gingen zu Tisch – oder so:) – gleich danach dann auch Einlass, ah, also doch 19 Uhr. Das Lagerhaus wurde mir immer sympathischer. Erst recht, als wir dann im Saal waren. Sehr bequeme Stühle waren aufgestellt und die Plätze füllten sich zügig. Ich platzierte mich rechts vor der Bühne, auf Rüdis Höhe. Erfreut sah ich, dass die Mitarbeiter des Lagerhauses noch weitere Stühle anschleppten. Der Ansturm des Publikums war wohl größer als erwartet – geil!
Ich tigerte dann noch zum Tresen, wollte eine Cola-Light: Haben wir nicht…ach so? Wir sind doch hier in der großen Stadt und nicht auf einem kleinen Dorffest. Aber dann kam ein Vorschlag, den ich staunend hörte…der Barkeeper bot mir an, mal Cola-Schorle zu probieren…also Coke und Wasser gemischt. Würde er ab und zu mal trinken, es würde aber auch nicht wirklich gut schmecken. Somit konnte ich mich für den Gedanken nun gar nicht erwärmen und staunte, was man so in Bremen konsumiert *lach* - ich entschied mich für Apfelsaft und plauderte noch mit dem netten Herrn…auf Nachfrage teilte er mir auch mit, es gibt keine zeitliche Begrenzung in diesem Laden, also es wird nicht einfach um 23 Uhr oder so aufgehört. Na, das verheißt Gutes, besonders, da er auch verriet, es würde eine Vorband geben.

Diese begann dann auch sehr pünktlich um halb acht – angesagt von Rüdi, betraten Simon und Jan aus Oldenburg (check out: http://www.myspace.com/simonundjan) die Bühne. Das junge Liedermacher-Duo startete auch gleich mit einem Song, den ich mal Liedermacher-Blues nennen möchte: „Im Westen nichts Neues“. Ich hörte mir das erst mal interessiert an, bin jetzt aber nicht so der Blues-Fan. Aber schon im zweiten Song änderte sich das ganze und ich konnte über „Die Tafel“ schon herzhaft lachen. Dann erzählten sie musikalisch von einem Vollidioten namens Dieter (Bohlen mit Nachnamen *gg*), verarbeiteten viele, viele Werbeslogans in „Heute ein König“ und sangen dann noch über Buddisten. Sehr gut, sehr amüsant, sehr hörenswert mit guten Stimmen. Das hat gefallen, Simon und Jan wurden auch mit reichlich lautem Applaus bedacht. Bevor sie die Bühne verließen, stimmten sie schon mal mit den Gitarren die Monsters-Hymne an, in die das Publikum dann einstieg – oh oh oh Monsters!

Auch die ließen nun nicht mehr lange auf sich warten. Gutgelaunt betrat die Liedermacher-Band die Bühne – und passend zum Tag startete Rüdi mit „Sonntag“ – alles noch etwas ruhiger und gediegen. Aber schon „Marzipan“ zeigte dann, wie das Bremer Publikum so drauf ist – nämlich laut und feierfreudig. Die Monsters forderten dann auch immer wieder auf, doch Samstagabend-Feeling aufkommen zu lassen – das gelang auch mühelos. Dazu passen dann ja auch flotte Nummern wie „Moti“, „Hartz 4“, „Döner“, „Ich bin nicht frei“. Bei „Blasenschwäche“ konnte man dann auch feststellen, dass das neue Album SITZPOGO schon sehr verbreitet ist. Pensen musste nichts erklären, das NEIN nach der ersten gesungenen Frage kam von allein – laut und schmetternd.
Sehr gefreut habe ich mich, dass Fred im Anschluss den alten Norbert und die Feiglinge-Klassiker – und auch von den Schröders immer wieder gern gehört – „Bayern hat verloren“ sang. Ob nun als fester Programmpunkt oder weil Werder Bremen am Vortag so großartig die Bayern besiegt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber hat Spaß gemacht.
Burgers „Der Fisch“ wurde wieder von einem super Unterwasser-Chor begleitet. Einige der Herren sind wohl dazu übergegangen, mit Bier zu gurgeln, was aber ihren Aussagen nach schnell schal schmeckt.
Totte sang im Anschluss „Häschen“ und Labörnski starb dabei wieder einen spektakulären Hasen-Tod – er gab wirklich alles, um dann im Anschluss nach Luft japsen zu müssen. Was seine Kollegen schadenfroh zur Kenntnis nahmen, denn genau jetzt sollte ja Börnski das „Punkermädchen“ singen – und dazu benötigte er ja nun mal Luft. Ich könnte mir durchaus denken, dass es da bald mal eine Änderung in der Setlist gibt :)

Pensen lud dann zum Schlittschuh fahren ein, Rüdi bereitete uns auf den folgenden „Montag“ vor und Burger gab Tipps, wie man auch gewalttätig durchs Leben kommt. Die Stimmung war auf einem Höhepunkt, das Publikum hatte Spaß, die Monsters hatten Spaß. Noch gesteigert durch Freds „Durchschnitt“ – doch dann schon das letzte Lied im ersten Set: „Interesse ist gut“.
Nun gab es eine kleine Verschnaufpause, die Monsters und alle anderen konnten ihren Nikotinpegel wieder hochschnellen lassen. Mich sprach kurz vor Ende jemand an, den ich nicht im ersten Moment zuordnen konnte – das gelang erst nach mehreren Nachfragen…der Stefan aus Bochum. Respekt. Wir waren uns in Lippetal über den Weg gelaufen. Er war am Freitag beim Konzert in Mühlheim und ist einfach mal, weil’s wieder so geil war, spontan nach Bremen gefahren. Hey, so was find ich total klasse, weil ich ja selber so ticke und dann und wann mal eben spontan ein paar Hundert Kilometer zurücklege!

Das zweite Set startete dann mit Totte, der von „Sabine“ berichtete, die ihrem Horst doch einfach nur was Nettes kochen wollte, der aber seinerseits mehr punkige Ambitionen hat. Bekanntermaßen kann und soll man bei den instrumentalen Teilen des Songs großartig Sitzpogo tanzen – das hat wohl von der Bühne aus so genial ausgesehen, die das Publikum auf ihren Stühlen herumtobten, dass Totte mich bat, doch ein Foto davon zu machen. Gefragt, getan – leider gibt ein einzelnes Foto die Dynamik nicht so her, aber für Serienbilder war es zu dunkel.
Im Anschluss gab es ein für mich neues Lied von Labörnski, in dem er berichtete, er wäre ein Sänger – wie wahr.
Bei Rüdigers „Weltklassemelodie“ flammten wieder viele Wunderkerzen auf, manche Fans sind eben super vorbereitet! Fred konterte dann mit „Ich mag mich“. Bei Burgers „Sexkranker Ex-Punker“ ging eben dieser richtig ab, ein lautes YOH MOTHERFUCKER schmetterte ihm entgegen und er rockte den Saal wie Hölle. Pensens „Schwach sein“ wurde mit enthusiastischem und ehrlich gemeintem BUH begleitet – Applaus gibt’s dafür nicht mehr, aber das ist ja auch so gewollt.
Aber dafür wurde für Totte dann wieder richtig heftig geklatscht – „Mofo-Mücken“ spricht uns allen auch aus der Seele. (Kleine Geschichte am Rande – ich bin letzte Nacht morgens um drei Uhr von acht furchtbar juckenden Mückenstichen geweckt worden. Obwohl ich totmüde war, musste ich natürlich auf Mückenjagd gehen und tat dies lautstark, indem ich von muttergefickten Mücken sang! Danke dir, Totte, für diese Hymne! Ich muss jetzt übrigens auch neu streichen, denn ich hab die Sau gekriegt!;)
Über Rüdis „Quizmillionär“ kann ich mich jedes Mal erneut kaputt lachen…aber dann wurde der Balladen-Teil des Abends eingeläutet. Pensen und Labörnski eröffneten ihn mit „Keine weitere Antworten“, ein Song, der mir inzwischen so was von ans Herz gewachsen ist…Burger sang für alle Langverliebten „Selbstverständlichkeit“ und Rüdiger irgendwie auch, wie er meinte, er besang nämlich den „Lieben alten Suff“. „Pure Emotion“ von Pensen ist zwar nicht so wirklich eine Ballade, aber bildete dann den Übergang zu weiterem Volldampf-Liedermaching. Totte sang von seinen Lieblings-Märchengestalten und Burger stellte bei „Tod in der Nordsee“ fassungslos fest, dass es doch noch einige Leute im Saal gab, die den Song gar nicht kannten, was die Lacher an den prägnanten Stellen eindeutig bewiesen. Wie es sich für einen richtigen Rocker gehört, zerstörte er dann erst mal eine Saite seiner Gitarre, aber es gelang mitten im Song ein fliegender Wechsel mit Pensen Gitarre, was Begeisterungsstürme beim Publikum hervorrief.
Fred beschloss dann das zweite Set mit „Die reine Poesie“ – aber stimmt nicht, bei dem Song sind ja alle involviert, da die Glöckchen geläutet werden müssen – einfach schön!

Aber an Aufhören war mal gar nicht zu denken. Egal, ob am nächsten Morgen der Wecker früh klingelt, alles brüllte nach Zugabe bzw. sang bei den Monsters-Chören mit. Die Band ließ sich auch nicht lang bitten, auf ging es in den ersten Zugabe-Teil. Burger kehrte allein zurück und brachte zu meiner großen Freude „Blues“.
Der Jubel, als Totte dann als nächstes „Türen“ ankündigte, war wie immer groß. Ist einfach schon ein Evergreen :)
Pensen und Labörnski zelebrierten dann „Dralle.Drinks.de“ und dazu passt dann ja natürlich hervorragend Burgers „Ich trink dich schön“. Und was passierte? Er zersemmelte die nächste Gitarren-Saite und beschwerte sich lautstark: Meine Gitarre ist ein Arschloch *lach*

Rüdi forderte uns dann alle zum Zuprosten bei „Trink mit mir“ auf und Fred stimmte danach „Schönheits-Chirurgie“ an. Mit Stefan aus Bochum verabredete ich in Zeichensprache, doch dem guten alten Brauch folgend beim Refrain aufzustehen. Die Monsters zogen sofort mit und so waren dann alle Bremer ebenfalls motiviert.

Der erste Zugabeteil war somit beendet, aber nee, Schluss sollte noch nicht sein. Das Publikum forderte weitere Zugaben…diese wurden dann unter anderem mit „Sususu“ erfüllt. Doch dann kündigte Totte tatsächlich schon das allerletzte Lied an – wie jetzt? Die haben doch hier gesagt, es gibt keinen Zeitdruck – ja, haste gedacht…um 23 Uhr musste Schluss sein. Menno…
Aber vorher gab es noch „4 Meter“, sogar mit einer Sonderstrophe, denn Totte hatte einst in Oldenburg jemanden versprochen, in Bremen „Sonntag 3“ zu spielen – und vergessen, den Text zu lernen. Daher reimte er in seiner spontanen Weise schnell noch eine neue Strophe, in der er sich entschuldigte und dem leicht enttäuschten Jan zwei Gästelisten-Plätze beim nächsten Konzert, auf das er kommt, versprach. Großes Jubeln – und dann ging’s regulär im Song weiter. Tja, und das war es dann leider auch. Selbst die Sonderzugabe „Algerien“, die die Bremer eigentlich verdient hätten, fiel aus. Schade. Vor allem, weil ich das Gefühl hatte, das Konzert wäre extremst kurz gewesen. Doch jetzt beim Aufschreiben der ganzen Songs merke ich, dass das wirklich nur ein sehr subjektives Gefühl war *gg*
Zügig leerte sich der Saal, ich hab noch kurz mit Totte und Rüdi ein Schwätzchen gehalten und etwas länger mit Stefan aus Bochum, aber dann war irgendwie auch kaum noch jemand im Saal und wir machten uns auch auf den Heimweg.
Ich war froh, als ich unbeschadet in meinem Auto saß – ich habe nicht nur Deichbrand, sondern auch das Steintor-Viertel überlebt – wow!

Sehr komfortabel ist es dann, wenn man tatsächlich in kürzester Zeit daheim ist – und der geniale Liedermaching-Abend hat mir doch wieder viel Kraft gegeben, die kommende Woche zu überstehen! Thank you, Monsters of Liedermatching ;) – und nun nicht wieder zweieinhalb Jahre warten, bis ihr Bremen beehrt! We are waiting for you!

- BiBi -

Fotos aus dem Bremer Lagerhaus von Simon und Jan
und
Monsters of Liedermaching