Monsters of Liedermaching in Braunschweig (Meier Music Hall)

Freitag, 20. Februar 2009 - BiBi

Nach ca. 9 Monaten Arbeitslosigkeit einen neuen Job zu bekommen ist in heutigen Zeiten schon was tolles und nicht selbstverständlich…dafür muss man auch schon mal Dinge machen, die man eigentlich nicht so prickelnd findet – nämlich ein kostenloses Praktikum. Genau in einem solchen befand ich mich – mehr gesagt: Am letzten Tag dieses Praktikums…und hatte schon die Zusage in der Tasche, dass es danach fließend in einen neuen Arbeitsplatz übergeht. Juchuh...nur bedeutet das ja auch, nicht mehr unendlich Zeit zu haben, sondern sich nach den Arbeitszeiten und Gepflogenheiten des neuen Arbeitgebers zu richten. Und dort ist momentan richtig was los und Überstunden waren schon in der Praktikumszeit Gang und Gäbe. Aber in meiner Brust schlagen zwei Herzen – das eine, das vor Freude klopft, endlich wieder Geld zu verdienen – und das andere, das vor Freude klopft, endlich mal wieder auf ein Monsters of Liedermaching-Konzert zu können.

Da ich nun aber auch gern schön weit vorn sitzen möchte, muss ich auch rechtzeitig vor Ort sein. Braunschweig ist von Verden 125 km weit weg, freitags ist meist hohes Verkehrsaufkommen – und ausgerechnet diesmal ist Einlass bereits um 19 Uhr. Wenn man es mal nicht gebrauchen kann. Aber lange Rede, kurzer Sinn…alles lief wie geschmiert, keine Staus, ich bin pünktlich aus dem Büro gekommen und stand um kurz nach 18 Uhr vor der Tür der Meier Music Hall. Juchhe:)

Somit war ich sogar noch etwas früher als meine Freundin Uta dort, die aus Sachsen-Anhalt anreiste…aber unsere Wiedersehensfreude war groß. Auch ansonsten waren viele nette Menschen da, die ich immer wieder bei Monsters-Konzerten treffe und die auch jede Menge Kilometer für die furiose Musiker-Truppe auf sich nehmen. Davon bin ich immer tief beeindruckt.
Der Einlass begann ziemlich pünktlich und so betrat ich die heiligen Meier-Hallen. Sehr schön, das sollte mein drittes Konzert hier werden. 2003 war es Dick Brave, der den schönen Club zum Kochen brachte – 2005 war ich bei Boppin’ B – es war im Mai und draußen 30 Grad im Schatten, drinnen war die Temperatur nicht mehr messbar, glaube ich…die Hitzehölle von Braunschweig. Aber heute bei den Monsters herrschten gemäßigte Temperaturen.

Der Laden ist schon recht groß, aber ich zweifelte nicht daran, dass er sich schnell füllen würde, da dies eigentlich das nördlichste Konzert auf der Monsters-Tour war und somit auch die Hannoveraner und sonstigen Fans angereist kamen. Und so war es auch. Es standen nicht sehr viele Bänke vor der breiten Bühne, so mussten dann doch viele Leute mit Stehplätzen vorlieb nehmen.
Endlich hatten Uta und ich mal Zeit, uns ordentlich zu unterhalten…täglich mailen ist schön, aber von Angesicht zu Angesicht quatschen noch schöner. Lediglich einmal unterbrochen von Adri, Sänger der famosen Band NULLBOCK aus Salzgitter, über dessen Anwesenheit ich mich riesig freue und der auch mal wieder ordentlich Party machen wollte.

Aber dann, relativ pünktlich, geht’s dann auch monstermäßig los. Ich freute mich, dass es heute direkt ohne Vorband startet. Denn eigentlich ist es von Vorteil, wenn ich relativ zeitig heim komme, da am nächsten Tag um 13 Uhr bereits mein nächster musikalischer Trip beginnen soll – die Fahrt nach Berlin zur Echo-Verleihung. Und jede Stunde Schlaf dazwischen zählt:)
Aber nun wird nicht an Schlaf gedacht, sondern an Spaß haben und mitsingen, mitwippen, Sitzpogen und fröhlich sein.
„Kennt ihr schon die Monsters“ ist ein gelungener Auftakt und das Braunschweiger Publikum ist super gelaunt und laut dabei. In „Tod in der Nordsee“ singt Burger dann von zickigen Frauen im Urlaub, Freds „Durchschnitt“ lässt auch sofort zum Mitsingen ein und so kocht die Stimmung schon sehr früh.
Rüdi erfüllt mir einen nur gedachten Musikwunsch und spricht allen mit „Frühling“ aus der Seele. Verdammt ja, lasst uns den dämlichen, unendlich lange dauernden Winter einfach wegsingen und rocken!
Labörnskis „Kleines Punkermädchen“ hilft dabei sicher auch mit – aber Pensen wünscht sich kontra-produktiv eine Partie „Schlittschuhfahrn“.
In der von Fred besungenen „Französischen Kleinstadt“ gibt es sicher mal gar keinen Winter, da ist immer Frühling, oder?
Burger schmettert danach „Hartz 4“ und diesmal kann ich wieder mit leichtem Herzen mitsingen, bin ich diesem Dämon doch noch mal von der Schippe gesprungen. Wenn man davon bedroht ist, wird einem dann doch ganz anders.
Totte zieht mit einem relativ neuen Song nach „Heute ballern, Welt retten dann morgen“. Und Rüdiger Bierhorst berichtet in den nächsten Minuten „Ich bin nicht frei“. Pensen besingt seine Ex in der „Puren Emotion“ und Labörnski ist froh, ein „Sänger“ zu sein.
Lebenshilfe der besonderen Art gibt es von Burger mit „Gewalt“, Freds „Herzblatthubschrauber“ kommt sowieso immer rasend gut an – und mit Tottes „4 Meter“ verabschieden sich die Monsters in eine 20 minütige Pause, die dann aber doch wohl eher 40 dauert. Macht nix, es gibt genug zu quatschen, auch mit Uta aus Oldenburg, mit der ich gemeinsam zum Kater-Konzert fahren werde und die es sich auf dem Boden im Gang neben mir gemütlich gemacht hatte.

Beim Start in das 2. Set sitzpogen wir dann alle wild zu „Sabine hat auf Sand gebaut denn Horst hat keinen Hunger“.
Beide Utas haben Wunderkerzen dabei und so wird Rüdis „Weltklassemelodie“ ein wahres Highlight. Fred berichtet im Anschluss, er hat es überhaupt von allen am Schwersten, denn ihm ist „Langweilig“.
Burger bringt richtig Geschwindigkeit in den Saal mit „Sexkranker Ex-Punker“ und Pensen wird, wie gewünscht, asozial laut ausgebuht bei „Schwach sein“.
Labörnskis Mimik und Gestik bei „Jack der Mörder“ ist eine Show für sich. Ich bin jedes Mal total fasziniert und so wird auch dieser Song, obwohl ich ihn nicht als meinen liebsten bezeichnen möchte, immer ein ganz großer Auftritt.
Rüdigers „Quizmillionär“ fällt da dann schon eher in die Kategorie „Liebster Song“ – einer von den dreißig oder so *gg*.

Nun bittet Rüdi im Anschluss doch um etwas Ruhe für den Balladen-Teil –aber ich hatte mir schon gedacht, dass das nichts wird. Die Leute sind einfach viel zu aufgedreht und oft auch schon total alkoholisiert…ich find so was zwar immer schade, aber zu ändern ist es nicht. So wird beim Balladenteil ordentlich gequatscht und auch reingebrüllt…naja, wer es mag…Ich versuche, mich nur auf die Songs zu konzentrieren: „Ann-Katrin“ von Pensen und Labörnski, „Selbstverständlichkeit“ von Burger und „Du bist alles für mich“ von Rüdi. Wat schön:)

Aber nun greift Pensen zum Banjo und begleitet Labörnski bei „Moti“. Der Saal brodelt, auch bei Tottes „Zwerge“. Die Mitsing-Chöre bei „Blasenschwäche“ sind schon heftig. „Ich trink dich schön“ beherrscht sowieso fast jeder im Saal – so rein textlich, meine ich ;)…und dann kommt auch schon das letzte Lied des Sets – Freds „Reine Poesie“…
Immer mehr langhaarige Typen drängen sich nach vorn zur Bühne…Rücksicht ist für sie ein Fremdwort, sie wollen rumspringen, auch wenn sie allen die Sicht versperren, irgendwelche Argumente kommen nicht in ihren alkoholgetränken Hirnen an.

Die Zugaberufe erschallen laut und deutlich und allzu lange lassen sich die gutgelaunten Monsters of Liedermaching auch nicht bitten – zuerst kommt Burger allein auf die Bühne zurück und singt sich seinen „Blues“ von der Seele. Für mich wird es nun sehr schwierig, die Langhaarigen sehen gar nicht ein, wieder auf ihre Plätze zurückzukehren und verteilen sich vor der Bühne. Spätestens beim nächsten Song „Winterschlussverkauf im KaDeWe“ flippen sie vollkommen aus, Headbangen, springen und pogen…ansonsten ja ein Ausdruck von Lebensfreude, aber nachdem man mich das vierte Mal getreten hatte und gegen die Leute geflogen ist, bin ich dann doch sauer. Ich bin nicht auf einem Punkkonzert und möchte einfach ohne blaue Flecken nach Hause gehen können.
Außerdem riechen diese Menschen sehr ungepflegt – und das allererste Mal überhaupt wünschte ich mir, dass noch Raucherlaubnis herrschen würde, dann wäre der Mief auf jeden Fall überdeckt.
Naja, wir mussten uns nun alle damit abfinden, dass vorn Randale herrschte und versuchten, „Interesse ist gut und „Schönheitschirurgie“ so gut wie möglich zu folgen. Zum Glück mussten sich ja auch die Hopser in der Strophe hinhocken.

Nun verschwanden die Monsters wieder von der Bühne und wurden sogleich zurück beordert – nur ein Zugabenteil geht mal gar nicht.
Fred erfreute uns danach dann mit „Zwiebelmett“, Burger mit „SuSuSu“ und Frische Mische mit „Dralle Drinks“. Da leider nach dem Hauptset meine Coke von jemandem zerdeppert wurde, konnte ich bei „Trink mit mir“ nicht mitprosten, aber ging auch so. Von „Marzipan“ bekam ich leider nicht viel mit, da die Typen vor der Bühne immer heftiger wurden und man sich da doch etwas darauf konzentrieren musste, ihren schwingenden Haaren und unkontrollierten Sprüngen auszuweichen.
„Ich muss weg“ sollte dann wohl eigentlich das Ende der Zugaben sein, aber das Publikum tobte einfach weiter – und so ging es gleich fließend in weitere Zugaben-Songs über. „Döner“ erinnerte mich daran, dass ich auch Bärenhunger hatte…“Frösche weinen nie“ wurde enthusiastisch mitgesungen – aber dann sollte auch wirklich Schluss sein…aber nein, einen haben wir noch: Strom aus und Totte schnappt sich die Gitarre, alle üben noch schnell mal den lautlosen Applaus und dann gibt es noch „Eschnapur“ hinterher…yiehaw.

Es ist 23.30 Uhr, als die Monsters die Bühne verlassen – wow…super, wie immer. Auch wenn es für mich nun keine neuen Songs gab, war ich doch froh, nach über drei Monaten endlich mal wieder live dabei gewesen zu sein.
Allzu lange hielt ich mich aber dann auch nicht mehr im Meiers auf, nur noch schnell mal dem einen oder anderen guten Tag sagen. Aber in Anbetracht meines ECHO-Ausfluges am folgenden Tag entscheide ich mich dann auch für die Heimfahrt und so bin ich tatsächlich schon um halb zwei in heimischen Gefilden eingetroffen – ungewöhnlich früh, am nächsten Tag sollte sich die Rückreise aus Berlin als nicht so komplikationslos erweisen – aber das ist eine andere Geschichte:)

- BiBi -

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