Boppin' B in Münster (Hot Jazz Club)

Samstag, 31. Januar 2009 - BiBi

Junge Junge…es ist der letzte Tag im Januar und ich fahre zu meinem ersten Konzert im Jahr 2009 – ich fühle mich total ausgetrocknet, auf Entzug, ungerockt…sprich: Es wird einfach Zeit, den Livemusik-Pegel wieder anzuheben.

So geht es heute also nach Münster in den Hot Jazz Club. Bereits 2007 haben die Konzert-Junkies dort mit Boppin’ B einen super Abend verbracht und das gedenken wir, heute zu wiederholen. Denn tatsächlich sind wir nach langer Zeit mal wieder alle vier zusammen. Aber nicht nur das, ich habe noch meine Mutter und meine Schwester an Bord. Meine Mutter, weil ich weiß, dass es im Club auch Sitzmöglichkeiten gibt (so habe ich im Vorfeld einen Tisch vorn an der Bühne reserviert – naja…) und meine Schwester – ja, sie bekommt noch als Geschenk für ihren Geburtstag im Januar 2008 ein Boppin’ B- Ticket…und das wird jetzt endlich eingelöst.
Dann nehme ich noch Jenny aus Oldenburg mit – wir haben uns beim Boppin’ B-Konzert in Buxtehude kennengelernt und stehen seither in Kontakt. Und da ihre Freundin, mit der sie nach Münster fahren wollte, krank geworden ist, fragte sie, ob nicht noch ein Plätzchen in meinem Auto frei ist. Sischer dat:)
In Osnabrück dann nehme ich meinen vierten Mitfahrgast auf, Nadine. Ohne große Zwischenfälle kommen wir in Münster an (einmal kurz Verfahren gehört einfach dazu) und finden auch direkt vor dem Club einen Parkplatz.
Micha und Rob sind auch schon vor Ort und ich freu mich über das Wiedersehen. An der Kasse sind die Leute vom Club etwas arg unorganisiert, aber auch das ist irgendwann geregelt. Wir haben ja Karten zurücklegen lassen und können jetzt unseren reservierten Tisch suchen. Schön, dass auf jedem Tisch Namen kleben – schlecht, dass meiner auf einem Tisch klebt, der nicht wirklich an der Bühne ist, sondern quasi in der fünften Tischreihe…so steht es nicht auf der Reservierung und Bestätigung, aber was will man machen. Ich rede noch kurz mit einer Kellnerin, die aber nur sagte, sie hätten sehr viele Anfragen gehabt und es würde heute rappelvoll werden. Nun, ich hab ja eh nicht vor, das Konzert am Tisch sitzend zu erleben und meine Mutter sagt, es ist alles okay – daher geben wir uns zufrieden.
Es gilt immer noch weitere Leute zu begrüßen und irgendwie artet das ganze zu einem Boppin’B-Forumstreffen aus – was mich persönlich sehr freut, da ich nicht oft die Gelegenheit habe, mit Leuten aus den südlichen Gefilden unseres Landes zusammen zu treffen - aber irgendwie hab ich auch das Gefühl, nicht allen gerecht zu werden. Ich möchte mit jedem, den ich lang nicht gesehen habe, ausführlich quatschen, das gelingt mir aber nicht wirklich.
Da sich der Club immer mehr füllt und die erste Reihe an der Bühne sehr klein ist, stellen wir uns auch um 20.30 Uhr mal vor die Bühne- gute Idee, später wäre das auch nichts mehr geworden. Die vom Einlass lassen rein, wer kommt. Ausverkauft scheinen sie nicht zu kennen, man hat das Gefühl, dass so viele Menschen in der Location nicht unbedingt den Sicherheitsbestimmungen entsprechen, aber ich freue mich für die Band, der ich natürlich nur ausverkaufte Konzerte wünsche :)

Die Luft ist um 21 Uhr schon zum Schneiden, denn der Hot Jazz Club ist halt ein niedriger Keller – selbst ich kann die Decke berühren, wenn ich die Arme hoch strecke. Da wird es natürlich schnell heiß. Aber zum Glück lässt uns die Scheisskapelle nicht ewig warten und so fängt schon kurz nach 21 Uhr auch das Konzert an, hurra!
Super Start mit „Rock’n’Roll“ und selbst die kleine Bühne (quadratisch, fünf cm hoch – wer in der dritten Reihe steht, sieht schon nicht mehr sehr viel) nutzen die Jungs voll aus zum Toben, Hüpfen, Tanzen, Springen. Vor der Bühne ist uns so was leider nicht möglich, wir stehen dicht gedrängt, an tanzen ist da leider nicht zu denken. Aber die Musik geht trotzdem weiter – liebgewonnene Weisen wie „Sh-Boom“, „The only way“, „Wild saxophone“, „Mädcheninternat“, „Hand in hand“, aber auch neuere Programmpunkte wie „Honey Hush“ sind am Start.
Ich muss leider sagen, dass ich mich zunehmend unwohl fühle, die Luft kaum noch mit Sauerstoff vermischt ist und ich das Gefühl habe, mir schwinden die Sinne. Nach „I can’t dance“ halte ich es dann auch nicht mehr aus, mir klebt die Zunge am Gaumen fest und ich will nur noch zu meinem Getränk am Tisch. Also drängle ich mich durch die Menschenmassen und je weiter man nach hinten geht, desto besser wird die Luft. Am Tisch angekommen muss ich mich erst mal setzen, bin ganz wackelig auf den Beinen. Dann ordentlich Flüssigkeit nachkippen – und die Lebensgeister kehren nach und nach zurück. Inzwischen ist das erste Set beendet und eine Pause angesagt. Irgendwann ergreift auch Micha die Flucht und kommt zu uns an den Tisch, denn sie hält das Gedrängel und Geschiebe der hinteren Leute auch nicht länger aus. Wir beschließen, den Rest des Konzerts eben hier zu verbringen und so wird es dann gemacht.
Nach der Pause geht es flott weiter mit „Just rocking“, „King of Bongo“, „How low“, „Rockin’ rollin’ stone“, „If you believe“, „Radio day“ und „Riding on a bullet“ – sehr zum Entsetzen von Micha auch mit „Winds of change“ – ich find es klasse:) Micha wird aber sofort mit einem ihrer Lieblinge entschädigt: „Rockaway beach“.
„Runaround Sue“ geht in „Bye-Bye“ über und ich kann nur sagen, die Stimmung im Club ist von Anfang bis Ende klasse, ekstatisch, aufgepeitscht. Die Leute haben echt Bock zu feiern.
Auch wir am Tisch…lieber gutgelaunt etwas hinten sitzen als schlecht gelaunt vor der Bühne ausharren, ist meine Devise. So winken wir und klatschen und singen und freuen uns. Meine Mutter steht immer wieder auf und reißt die Hände über den Kopf (was ihr hinterher schönen Muskelkater in den Oberarmen bescheren soll *lach*) und freut sich, dabei zu sein. Auch mit ihren 75 Jahren hat sie das Feiern nicht verlernt.

Die Zugabe-Rufe sind natürlich auch laut und kräftig und die Band macht auch gleich mal weiter mit „Boulevard of broken dreams“. Danach dann was ganz neues – „Loosing“ – geiles Stück!!! Auch über „I feel lonely“ freu ich mich sehr, hab ich lang nicht mehr live gehört.
Natürlich ist nach diesem ersten Zugabe-Teil noch nicht Schluss, es geht gleich weiter mit „Double talkin’ Baby“ von Gene Vincent, gesungen von Golo. Hab ich auch vorher noch nicht von der Scheisskapelle gehört – glaub ich. „Eat your heart out Annie“ von Jodimars dagegen schon, aber es ist lange, lange her. Dieser Zugabeteil hat es einfach in sich. „Hot Rod Girl“ gehört zu den neueren Songs – man darf sich schon riesig aufs nächste Album freuen. Mit „Ghostriders in the sky“ sollte das Konzert dann eigentlich endgültig beendet werden, aber die Münsteraner geben keine Ruhe und so legt die Boppin-Bande noch mit „Fools fall in love“ nach – ein krönender Abschluss.

Micha geht jetzt mal schnell Robert suchen, der irgendwie verschwunden war und ich warte einfach, dass sich der Club etwas leert, damit man auch mal wieder irgendwo durch kommt. So nach und nach wird es auch, die Luft wird wieder angenehmer und ich geh noch ein wenig vor die Bühne, um Smalltalk mit den dort Stehenden zu halten. Es war alles ein wirklich schönes Happening, nur getrübt von absoluten Raum- und Sauerstoffmangel. Ja, aber so ist es in kleinen schwitzigen Clubs halt.

Irgendwann nach 1 Uhr wollen wir dann auch die Rückfahrt antreten – bis man überall Tschüss gesagt hat, vergeht ja auch noch eine Weile und dann entschwinden wir wieder in die kalte Nacht. Nachdem ich vier Abladestellen habe, bin ich dann auch irgendwann kurz vor 4 Uhr zu Hause angekommen – und freu mich auf ein Wiedersehen im März, denn: The Bop won’t stop :)

- BiBi -

zu den Fotos aus Münster