The Baseballs in Osnabrück (Rosenhof)

Sonntag, 25. Oktober 2009 - BiBi

Der Rocktober ist im vollen Gange…und endlich, endlich ist auch der Tourstart der heißersehnten STRIKE-Tour von The Baseballs. Gefühlte 12 Monate habe ich darauf gewartet - und das nicht gerade geduldig. Ich habe inzwischen schon Angst vor meinen großen Erwartungen an die eigenen Konzerte der Band. Das Motto: Besser etwas weniger erwarten und positiv überrascht werden – klappt diesmal bei mir leider gar nicht. Dabei schützt ein bisschen Zweck-Pessimismus ja immer vor Enttäuschungen. Aber ich überlege mir im Vorfeld immer wieder, wie es wohl werden wird, wie viele Songs gespielt werden, welche Songs das überhaupt sind. Denn mit einem Album füllt man ja noch nicht unbedingt ein volles Konzert. Okay, ich rechne mit 1,5 Stunden, alle Songs vom Album und die sonst zusätzlich bei Konzerten gespielten, ich befürchte kreischende Teenies, die sich einen herben Kampf um die Plätze in den ersten Reihen liefern – manchmal wäre es schön, wenn man das Kopfkino ausstellen könnte ;)

Nun ist es aber endlich soweit – Abfahrt nach Osnabrück. Es soll zuerst zu Nadine gehen, denn dort übernachte ich heute. Micha ist auch da und ich freue mich auf das Wiedersehen mit beiden. Ich fahre zeitig daheim los, denn hinter Bremen gibt es eine gemeine Baustelle – und genau dort ist auch der übliche Stau…fünf angesagte Kilometer, die sich als sieben entpuppen und mich 1,25 Stunden kosten – Himmel Zackra. Aber NRW hat Ferienende, dementsprechend groß ist der Rückreiseverkehr und eine dreispurige Autobahn auf eine Spur verkleinern ist eine echt dämliche Idee.
Ich bin schon völlig hinüber, als ich gegen 16 Uhr bei Nadine eintreffe. Ich muss mich erstmal wieder etwas sammeln…dann noch schnell ins Bad und dann bringt uns Nadine auch schon zum Rosenhof. Sie selber möchte nicht so früh mit uns anstehen, hat die Bühne im Club als extrem hoch in Erinnerung und möchte nicht direkt davor stehen. Aber da die Parkplatzsituation am Rosenplatz etwas schwierig ist, finde ich ihren Service schon mal wunderbar.
Gegen 17 Uhr sind wir also vor Ort, die Micha und ich. Vor dem Eingang des Clubs stehen zwei Gitter, wir stellen uns gleich mal dorthin und sind somit so ziemlich die ersten. Nach und nach erscheinen immer mehr Leute, zuerst überwiegend Mitglieder des The Baseballs-Fanclubs und Forums, die uns an der Anzahl an Konzerten einiges voraus haben, daber auch sonstige Musikinteressierte. Alles verteilt sich wild um diese Einlassgitter, die ja noch den Weg versperren. Aber relativ pünktlich geht es los, die Gitter werden geöffnet, Micha und ich gehen als ersten in den Club – und ich hab mal wieder dieses großartige „Glück“, dass meine Tasche besonders lange und ausgiebig untersucht wird. Hat man bei Micha nur kurz hineingeguckt, werde ich gefragt, was denn das oder das ist. Ein Fotoapparat und ein Portemonnaie…kann doch nicht sooo unbekannt sein. In der Zeit sind auf der anderen Seite locker 20 Leute an mir vorbei, bis der töffelige Ordner mich endlich gehen lässt. Zum Glück hat Micha frei gehalten und somit stehen wir *schluck* vor einer Absperrung! Häh? Sowas hatten wir im Rosenhof aber auch noch nie. Gut, ich war bisher nur bei Boppin’ B-Konzerten da, aber Micha hat auch schon andere Bands hier erlebt und kennt das auch nicht. Aber ich finde es sehr angenehm, kann man sich doch prima aufstützen, die Jacke drüber hängen etc. Und der Graben ist auch wirklich sehr schmal.
Nun folgt die nächste Stunde Wartezeit. Zum Glück haben Micha und ich uns immer viel zu erzählen, die Zeit geht also relativ schnell rum.
Wir geiern schon mal auf die schon geklebte Setlist vor uns, können aber nur die ersten Songs lesen, der Rest ist bedeckt von einer weißen Stoffbahn, die von der Decke bis auf den Fußboden geht. Hiervon gibt es drei – hinter jeder ein Mikro. Okay, hier soll es wohl Schattenspiele zu Beginn geben. So ähnlich hatten wir es beim Sasha auf der Mai-Tour auch.

Zum Glück gibt es keine Vorband, das hätte ich irgendwie gar nicht mehr ertragen, denn mir ist schon ganz schwindelig vor Spannung und Vorfreude auf eine gehörige Portion Voc’n’Roll.
Gut, pünktlich um 20 Uhr geht es nun auch noch nicht los, damit habe ich auch nicht gerechnet, aber so 20.15 Uhr dann endlich: Licht aus…Gestalten huschen auf die Bühne, die Band kommt – und fängt schon mal mit einem Intro an. Dann platzieren sich Digger, Sam und Basti hinter den Stoffbahnen und die Spots gehen an – erst bei Basti, dann bei Sam, zuletzt bei Digger. Er sorgt dann bei uns für einen ersten Lacher, denn das Ende seines Gürtels ist irgendwie nicht befestigt und wippt fröhlich in der Gegend herum. Zum Refrain dieses ersten Songs, der „Release me“ heißt und im Original von Agnes stammt, sollen dann wohl eigentlich die Stoffbahnen von der Decke fallen, aber da müssen die drei nachhelfen und einmal kräftig reißen. Na, beim ersten Konzert kann ja auch noch nicht alles klappen.

Als zweites Lied folgt „Don’t cha“, der einzige Song, den ich auf dem Album nicht so prickelnd finde – aber das liegt weniger an den Sängern als an der weiblichen Begleitstimme – die finde ich absolut furchtbar. Daher läuft der Song bei mir eigentlich gar nicht mehr. Aber live kann mich das ganze dann doch schnell überzeugen. Hier gibt es keine quietschende Sängerin und somit hört sich auch alles klasse an. Programmpunkt „Hey there Delilah“ ist sowieso einer meiner Favoriten vom Album und ich singe inbrünstig mit. Aber nicht nur ich, nein…Osnabrück ist ganz fantastisch am Start, die Jungs haben ihr Publikum sofort fest in der Hand. Oft suchen sie Blickkontakt, singen ihre Fans mit schmachtenden Blicken und Augenzwinkern an und gewinnen so alle Herzen im Sturm. Der Rosenhof ist auch knackevoll, ich bin sicher, hier ist SOLD OUT.
Große Ansagen, lange Erzählparts gibt es eigentlich nicht, sondern hier wird gerockt und gerolled, dazu eigenen sich „Crazy in love“ oder „Love in the club“ ganz hervorragend.

Zu „Basket Case“ werden dann zwei junge Frauen aus dem Publikum auf die Bühne geholt. Beide bekommen eine Rassel in die Hand und dürfen fein mittanzen – to the left, to the left, yeah! Beide machen das ganz hervorragend und haben viel Spaß mit The Baseballs on stage.

Der nächste Song treibt mir dann fast die Tränen vor Entzückung in die Augen, denn „Stop and Stare“ ist einfach so wunderschön. Mit „Lets get loud“ wird das Tempo wieder angezogen und bahnt den Weg zu einer kleinen Sensation – und Premiere, denn nun folgt der erste eigene The Baseballs-Song – eine schnelle Nummer namens „Fucking Lovesong“. Gefällt mir auch ganz ausgezeichnet. Das ganze mündet in einen instrumentalen Teil, bei dem sich Sam, Basti und Digger in die Ecke der Bühne verkrümeln. Ich hatte gesehen, dass ihnen andere Hemden gebracht wurden und vermutete mal, dass nun für sie Umziehpause ist.
Die Baseball-Band wurde aber auch für ihre hervorragenden Leistungen bejubelt, jeder hatte nun einen kleinen Solopart.

Als nächstes werden Barhocker im Halbkreis in die Mitte der Bühne platziert und sowohl Baseballs als auch Band nehmen darauf Platz. Die Jungs haben tatsächlich andere Hemden an, diesmal kariert. Ui, ein Akkustik-Set, wie geil :) – mit so was kann man mich ja noch glücklicher machen.

Es gibt nur ein Mikro, das reicht für alle. Und nun folgt „Bleeding love“, darüber freue ich mich sehr, denn live habe ich den Song noch nicht gehört. Und dann gleich in Acapella-Version, feines Ding. Nun holen sich Kontrabassist Klaas und Gitarrist Lars ihre Instrumente, um das nächste Stück zu begleiten. Wir erkennen es auch recht flott: „If a song could get me you“ von Marit Larsen. Eine wunderschöne Version haben die Musiker daraus gezaubert. Ein bisschen geklaut bei „Runaround Sue“, aber das ist vollkommen okay und legitim!
Und da heute ja ein Highlight das nächste jagt, geht es so weiter…der zweite eigene Baseballs-Song wird angekündigt: „When you’re a star“, in gemäßigtem Tempo und wunderschön.

Aber nun werden schnell die Stühle von der Bühne geräumt und es geht wieder flott und tanzbar weiter – natürlich ausgerechnet mit „I don’t feel like dancing“. Dabei fühlt sich doch jeder im Saal zum Tanzen bereit…
Der nächste Song ist auch ein echter Knaller – „Viva la vida“ von Coldplay. Siehste, The Baseballs schaffen es, mir Spaß an einem Coldplay-Song zu bereiten! Die Baseballs-Version ist hot, schnell, treibend, animiert zum Mitsingen – und hinknien sollen wir uns mittendrin auch noch. Alter Falter, nicht hier auch noch. Das ist nun die dritte Band, bei der ich in die Knie gehen soll, das ist ja was für ein altes Weib wie mich :) – Aber Digger, Basti und Sam machen es vor und liegen auch platt auf dem Boden, stehen langsam wieder auf, nur das Publikum soll noch hocken bleiben. Nur irgendwie versteht das keiner und alle stehen mit auf – na ja, mehr Glück bei der nächsten Show :)

Auf jeden Fall kocht die Stimmung im Rosenhof, man sieht überall in fröhliche, glückliche Gesichter. Und das ändert sich auch nicht beim nächsten Song, dem dritten eigenen The Baseballs-Stück namens „I wear a tie“. Hierzu stellen sich Digger, Basti und Sam auf und binden sich mal eben einen schönen Schlipsknoten. Hmm, schön ist er eigentlich nur bei Digger und Basti. Sam tut sich etwas schwer, aber Basti hilft im Song dann nach. Dieses Stück geht auch gut ab und am Ende werden die drei besagten Krawatten ins Publikum gepfeffert. Nun wird mir auch klar, warum The Baseballs in ihrem Twitter-Account geschrieben hatten, sie müssen sich über achtzig Krawatten kaufen – da ist bei einer längeren Tour natürlich ein größerer Verschleiß da.

Weiter geht es mit Lady Gagas „Pokerface“ und dann brettern die Jungs mit „Gives you hell“ über die Bühne. Ein absoluter Höhepunkt ist auf jeden Fall das folgende „Umbrella“, das Publikum tobt, die Musiker strahlen…aber verlassen auch plötzlich die Bühne – nur der Drummer Tomas bleibt und spielt ein grandioses Schlagzeug-Solo – eingebunden in einer tollen Lichtkulisse mit Regenfällen links und rechts vom Schlagzeug. WOW!
Dann kehren alle unter großem Applaus auf die Bühne zurück und der letzte Song wird angekündigt. „I’m yours“, hierbei wird auch die fantastische Band, die mit reichlich Beifall bedacht wird, vorgestellt.
Die Zugaberufe setzen sofort ein, als alle die Bühne verlassen haben und sind irre laut. Ja, genau, denn genug haben wir natürlich noch lange nicht. The Baseballs lassen sich auch nicht lange bitten und kehren mit ihren Musikern zurück, um „Let me love you“ (im original von Mario) zu präsentieren.
„Hot’n’Cold“ ist natürlich als zweite Auskopplung aus dem Album auch ein Burner, im wahrsten Sinne des Wortes, denn vom Klavier steigt eine Feuersäule auf, die den Raum noch mal um ein paar Grad erhitzt…was aber bei den eh vorherrschenden hohen Temperaturen auch schon wurscht ist.
Und dann gibt es auch noch mal eine richtige Überraschung „She hates me“ von Puddle of Mud – yeah, man hat das Gefühl, nun brennt nicht nur das Klavier, sondern die ganze Bühne. Es gibt ein dermaßen rasantes Showdown, jeder holt noch mal seine letzten Energien aus sich heraus. Danach dann wieder unter tobendem Applaus Verbeugung und Abgang von der Bühne, aber es reicht den Osnabrückern und Zugereisten immer noch nicht…da geht noch was. Und richtig, ein letzter Song, der Rausschmeißer, quasi. „The Look“, von Roxette, aber uns auch bestens von Boppin’ B bekannt. Hierbei ist noch mal die Mitsingqualität des Publikums gefragt und die Stimmung schaukelt sich erneut in ungeahnte Höhen. Danach glückliche Gesichter überall…vor und auch auf der Bühne. Die Premiere ist gelungen! Und meine schon hohen Erwartungen wurden noch bei weitem übertroffen. Ich kann gar nicht glauben, was da jetzt zwei Stunden lang auf der Bühne abgegangen ist. Euphorisierend, schweißtreibend…Großartig!

Gleich nach dem Konzert kommt eine der beiden Frauen, die bei „Basket Case“ mit auf der Bühne stand, auf uns zu und fragt, ob wir auch Fotos gemacht hätten. Ich gebe ihr eine Visitenkarte und sie fragt mich, ob ich auch vor zwei Jahren bei Sasha im Ringlokschuppen in Bielefeld war. Das kann ich bejahen – und sie erklärt, das sie neben mir in der ersten Reihe gestanden hätte. Hui, ich und mein Gesichtsgedächtnis…aber toll, dass sie sich erinnert!

Und nun stehen wir da im Rosenhof – aufgepusht, voller Rock’n’Roll…was nun? Wir entschließen uns, mal zu warten, ob die drei Herren am Merch-Stand auftauchen – zum Glück gibt’s im hinteren Bereich ein paar bequeme alte Kinosessel, dort wartet es sich sehr bequem. Micha muss beim Zuschauen des Abbaus auf der Bühne desillusioniert lernen, dass das Klavier dort gar kein echtes ist, sondern quasi ein Holzkasten mit Keyboard drin. Langsam reduzieren sich auch die Endorphine in unseren Blutbahnen, wir werden träge, aber wollen durchhalten. Nur als das Merchandise wieder eingepackt wird, ist auch uns klar: Da kommt keiner mehr. Na ja, wir warten trotzdem, bis wir gebeten werden, doch einen Raum weiter in die Bar zu wechseln. Die hat große Fenster zur Straße, vor denen der Tourbus (Red Car mit riesigem Baseballs-Logo, sehr ansehnlich) steht…und vor dem Bus sind auch Sam, Basti und Digger. Na, da können wir drin lange warten.

So klappt es an diesem Tourstart auch mit einem ersten Backstage-Zusammentreffen. Irgendwann ruft Nadine, wie abgesprochen, unser Taxi. Es gibt einige Verwirrung, da mehrere Taxen kommen, nur das von uns gerufene nicht. Aber auch das lässt sich klären und wir kehren um 1 Uhr zurück zu Nadine. Nach einer längeren Quatschrunde ist dann Schlafenszeit – schlafen in den neuen Tag – der das nächste Baseballs-Konzert bringt.

Was soll ich abschließend sagen? Das waren zwar erst drei Konzerte, auf denen ich war…aber: Verdammt Jungs, ich liebe euch jetzt schon! Klingt pathetisch? Mir doch egal!!! :)

- BiBi -

zu den Fotos aus Osnabrück