Nullbock, Das Pack, Fred und Totte, Zoomite in Salzgitter (Altstadtfest)

Freitag, 12. June 2009 - BiBi

Es ist nicht ganz einfach, nach einer Woche noch einen Konzertbericht zu schreiben, aber manchmal erlaubt es mein Terminplan leider nicht, zeitnah zu agieren. Daher versuch ich jetzt mal vom vergangenen Wochenende zu erzählen.
Freitag, 16 Uhr: Feierabend, die harte Lohnwoche ist Geschichte, ich hab alles pünktlich fertig bekommen und mir das Wochenende redlich verdient. Zwei Tage voller geiler Live-Musik – und danach noch die Geburtstagsfeier meiner Mutter. Da ist keine Zeit für viel Schlaf oder Ruhe, aber wer braucht das auch schon :)

Ich starte direkt von der Arbeit nach Salzgitter, wo heute ein irres Line-Up beim Altstadtfest auf uns wartet. Zoomite, Das Pack, Fred und Totte und Nullbock. Und das alles auf der Jugendbühne. Ich bin gespannt.
Die Autobahn ist voll, aber es geht relativ fließend voran. Die Navigationsfrau sagt an, wo ich lang muss und so lande ich um halb sechs wohlbehalten in Salzgitter-Bad, cruise ein bisschen herum und entscheide mich für einen Supermarkt-Parkplatz, denn der scheint nicht so weit vom Altstadtfest entfernt zu sein. Meine Einschätzung trifft ins Schwarze, ein paar Schritte, da ist die Polizeiwache und die soll ja laut Info in unmittelbarer Nähe der Bühne sein. Und richtig, ein kleiner Park mit einer kleinen Bühne und zwei Buden – am Ziel angekommen. Ich beäuge das Geschehen dort neugierig, sehe aber auch wirklich nur Jugendliche. Okay…aber dann entdecke ich ein paar Erwachsene, und die kenn ich auch noch :) – Fred, Totte und Labörnski von den Monsters of Liedermaching. Eine freundliche Begrüßung erwartet mich, Pensen und Flozze vom Pack kommen auch noch dazu, auf der Bühne tobt schon mal der Soundcheck für die erste Band Zoomite, deren Frontfrau Sina wiederum mit Nullbock-Sänger Adri verbandelt ist, der daher beim Check auch mithilft. Irgendwie fühle ich mich gleich heimisch und kann nun beruhigt auf die Micha warten, die direkt von Wuppertal aus mit dem Zug anreist. Gegen halb sieben trifft auch sie ein und da hat der Auftritt von Zoomite auch gerade erst begonnen.

Vor der Bühne ist es noch recht leer, zu der frühen Stunde haben sich noch nicht so viele Menschen hierher verirrt, aber wir halten natürlich vorn die Stellung und auch Fred, Totte und Labörnski machen ordentlich Stimmung.
Zoomite selber gefallen Micha und mir auch sehr gut. Sie rocken kräftig ab und begeistern das Publikum, auch wenn die meisten das nicht so zeigen können…aber so soll es irgendwie auch den ganzen Abend bleiben. Klatschen scheint bei den Kids von Salzgitter eher als uncool zu gelten. Saufen dagegen ist scheinbar obercool, dabei gibt es nach dem Auftritt von Zoomite eine Verlosung auf der Bühne, wo Kids für ihre Handyvideos prämiert werden, die gegen Alkohol wettern – oder so. Ganz verstanden hab ich das nicht und irgendwie sind die Appelle, keinen Alkohol zu trinken, bei so einem Stadtfest auch schnell verpufft.

Aber nun wird es auch wieder Zeit für die wesentlichen Dinge im Leben – Das Pack steht auf der Bühne…seit Wochen hab ich mich hierauf gefreut, denn Pensen und Flozze sind schon was ziemlich besonderes im Musikgeschäft. Wobei es heute etwas chaotisch zugeht, was die Sache aber nicht uncharmant macht. Pensen holt sich bei „Waschzwang“ mal gleich einen Jugendlichen auf die Bühne, der sich sofort das Hemd vom Leib reißt und Pensens vorgeturnten Waschbewegungen mitmacht.
Hier ins Salzgitter gibt es scheinbar ein paar eingefleischte Pack-Fans, denn einige Jugendliche brüllen schon im Vorfeld lautstark nach dem Pack – und genau die sind es, die es uns leider unmöglich machen, uns vor der Bühne aufzuhalten, denn sie pogen wie die Weltmeister, ohne Rücksicht auf irgendwas. Sie springen auf die Bühne und dann wieder auf ihre Kumpels, es gibt einige böse aussehende Stürze. Pensen witzelt und fragt, wie weit das nächste Krankenhaus ist und dass wir alle sammeln und dann fünf Euro fürs Taxi dorthin zusammenlegen werden.
Aber im Programm geht es natürlich trotzdem weiter. „Alle Menschen tot“ rockt und ich bin völlig geflasht von einem neuen Stück namens „Heavy Metal Kids“ – das ganze scheint irgendwie Slayer gewidmet zu sein, denn der Name kommt immer wieder vor und ist von uns mitzugröhlen.
Pensen haut so in die Saiten, dass er zweimal Kollateralschaden zu beheben hat. Und Flozze trommelt sich so in Rage, dass schnell die Hüllen fallen und er mit freiem Oberkörper weiterspielt.
Bei „Mein Schwan“ stürmen gleich mehrere Kids die Bühne und packen mal ihre Lachse aus, ich denke, ich spinne – wo sind wir bloß gelandet. Alles sehr strange hier und man mag auch nicht wirklich hinschauen…aber ist halt wie bei einem Autounfall…so richtig weggucken geht auch nicht.
Ich freu mich auf jeden Fall über Songs wie „Fass mich an die Füße“, „Geh mir aus der N-(S-)onne“ und „Angelala“
Trotz gebührendem Abstand zur Bühne werden wir mehrfach heftig mit Bier abgeduscht, weil die Jugendlichen ihre mitgebrachten Bierdosen schütteln und dann über das Publikum verteilen. Ferner wird gerotzt, was der Speichelfluß hergibt. Schön ist anders und dieses Jungmänner-Gehabe konnte ich auch in meinen Jugendzeiten auf den Tod nicht ausstehen…aber tu was dagegen. Ist wohl irgendso ein Brunft-Gehabe – oder die Pubertäts-Hormone zwingen dazu – isch weiß net so genau.

Aber auf der Bühne geht es ebenso chaotisch zu, wenn auch ästhetischer. „Mein Schwan“ wird mal gleich zweimal gespielt…ob mit Absicht oder weil’s beim ersten Mal so gut ankam und Flozze und Pensen noch ein paar Gemächte sehen wollten, erschließt sich mir nicht. Trotzdem ist der zeitliche Rahmen leider eng gesteckt und dann der Auftritt irgendwie viel zu schnell vorbei. Applaus gibt’s, aber nicht so euphorisch, wie man es jetzt erwartet hat – eben weil es vielleicht einfach als uncool gilt. Egal, Micha und ich johlen und versuchen, dass alles wieder rauszureißen :)

Nun wird flott umgebaut, denn Fred Timm und der Flotte Totte stehen als nächstes auf dem Programmplan. Ich mach mir ein bisschen Sorgen, ob dieses Pogo-Publikum nun wirklich was Liedermaching-Technisches hören will, aber Versuch macht kluch und man muss da eh durch.
Am Anfang ist es auch noch nicht so sehr euphorisch mit der Mitsingerei, Fred und Totte mühen sich redlich und werfen gleich mal Klassiker wie „Marzipan“, „Schlecht im Bett“, „Döner“ etc. in die Waagschale. Langsam wird die wachsende Zuhörerzahl vor der Bühne auch wach und munter und der Mitmachpegel steigt etwas. Da die wilden Poger inzwischen entschwunden sind, können Micha und ich das Geschehen auch aus vorderster Front mitbekommen.
Labörnski kommt als Gast dazu auf die Bühne und gibt sein „Punkermädchen“ zum Besten. Totte erfüllt einen laut gebrüllten Wunsch und spielt „Häschen“ – „Türen“ darf sowieso nicht fehlen und von Fred bekommen wir auch noch „Durchschnitt“ und „Schönheits-Chirurgie“ auf die Ohren. Nun ist der Auftritt eigentlich schon vorbei, aber Salzgitter ist warm und fordert eine Zugabe, die gern gewährt wird. „4 Meter“ bildet einen krönenden Abschluss.

Dann wird die Bühne geräumt und für den Auftritt der Lokalmatadore von NULLBOCK umgebaut. Micha und ich haben beschlossen, diesmal nicht vorn an der Bühne stehen zu wollen, denn wir haben ehrlich gesagt Angst vor den pogenden Leuten und denken, bei den Böcken wird das alles noch viel heftiger als beim Pack. Also verziehen wir uns ein bisschen an die Seite – tja, aber dann geht’s los, Nullbock betritt die Bühne und bittet gleich mal Totte dazu und fragt, ob sie ein paar Muschikoffer-Sachen spielen sollen. Boh, wie geil ist das denn? Ja, aber klar. Und so wird richtig losgelegt und ich bin eigentlich ganz unglücklich mit meinem Platz da an der Seite und immer wieder kommen 2 Meter-Menschen und stellen sich vor mich und das ist so gar nicht meine Welt. Ich krieg nix vom Geschehen auf der Bühne mit und nur zum Hören bin ich auch nicht da. Micha entdecke ich dann beim dritten Muschikoffer-Song auch schon direkt vor der Bühne…ha, wenn sie hingekommen ist, mach ich das auch. So, also langsam vorgepirscht und dann steh ich auch ziemlich weit vorn, 2. Reihe, immerhin. „Alsterstaat“ und „Sabine hat auf Sand gebaut denn Horst hat keinen Hunger“ krieg ich noch von vorn mit und freu mich lautstark :)
Als Totte dann die Bühne verlässt, wollen Micha und ich auch wieder etwas weiter zurück, aber irgendwie fühlen wir uns nicht wohl…okay, ist halt eine Tatsache: Wir sind erste Reihe-Fans und nur dort glücklich und daher kämpfen wir uns dann doch schnell wieder nach vorn und plötzlich ist auch alles prima und macht irren Spaß und auch wenn man mit Bier bekippt wird und angepogt – sei es drum. Nun wird Nullbock gefeiert, die eine Mischung aus neuen Songs und Klassikern bringen und alle kommen auf ihre Kosten.
Ich freu mich natürlich besonders auf die Sachen vom gern gehörten Album „Das erste Ma(h)l“ und werde nicht enttäuscht. Natürlich gibt es „Politik und Sex und Geld“, „Hey Vicky“ oder den „Punkarama Lovesong“, wo Sänger Adri auch mir das Mikro vor den Mund hält. Er turnt sowieso herrlich auf der Bühne herum, schaukelt an Streben etc.
Das Stage-Diven hält sich etwas in Grenzen, Aufpasser Gordon hält zu euphorische (oder alkoholisierte) Jugendliche etwas im Zaum und eigentlich kann man es ganz gut aushalten. Nur auch hier fällt auf: Klatschen ist uncool…ungelogen, es gab Songs, die waren fertig und es erklang nix…kein Johlen, kein Klatschen. Das ist ziemlich befremdlich, vor allem, wenn man eigentlich Topact ist. Aber vielleicht ist es in Salzgitter immer so, mir fehlt da etwas die Erfahrung. Micha und ich legen uns dafür dann eben doppelt ins Zeug, weswegen wir dann auch arg viel Stimme einbüßen und den Rest der Nacht recht heiser sind.

Irgendwie geht der ganze Gig auch viel zu schnell vorbei…“Für immer jung“ genieße ich, über „Frauen sind zum F***en da“ lache ich und „Junge“ von den Ärzten finde ich gut gecovert. Natürlich auch die Hommage an die Toten Hosen, die am nächsten Tag in Braunschweig einen großen Gig spielen – „Wünsch dir was“ wird gespielt - ah, und unbedingt erwähnenswert ist die Nullbock-Version von "Blitzkrieg Bop" - Micha und ich haben uns königlich amüsiert - und dann ist auch schon irgendwie Ende. Aber die Böcke werden zurück auf die Bühne gefordert und wir bekommen noch einen meiner liebsten Songs „Wir danken euch“. Dabei bekomme ich dann auch noch mal zum Abschluss einen richtigen Tritt ans Schienbein verpasst von einem aus der Pogo-Fraktion und heule fast vor Schmerz auf, aber auch Punkrock ist kein Kindergeburtstag und nun, nur eine Woche später, verblassen die Blutergüsse ja auch schon langsam.

Bassist André hat während des Konzerts immer fleißig Werbung für seine Cocktail-Bude gemacht, die irgendwo in der Nähe auf dem Altstadtfest aufgebaut ist und vielleicht ist das der Grund, warum auch schnell alle Leute weg sind nach dem Konzert. Micha und ich hatten auch nicht vor, noch lang zu bleiben, da wir ja am nächsten Tag schon wieder volles Programm in Münster haben, aber den Böcken hätten wir schon gern Tschüß gesagt…nun, ist uns nicht gelungen, vielleicht sind die alle gleich zum Cocktailtrinken gelaufen :) – aber wir belauschen noch völlig amüsiert ein Telefonat, wo ein junger Typ einer Anruferin absolut glaubwürdig verkauft, er wäre André von den Böcken und sie würde nächste Woche irgendwo auf einer Gästeliste stehen. Ich hoffe, man hat ihr noch rechtzeitig von dem Schwindel erzählt, sonst wird sie eine große Enttäuschung erleben.

Dann kommt Pensen noch mal zur Bühne und wir quatschen noch kurz und sagen tschüß und wandern dann Richtung Supermarktparkplatz, im festen Willen, nun noch irgendwo Burger King aufzusuchen. Navi gefragt, Antwort bekommen. Nur 14 km fahren…wir tun es, kommen um 10 Minuten nach Mitternacht (auf einem Freitag) beim Burger King an, marschieren hungrig rein – und werden gleich wieder rausgeschickt, denn sie haben eigentlich geschlossen, nur noch nicht die Tür abgesperrt. Bitte? Um Mitternacht macht in Salzgitter am Wochenende der Burger King zu? Alter Falter, na denn…
Also geht’s erst mal auf die Autobahn und wir landen – wie schon häufiger – in der Raststätte an der Abfahrt Schwarmstedt und futtern lecker Currywurst bzw. Rührei mit Schinken.
Um 3 Uhr dann Einschlag daheim – beide sind wir total müde, was uns aber nicht davon abhält, mal eben noch eine Stunde zu quatschen…aber dann: Ab in die Falle, auch der nächste Tag wird anstrengend und diese musikalische Nacht muss erstmal verdaut und verarbeitet werden…

- BiBi -

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