Cosmo Klein, Ingo Pohlmann, Denise Modjallal in Lüneburg (Wunderbar)

Samstag, 27. June 2009 - BiBi

Der Sommer ist da, endlich. Und wie es in Deutschland üblich ist, wird es auch gleich richtig schwül und brütend. Egal, Hauptsache warm. Eigentlich ist jetzt absolute Open Air-Zeit, aber manchmal kommt es anders.
In Lüneburg findet in der Wunderbar eine 1stclass-session statt. Hierbei versammeln sich ausgezeichnete deutsche Musiker (u. a. von den Söhnen Mannheims / Xavier Naidoo wie Bassist Robbee Mariano, Drummer Ralf Guske etc.) und spielen mit Unterstützung großartiger Vokalisten. An diesem Wochenende singen Cosmo Klein, Ingo Pohlmann und Denise Modjallal.
Letztere ist mir noch nicht bekannt, aber Cosmos Weg begleite ich seit Jahren und freue mich auf ein Wiedersehen nach fast einem Jahr. Seine regulären Auftritte, wie ich mir das vorstelle, also auf einer normalen Bühne stehend, sind eher rar geworden.
Und dann noch der Ingo Pohlmann…von den Konzert-Junkies sehr geliebt, aber kommt irgendwie immer zu kurz. Findet ein Konzert von ihm statt, haben wir oft schon andere Termine oder es mangelt dann doch an dem nötigen Kleingeld. So gab es im Jahr 2008 überhaupt kein Wiedersehen mit ihm.
Daher kam mir dieser Gig natürlich wie gerufen. Sah es zuerst auch aus, als wenn ich allein nach Lüneburg fahren müsste, hat sich meine Freundin Petra noch relativ kurz entschlossen dazu gesellt. Sie wollte ursprünglich nach Attendorn zum Sasha, aber ich freute mich natürlich, dass sie sich dann doch für Lüneburg entschieden hat.

Da nach unseren Informationen die ganze Veranstaltung um 22 Uhr anfangen sollte, waren die Überlegungen natürlich nahe liegend, wann wir in Lüneburg einreisen. Auf der A1 drohte ab 20 Uhr wieder eine Vollsperrung wegen Brückenbauarbeiten, also wurde entschieden, dass ich mich vor den Toren Hamburgs bereits um 19 Uhr mit Petra treffe, die Vollsperrung so wenigstens auf der Hinfahrt vermeiden kann – und in Lüneburg würden wir dann bis zum Einlass ja essen gehen können oder ähnliches.

Nach einer sehr stressigen Arbeitswoche und einem bis dahin auch vollkommen unerholsamen und unbefriedigenden Wochenende starte ich um 18 Uhr. Pünktlich bin ich am Treffpunkt und mit Petra geht es weiter. Die Navi-Tante erzählt uns sehr zuverlässig, wie wir fahren sollen und so kommen wir ohne Hindernisse in Lüneburg an. Die Wunderbar entdecken wir sofort und in unmittelbarer Nähe findet sich auch ein kostenloser Parkplatz. Wie cool.
Wir befinden uns in der Altstadt, es gibt mehrere Lokalitäten in der Nähe, aber wir gehen erst mal zum Club, um zu schauen, ob wir die reservierten Karten schon abholen können. Hm…die Türen sind offen und drinnen läuft der Soundcheck…wir hören Cosmo singen. Das ist wie ein Magnet. Zögerlich treten wir ein, wir haben ja eigentlich noch nichts dort verloren, aber wie heißt es so schön: Frech kommt weiter.
Im Tresenraum bleiben wir neben der Theke stehen. Leute wuseln hier überall herum, aber keiner spricht uns an. Wir gucken auch niemanden an – einfach wichtig gucken, als wenn man dazu gehört, ist die Devise. Die Bühne im hinteren Raum lassen wir natürlich nicht aus den Augen, denn Cosmo sitzt am Schlagzeug…hui.
Dann kommt ein Kumpel vom Cosmo, der mich erkennt – ich ihn zu diesem Zeitpunkt nicht, sehr peinlich. Wir quatschen kurz, er berichtet, dass der Drummer heute ausfällt und Cosmo daher selber ran muss. Och…Mensch…könnte dann ja doch ein etwas längerer Soundcheck werden, sehr interessant.
Petra und rücken an einen Stehtisch vor, aber immer noch im hinteren Bereich. Man will ja nicht im Weg stehen. Hier genießen wir dann beide den Check. Allein Cosmos Stimme endlich wieder live zu hören, ist großartig. Da weiß man dann auch, was man vermisst hat.

Also Cosmo soweit durch ist, begrüßt er uns und erzählt, der Drummer kommt schon noch, aber eben erst mitten im Set. Aber auch Ingo Pohlmann hätte Cosmo jetzt gern als Trommler und so kehrt Cosmo auf die Bühne zurück. Irgendwann ist der Soundcheck dann vorbei, die Musiker gehen essen und Petra und ich zahlen unseren Eintritt und setzen uns mal seitlich von der Bühne auf eine Bank. Schöner Club, wirklich. Die Bühne ist eher klein, vor allem nur zehn Zentimeter hoch. Seitlich Lounge-Möbel, vor der Bühne frei. Durch eine Seitentür kann man in einen überdachten Innenhof gehen, dort stehen die Raucher.
Geduldig warten wir auf den Beginn. Es füllt sich stetig, kurz vor 22 Uhr ist uns die Sicht auf die Bühne auch total versperrt, so dass wir aufstehen und vor die Bühne gehen. Aber wir müssen noch 30 Minuten warten, bis es endlich losgeht. Ich finde die vorherrschenden Temperaturen jetzt schon bedenklich und das ganze wird natürlich noch heftiger, als die Musiker die Bühne betreten und die Leute nach vorn vor die Bühne strömen. Eng wird es und wir werden auch immer mehr nach vorn gedrängt. Aber egal, Cosmo beginnt, hinter dem Schlagzeug sitzend, mit „Love in progress“, einem von mir sehr geliebten Song. Da der eigentliche Drummer doch noch kurz vor dem Gig angekommen ist und bereits einiges am Drumset verstellt hat, ist Cosmo auch leicht irritiert und muss wieder zurück verstellen. Tut dem Song aber keinen Abbruch und Lüneburg feiert schon mal richtig. Braucht das Publikum auch eine kurze Aufforderung, jetzt mal mitzusingen, klappt das dann auch sehr schnell sehr gut.

Cosmo legt gleich noch nach mit „Why“ und obwohl ich den Song schon gehört habe und sonst nicht zu meinen Favoriten zähle, gefällt er mir heute richtig gut.

Dann räumt Cosmo seinen Platz, Schlagzeuger Ralf nimmt seinen Platz ein und die bezaubernde Sängerin Denise übernimmt das Mikro und singt „Brothers and Sisters“, eine soulig-funkige Nummer. Danach geht’s im fliegenden Wechsel weiter mit Ingo Pohlmann und „Der Junge ist verliebt“. Einfach super, die Lüneburger sind vollkommen begeistert und man merkt auch den Musikern den Spaß an dieser Veranstaltung an.

„Zwischen Heimweh und Fernsucht“, dem Titel des ersten Pohlmann-Albums, ist Ingos zweiter Song. Und schon stürmt Cosmo wieder die Bühne und legt mit „Boyz and Girlz“ los. Er lebt jetzt seinen Bewegungsdrang richtig aus und tanzt und springt beseelt über die Bühne. Auch „I make you feel“ reißt das Publikum richtig mit und alles tobt vor Begeisterung. Die Temperaturen sind in fast unerträglichen Bereichen, selbst Petra sehe ich das erste Mal schwitzen.
Nun kehrt Denise auf die Bühne zurück und nimmt ein wenig Tempo aus der Veranstaltung…gute Sache. Eine gefühlvolle Ballade namens „Nobodys man“ hören wir von ihr, die mir absolut gut gefällt.
Ingo übernimmt danach und erzählt, wie der nächste Song „An Mina“ so seinen Ursprung hat, ist dann aber voll in den Erzählungen zum Movie „Dracula“ von Bram Stoker und unterhält das Publikum damit nicht minder.
Dann bittet er Cosmo ein letztes Mal auf die Bühne. Wir wussten bereits, dass noch ein Gig im H 1 in Hamburg in dieser Nacht für ihn auf dem Plan steht und er Lüneburg daher sicher vorzeitig verlassen würde. Trotzdem schade, aber zu meiner großen Freude gibt es „Beautyful mind“, einem Song, mit dem ich sehr verbunden bin und der sich bei jedem Konzert zu einem Burner entwickelt – so auch heute. Das Publikum ist begeistert, singt lauthals mit und Cosmo macht das alles auch sichtlich Freude. Er ist danach vollkommen enttäuscht, dass er jetzt gehen muss und verspricht, mit seiner Phunkguerilla-Truppe wiederzukommen und ein Konzert zu geben. Bitte nicht vergessen, gell? ;) Lüneburg rockt nämlich oftmals mehr als Hamburg!

Nun ist dankenswerterweise auch eine Pause angedacht. Alles strömt aus dem heißen Raum, wir auch. Der Innenhof ist doch etliche Grade kühler, freie Stühle sind auch noch da…boh, das tut gut, denn ich hatte beim letzten Song schon manchmal das Gefühl, dass mir die Luft ein wenig wegbleibt – Sauerstoffgehalt sehr gering!
Nach einer Weile zieht es uns aber wieder vor die Bühne, auch hier ist es inzwischen etwas abgekühlt – naja, eher haben sich die Temperaturen normalisiert. Kühl ist natürlich anders. Das ist halt auch der gute Grund, warum man für gewöhnlich im Sommer keine Club-Gigs veranstaltet, sondern lieber Open Airs.

Wir müssen aber immer noch eine Weile warten, bis Denise, Pohlmann und die großartigen Musiker wieder auf die Bühne zurückkehren. Und dann wird es auf einmal vor der Bühne dermaßen rappelvoll…die Leute drängen nach vorn, obwohl die Reihen schon dichtgedrängt stehen, stört das so manche Besucherinnen nicht, die sich in die erste Reihe schieben und schubsen. Ich fühle mich total unwohl, so dermaßen eng zu stehen.

Denise ist immer noch begeistert von Cosmo und dem singenden Publikum und lässt uns noch mal „Beautiful mind“ anstimmen. Man versucht auch, ihn anzurufen, damit er das hören kann, aber er geht leider nicht ans Handy…schade…
Nun aber bittet Denise, auch bei ihr kräftig mitzusingen. Sie bringt einen Cover-Song „Part-time lover“. Kennt natürlich jeder und alle singen gern mit. Pohlmann ist praktischerweise schon auf der Bühne und übernimmt danach mit einem neuen Lied, das er vor ein paar Tagen geschrieben hat und das mir auch ganz ausgezeichnet gefällt. „Der beste Freund des Menschen“ ist der Titel – findet man hoffentlich auf dem nächsten Album, das noch hoffentlicher bald erscheint, wieder!
Ingo macht auch gleich weiter mit einem Cover: „Dancing in the moonlight“ – aber ich kann nicht mehr weitermachen. Das betrunkene Mädel links neben mir macht mich irre, sie hat sich ja nach vorn gedrängelt, vergeblich versucht, ihre Freundin mitzuzerren, aber es gab halt Proteste der Umstehenden und so dreht sie sich alle zwei Sekunden um, knutscht mit der Busenfreundin, schüttet mich mit ihrem Bier voll, stinkt wie eine Schnapsfabrik, rammt mich mit ihrer Handtasche – und bevor mir die Laune so richtig vergeht und es noch enger und heißer wird, räume ich das Feld. Ich bahne mir einen Weg nach draußen in den gefühlten 20 Grad kühleren Innenhof, hocke mich auf einen Stuhl und bekomme die Session eben dann von hier mit. Lautstärkemäßig kein Problem, durch dir großen Glasscheiben erhasche ich auch ab und an einen Blick auf die Bühne.
Das ganze ist inzwischen ein Pohlmann-Konzert…klar bin ich traurig, nicht mehr vorn dabei zu sein, aber hier fühle ich mich gerade einfach wohler und kann trotzdem leise für mich mitsingen…“Dämon“, zum Beispiel, einer meiner Pohlmann-Favoriten. Oder „Wenn es scheint, das nichts gelingt“. „Mädchen und Rabauken“ gibt es auch noch, drinnen wird lautstark gefeiert, draußen eher leise, aber auch zufrieden stellend.
Als Abschluss dann das vorher bereits vielfach geforderte „Wenn jetzt Sommer wär“…der Club kocht noch mal über und sofort verlangen alle nach einer Zugabe, die gern gewährt wird. Pohlmann gewährt diese dann auch gern und danach hat Denise ihr Finale mit „Valery“ von Amy Whinehouse, was sie super rüber bringt. Obwohl das Publikum weiter tobt, ist jetzt Schluss. Schade, eine weitere Zugabe hätte nichts geschadet, aber es ist eigentlich auch schon recht spät. Petra gesellt sich zu mir, doch wir beschließen auch, jetzt zügig die wunderbare Wunderbar zu verlassen. Der Hunger treibt uns dann doch raus.
Im Auto schnell die Navi-Else nach dem nächsten Burger King gefragt, vier Kilometer sollen wir fahren.
Hier gibt es dann noch eine erst recht lustige Begegnung mit ein paar jugendlichen Rockabillys – aber als der eine dann sturzbetrunken über seine Pommes reihert, ist es auch genug und wir verlassen fluchtartig das Lokal und auch die Stadt. Was man nicht alles so erlebt…
Durch die Vollsperrung gestaltet sich die Heimfahrt für mich natürlich länger als gewollt, aber um kurz vor vier bin auch ich endlich in der Heimat angekommen und gucke auf einen durchaus großartigen musikalischen Abend zurück und weiß: Ich will kein Jahr aufs nächste Wiedersehen mit Cosmo warten!

PS: Nach reiflicher Überlegung habe ich die mitgebrachten Fotos ins Pohlmann-Fotoalbum geladen – von ihm sind es doch ein paar mehr als von Cosmo!

- BiBi -

zu den Fotos von Ingo Pohlmann, Cosmo Klein und Denise Modjallal in Lüneburg