Die Schröders und Planet Emily in Müden (Kubus)

Samstag, 13. Dezember 2008 - BiBi

Huh, endlich wieder etwas besser geschlafen – trotz Halsweh und Husten wache ich erst um 12 Uhr auf…okay, wenn man um 6 Uhr einschläft, ist das jetzt auch nicht sooo furchtbar lang, aber durchaus ausreichend für mich – sollte man meinen.
Trotzdem fühl ich mich noch ganz kaputt und telefoniere mit ziemlich krächzender Stimme mit einer Freundin, bis Micha auch aus den Federn kriecht. Nun ist ein bisschen Jammern angesagt, wie müde wir beide eigentlich noch sind…was für Weicheier, wir sind echt nix mehr gewohnt.
Naja, aber trotzdem freuen wir uns auf heute Abend…soll unsere Reise uns doch nach Müden an der Aller führen, irgendwo bei Gifhorn, bei Braunschweig – was weiß ich. Ich habe vorher noch nie etwas von diesem Ort gehört und kann mir nicht wirklich vorstellen, dass der Punk dort abgehen kann. Entgegen unserer sonstigen Gewohnheiten haben wir auch noch keine Eintrittskarte, aber auch überhaupt keine Angst, keine mehr vor Ort zu bekommen.

Tatsächlich stehen Micha und ich um fünf Minuten vor siebzehn Uhr gestriegelt und gebügelt zur Abfahrt bereit – das klappt mit uns beiden immer ausgezeichnet.:)
Ich fahr noch tanken, für unter 1,10 Euro pro Liter – dann geht’s auf die Autobahn. Im Großraum Hannover dann runter von der Piste, Bundesstraße weiter, wir kommen durch Burgdorf…Jugenderinnerungen werden wach, hier hatte ich mal als Teenager eine Freundin und war häufig dort…ich erkenn aber nichts wieder ;)
Nach ca. 30 km Autobahn heißt es dann Abbiegen auf Kreisstraßen – und die Odyssee geht los. Hier fehlt es irgendwie an allen, sogar an weißen Linien auf den Straßen…naja, diverse Mal links und rechts abgebogen kommen wir tatsächlich in Müden an…was aber nicht gleichbedeutend ist, dass wir die Location auch finden. Dazu fahren wir rauf und runter und hin und her – ich kann nicht mehr ;) – Micha geht in einer Dorfkneipe mal fragen, wird dort von vielen älteren angesoffenen Männern (es ist ja schließlich auch schon kurz nach 19 Uhr, da muss man ja schon ordentlich getrunken haben) vollgesabbelt, aber bekommt auch vom Wirt kompetente Auskunft. Wir sind total falsch und müssen mal das ganze Dorf durchqueren, bevor wir in eine absolut dunkle Straße einbiegen, die so aussieht, als wenn wir jetzt in die Felder fahren…viel anders ist das auch nicht, nur dass da noch so ein Gebäude steht…auch sehr dunkel, aber ein kleines Licht sagt uns: Dies ist das KUBUS – die Location ist gefunden. Dafür, dass um 20 Uhr laut Homepage dieses Ladens Beginn sein soll, ist es aber wirklich dunkel…irgendwer kommt mit angefahren, sieht aus, als wenn er dazu gehört…Richtig. Und er sagt, Einlaß ist erst 20 Uhr und so würde es auch auf der Page stehen. Nee, sorry, aber lesen kann ich! Das steht: BEGINN…nun gut, wir können es nicht ändern, verkriechen uns wieder ins Auto, denn draußen ist übelst kalt.

Um 20 Uhr, inzwischen sind weitere fünf Autos dazu gekommen auf dem Parkplatz, gehen wir zum Eingang, aber deshalb machen die ja noch lange nicht auf. Weitere 10 Minuten müssen wir warten, ich klappere vor Kälte und find das alles nicht mehr lustig. Dann endlich werden die Türen aufgemacht, ich bleib mal gleich neben einem der Aufpasser stehen, denn dort pustet warme Luft von irgendwo…wie schöööön.

In der großen Halle dann ein sehr schönes Bild…eine wirklich breite Bühne, schöne Tresen, Stehtische, große Sonnenschirme, Cocktailbar – hey, das hätte man nicht erwartet. Doch sehr angenehm. Auch im Hinblick darauf, dass ja nach dem Schröders-Konzert eine Achtziger-Jahre-Party laufen soll. Und dementsprechend legt der DJ auch jetzt schon auf…für mich als Teeny/Twen der Achtziger natürlich eine feine Sache.
Wir nehmen erstmal noch Platz, denn schräg rechts vor der Bühne stehen Tische mit Stühlen…sehr bequem. Micha gönnt sich mal einen Cocktail, der sehr preiswert ist. 4,50 Euro für Sex on the beach ist eigentlich okay…aber leider ist er wohl auch vom Geschmack her unmöglich und daher bleibt es bei diesem einen Ausflug zur Cocktailbar. Ich freu mich, dass Cola Light da ist, wenn auch nur sehr begrenzt, wie ich im Laufe des Abends erfahren muss…das wird da wohl nicht so oft getrunken, was?

Es füllt sich alles nur spärlich, finde ich…und auch der Anfang zieht sich etwas…der DJ kündigt zwar immer wieder die heutige Vorband an, wie gestern in Hamburg wieder PLANET EMILY, aber es dauert doch noch bis weit nach 21 Uhr, bis die Mädels und der junge Mann die Bühne betreten. Ist vielleicht sonst nicht unsere Art, aber es sitzt sich so gut auf unseren Stühlen, dass wir das Konzert von dort genießen. Heute gefällt uns, was wir hören, auch noch besser als in Hamburg. Unsere Favoriten im Programm der Hannoveraner Band sind schnell gefunden: „One-Night-Stand“ und „10,000 Volt“ – geil…
Ich laufe auch ein bisschen hin und her, um Fotos zu machen – das hab ich in Hamburg komplett gelassen, da ging gar nichts.
Der Applaus ist eher verhalten und brav, was aber nicht an der Leistung der Band liegt, sondern daran, dass das Publikum nicht so sehr zahlreich da ist und eher noch schüchtern guckt, was so passiert. Die Emilys ziehen trotzdem ihr Programm durch, lassen sich nicht beeindrucken – und das ist gut so.

Nach dem Auftritt geh ich mal rüber zu den Mädels und überreiche unserer Visitenkarte und frage, ob denn auch jemand überhaupt Emily heißt…nö. Na denn:) – aber ich bin sicher, von der Band wird man noch einiges hören.

Nun wird flott umgebaut, in der Zeit wieder Achtziger-Mucke gespielt – aber dann geht’s mal punkig weiter – it’s Schröders-Time. Mit „Scheissband“ geht’s los, erfreulicherweise auch heute gefolgt von „Tag der offenen Tür“. Den lieben Micha und ich beide sehr.
Ansonsten Setlist wie gewohnt…ein guter Mix aus den älteren Sachen und den Stücken des neuen Albums. „Thomas“; „Vater und Sohn“, „Schrei“, „Immer mehr“, „Laß uns schmutzig Liebe machen“, „LaLaLa“, „Punküberfall“, Bayern hat verloren“, „Frösche weinen nie“ – um nur ein paar zu nennen.
Für diesen großen Laden ist es jetzt echt angenehm voll, vor der Bühne sind am Anfang nur Micha und ich, aber unser Beispiel macht Schule und die Leute rücken weiter vor. Nur leider – auch hier – die Pogo-Front verschreckt alle…drei bis fünf Typen schleudern dermaßen unkoordiniert vor der Bühne herum, dass Micha und ich ganz nach außen ausweichen und der Rest des Publikums sich in den hinteren Bereich flüchtet. Auch die Bitte von Frontmann Burger, ob die Pogo-Leute nicht nach hinten gehen können, weil die Mehrheit der Leute dann wieder vorn stehen kann, findet leider kein Gehör und es bleibt so…naja. Rücksicht ist sicher nicht ein Attribut des Punks – schade, irgendwie…
Trotzdem haben wir heute eine Ecke mehr Spaß an der ganzen Sache als am Vortag in Hamburg und hopsen und tanzen vor uns hin – geile Sache!

Und zack – schon gibt’s „Frau Schmidt“ und „Heute hier morgen dort“ und fertig ist das Hauptset. Nein, wo ist die Zeit geblieben. Mit so einer gutgelaunten Band und einem guten, nicht so erwarteten Publikum ist es halt sehr kurzweilig.
Zugabe wird natürlich auch hier gefordert – und die gibt es auch mit „Mädchen wie wir“, „Tod in der Nordsee“ und „Liebeslied“. Und wieder Abgang von der Bühne, aber noch immer ist Müden nicht müde (sorry, der musste jetzt einfach sein *gg*). Also gibt es auch noch die geforderte zweite Zugabe und wir können noch mal richtig aufdrehen bei „Saufen“, „Lindenstraße“ und „Nie mehr Rock’n’Roll“. Aber dann ist wirklich Ende – schade…

Ich okkupiere mal wieder einen der Tische neben der Bühne, Micha holt was zu trinken und wir lassen uns vom Achtziger Sound berieseln. Gefällt mir erst auch alles ganz ausgezeichnet…die DJs legen von Pop bis Rock gut auf, die Tanzfläche ist mal mehr, mal weniger gefüllt. Dann ist Discofox-Zeit und viele Pärchen tanzen ihren Armruder-Tanz. Micha und ich finden es lustig und gucken uns das Spektakel an…aber dann kommt der Schwenk zu Schlagermusik und da hört es dann für mich auf, schön zu sein. Besonders, als ich erschrocken feststelle, dass ich einen Song fast komplett mitsingen kann, obwohl ich den mit Sicherheit 20 Jahre nicht mehr gehört habe. Aber nicht wissen, was es vorgestern zu Mittag gab, eieiei.
Als dann die Tanzfläche richtig voll ist bei einem Song, den Micha und ich noch nie gehört haben, aber alle Müdener scheinbar mitsingen können („Kling Klang – ich und du“ oder so was), wissen wir, es wird langsam Zeit, die Heimfahrt anzutreten.
Der Saal ist inzwischen auch merklich leerer geworden, mir ist kalt und Hunger haben wir auch…also Abfahrt. Tschüss sagen bei Teilen der Band, die auch gerade fahren wollen und dann los. Entgegen meinen Befürchtungen finde ich doch ganz gut den Weg zurück zur Autobahn und bin froh, diesen dunklen Teil des Landes hinter mir zu haben *gg*. In Schwarmstedt kehren wir auf dem Rasthof ein, wie schon häufiger. Micha gibt sich wieder ihrer Rührei-Lust hin und ich hab die ganze Fahrt über riesige Schnitzel vor Augen gehabt – ich kann also nicht anders und bestell mir eins. Fleisch ist doch immer noch das beste Gemüse, eine Weisheit, die ich schon früh von meinem Vater gelernt habe. Vegetarier unter der Leserschaft mögen mir vergeben…

Als wir satt und zufrieden und auch schon leicht träge das Lokal verlassen und ins Auto klettern, entdecken wir hinter der Rastanlage ein riesiges Feuer…Flammen schlagen meterhoch. Alter Schwede, was geht da denn? Scheinbar ist das alles noch recht frisch, denn gerade jetzt erst kommt Feuerwehr und Polizei. Ich fahr noch ein wenig auf dem Gelände herum, aber richtig ran kommt man nicht und stören will ich auf keinen Fall, also umdrehen und zurück auf die Autobahn (am nächsten Tag erfahren wir, dass dort ein illegales Altreifenlager abfackelt und die Löscharbeiten bis Montag andauern werden).

Irgendwann gegen halb fünf sind wir dann in heimischen Gefilden und halten uns auch nicht mehr lange in senkrechter Position auf…das Bett ruft und zwei Tage Punkrock fordern ihren Tribut. Schade, das war es dann für diese Jahr mit den Schröders-Konzerten…mangels Masse ist nichts mehr möglich. Aber ich denke, wir haben uns nichts vorzuwerfen, haben in diesem Jahr soviel Schröders mitgemacht, wie geht, viele Kilometer gefahren und genauso viel Spaß dabei gehabt bei der Punkband unseres Vertrauens 

- BiBi -

Zu den Fotos von Planet Emily und
Die Schröders