Sasha und Wohnraumhelden in Hagen (Seegeflüster)

Freitag, 21. August 2009 - BiBi

Nach der langen Verletzungspause läuft der August konzerttechnisch ja mal wieder besser für mich. Letzte Woche The Baseballs und Sasha in Bremerhaven – diese Woche Wohnraumhelden und Sasha in Hagen.

Ein bisschen Bauchweh hab ich, denn Hagen habe ich mehrfach in schlechter Erinnerung. Aber man soll jeder Stadt und seinen Einwohnern eine neue Chance geben, daher hängt mein Ticket für das Seegeflüster-Konzert schon länger an der Pinwand und ich freue mich, dass es endlich losgeht.
Zum Glück hat auch Petrus ein Einsehen und quält uns nicht mit über 35 Grad wie am Vortag – nur lauschige 22 Grad oder so. Herrlich. Gute Voraussetzungen für die staufreie Fahrt, die Petra übernimmt. Nach einer kleinen Pause sind wir um halb zwei vor Ort. Hagen, Familienbad Hengstey. Im Vorfeld bekam ich über diverse Meldungen zu diesem Event mit, dass eigentlich der komplette Ort ab 11 Uhr morgens gesperrt werden sollte. Aber wir wollten es trotzdem wagen, direkt zum Schwimmbad zu fahren, denn was nützen uns Shuttle-Busse, die überhaupt erst kurz vor Einlass anfangen, zu fahren.
Das Glück war uns auch hold…obwohl die ersten Sperren bereits aufgestellt wurden, war noch alles offen und wir konnten ohne Probleme auf den Parkplatz des Freibades gelangen. Zu unserer großen Überraschung waren nur unsere Lieblings-Zwillinge bereits vor Ort. Nanu, es war doch schon halb zwei. Gerade in Nordrhein-Westfalen, in direkter Nachbarschaft zu Dortmund hatte ich um diese Zeit mit mehr Leuten gerechnet. Aber prima. Soll man ja auch mal genießen.
Ein paar weitere Fans fanden sich noch ein, dann hieß es: Nun sind die Sperren komplett aufgestellt. Wer jetzt kommt, muss sein Auto weitab parken und einen Fußmarsch in Kauf nehmen – oder eben Bescheid wissen und spät mit den Shuttle-Bussen anreisen. Whatever – ich bin froh, dass wir bereits vor Ort sind. Die Einlassabsperrungen sind zwar noch nicht aufgestellt, aber wir hocken alle gemütlich auf dem Wall vor der Öffnung, wo sie dann stehen werden. Ein Reporter der Westfälischen Rundschau hat sein Herz für uns entdeckt, macht Fotos und befragt uns zu allem Möglichen – woher, wie alt, wie oft und wieso eigentlich…;)

Gegen 16 Uhr werden dann auch die Einlass-Gitter aufgestellt, zwei Durchgänge gibt es, das ist ja super entspannt. Vor allem, weil wir ja schon vom Einlass die Bühne in der Nähe sehen und direkt in der ersten Reihe ankommen. Sehr gute Begebenheiten. Drinnen im Schwimmbad kann man auch von hier aus Sasha und seine Band beim Schwimmen zugucken. Ich glaube, die haben einen ähnlich einspannten, relaxten Tag wie wir. Irgendwann nach 17 Uhr dann geht es los – alles gemächlich, ohne Panik und Diskussionen. Blick in die Taschen, weiter. Petra hat einen tollen Platz ergattert, schon fast zu mittig für mich, aber ich meckere sicher nicht! Es bleibt auch immer noch entspannt, eine zweite Reihe will sich noch gar nicht einfinden, also ziehe ich erstmal wieder los, hole für die Getränke Wertmarken (kann mal einer erklären, wieso man das Essen bar zahlt, aber für Getränke Marken braucht?), kauf eine nicht wirklich durchgegarte Portion Pommes und futtere die auf einer Bank hockend im hinteren Bereich des Geländes. Immer mit Blick auf die erste Reihe, um loszustarten, falls es da Stress gibt. Aber davon ist weit und breit nichts in Sicht. Großartig, ich bin jetzt schon völlig begeistert von Hagen. Geht also auch anders!

So gegen 18 Uhr kehre ich aber auch zur Bühne zurück, sollte doch um die Zeit die erste Band starten. Das dauerte dann aber noch bis 18.20 Uhr, als Goldrausch, eine Band aus Dortmund, die Bühne betritt.
Leider muss ich gestehen, dass ich, obwohl ich die durchaus kernige Stimme der Sängerin mochte, nicht wirklich aufmerksam zugehört habe. Sie singen deutsch, ich habe aber kaum was von den Texten verstanden. Gemäß Ansagen war es über kleine Schwestern, die beste Freundinnen sind, über die Liebe, das Verlassen und Verlassenwerden. Deutschrock, der leider nicht in meinem Gehörgang hängen geblieben ist. Mir war das alles zu gleichförmig. Aber ich wünsche der Band trotz allem natürlich einen guten Erfolg mit ihrer ersten CD, die nächsten Monat veröffentlicht wird.

Auf den zweiten Act des Abends dagegen freute ich mich ja schon im Vorfeld sehr. Die Wohnraumhelden aus Hannover. Ich war völlig überrascht, als ich vor zwei Wochen erfuhr, dass sie in Hagen am Start sind. Denn ich kenne die beiden Musiker bereits seit fast zwei Jahren, damals als Support für die fabulösen Monsters of Liedermaching. Auch gab es dieses Jahr in Münster beim Hafenfest ein Wiedersehen – und nun teilen sie sich die Bühne mit Sasha – cool :)

Ihr Soundcheck ging auch irgendwie nahtlos ins Konzert über – und ich finde, die Hagener haben die C-Punkt und B-Man auch super aufgenommen. War es bei Goldrausch noch sehr verhalten und leer, füllte sich der Platz vor der Bühne doch zusehends und es gab nach einer Weile den gewünschten Szenenapplaus und euphorischen Jubel.

Sie stellen ihre Ein-Euro-Kraft Konrad vor, der kleine Drum-Computer, der sich durchaus auch mal verspielt. Ansonsten sind sie nur mit Gitarren bewaffnet und kämpfen als Helden für eine bessere Welt – sie erzählen in ihren Songs auf humoristische Art von Sylt, der Vermeidung des Sonnenlichts, da blass sein sowieso viel besser ist – vom Einkaufen bei Woolworth und prangern an, dass Frauen auch nur Beine, Arsch und Titten zu bieten haben. Großes Gelächter im Publikum gibt es auf jeden Fall beim antivegetarischen Song über den Verzehr von Fleisch(-salat). Die Menge wird auch schon mal geteilt (das übt später für den Sasha) und singt im Kanon bei „Falaffel“ mit. Das ist einfach, schwieriger wird’s dann später beim Wort „Synchronisationsschwierigkeitenbeseitungungsberater“ – daran scheitern viele, aber lustig ist es allemal.
Als C-Punkt fragt, wer die fabelhaften, großartigen Monsters of Liedermaching kennt, bin ich zu meinem Bedauern die einzige, die laut HIER brüllt. Aber ich freu mich wie Bolle, weil jetzt Fred Timms „Herzblatthubschrauber“ gespielt wird. Begeistert singe ich lauthals mit. Und ich denke, die Leute mögen es – also nicht mein Gesinge, sondern das Lied :)

Auch die Story über das reich sein kommt toll an. Und nachdem die Band ihr Set beendet hat, fordern die Zuschauer auch mal gleich nach einer Zugabe. Gut, da dies bei Festivals nicht unbedingt in den Zeitrahmen passt, wird das Gerufe auch bald aufgegeben – aber dann kommt der Moderator auf die Bühne gestürmt und fordert auf, weiter zu rufen, denn die Band hätte wohl noch was in Petto. Wir tun, wie gefordert und richtig, die Wohnraumhelden kommen wieder und bringen ihren Helden-Song – und als Abschluss bekommt man noch erklärt, dass Schuld an allem das „Limbische System“ hat – somit hab ich meinen Ohrwurm für den Abend eingepflanzt bekommen.

Hatte ich im Vorfeld doch etwas Bedenken, was die Sasha-Fans wohl über die Wohnraumhelden denken, sind die Befürchtungen unbegründet. Wen immer ich frage, gibt positives Feedback. Super, ich habe dieses Jahr noch einige Wiedersehen mit den Wohnraumhelden aus Hannover Slash Linden :) – der Göttin der Musik sei Dank…

Nun folgt die gefühlt längste halbe Stunde dieses Jahres. Es ist 21 Uhr und der Umbau läuft. Mir tun inzwischen Füße und Beine weh, der Tag ist ja auch schon lang gewesen und der Wunsch, sich mal jetzt für 10 Minuten zu setzen, ist schon übermächtig. Aber nix ist. Inzwischen ist es ja schon rappelvoll, 3.000 Leute haben den Weg ins Freibad gefunden – auch wenn wir noch immer sehr locker stehen (kein Gedränge von hinten, großartig), ist nun ein Verlassen der ersten Reihe nicht mehr ratsam. Also Zähne zusammenbeißen und warten…ich weiß, sobald Sasha auf der Bühne steht, ist alles wieder gut.

Eine wahre Flut von Fotografen kommt in den Graben…das waren bestimmt 25. Was für ein Auflauf…Dann um Punkt halb zehn ist es endlich soweit. Die Sasha-Band betritt die Bühne und los geht es wie gewohnt mit „Please Please Please“. „There she goes“ folgt. Und zu meiner Überraschung werden die Fotografen schon nach dem 2. Song gebeten, wieder zu gehen. Ungewöhnlich, aber gut für uns. Freie Sicht auf rockende Musiker. Sasha ist heute nahezu außer Rand und Band, er flachst, hopst, zieht Grimassen, fegt über die Bühne wie ein Derwisch. Woher der Mann diese Energie hat, wird sein Geheimnis bleiben – mir bleibt nur ein großes Staunen. Einfach genial. Bei „Rooftop“ ist das Publikum schon aufgefordert, mitzusingen. Klappt hervorragend, Hagen ist echt toll am Start. Nicht so verhalten wie die Bremerhavener in der Vorwoche. Hier kracht es richtig – reißt Sasha jetzt die Leute mit und sie mit ihrer Euphorie dann wieder Sasha? Ich denke, da geht beides Hand in Hand.

Eine Überraschung im Set gibt es auch. Kommt doch nächsten Monat die neue Single „On the run“, Trailer-Song für Ran Sat1, heraus, gibt es die auch heute im Konzert zu hören. Super, ich freu mich wie ein kleines Kind, damit hatte ich nicht wirklich gerechnet.
Das Akustik-Set ist wieder mit „Good news on a bad day“, „Lippstick on the mirror“, “Coming home” und dem Cover “I’m yours” dabei. Auch hier wird das Publikum geteilt – bei meinen Lieblingszwillingen, die nach Sashas Willen jetzt immer dort in der Mitte stehen sollen, damit er weiß, wo er teilen soll. Ich finde, unsere Seite mit „I feel lonely“ ist lauter als die andere Seite mit „I’m still waitin’“, aber das kann auch täuschen.

Mit „Miracle Mile“, „Hide and Seek“ oder „Lucky day“ kracht es noch mal richtig. Sasha fordert auch die VIP-Gäste auf der Balkonterrasse auf, mitzumachen. Außerdem fordert er mal zwei Bier an – die sollen ihm dann wohl von zwei trunkenen Besucherinnen fast aufgezwängt werden, was er nur mit dem Spruch quittiert, sie sollen das mal lieber selber trinken, er würde doch kein Alkohol trinken. Ja, nee, klar…
Nach „Life Designer“ und „This is my time“, das direkt in das Geklatsche von „We will rock you“ übergeht, ist dann das Hauptset auch schon beendet. Himmel, wo bleibt die Zeit denn immer? Aber natürlich ist der Applaus großartig und laut und so kehrt Sasha mit Gitarre auf die Bühne zurück.

Die Aufforderung von einer Zuschauerin, er solle sich doch mal kämmen, quittiert er nur mit dem Spruch: „Mach du das mal, was ich hier 1,5 Stunden gemacht habe“ – und zur Unterstützung wird im Publikum kurz „Du hast die Haare schön“ angestimmt.
Nun spielt er uns aber mal kurz „Faith“ und „Black or white“ vor und beginnt dann mit „If you believe“, was schön vom Publikum mitgesungen wird. Tja, und dann ist auch schon wieder „Goodbye“ angesagt, wie immer schwingen wir unsere Taschentücher und können nicht glauben, wie die Zeit verrauscht ist.
Da Petra und ich noch in Daisys Diner, was an meiner Autobahnabfahrt –also 250 km entfernt ist, was essen wollen, machen wir uns schnell auf die Heimreise. Schnell tschüß gesagt und ab zum Auto. Was bin ich erneut froh, dass der Wagen hier auf dem Parkplatz steht und wir nicht entweder auf einen Bus warten müssen oder in der Dunkelheit irgendwo zum abgestellten Auto kilometerweit rennen müssen. Frühere Anreise lohnt sich auf vielerlei Art.
Nachdem wir um 2 Uhr morgens endlich bei Daisys ankommen, gibt’s ungewöhnlich schnell unsere Burger und ich bin satt, kaputt und zufrieden um drei Uhr daheim…das war ein wirklich wirklich schöner Sommertag!

- BiBi -

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