Monsters of Liedermaching in Hamburg (Logo / Katerkonzert)

Freitag, 1. Mai 2009 - BiBi

Irgendwie bin ich wohl inzwischen in einem Alter angekommen, wo man Traditionen zu schätzen weiß – und daher ist es für mich keine Frage, wo ich den 1. Mai verbringen werde – in Hamburg, im finsteren Logo, beim traditionellen Katerkonzert der Monsters of Liedermaching (es ist das dritte und das hat doch schon Tradition, oder?). Da man inzwischen weiß, wie beliebt dieser Gig bei den Fans ist, kauft Frau von Welt sich ihre Karte ja mal bereits im Dezember – besser ist das!
Und recht hatte ich, denn schon im Februar heißt es: Ausverkauft, alle Karten weg. Als ich die Micha fragte, ob sie denn auch dran gedacht hätte, bekam ich die deprimierte Antwort: Nö, Mist, ich hab keine Karte. Och…
Aber dann überrollte eine Arbeitslawine meine Freundin Uta aus dem Harz – und sie musste ihren Trip nach Hamburg streichen und gab die Karte an Micha weiter – und ihr Sohn, der ebenfalls anderweitig beschäftigt war, gab seine Karte an meine Freundin Petra weiter…nun waren wir schon fast komplett…wäre da nicht noch die Uta aus Oldenburg. Wir sind uns in den letzten Monaten immer wieder bei den Monsters-Konzerten über den Weg gelaufen, haben uns für sympathisch befunden und beschlossen, dass sie mit mir nach Hamburg fährt, weil ihr Kumpel diesmal keine Zeit hat, sie zu begleiten.
Also musste alles koordiniert und geplant werden, was für mich sonst ein Klacks ist, aber zu Zeiten eines neuen, sehr fordernden Jobs doch manchmal schwierig. Aber nichts desto trotz stand Ende April alles fest. Uta gegen 11 Uhr in Ottersberg am Bahnhof abholen, auf der A 1 in Rade eben Petra einladen und zum Logo, wo Micha dann direkt vom Bahnhof kommend auf uns trifft.
Und wie soll ich sagen…an diesem herrlich sonnigen Tag klappte das alles wie am Schnürchen. Kein Stau, keine Verzögerung. Mein neues Navi, dass ich mal aus Testzwecken mit dabei hatte, brachte uns zielsicher in die Grindelallee…dabei kenn ich den Weg auch auswendig :) – nur einen Parkplatz konnte das Teil nicht herbei zaubern, so kurvten wir dank Petras ortskundiger Anleitung noch etwas herum und wurden dann auch fündig. Aussteigen, einmal strecken, und ab zum Logo. Naja, es war nun aber erst kurz vor halb eins, Einlass sollte 14 Uhr sein, also haben wir einmal mehr im gemütlichen Bistro vis-à-vis des Clubs Platz genommen, besser gesagt davor, denn die Gartenlokal-Saison ist ja eröffnet. Man sah dort schon einige bekannte Gesichter und Monsters-T-Shirt-Träger. Wir waren somit nicht die ersten, die den Weg frühzeitig nach Hamburg gefunden hatten.
Micha ließ auch nicht lang auf sich warten, zog aber gleich weiter, die Straße runter, weil dort ein sehr stylischer Eisladen ist, den sie unbedingt besuchen wollte. In der Zeit hatten wir unsere Zeche gezahlt und sind auf die andere Straßenseite gewechselt, um mal vor der Tür des Logos auf Einlass zu warten. Drinnen war Soundcheck, aber immer wieder ließ sich der eine oder andere Musiker sehen. Von Rüdi gab es eine liebe Begrüßung, Burger entwich nur ein „Ach du Scheiße“, als er die Leute draußen stehen sah und Totte war völlig platt, dass 20 Minuten vor Einlass schon so viele Fans warteten.
Pünktlich wurden die Türen geöffnet, wir betraten als erste den Laden und platzierten uns mal gleich schön auf den aufgestellten Bänken, die auch nach kurzer Zeit restlos belegt waren. Da lohnt es sich einfach, früh da zu sein, denn so ein Monsters-Konzert dauert einfach lang und Sitzpogo ist nur halb so schön im Stehen ;)

Nachdem der Laden dann rappelvoll war, ging es auch recht pünktlich los – und was dann folgte, war ein Feuerwerk an Spielfreude und an guter Laune – und das sowohl bei Band als auch beim Publikum. Ich hab schon lang nicht mehr ein Monsters-Konzert besucht, wo es so genial ablief. Die anwesende Meute war singfreudig, feierfreudig, aber ohne diese leidigen Ausfälle von total zugedröhnten Leuten, die mit unhöflichem Verhalten die ganze Veranstaltung stören. Irgendwie etwas untypisch für Hamburger Konzerte – aber toll!
Gestartet wurde der Nachmittag durch Labörnskis Handy-Klingelton…eine fröhliche Melodie in polyphoner Qualität…Handy ans Mikro gehalten und die Monsters tanzten zum Auftakt. Aber dann griff Rüdi in die Saiten und bot sein „Sonntag“ dar – absolut lebensecht, da glaubte man den Kater noch maunzen zu hören. Nach diesen eher ruhigen Tönen war dann aber Partytime eingeläutet. „Kennt ihr schon…“, gefolgt von „Tod in der Nordsee“, da war schon klar, der Mitsingpegel ist sehr laut!
Bei „Durchschnitt“ baute HSV-Fan Fred mal die geringschätzige Weise „Was ist grün und stinkt nach Fisch – Werder Bremen“ mit ein – verständlich zu Zeiten, wo HSV und Werder wöchentlich aufeinander treffen, schmerzlich aber für einen Werder-Fan WIE MICH! Aber die Tatsache, dass WIR schon mal in einem Finale sind, tröstet da doch sehr :)

Der nächste Programmpunkt war eine Überraschung für mich: „Schubdibapp“ von Rüdiger Bierhorst – cool, hab ich noch nie live von ihm gehört.
Börnski bot sein „Punkermädchen“ dar und einmal mehr stellten wir alle fest, wir würden ihn doch zu gern mal mit Anzug und Krawatte bei der Arbeit sehen…man kann es sich nicht so recht vorstellen.
Nun war Pensen-Time – und auch bei schönstem Mai-Wetter steh ich absolut auf das „Schlittschuhlied“.
Ha, jetzt war Fred mit einer Premiere für uns dran…sein Song „Spaßbremsenfete bei Jörg“ stand auf dem Programm, wurde aber kurz für Jörn, einem der Merchandise-Verkäufer, umgewidmet.
Burgers „Hartz 4“ sangen alle wieder enthusiastisch mit, auch ich, wo ich wieder ein geregeltes Einkommen habe – ja, da hat man dann gut lachen.
Über Frische Misches „Schmiedeeiserne Schlachtgebet“ freu ich mich ja sowieso immer und Labörnski kam bei seinem Kampf gegen den Drachen auch arg ins Schwitzen.
Totte danach natürlich auch, denn immerhin war „Heute ballern, Welt retten dann morgen“ angesagt. Rüdi hielt sich nicht mit langen Ansagen auf für seinen nächsten Song „Ich bin nicht frei“, weil er die Stimmung nicht kaputt machen wollte. Wäre ihm sicher auch nicht gelungen, schon gar nicht, weil Pensen jetzt mit „Pure Emotion“ an der Reihe war.
„Sängerglück“ von Labörnski und „Gewalt“ von Burger folgten.
Dann war schon Zeit für den „Herzblatthubschrauber“, der aber umgetextet wurde in den Herzbluthauptschüler. Etwas schwierig zu singen und auch völlig sinnfrei, aber lustig.

„4 Meter“ bildete dann den Abschluss des ersten Sets – und Rüdi hatte einen Paradeauftritt…er schimpfte sich in Rage über die üblen Raucher, die keinerlei Rücksicht auf ihre Umwelt nehmen. Ich schwankte zwischen Schreck und größtem Amüsement…

Die Pause tat gut, denn im Club waren die Sauerstoffreserven absolut aufgebraucht, so dass die geöffnete Tür das Hereinfluten neuer Luft ermöglichte. Die Leute holten sich Getränkenachschub und die obligatorischen Rollmöpse, die vom Club alljährlich zur Verfügung gestellt werden…danke dafür!
Aber nach einer halben Stunde wurde es wieder duster, Türen wurden geschlossen und auf ging es zum zweiten Teil. Der begann standesgemäß mit ordentlichem Sitzpogo bei „Sabine hat auf Sand gebaut denn Horst hat keinen Hunger“. Sicher etwas befremdlich für die neben mir sitzende Petra, die noch nicht wirklich ein Clubkonzert der Monsters mitgemacht hatte.
Bei der „Weltklassemelodie“ wurden reichlich Wunderkerzen gezündet – und sofort war der Sauerstoff dann wieder Mangelware im Raum.
Als nächste Programmpunkte folgten „Sprich mal mit dir selbst“, „Langweilig“ und „Sexkranker Ex-Punker“ – da kochte der Laden schon sehr und die Stimmung war sensationell. Trotzdem wollten Pensen jetzt „Schwach sein“ – und das Publikum buhte wie der Teufel und es gab auch nur Buh-Rufe anstelle Applaus – dazu passte dann auch der Gesang „Geh doch zu Hause, du alte Scheiße“ ganz hervorragend.
Nun war es wieder Zeit für Labörnksis schauspielerischen Talente – einerseits gab er den eiskalten Mörder, andererseits das kleine niedlichen Mädchen bei „Jack, der Mörder“.
Lang nicht mehr live gehört hatte ich auch den „Wellensittich von Angela Merkel“. Das Publikum versuchte, den Song mal allein zu singen, es klappte auch in großen Teilen sehr gut. Nach dem „Quiz-Millionär“ wurde dann der Balladen-Teil eingeläutet, den ich immer sehr genieße, wenn das Umfeld mitmacht –und in Hamburg war es super. Trotz voller Hütte war der Geräuschpegel sehr niedrig und die leisen Töne von „Ann-Katrin“, „Du bist alles für mich“ und „Selbstverständlichkeit“ kamen so gut an.
Labörnski beendete die lauschige Zeit mit „Moti“ und Pensen griff dazu beherzt ins Banjo und spielte lustige Melodien.
Toll auch, dass Totte danach „Was mögen Frauen“ sang – ich glaub, das Lied hab ich seit vier Jahren nicht mehr live gehört. „Blasenschwäche“ ist dagegen inzwischen ein beständiger Bestandteil des Monsters-Programms – und kommt saugut an, inzwischen singt jeder mit.
Mit den Feier-Liedern „Trink mit mir“, „Ich trink dich schön“ und "Reine Poesie" endete dann auch das zweite Set. Natürlich durften die Monsters nicht einfach so aufhören, der Club tobte und die Monsters-Chöre erklangen laut und vernehmlich und forderten den Fortgang des Programms.

So ging es dann auch zum Glück weiter – erst mit Burgers „Blues“, wo sich einmal mehr bei mir eine Gänsehaut eingestellt hat. „Winterschlussverkauf im KaDeWe“, „Türen“ und „Interesse ist gut“ sind beliebte Klassiker im Programm. Bei „Interesse“ wird inzwischen bei jeder Silbe der Vornamen geheadbangt – auch cool :)
„Schönheits-Chirurgie“ ließ dann das Publikum auch gleich in Bewegung bleiben, indem selbstverständlich beim Refrain aufgestanden wurde.
So war auch schon die erste Zugabe beendet, aber nicht lang, und es ging weiter. Zu meiner großen Freude sang Rüdi nach längerem mal wieder „Mona“…fein und so authentisch.
Bei „Marzipan“ wurde noch mal richtig laut mitgesungen und bei „SuSuSu“ mit den Armen geschwenkt. „Ich muss weg“ werde ich sowieso immer lieben, was für ein schöner Song – und Abschluss der zweiten Zugabe.
Aber noch immer war das Hamburger Publikum nicht müde – und zum Glück auch die Band nicht. So ging es noch einmal weiter mit „Döner“. „Frösche weinen nie“ sang das Publikum mal standesgemäß allein – und dann gab es als krönenden Abschluss „Morgens um acht“, den Song hatte ich auch schon schmerzlich vermisst.
Glückselig tanzten die Monsters auf der Bühne und das Publikum bedankte sich mit Standing Ovations für den zauberhaften Tag – und natürlich gab es auch noch „Eschnapur“ unplugged oben drauf. Aber dann war leider wirklich Schluss, es war kurz vor 19 Uhr und da die Luft im Club irgendwie nicht mehr vorhanden war, strömten auch alle hinaus – und stand in der blendenden Helligkeit. Das ist absolut skurril, man erwartet eben Nacht und Dunkelheit, aber die Sonne blendete jeden und alle standen wir mit kleinen Äuglein auf dem Bürgersteig. Die Leute hatten alle auch noch viel Zeit, man plauderte und tauschte sich aus.
Zu unserer großen Freude lernten Micha und ich auch noch Pensen Eltern kennen – der Aufforderung, nun schnell heimzufahren und bis Mitternacht den Konzertbericht fertig zu haben, konnte ich zwar nicht folgen, aber ich hoffe, man verzeiht mir, dass ich mir ein bisschen Zeit gelassen habe. Denn nach der Abfahrt aus dem schönen Hamburg verteilte ich meine Mitfahrer wieder an Autoparkplätzen und Bahnhöfen…bis auf Micha, denn uns führte der Weg in unser geliebtes Daisys Diner in Oyten (wer da an der A1 mal vorbei kommt…runter von der Autobahn und dort einkehren, es lohnt sich), wo wir uns mit lauter leckerem Zeug bewirten ließen und noch lange quatschten und den Tag Revue passieren ließen. Großartig war’s und sollte es auch im nächsten Jahr wieder ein Katerkonzert geben, bin ich wieder eine der ersten, die ihre Eintrittskarte kauft – Ehrensache ;)

- BiBi -

Zu den Fotos vom Katerkonzert in Hamburg