Monsters of Liedermaching in Hannover (Faust)

Samstag, 15. November 2008 - BiBi

Oha…ich bin im Zugzwang. Gerade lese ich den Monsters-Konzertbericht von Totte auf www.monstersofliedermaching.de und sehe am Ende erwähnt, dass mein Konzertbericht sicherlich ausführlicher sein wird – dabei hab ich noch gar keinen – habe den Sonntag fast faul verbracht (na ja, Fotos sind schon online, ist doch auch was)…also, hey ho lets go:

Samstag, 15. November – griesgrau und nebelig, trüb, wie man sich einen Novembertag nur vorstellen kann. Aufstehen fällt da schon schwer…nö, ich schlaf einfach weiter – aber dann fällt’s mir ein: Nein, heute ist nicht einfach nur ein blöder Novembertag, heute ist Monsters-Tag – und das ist gut! Sehr gut sogar. Ich bin zurzeit völlig konzert-entwöhnt. Entweder fallen die Konzerte, zu denen ich wollte, einfach aus (höhere Gewalt) – oder ich muss sie canceln, weil mein Bankkonto mir einen Vogel zeigt (auch irgendwie höhere Gewalt). Aber heute lass ich mir das nicht nehmen. Die Karte hängt schon fast vergilbt seit Sommer an der Pinwand – und was genauso schön ist: Ich treffe auf dem Konzert meine Freundin Uta. Wir haben auch nur so drei, vier Gelegenheiten im Jahr, uns zu sehen…

Also fahre ich gemächlich gegen 16.30 Uhr los, um gegen 18 Uhr in Hannover zu sein. Ich war bereits zwei, dreimal im Faust und weiß um die Anfahrtproblematik und Parkplatzsucherei. Trotz Dauerregen, der erst vor Hannover in feinen Nieselpieselbäh übergeht, läuft die Fahrt wie geschmiert – aber dann: Einbiegen in das Gebiet, in dem das Faust liegt – und ich bin – wie jedes Mal – völlig verloren. Nur Poller, Sackgassen, engste Fahrbahnen. Ich kurve sage und schreibe eine halbe Stunde im dem Surround herum, bis ich endlich die verflixte Location gefunden habe. Inzwischen ist es schon viel später als gewollt, Utas SMS erreicht mich beim Einparken: Wo bist Du?
Ich antworte: Ich parke gerade ein…Ihre Antwort: Beeil dich, hier ist schon eine Schlange. Ja genau, das ist es, was ich brauche. Die Panik sitzt mir im Nacken. Ich eile zur Sechziger-Jahre-Halle und wirklich, da steht schon alles voll. Boh…schnell Uta begrüßt und dann sehe ich Wiebke und Jörg vorn am Eingang winken, mit denen ich auch schon viele schöne Monsters-Konzerte verbracht habe. Ich geh erstmal vor zum Begrüßen und Quatschen und irgendwann geht die Tür auf und drin sind wir:)
Vorbei am Merch-Stand, der mit Timmey, dem Mercher der Schröders fachmännisch besetzt ist, geht’s in die Halle – ui, nur fünf Reihen Bänke vor der Bühne. Okay, ich hatte mich im Vorfeld eh schon gewundert, warum die Monsters ausgerechnet in Hannover ins kleine Faust gehen. Wenn nun noch mehr Sitzmöglichkeiten gewesen wären, hätten noch weniger Menschen in den Saal gepasst…und es war ja auch so schon ausverkauft und viele Glücklose mussten an der Tür wieder umdrehen, da über Abendkasse gar nichts mehr zu machen war.

Irgendwann hocken wir alle vorn zusammen und quatschen schön und warten auf den Konzert-Start. Es sieht nicht nach Vorband aus, würde mir gut in den Kram passen, mir ist nach purem monstern…Putzig die neugierigen Blicke der Bandmitgliedern aus dem Backstage-Bereich, der scheinbar im ersten Stock hinter der Bühne liegt – denn dort gibt es zwei Fenster zur Bühne raus, wo immer wieder mal die Musiker gucken, wie sich die Halle füllt.
Und als es dann losgeht, ist der Laden wirklich knacke-voll und irgendwie knistert die Luft. Hannover ist bereit für die Monsters – und die Band ist so was von bereit für Hannover. Freudig vernehme ich alte Klänge: „Kennt ihr schon die Monsters“ – man, hab ich das lange nicht mehr live gehört:) – und immer noch ein toller Opener!
Gleich beim zweiten Song „Tod in der Nordsee“ ist auch klar, dass Hannover absolut textsicher und mitsingfreudig ist. Und obwohl das Konzert gerade erst angefangen hat, greift Burger schon so kräftig in die Saiten, dass eine reißt. Hehe…geht ja gut los. Aber der fliegende Wechsel mitten im Song mit Pensens Gitarre gelingt.
Nun ist Fred dran mit „Durchschnitt“, Rüdi beharrt drauf „Ich darf“ und Labörnski erzählt uns von seiner blutigen Nase, die ihm das kleine „Punkermädchen“ beschert hat. Richtig geil ist es auch, so viele Menschen bei Pensens „Schlittschuhlied“ mitsingen zu hören. Burger fragt auch mal in die Runde, wer denn die Monsters of Liedermaching das erste Mal sieht – nur ganz vereinzelte Leute melden sich.
Bei „Französische Kleinstadt“ schmelze ich wieder dahin, „Hartz 4“ macht mir in meiner momentanen Situation schon ein bisschen Angst, aber Spaß hab ich trotzdem immer noch an dem Song.
Nun kommt Totte mit was Neuem rüber – sehr gut, sehr lustig. Er besingt seine Freude an Ballerspielen – „Heute ballern, Welt retten dann morgen“. Kritisch singt Rüdiger „Ich bin nicht frei“ und Pensen legt nach mit einem meiner Lieblingssongs auf dem aktuellen Album SITZPOGO „Pure Emotion“ – Du bist einfach nur kacke…ist doch wohl mal wirklich eine ungewöhnliche Liedzeile!
Börnski erzählt uns musikalisch, dass er ein Sänger ist und Burger will uns mit „Gewalt“ mal ein paar Tipps fürs Leben mit auf den Weg geben – und zersemmelt die nächste Gitarrensaite. Während ich noch überlege, ob er einen guten Sponsor für Saiten hat oder einen Großteil seiner Gage für die Ersatzbeschaffung ausgeben muss (die Buchhalterin in mir hat halt irgendwie nie Feierabend), stimmt Fred auch schon seinen „Herzblatthubschrauber“ an, wo – wie es sich in Hannover gehört – mal wieder die Braunschweiger gedisst werden. Sicher wohl wissend, dass im Februar ja ein Konzert in Braunschweig stattfindet – dann kriegen es die Hannoveraner wieder *lach*
Nun ist auch schon Zeit für das letzte Lied des ersten Durchgangs – „4 Meter“ – der Saal tobt und jubelt und die Monsters verabschieden sich strahlend in die Pause. Wir nutzen die Zeit – nein, nicht zum Rauchen, sondern zum Quatschen, Getränke holen etc.

Inzwischen ist auch etwas Frischluft in die Sechziger-Jahre-Halle zurückgekehrt – also kann es frisch gestärkt in die zweite Runde gehen. Die Monsters-Chöre sind mega-laut und die Band kehrt zurück auf die Bühne. Jetzt ist wirklich Sitzpogo angesagt bei „Sabine hat auf Sand gebaut denn Horst hat keinen Hunger“. Und was dann passiert, entzückt mich zutiefst. Fred packt ein kleines Akkordeon aus – wah, wie geil ist das denn. Er und Börnski spielen gemeinsam darauf, Pensen spielt Xylophon und ich verdrehe verzückt die Augen – das alles ist das Intro für Rüdis „Weltklassemelodie“. Boh, wat schön. Irgendwer reicht auch noch Wunderkerzen rüber und auf den Punkt tanzen nicht nur in der ersten Reihe die Funken hin und her!
Und nun überrascht Fred erneut – es gibt einen neuen Song, der mir auch sehr gut gefällt „Ich langweil mich“ – ja, man hat es nicht leicht im Leben! Burger macht dann aber ordentlich Dampf mit seinem Song „Sexkranker Ex-Punker“.
Pensen wird auf Wunsch ganz ausgezeichnet ausgebuht bei „Schwach sei“ und behält die Gitarre gleich in der Hand, denn es gibt mal wieder ein älteres Stück von Frische Mische „Jack der Mörder“. Bei „Quizmillionär“ singt der ganze Saal wieder geschlossen und lautstark mit und Rüdi kündigt gleich im Anschluss den Balladenteil an und hofft, dass es auch mit so vielen Leuten eine ruhige Zeit werden kann. Pensen und Labörnski beginnen mit „Ann-Kathrin“, Burger folgt mit „Selbstverständlichkeit“ und Rüdi erzählt „Du bist alles für mich“ – wunderschön und das Hannoveraner Publikum weiß es zu würdigen.

Aber nun greift Pensen zum Banjo und begleitet Börnski bei „Moti“ und zack ist die Stimmung wieder am Kochen! Erst recht bei Tottes „Mofo-Mücken“. Das NEIN bei „Blasenschwäche“ kommt brachial laut aus allen Zuschauer-Kehlen, auch „Ich trink dich schön“ kann jeder mitsingen – und dann ist auch schon „Die reine Poesie“ von Fred als letzter Song des Hauptteils dran.
Die Hannoveraner toben, Standing Ovations sind selbstverständlich und die Monsters-Chöre als Zugaberuf natürlich überdimensional laut.

Burger kehrt erstmal allein auf die Bühne zurück mit seinem „Blues“ – immer wieder wunderbar! Die Kollegen kommen danach dazu und legen nach…Rüdi mit „Winterschlussverkauf im KaDeWe“, Pensen und Labörnski mit „Interesse ist gut“, Totte mit „Türen“ und Fred mit „Schönheits-Chirurgie“, wobei Rüdi dabei die Kazoo spielt.
Und wieder Abgang von der Bühne, laute Monsters-Chöre und Return on stage…Fred macht gleich weiter mit dem wunderbaren „Zwiebelmett“ und Burger ist mit „SuSuSu“ dran. Totte fehlt bei dem Song, aber nur, um über der Bühne am Fenster zu erscheinen und dort oben Xylophon zu spielen.
Ach, und dann gibt’s auch noch „Ich muss weg“, eines meiner liebsten Songs ever! Doch auch wenn die Monsters von der Bühne verschwinden, werden sie vehement dazu genötigt, zurück zu kehren – die dritte Zugaberunde ist eingeläutet. Totte macht allen Hunger mit „Döner“, „Frösche weinen nie“ singt das Publikum quasi allein – ja, und dann gibt’s noch ein Unplugged-Lied hinterher – weiß man ja, dass das eigentlich „Algerien“ ist – okay, die Melodie ist es auch, nur heißt das ganze jetzt „Eschnapur“ und treibt mir die Lachtränen in die Augen – was für eine geile Sache!

Och, und nun ist wirklich Ende…wie schade. Die Monsters tanzen noch ein wenig zur lauten CD-Musik auf der Bühne, bis sie sich in ihren Backstage-Bereich verziehen. Auf der Bühne wird ein alter staubiger Vorhang vorgezogen, der uns dazu zwingt, unsere vordere Bank zu räumen und ein Stück nach hinten zu rücken. Es ist immer noch recht voll, wir wollten eigentlich noch ein bisschen in Ruhe quatschen, aber die Aufräumer wollen die Bänke einpacken. Na gut, also machen wir uns auf den Weg Richtung Merch-Stand, denn ich möchte noch ein Tourplakat erwerben. Mein Konzertplakat-Flur kann mal wieder frischen Wind gebrauchen.

So kann ich auch noch das eine oder andere Wort mit Leuten aus den Publikum und den inzwischen auch vollständig am Stand aufgetauchten Monsters reden – aber das Gedränge in dem Vorraum nervt mich doch sehr an und außerdem ist es auch schon spät und ich bin zufrieden und musikdurchtränkt und durchgerockt und überhaupt ist alles schön und dann kann ich auch nach Hause fahren. So sagen wir Bye-Bye und gehen Richung Autos, wo ich mich von Uta verabschieden muss…war sicher unser letztes Treffen dieses Jahr, das wird mir aber gerade jetzt erst bewusst. Schade :( - aber die nächste Tour kommt ja und Braunschweig ist ins Auge gefasst – aber sowas von!)

Und außerdem bin ich auch total happy, dass ich mich für das Konzert in Hannover entschieden hatte – denn zuerst dachte ich, ich fahre mal lieber nach Hamburg, da ich Hamburg generell sympathischer finde als Hannover (so rein von der Stadt her – das hat nix mit Hannoveranern zu tun) – aber ein Konzert in der Fabrik hat mich nicht so gelockt – naja, wie ich aus berufenen Mündern weiß, war Hannover sowieso viel geiler! Hach!
Die Heimfahrt war total unspektakulär, der Regen hatte aufgehört, ich bretterte durch die sternklare Nacht und war um 1 Uhr zu Hause…eigentlich viel zu früh für mich, aber doch genau richtig an diesem anfangs doch so trüben Novembertag!

- BiBi -

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