K.O.K.S.-Geburtstag (Boppin' B, Die Schröders, Wohnraumhelden) in Hannover (Musikzentrum)

Freitag, 18. September 2009 - BiBi

Der Tag sollte ein ruhiger werden – in meinen Wünschen…zumindest tagsüber stellte ich mir das vor. Aber nix da, sind die Freitage im Büro sonst eher beschaulich, ist heute ordentlich was los und irgendwie ist alles ein Gehetze. Naja, um 16 Uhr soll Feierabend sein, dann treff ich mich am Ende der Straße, in der ich arbeite, mit Jenny, um nach Hannover zum 1. Abend des großen K.O.K.S.-Geburtstagsfestivals zu fahren. Es soll mir endlich ein Wiedersehen mit Boppin’ B und den Schröders bescheren. Leider hat keiner meiner Konzert-Junkies-Mitstreiter Zeit. Eigene Konzerte bzw. ein Arbeitswochenende hindern daran.

Dann um kurz vor 16 Uhr der Anruf von Jenny. Sie steht im Stau auf der A 1, noch viele Kilometer von Verden entfernt. Oh Mann…denn auf der A 7, die wir dann noch lang müssen, sind auch Staus angesagt. Ich hatte mir alles so schön gemütlich vorgestellt.
Jenny trifft um16.45 Uhr endlich ein – aber die Göttin des Staus hat ein Einsehen und hat den auf der A 7 inzwischen beseitigt…so stehen wir nach einer Stunde vor dem Musikzentrum, können noch auf dem Gelände parken und ich kann langsam anfangen, mich zu entspannen.

Ist ja auch nicht mein erstes Konzert hier im Musikzentrum und daher rennen wir erst einmal in den Club, um die sanitären Anlagen zu besuchen. Meine Lieblings-Scheisskapelle ist gerade dabei, aufzubauen – und so bleibe ich dann auch noch ein wenig drin und gucke zu. Zu lang hab ich die Herren aus Aschaffenburg nicht mehr gesehen, da muss ich die Gunst der Stunde gleich ausnutzen. Und wie es in Hannover üblich ist, treffe ich auch die Sabine gleich wieder, die für uns Backstage mal ein Mineralwasser organisiert. Didi kommt schnell zum Plaudern vorbei und so ist der Abend schon prima gestartet.

Da ich immer noch meine Latschis anhabe und schon festes Schuhwerk tragen möchte, gehen wir zurück zum Auto, ich quäle mich mit meinem immer noch geschwollenen Zeh in Turnschuhe und als wir zurück in den Club wollen, geht das nun leider nicht mehr, da inzwischen die Kasse aufgebaut wird und Einlass ja erst um 19 Uhr sein soll.
Draußen vor dem Musikzentrum steht ein Zelt, erinnert an ein kleines Zirkuszelt. Ich habe inzwischen erfahren, dass genau dort die Wohnraumhelden in den Umbaupausen der anderen Bands auftreten werden. Tolle Idee, vor allem, weil es im Zelt auch Tische und Bänke gibt und mal ein bisschen hinsetzen kann ja auch bei einer so langen Konzertnacht nicht schaden. Aber dann ist, nachdem Sabine uns auch noch mit frischen Karotten gefüttert hat, auch Einlass. Jenny und ich machen es uns gleich mal in der ersten Reihe gemütlich…und schon taucht Timmey auf, mein Lieblings-Merchandiser der Schröders. Heute ist Timmey für die Bühne zuständig und nicht für Merch. Auch gut, ich freu mich, ihn zu sehen.

Irgendwie vergeht die Wartezeit bis zum Beginn recht schnell, obwohl der Club sich auch nicht wirklich füllt. Gut, draußen spielen natürlich schon die Wohnraumhelden ihr erstes Set, aber ich mag meinen Platz im Club erstmal nicht räumen. Zu lang freu ich mich auf die Boppin-Bande. Und die starten dann auch kurz nach 20 Uhr…irgendwie ist das Publikum nur erst komisch. Mag daran liegen, dass mehr geladene Gäste als zahlendes Publikum da sind. Ich habe den Club auf jeden Fall schon voller erlebt. Aber man kann sagen, die erbetenen „Scheisskapelle“-Rufe donnern dann doch durch die Halle. Also alles prima. Boppin’ B fängt mal an mit „Army of Rock’n’Roll“ und „The only way“, gefolgt von „Honey Hush“…Hiho, Silver, sag ich da nur :)
Bei „Scheißkapelle“ ist der Mitsingpegel dann schon super. Achim von K.O.K.S. durfte sich heute natürlich auch was wünschen und entschied sich für „Jump jive and wail“ und „Those were the days“, über das ich mich wie Sau freue, denn ich hab es schon so lang nicht mehr live gehört. Als neueres Stück folgt „Mercury“ und das wohl unvermeidbare „Chemical Reaction“ ist auch immer noch im Set enthalten. Hinter mir ist es inzwischen sehr rege…da hopsen und pogen vier junge Kerle mit Langhaarfrisuren…einer schüttelt mir ständig seine Mähne ins Gesicht, tränentreibende Schweißdämpfe begleiten dieses Geschüttle…ich fühle mich verdammt an ein Monsters of Liedermaching-Konzert in Braunschweig Anfang des Jahres erinnert – und richtig…es sind die selben vier Typen, die dort schon volltrunken und müffelnd ohne jegliche Rücksichtnahme Bambule gemacht haben. Klar, dass die jetzt bei „Hand in Hand“ rumpogen und schubsen. Buh…nicht hier schon wieder. Naja, nicht zu ändern. Einerseits freu ich mich natürlich, dass sie die Band so feiern, aber kann man das nicht auch ein bisschen weniger selbstsüchtig machen? Ständig gestoßen und getreten zu werden und Haare von anderen Menschen ins Gesicht geschleudert zu bekommen ist nun mal nicht jedermanns Sache.
„I can’t dance“ nimmt mal etwas das Tempo raus, die vier verziehen sich etwas, aber nicht lange. Na, ich versuch, mich nicht irritieren zu lassen und freu mich über „Just rockin’“, „King of Bongo“ und „If you believe“. „Up Jump“ gefällt mir total gut und dann ist auch schon Zeit für „Mädcheninternat“. So schnell geht eine Stunde vorbei und obwohl eigentlich keine Zugaben vorgesehen sind, gibt’s eine. Denn die Langhaar-Fraktion hat ja eh schon die ganze Zeit nach „Blitzkrieg Bop“ gerufen und wird jetzt erhört. Aber dann ist das Set vorbei, viel zu schnell. Andererseits schmerzt mein Zeh jetzt schon höllisch und da ich davon ausgehe, dass als nächste Band EAT THE GUN kommt und für mich nicht so sehr interessant ist, will ich auch schnell raus ins Zelt zu den Wohnraumhelden. Aber dann kommt eine Bekannte aus Schröders-Kreisen und sagt Hallo, dann gibt’s noch ein Pläuschchen mit der Boppin-Bande und eine junge Frau bittet um meine Email-Adresse, um an die geschossenen Fotos zu kommen. Ihr gebe ihr eine unserer Visitenkarten, die sie dann gleich noch vom Didi unterschreiben lässt. Da mein Edding-Stift dazu herhält wird der auch gleich weitergereicht und Didi darf diverse Dekolletés signieren :) – aber dann können wir doch endlich raus und natürlich ist es im Zelt so rappelvoll, das kein Hineinkommen möglich ist. Also geh ich zum Auto und hör mir den Rest des Wohnraumhelden-Sets eben von dort, auf dem Kofferraumrand sitzend, an. Als alle wieder nach drinnen strömen, wo jetzt Mr. Irish Bastard auftreten wird, gehen Jenny und ich ins fast leere Zelt und ruhen uns dort mal aus. Wir sind beide total geschafft, in meinem Magen kämpft die Karotte mit dem Mineralwasser und ich fühl mich nicht so riesig. Die Vorstellung, bis irgendwann nach Mitternacht warten zu müssen, bis die Schröders dran sind, wird für mich zum Grauen und ich weiß nicht, wie ich das packen soll. Ich fühle mich einfach nur total ausgepowert und kann mir nichts verlockenderes vorstellen, als die schmerzenden Knochen in meinem gemütlichen Bett zu parken. Aber das ist weit weg…Menno…ich bin eine Memme geworden.

Nach und nach füllt sich das Zelt wieder, denn der Auftritt der Band drinnen ist ziemlich am Ende angekommen. Jenny und ich wechseln auch mal schnell in die erste Reihe und dann ist es auch schon pickepackevoll und die Wohnraumhelden aus Hannover Slash Linden starten. Irgendwie ist sofort meine Müdigkeit verflogen und ich grinse im Kreis, die beiden gefallen mir einfach immer besser. Große Freude, sie dieses Jahr wohl noch das eine oder andere Mal zu sehen.
Super war eigentlich der Auftrittsrahmen – denn Fabian und Christoph saßen in einem Mini-Lastwagen, der zur kleinsten mobilen Bühne umfunktioniert wurde. Auch ein kleiner Steg war vorhanden, absolut genial.
Wir bekamen vor einem absolut begeisterten Publikum Songs wie „Reich sein“, „Metrosexuell“, „Scheiße“ oder „Fallafel“ zu hören. Das Set ging so schnell vorbei, ich konnte es gar nicht glauben, dabei war richtig Action im Zelt. Zum „Helden“-Song hat Fabian wieder 1 A-Crowdsurfen hingelegt…wow. Super, wirklich. Dann kam aber die Durchsage, es wäre nun auch das letzte Set hier im Zelt, die Nachbarschaft hätte sich beschwert. Oh Mann, immer diese Miesepeter. Nun, wir sollten aber nun auch zurück ins Zentrum, wo die Schröders gleich loslegen würden. Darüber war ich hocherfreut, denn ich hatte inzwischen beschlossen, nicht noch eine Band abzuwarten, sondern eben die Heimreise anzutreten. Nun sind die Schröders aber schon dran. Ich will direkt in den Club zurück, treffe aber noch auf zwei Mitglieder von Boppin’ B und kann wenigstens noch Ciao sagen, da die beiden ins Hotel wollen – am anderen Morgen um fünf Uhr ist Abfahrt nach Wien. Yeah, Rock’n’Roll ist kein Kindergeburtstag, das bestätigt sich immer wieder.
Dann aber rein in den Club, ich weiß um die früheren Konzerte der Schröders dort…da war es immer so rasend voll, ich mache mir also keine Hoffnungen, dass ich nach vorn durchkomme. Aber zu meiner großen Verwunderung ist es doch eher recht locker gefüllt. Tja, wohl doch zu wenig zahlende Gäste da, die sich auch für die Bands interessieren:) – ich komme so ungehindert nach vorn und stehe dann doch noch in der ersten Reihe, die aber durchgehend aus Schröders-Fans besteht. Die Einmarschmusik läuft schon und kaum geht es mit „Scheissband“ los, sind auch die schlimmen Schmerzen im Fuß eine Weile vergessen und es prickelt richtig…ich feiere dann doch ganz gut ab bei den so ans Herz gewachsenen Songs der Schröders wie „Vater und Sohn“, „Emily“, „Thomas“, „Tag der offenen Tür“. Zwischendurch gibt es leider technische Probleme, die schwer in den Griff zu bekommen sind. Burger greift also mal allein in die Saiten und spielt uns „Hartz 4“ von den Monsters of Liedermaching und „Hank starb an einer Überdosis Hasch“ von Götz Widmann.
Aber dann kann es doch weiter gehen. Ein anderer Bass wird gebracht und der funktioniert dann auch. So gibt es dann doch noch „Schrei“ und „Heute hier morgen dort“. Für eine Zugabe reicht es nicht mehr, sagt uns Burger, aber das Publikum johlt und fordert dann doch vehement eine und die gibt es auch noch „Wie geht’s wie steht’s“…Geniale Sache, klar, ich hatte auch viel Spaß, aber meine liebe Micha fehlte hier doch an allen Ecken und Enden. Nächstes Schröders-Konzert nur mit dir, Süße :)

Aber nun sind meine gesamten Kraftreserven verbraucht. Der Schmerz kommt zurück, schlimmer als vorher und ich will nur noch weg. Gern hätte ich O-Lee oder Hämpy noch Hallo gesagt (mit Sascha konnte ich vorher schon ein bisschen quatschen), aber jetzt geht nichts mehr. Ich humple raus zum Auto, dort wird mir dann völlig schwarz vor Augen, kalter Schweiß bricht aus…boh, super, der Kreislauf sackt weg. Wat nu? Schnell etwas Mineralwasser trinken…keine gute Idee, die Karotte im Magen wehrt sich, ich hänge vorn über der Motorhaube und lass mir den Abend noch mal durch den Kopf gehen. Naja, das Wasser muss wohl einfach wieder raus. Dann ist der ganze Spuk relativ schnell vorbei, der Kopf wird wieder klar, die Übelkeit ist vergangen und ich fühl mich sehr viel besser…gut genug, um ins Auto zu krabbeln und gen Heimat zu brausen. Nur eine Stunde dauert die Fahrt incl. Jenny an ihrem Auto absetzen. Ich bin sehr froh, als ich dann endlich in meinem Bett liege und schlaf erstmal acht lange Stunden – braucht man manchmal einfach…ich bin halt doch schon lange keine 20 mehr ;)

- BiBi -

zu den Fotos von Boppin’ B,
Die Schröders und
Wohnraumhelden