Sasha in Hamburg (NDR 2-Konzert)

Dienstag, 24. Februar 2009 - BiBi

Heute war der zweite Tag in meinem neuen Job (zählt man zwei Wochen kostenloses Praktikum mal nicht mit)– nach den langen Monaten der Suche freue ich mich sowieso, wieder irgendwo angekommen zu sein und mein normales Leben *sprich: regelmäßig bei Konzerten dabei zu sein* wieder aufnehmen zu können.
Nun ist es natürlich nicht selbstverständlich, dass man nach so kurzer Betriebszugehörigkeit die Erlaubnis bekommt, zwei Stunden eher zu gehen, um nach Hamburg zu fahren. Aber ich werte das als sehr gelungenen Start ins neue Berufsleben und denke, ich habe auch diesmal Arbeitgeber gefunden, die Verständnis für meine Passion haben.
Außerdem habe ich sicherlich auch hinreichend klar gemacht, wie wichtig es mir ist, gerade bei diesem einmaligen Konzerterlebnis dabei zu sein. Sasha bei einem Radiokonzert, endlich mal im Norden der Republik (sonst finden solche Veranstaltungen ja bevorzugt in Bayern oder Baden-Württemberg statt, habe ich immer das Gefühl – und gehen dadurch komplett an mir vorbei). Dann wird das Ganze noch im Radio übertragen (und das nicht nur im Norden, wie ich später erfahre) und auch im Internet. Und man kommt auf normalem Weg nicht an Tickets, sondern muss sie gewinnen oder eben gute Beziehungen haben – ich hab das zwar alles nicht, aber kenne dann doch ab und zu Menschen, bei denen das so ist (TAUSEND DANK noch mal fürs Mitnehmen;)
Tja, und das wichtigste Argument, warum ich einfach dabei sein wollte: Ich bin so furchtbar gespannt auf die neuen Songs – kommt doch das neue Sasha-Album „Good news on a bad day“ erst drei Tage später in den Handel. Nach der langen Wartezeit lechze ich nahezu nach neuem Sasha-Material – und vermisst hab ich ihn in all den Monaten seiner kreativen Pause sowieso.

So ist also kurz nach 15 Uhr Abreisezeit für mich in Verden – nach einem furchtbar hektischen Tag, da die Hälfte der Belegschaft Magen-Darm-krank ist und ich die meiste Zeit allein im Büro war – mir schwirrt der Kopf, als ich mich auf die Straßen traue, aber der Gott der Konzerte ist mit mir. Es gibt keinen Stau, ich flutsche wie auf einer grünen Welle nach Hamburg, auch dort überhaupt kein Problem mit Feierabendverkehr – und so treffe ich bereits um 16.30 Uhr vor dem Gebäude des NDRs ein. Parkplatz dichte bei ist auch sofort gefunden und ich sehe schon einige mir vertrauten Menschen vor dem Einlass stehen. Da die Leute schon eine etwas längere Wartezeit hinter sich haben, ist hier alles am Frieren und ich bin gespannt, ob ich in den 1,5 Stunden bis zum Öffnen der Türen auch durchgefroren bin. Aber nein, dazu ist die Wartezeit scheinbar nicht lang genug, ich glühe noch nach und als es dann losgeht, bin ich noch gut auf Betriebstemperatur. Drinnen gibt es NDR-Mitarbeiter, die nach Nennung des Namens die Leuten von den Gästelisten streichen und Bänder mit Badgets aushändigen. Dringend umhängen, sonst kommt man nicht weiter, wird uns gesagt. Wir eilen zu einen der beiden Treppen, die in die erste Etage führen, wo das Konzert im Rolf-Liebermann-Studio stattfindet. Aber hier müssen wir warten, auf halber Treppe steht eine Mitarbeiterin des NDR und hat per Band abgesperrt und sagt, es geht erst in einer halben Stunde hinauf. Okay, ich muss dringend die sanitären Anlagen aufsuchen, was ich auch umgehend mache. Als ich zurückkomme, stehen vor der Treppe schon eine große Menge Leute, die mich nur widerwillig wieder vor lassen. Ganz zu Petra komme ich auch nicht mehr, ein älteres Ehepaar rückt keinen Millimeter zur Seite. Nun gut.
Dann nach ca. 15 Minuten Warten stürmt einer, der vorn an der Treppe steht, plötzlich los, weil er wohl dachte, nun ist es soweit und die Absperrung wird aufgehoben. Aber die Dame vom NDR hat nur andere Mitarbeiter durch gelassen. Wie es aber bei den Menschen nun mal so ist: Der Herdentrieb setzt sofort ein und alles stürzt die Treppe halbhoch bis zur Absperrung. Ich weiß gar nicht, wie mir geschieht und nun stehen noch mehr Leute zwischen Petra und mir. Also weiter warten. Dann plötzlich heißt es: Weiter. Aber auch nur bis oben zum Ende der Treppe, da wird wieder aufgestaut, weil die Türen zum Studio immer noch nicht geöffnet sind. Nach weiteren Minuten der Wartezeit folgt dann die letzte Etappe. Die Leute rennen wie die Irren, auch Mitarbeiterinnen vom NDR selber, die schon drin waren, als wir erst hinein kommen und eigentlich die ganze Zeit nur am Lästern waren, machen richtig Gas – tja, meine Damen, über andere schlecht reden und dann so eine Show hinlegen…ganz großes Kino. Da habt ihr euch aber mal richtig geoutet.

Unvorstellbare Szenen finde ich vor, als ich ins Studio komme. Eine Freundin von mir hat vorn neben sich für ihre Schwester besetzt gehalten, die auch abgedrängt wurde. Logisch, man kommt zu zweit, man möchte zusammen sitzen. Aber nein, ein älterer Kerl ignoriert die Bitte, den Platz frei zu lassen und setzt sich brutal auf den Arm meiner Freundin, die ihn mit schmerzverzerrtem Gesicht nur noch zurückreißen kann, damit er ihr nicht gebrochen wird. Lass die Sasha –Fans sein, wie sie wollen – auch bei uns herrscht nicht immer eitler Frieden, aber solche Vorgehensweisen sind dann ja wohl doch unter aller Kanone. Und das von erwachsenen Männern…der Typ hätte lediglich einen Stuhl weiter rücken müssen, es war ja noch alles frei. Pfui…

Petra hatte da mehr Glück, sie konnte einen Platz neben sich sichern, was mich sehr freute. So saßen wir etwas außen in der ersten Reihe auf der linken Seite – prima.
Man hatte vor die erste Reihe der Klappsitze, mit denen das ganze Studio ausgestattet war, noch eine Reihe Stühle gestellt, so groß war wohl der Andrang nach den Karten. Nun, wer kann es nicht verstehen, hatte ja auch ich etliche Male vergeblich versucht, solche per Telefon zu gewinnen, aber irgendwie war das aussichtlos und die Leitungen brachen regelmäßig zusammen.
Der Saal füllte sich schnell mit ca. 450 Zuschauern. Direkt vor unseren Füßen verliefen Schienen für die Kamera, denn das ganze wurde ja mitgefilmt, weil es wohl auch noch später im TV ausgestrahlt werden soll. Einfach super.

Um ca. 19.10 Uhr sollte das ganze dann starten, es wurde vorher schon mal kurz vor 19 Uhr live übertragen und wir mussten richtig Stimmung machen, damit die Radiohörer auch wissen, dass ordentlich was im Studio los ist.
Dann die Ansage, nun geht es los, jetzt kommt Sasha mit Band…hurra, endlich. Im Gegensatz zum Auftritt beim Echo ein paar Tage vorher stolperte Sasha zum Glück auch nicht und konnte unbeschadet die Bühne betreten. „Please Please Please“, die neue Single, war der erste Song und ich wäre am liebsten sofort aufgestanden, aber man will es sich ja nicht sofort mit den Reihen hinten verscherzen. Sasha schien technische Probleme zu haben und zog sich dann auch nach der ersten Strophe die In-Ear-Pöppels aus den Ohren, die wohl funktionslos waren. Nach dem Song erklärte er dann auch sogleich, dass er total schief gesungen hat und ob es aufgefallen wäre – nee, nicht wirklich. Aber nun spielte die Technik auch mit und als zweiter Song folgte sogleich „There she goes“, auch vom neuen Album – und eine flotte Nummer genau nach meinem Geschmack. Dem Rest des Publikums gefiel es auf jeden Fall auch, denn alle waren außer Rand und Band und sparten nicht mit reichlich Applaus. Sasha war absolut gut gelaunt, erklärte zwar, er wäre etwas nervös, aber das merkte man ihm nicht an. Auf der Bühne ist er halt zu Hause und so plauderte er locker zwischen den Songs, erzählte sogar Witze („Kommt ein Zyklop zum Augearzt“ – köstlich:) und begrüßte die Hörer an den Radiogeräten und die Gucker vor den Monitoren.
Etwas gemäßigter, ruhiger kam der dritte Song daher „Why did you call“. Sasha saß dabei auf dem bereitstehenden Hocker. Dann folgte altbekanntes, aber auch wieder etwas abgeändert: „We can leave the world“ – wunderschön.
Der vierte Song vom neuen Album war dann „High and low“, ein großartiges Stück, das live viel hermacht. Aber auch über „Alive“ vom Vorgänger „Open Water“ (Sasha verriet, dass sie das Album untereinander OPA WALTER nennen) freute ich mich sehr.

Doch nun ging es richtig zur Sache mit „Lucky Day“. Das Sitzenbleiben fiel extrem schwer bei diesem Gute-Laune-Song, der auf jeden Fall zu meinen Alltime-Favorites gehört. „I’m still waiting“ wurde dann natürlich auch noch auf die Melodie von Lucky Day gesungen.
Mit „Coming home“ gab es dann auch wieder das liebgewonnene Acapella-Stück im Programm.
Zwischenzeitlich grüßte Sasha dann seine Kumpels aus dem Schanzenviertel („Schanzenpack“ von ihm genannt), die Plätze weiter oben hatten - und Sasha ging dann auch mal nach vorn zum Publikum und stellte sich auf der rechten Seite zwei Frauen vor (die NDR-Mitarbeiterinnen, die auch nach dem Konzert ein großes Geschrei davon machten, dass er ihren Namen wissen wollte). Dann kam er zur linken Seite und begrüßte mich auch mal eben und erzählte dann, als er zurück auf der Bühne war, den Leuten am Radio, er wäre eben wie wild abgeknutscht worden – was mich auf jeden Fall zum Erröten brachte :) – das schaffen nicht viele.

Dann etwas, was ich gar nicht mehr zu hoffen gewagt hatte: Es gab „Hide and Seek“ das erste Mal für mich (und viele andere) live zu hören. Da war richtig Drive und Power drin. Ich hoffe, bei der Tour ist auch dieser Song dann fester Bestandteil des Programms.
Nun kündigte Sasha an, dass jetzt wieder was älteres kommt, das gerade die Leute, die vorn sitzen, wohl schon in 20 Versionen kennen – und nun käme eben die 21. Ich tippte natürlich gleich auf „If you believe“ und lag damit sehr falsch, denn es kam „This is my time“ – wobei ich von dem Song mal allerhöchstens 10 Versionen kenne *gg*. Aber diese gefiel mir auch wieder ausgesprochen gut.
Als letzter Song vom Hauptset spielten sie den Titelsong des neuen Albums: „Good news on a bad day“. Ist mir eigentlich zu langsam, ich hatte das Lied auch schon mehrfach im Radio bei Promo-Auftritten gehört, aber live war es dann doch sehr schön.
Nun stand das Publikum im Studio natürlich Kopf und wollte Sasha nicht gehen lassen. Der Applaus hielt minutenlang sehr laut an und natürlich kamen Sasha und Band wieder zurück auf die Bühne. Nein, halt, stopp…Sasha kam allein zurück auf die Bühne, schnallte sich eine Akkustikgitarre um und ich dachte nur: Kerl, wat biste mutig…aber er begleitete sich dann tatsächlich allein bei „If you believe“, bis dann die Band dazu kam und musikalisch auch einsetzte. Eine gute Sache.
Als nächstes gab es dann noch ein Stück, dass sicherlich einer meiner liebsten werden wird: „Life Designer“. Ein temporeicher Song, der absolut gute Laune verbreitet.
Und da „Please Please Please“ am Anfang ja etwas in die Hose gegangen war, wurde es nun noch mal wiederholt. Vorher forderte Sasha uns auch endlich auf, mal aufzustehen…ein Glück, denn es gibt einfach Lieder, da mag man nicht stillsitzen.

Aber nun war auch wirklich Feierabend. Standing Ovations waren selbstverständlich und Sasha verließ gerührt unter tobendem Applaus die Bühne. Schade…so schnell war alles wieder vorbei, dabei dauerte es doch schon fast 1,5 Stunden.

Da vorher angekündigt wurde, dass Sasha nach dem Konzert noch Autogramme im Foyer schreiben würde, was für mich auch ein Novum war, trollten wir uns langsam die Treppen runter und staunten nicht schlecht, wie voll es im Foyer war. Als Sasha dann kam, hat er tatsächlich geduldig all den dort Wartenden ein Autogramm geschrieben. Ich bewundere doch immer wieder seine Geduld. Ein Autogrammkärtchen für meine Freundin Uta, die wegen ihrem Job (selbstständig sein ist schon nicht einfach) unter der Woche nicht zu Konzerten kann, hab ich dann auch noch geholt und dann war es auch Zeit für die Abfahrt Richtung Heimat. So war ich dann glücklich und zufrieden um 22.30 Uhr wieder daheim und schaute auf ein großartiges Konzerterlebnis zurück. Jetzt wird die Wartezeit bis zum Mai, wenn die reguläre Tour startet, noch schwieriger. Aber das neue Album und die Aufzeichnung des Konzerts wird uns über die Zeit trösten…

- BiBi -

Zu den Fotos von Sasha aus dem NDR 2-Studio in Hamburg