Sasha in Kiel (Kieler Woche)

Sonntag, 21. June 2009 - BiBi

Ein kleines Dejavue – vor fast genau zwei Jahren gab Sasha ein großartiges Konzert auf der RSH-Bühne bei der Kieler Woche. Und genau dies passiert am Sommeranfang 2009 wieder. Und genau wie vor zwei Jahren ist das Wetter mehr als durchwachsen.
Auf der Fahrt nach Kiel gießt es streckenweise derartig heftig, dass die Scheibenwischer nicht gegen die Wassermassen ankommen. Och nö.
Ich habe heute Jenny aus Oldenburg dabei, sie hat sich kurzfristig dazu entschlossen, ihr erstes Sasha-Konzert zu zelebrieren. Sie kommt vormittags zu mir und mit meinem Auto fahren wir weiter, kurz vor den Toren Hamburgs steigt Petra zu und ohne verkehrstechnische Störungen kommen wir gegen halb zwei in Kiel an.

Eigentlich sehr früh, soll Sasha doch erst um 19.30 Uhr auf der Bühne stehen – aber ich bin ein Schisser und stelle mir vor, dass ja am Sonntag auf der Kieler Woche reichlich los ist und alle Leute Zeit haben, sich schon mal vor die Bühne zu stellen, wo um 14 Uhr ein kleiner Dance-Contest stattfinden soll. Und dann ist die erste Reihe voll und BiBi am Heulen und das geht alles mal überhaupt nicht. Also lieber früh anreisen, dank vorheriger Recherche und Ortskenntnissen und Navi einen hervorragenden Parkplatz finden und vor der Bühne fünf wartende Fans vorfinden. Okay, also doch alles völlig stressfrei. Natürlich kennt man die bereits Wartenden, wir begrüßen uns, markieren unseren Platz – und ich verzieh mich dann mal mit Jenny auf eine Steinbank am Kai, wo die Futter- und Getränkestände aufgebaut sind und die Menschen flanieren. Das Wetter ist super, klar, immer wieder ziehen Wolkenfelder durch, dann wird’s durch den Wind etwas kühler, aber wenn die Sonne scheint, ist es mollig warm und ohne Sonnenbrille geht für mich eh gar nichts.

Aber ich komme mir hier in Kiel heute wie in einer Kuriositätenshow vor. So etwas hab ich noch nicht erlebt, so intensiv und offensichtlich bin ich noch nie angegafft worden – und es gibt reichlich Leute, die mich fotografieren, mit dem Finger auf mich zeigen und ein alter Knacker filmt mich sogar. Als ich Jenny darauf aufmerksam mache, flippt sie fast aus – wäre der Typ nicht schon weitergegangen, hätte sie ihm wohl eine runter gehauen, so wütend macht sie dieses Verhalten. Ich kann nur den Kopf schütteln über soviel Respektlosigkeit und Frechheit. Ich gebe den Kielern zugute, dass sie nur einmal im Jahr, wenn Kieler Woche ist, aus ihrem Mief-Leben herauskommen und an die Öffentlichkeit gehen. Weltoffenheit ist anders - immerhin habe ich auch bereits zwei Jahre meines Lebens dort oben im Norden gearbeitet und gewohnt und dabei dieses Völkchen kennen- aber nicht gerade schätzen gelernt. Das alles aber nur mal so am Rande.

Es dauert tatsächlich bis ca. 17 Uhr, bis mal weitere Leute zur Bühne kommen. In der Zeit haben wir schon den Dance-Contest hinter uns gebracht, die indische Männer-Tanzgruppe hat mir gut gefallen, die jugendlichen Hip-Hop-Hopser dagegen waren ein Voll-Flopp.

Jeder von uns geht noch mal auf Toilette, holt sich Verpflegung, aber die Wartezeit zieht sich doch ganz schön in die Länge. Auf der Bühne ist längst alles aufgebaut, könnte so losgehen. Zu meiner großen Freude ist aber auch wirklich superpünktlich um 19.30 Uhr Beginn. Der Platz vor der Bühne ist inzwischen knallvoll, trotzdem stehen wir noch recht bequem und unbedrängt.
Sasha und seine Musiker werden mit großem Jubel begrüßt. Es geht auch sofort los mit „Please Please Please“ gefolgt von „There she goes“. Sasha ist extrem gut gelaunt, lacht viel, tanzt und schüttelt die Kiste beim Olalala, dass es eine Freude ist. Diese Stimmung überträgt sich natürlich aufs Publikum.
Der nächste Song ist eine kleine Überraschung – es gibt doch tatsächlich „Rooftop“ – lang nicht mehr live gehört. Das Publikum muss ordentlich mitmachen und mitsingen und ich freu mich total! Natürlich auch über „Life Designer“ vom neuen Album „Good News On A Bad Day“.
Aber bei „We can leave the world“ passiert es dann…gerade, als der Songs so richtig abgeht, öffnet Petrus seine Schleusen und es fängt an zu schütten. Waaaah…ist das der Kieler Fluch? Kein Sasha-Konzert, ohne total durchnässt zu sein?
Naja, sooo schlecht ist das ganze aber dann doch wieder nicht. Nachdem der Song vorbei ist, spricht Sasha dieses Dilemma auch gleich an und ist der Meinung, wenn wir nass werden, dann er auch. Er verlässt die Bühne und läuft vorn im Graben die Reihe runter und klatscht erstmal alle ausgestreckten Hände ab.
Jenny freut sich total, ihr erstes Sasha-Konzert und schon Körperkontakt *lach* - so kann es gehen. Dafür pladdert es unverdrossen weiter und Sasha will mit uns den Regen wegrocken – naja, rocken ist übertrieben, denn jetzt ist ja eher Akkustik-Zeit und er singt sitzend auf einem Barhocker den Titelsong des neuen Albums – und das ist ja bekanntlich eine Ballade.
Okay, hat noch nicht geholfen, es regnet unverdrossen weiter. Mir ist es inzwischen schon wurscht, denn meine Klamotten sind eh nass, macht aber nichts. Im Auto liegen natürlich trockene Sachen, frieren muss ich somit später nicht.
Aber jetzt ist ein absolutes Gute-Laune-Lied an der Reihe: „Lipstick on the mirror“ und Kiel feiert und tanzt auch einfach unverdrossen mit. Die Leute bleiben stehen, man sieht zwar viele Regenschirme, aber niemand flüchtet.

Nun versucht Sasha, mit „Coming home“ den Wettergott zu besänftigen, befürchtet aber auch gleichzeitig, dass es womöglich nun noch anfängt zu schneien, da es ja eigentlich ein Weihnachtslied ist. Okay, so dicke kommt es dann doch nicht…es sieht auch danach aus, als wenn der Regen abziehen will. Aber nur kurz, dann plätschert es noch mal in einem großen Guss auf uns herunter. Blöd, dass die Hände jetzt so aufgeweicht sind. Als wenn man zu lange in der Badewanne gelegen hat…das Klatschen tut dabei etwas weh, also johle ich lieber lauter.

Zum Mitsingen ist auch jetzt wieder Zeit, denn Sasha stimmt erst „I’m yours“ von Jason Mraz an und teilt dann die Menschenmenge wie Moses das Rote Meer – links soll „Im still waitin’ gesungen werden, ich bin auf der rechten Seite und wieder mit „I feel lonely“ dran. Das macht allen viel Spaß und die Leute toben hinterher vor Begeisterung. So auch bei dem Ohrwurm „Lucky day“, wo Sasha doch leichte Textschwierigkeiten hat und die erste Strophe zweimal singt - und dann ist es tatsächlich soweit…die Wolken ziehen ab, der Regen ist vorüber und Sasha freut sich lautstark darüber: Jaaa, wir haben es gemeinsam geschafft!

„This is my time“, „Hide and seek“ und zu meiner großen Freude „Miracle Mile“ stehen noch auf dem Programm und dann gibt es die nächste Überraschung…“Turn it into something special“ – auch schon seit zwei Jahren nicht mehr live gehört - was man nicht zuletzt daran merkt, dass Sasha plötzlich mal eine Textschwäche überhustet und dann aber doch selber sehr drüber lachen muss:) - Bombastischer Titel, lautes NaNaNa-Mitgesinge und dann sagt Sasha tatsächlich Tschüß – nach gefühlten 15 Minuten auf der Bühne…was? Kann doch nicht sein.
Sofort setzen die Zugabe-Rufe ein und zum Glück lässt sich der Meister auch nicht lange bitten. Allein kehrt er mit Gitarre auf die Bühne zurück und will uns mal vorführen, warum er bei seiner Band nicht mitspielen darf…er spielt ein paar Töne und ich denke nur: Hey, kenn ich…“Faith“ von George Michael…und davon gibt er mal gleich ein ganzes Stück zum Besten. Ich bin nicht minder begeistert darüber wie Petra, die seit vielen Jahren George Michael-Fan ist und somit einen großen Wunsch erfüllt bekam.

Aber nun spielt Sasha dann doch einen eigenen Song – „If you believe“ – die Band kehrt auf die Bühne zurück und setzt mit ein. Als dann als nächstes die ersten Töne von „Goodbye“ erklingen, bin ich echt enttäuscht, denn ich weiß ja, dies ist definitiv der Abschluss. Natürlich gibt es da noch die Verlängerung mit „Bright sight of life“, Sasha stellt noch mal schnell die Band vor und plädiert ans Publikum, keine illegalen Downloads zu tätigen, sonst gibt es bald nicht mehr solche geilen Konzerte – lieber mal auf was verzichten, dafür aber die Musik legal erwerben.
Klar, finde ich auch lobenswert und in Teilen nachvollziehbar. Aber im Anbetracht, dass genau zwei Tage vorher eigentlich die neue Single von Sasha „There she goes“ erscheinen sollte, ich diese bei Amazon vorbestellt hatte und eine lapidare Absage-Mail bekam, dass der Artikel nicht besorgt werden konnte – weil es schlicht und ergreifend keine Hardware gibt, sondern lediglich einen Download-Verkauf, macht den Appell doch etwas suspekt. Ich habe das Album von Sasha gekauft, somit habe ich diesen Song bereits – wieso soll ich den jetzt noch mal kaufen und habe ihn nur auf der Festplatte? Eine Maxi kann ich mir ins Regal stellen – wo halt auch alle anderen Singles von Sasha neben seinen Alben stehen. Aber für einen Download-Song bezahlen, den ich schon habe? Das findet nicht meine Zustimmung.

Whatever…taschentuch-schwingend findet nun ein Konzert, bei dem ich mich rundum wohl gefühlt habe, leider bereits seinen Abschluss. Ich schaue danach völlig irritiert auf die Uhr und kann nicht glauben, dass tatsächlich 1,5 Stunden vergangen sind. Menno:( - aber hilft ja nix. Es ist 21 Uhr und eigentlich noch früh am Tag. Allerdings habe ich ja auch noch 200 km Heimfahrt vor mir, Jenny sogar noch 100 km mehr und wir halten uns nicht mehr lange an der Bühne auf, sondern trotten zum Auto, ziehen uns mal schnell was Trockenes über und fahren dann auch schon los. In Anbetracht der frühen Stunde gibt es noch einen Zwischenstopp bei Burger King in Neumünster.
Nachdem ich Petra abgesetzt habe, befinden sich auf der Autobahn scheinbar nur noch durchgeknallte Lkw-Fahrer…die alle über beide Fahrspuren fahren und keine Pkws vorbei lassen. Muss man nicht verstehen, so zieht sich das letzte Stück der Heimfahrt ewig hin. Ganz zum Ende wird es auch richtig voll – und erst später wird mir klar, dass auch gerade Abreise beim Hurricane in Scheeßel ist und wir die Autobahn mit vielen Musikbegeisterten teilen.

Um halb eins bin ich dann doch zu Hause, verabschiede Jenny und schleiche mich in meine Gemächer…zum Glück hab ich auf der Arbeit angekündigt, am Montagmorgen mit Verspätung zu kommen, denn ich bin doch ganz schön kaputt von diesem absolut gelungenen Tag am Meer.

- BiBi -

Zu den Fotos von Sasha auf der Kieler Woche