Boppin' B in Düsseldorf (Stone)

Samstag, 17. Januar 2009 - Robert

Irgendwie komisch: Samstagabend, wir sitzen in der U-Bahn und fahren in die Altstadt. Kommt ja schon mal vor, aber irgendwas ist anders. Was war das noch gleich? Achja! Boppin' B spielt heute tatsächlich nach über 20 Jahren das erste mal wieder ein Clubkonzert in Düsseldorf. So oder so ähnlich gehts mir den ganzen Abend: weil die Situation so ungewohnt ist hab ich das noch nicht so richtig auf dem Plan. Verstärkt wird die Verwirrung dadurch, dass wir uns erstmal, so als wenn nichts wäre, bei Cocktails und Tortilla-Chips ins Sausalitos setzen und den Abend gemütlich einleiten.

Was war heute noch gleich? Ich kanns immer noch nicht glauben, Boppin' B tatsächlich in unserem schönen Städtchen. Da um Acht Einlass sein soll, machen wir uns um kurz vor Acht auf den Weg zum Stone. Weg ist schon übertrieben, da das Stone nunmal auch direkt in der Altstadt liegt und man keine fünf Minuten läuft. An so angenehme Anfahrten kann man sich gewöhnen!
Als wir am Stone ankommen wartet vor der Tür schon eine kleine Menschentraube. Da man nach 20 Jahren Abstinenz ja nicht unbedingt von einem ausverkauften Haus ausgehen kann, freue ich mich, dass zumindest schonmal ein paar Leute da sind.
Während wir warten geht plötzlich die Tür auf und Frank und Micha kommen raus. Huch? Jetzt ist so langsam auch bei mir angekommen, dass gleich die Scheißkappelle spielen wird. Tolle Sache!

Einlass ist recht pünktlich und gleich an der Tür wundere ich mich über ein "Rauchen erlaubt" Schild. Hm, na toll, Raucherclub. Irgendwie hats das mit dem Nichtraucherschutzgesetz nicht so wirklich gebracht, weil jetzt jeder zweite Laden angeblich nur noch dem "gemeinsamen Genuss von Tabakwaren" dient. Schwachsinn! Die einzige Änderung sind die blöden Zettel, die man jetzt jedes Mal ausfüllen muss um "Mitglied" zu werden. Doch o Wunder, keine Zettel, keine Mitgliedschaft, Geraucht werden darf trotzdem. Wie das nun rechtlich in Ordnung sein soll ist mir schleierhaft, aber seis drum, ich hab eh gute Laune, da macht mir das auch nichts aus.

Drinnen orientieren wir uns gleich in Richtung Bühne, was sich auch als gute Idee herausstellen sollte, denn anscheinend wollen heute viele Leute weit nach vorne, weshalb es recht schnell voll wird in der ersten Reihe.
An einer Seite der Bühne fällt uns ein kleiner Zettel ins Auge, auf dem der Zeitplan für den Abend in wunderbar coolem Neudeutsch angegeben ist.

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Einlass 20.00 Uhr, Beginn 21.30 Uhr. Lange Wartezeit! Eigentlich unschön, aber durch viel quatschen verfliegt die Zeit dann doch sehr schnell. Dafür sind zwei Sets geplant, was meistens für die Songauswahl recht positiv ist.
Unterm Strich könnte man dem Stone hier trotzdem etwas Geldmacherei vorwerfen, denn ob eine so lange Zeit zwischen Einlass und Beginn liegen muss und ob bei einem knapp zwei Stunden Konzert noch eine Pause nötig ist, darüber lässt sich streiten.
Das mit der Geldmacherei bestätigt sich dann leider auch an der Theke: 3,50€ für ein Becks Mixie find ich schon recht happig. Da wir aber vorher wie gesagt im Sausalitos waren, kann ich mich auch gut mit dem einen Bier während des Konzertes begnügen.

Eine Viertelstunde früher als geplant betritt dann die Scheißkappelle die winzige Bühne, die so klein ist, dass Thomas hinten stehen muss. Meine Befürchtung, dass es nicht voll werden könnte ... naja, was soll ich sagen: es ist brechend voll. Fast schon etwas zu voll, weil man wirklich sehr dicht gedrängt steht. Ein kurzer Blick durch den Raum verrät, das wirklich überall Leute stehen, auch auf der etwas erhöhten Ebene neben der Tanzfläche und weiter hinten bis zur Theke. Sogar direkt vor einer Box haben sich einige Zuschauer eingefunden, denen Didi während des Konzertes seinen Respekt für so viel Unerschrockenheit ausspricht. Tja, Rock'n'Roll is kein Kindergeburtstag!

Die erste Ansage kommt, in der man den früheren Beginn damit relativiert, dass man die Zeit eh wieder verquatschen wird und wer die fünf Jungs kennt, weiß, dass das wohl so sein wird. Dann die ersten Songs, 'Rock'n'Roll' und 'Sh-Boom', und der Laden kocht. Düsseldorf rockt derbe! Von Anfang an ist das Publikum am feiern, tanzen und mitsingen. Das 'Scheißkappelle' donnert einem um die Ohren und die Stimmung ist einfach herrlich. Gespielt wird unter anderem 'Honey Hush', 'Wild Saxophone' und 'Hand in Hand', was vom, wie ich finde, recht jungen Publikum gut abgefeiert wird. Der einzige Song im ersten Set, der nicht so richtig klappt ist 'I can't dance'. Das liegt natürlich nicht an der Band, sondern am Publikum: die Stimmung ist einfach zu ausgelassen und so ist es einfach etwas zu laut für diesen sehr ruhigen Song. Zum Abschluss des ersten Sets gibts dann nochmal Vollgas mit 'Jump, Jive and Wail' und 'Bop won't stop'.

Dann sind erstmal 15 Minuten Pause angesagt, doch das Publikum ist voll in Fahrt und so wird die Pause dank Musik aus der Konserve einfach weiter gefeiert und getanzt. Grandios! Da es, wie bereits gesagt, sehr voll ist und die Band auf Grund der räumlichen Gegebenheiten die Bühne nur in Richtung Tanzfläche verlassen kann, bleibt der Großteil der Boppin-Bande auch gleich auf der Bühne, wo flott die Setliste für den zweiten Durchgang besprochen wird.

Der startet dann mit 'Just rockin' and rollin', 'King of Bongo' und 'How low', gefolgt vom für mich neuen und sehr schönen 'Hot-Rod girl'. Nachdem die Aschaffenburger dann feststellen, dass eine New Yorker Band die besten Country und Western Songs geschrieben hat (gemeint sind die Ramones), spielen sie ihre sehr coole Interpretation von 'Rockaway Beach'. Außerdem gibt es noch 'Ich träum von dir', 'Hold on', das im Gegensatz zu 'I can't dance' besser klappt, aber ja auch nicht ganz so ruhig ist, und 'Ubangi Stomp', dass ich schon eine Weile nicht mehr gehört hab. Das offizielle Ende leiten 'Runaround Sue', bei dem wieder hervorragend mitgesungen wird, und 'Fred vom Jupiter' ein.

Natürlich hat das Publikum noch nicht genug, doch statt ein ödes "Zugabe" zu rufen wird nochmal 'Runaround Sue' angestimmt. Sehr schön und wird auch von der Band nicht missverstanden. Im Übrigen hätten die, wie schon gesagt, eh nirgendwo hin flüchten können.
Bevor es aber noch mit ein paar Songs weiter gehen kann, wird ein junger Mann von der Band auf die Bühne gebeten. Dieser ist aber kein Gastmusiker oder ähnliches, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern er bittet seinerseits wiederum eine junge Dame auf die Bühne. Dieser gesteht er seine Liebe und fragt seine Angebetete, ob sie denn bereit wäre ihn zu heiraten. Die Antwort wird vom Publikum kaum noch abgewartet und das "Ja" geht in Jubel und Applaus unter.
Der Bräutigam in spe hat dann noch einen Musikwunsch und so gibt es dann noch 'Get Ready', passenderweise 'Fools fall in love' und 'Blitzkrieg Bop' obendrauf, bei dem nochmal eine ordentliche Runde Pogo stattfindet.

Auf Grund des strengen Zeitplans des Stones muss dann aber endgültig Schluß sein und so gibt es, trotz erneutem 'Runaround Sue' vom Publikum, keine weiteren Zugaben. Der Stimmung tut das aber keinen Abbruch und so wird fröhlich weiter gefeiert und getanzt zu Musik, die sich erst stark am Rock'n'Roll der 50er orientiert, nach und nach aber auf aktuellere Songs aus Brit-Pop und Indie umschwenkt, was ich persönlich recht angenehm finde als Kontrastprogramm. So tanzen und feiern wir noch ein wenig, während auf der Bühne hektisch abgebaut wird, inklusive der Bühne.

Irgendwann machen wir dann auch Schluss und machen uns auf den Weg. Vor dem Eigang sind die Jungs immer noch mit Einladen beschäftigt und wir nutzen die Gelegenheit und halten Didi noch ein wenig vom Arbeiten ab, bevor wir uns dann schließlich zur U-Bahn begeben. Das ist mal eine sehr angenehme Rückfahrt, so sollte es immer sein!

Nach dem so vollen Konzert und der super Stimmung hab ich jetzt doch ernste Hoffnung, dass das nicht das letzte Konzert in Düsseldorf war. Zumindest wurde versprochen nicht zu warten, bis Fortuna wieder in der ersten Liga spielt, zum Glück! ;) Und das beste Fazit des Abends steht eh im Stone über der Bühne: "It's only Rock'n'Roll, but we like it!"

- Robert

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