The Baseballs in Bochum (Zeche)

Montag, 26. Oktober 2009 - Robert

Auf gehts, heute stehen die Baseballs auf dem Programm. Mein erstes richtiges Baseballs Konzert, wenn man mal den Kurzauftritt in Köln beim Krüger Kaffeekränzchen vor ein paar Wochen außen vor lässt. Die anderen Junkies waren gestern schon in Osnabrück im Rosenhof bei den Voc'n'Rollern, was für mich aber terminlich nicht drin war. Sonst wäre Osnabrück natürlich Pflicht gewesen.

Heute steht Bochum auf dem Tourplan und natürlich werde ich nicht alleine dort sein, denn Bibi und Micha machen sich nach einer Übernachtung in Osnabrück auch auf den Weg dorthin, so dass geplant ist uns dort zu treffen. Da ich aber noch einiges zu tun hab heute, muss die Abfahrt etwas später erfolgen, so dass ich leider erst eine halbe Stunde vor Einlass da sein kann, was bei ausverkauftem Haus doch knapp werden könnte.
Leider ist der Verkehrsgott nicht nett zu mir und ich stehe an der Haltestelle und muss feststellen, dass einfach ewig lange keine Straßenbahn kommt. Das geht leider so lange, bis ein Blick auf die Uhr verrät, dass mein Zug Richtung Bochum weg ist. Als ich dann endlich am Bahnhof ankomme muss also improvisiert werden, ich nehme den nächsten Zug und ab da klappt dann zum Glück auch alles. Leider aber eben später als geplant, so dass ich erst nach Einlass an der Zeche ankomme. Und obwohl ja nun der Einlass schon seit einiger Zeit begonnen hatte, steht vor der Tür eine lange Schlange bis auf den Parkplatz. Oha. Ich reihe mich also zähneknirschend hinten ein und hoffe, dass Micha und Bibi, die wohl ziemlich als erste vor Ort waren, es schaffen, mir ein kleines Plätzchen in ihrer Nähe frei zu halten.

Als ich schlussendlich drinnen bin, haste ich durch die Räume auf der Suche nach der Bühne. Dabei bemerke ich nur am Rande, dass die Zeche eigentlich ein wirklich schöner Club ist. Alles wirkt sehr neu, ordentlich und stylisch eingerichtet. Ein Knaller ist die Galerie im Konzertraum mit der breiten Treppe nach oben. Hübsch.
Aber in diesem Moment ist keine Zeit für sowas. Mein Blick sucht die erste Reihe ab und findet wie erwartet einen Wasserstoffperoxidkopf und einen Braun-blond-Lila-Kopf. Da es zwar vor der Bühne schon etwas gefüllter ist, die Leute aber noch nicht dicht gedrängt stehen, komme ich gut nach vorne, auf den von den beiden für mich verteidigten Platz. Danke!
Nun heißt es noch etwas warten, was mit Berichten von gestern, Junkies Interna und allgemeinem Gequatsche überbrückt wird. Der Raum füllt sich zusehends und mittlerweile ist auch die besagte, breite Treppe weitgehend besetzt von sitzendem Volk.

Um kurz nach Acht gibt es dann endlich etwas Leben auf der Bühne. Es wird nochmal alles überprüft, Handtücher verteilt und Getränke aufgestellt, so dass es nun langsam losgehen kann. Und plötzlich? PENG! Ein lauter Knall, ein heller Blitz und spätestens jetzt sind alle wieder aus dem Vorkonzert-Halbschlaf erwacht. Bibi und Micha hatten schon angedeutet, das hier und da während der Show mit Feuerwerk und dergleichen gearbeitet wird, der Frühzünder war aber wohl nicht vorgesehen.

Doch was solls, "The Show must go on" und das denkt sich auch die Band und fängt auf der komplett dunklen Bühne an zu spielen. In den Schatten kann man nur erahnen, dass nun auch Basti, Digger und Sam auf die Bühne gekommen sind und sich hinter langen weißen Stoffbahnen posiert haben, die von der Decke hängen. Und als sie beim ersten Song "Release Me" anfangen zu singen werden sie von hinten beleuchtet, so dass das Publikum nur ihre Schatten auf den weißen Stoffbahnen sieht. Als der Song dann Fahrt aufnimmt, werden die Lichter eingeschaltet und die Stoffbahnen fallen gelassen, so dass man die Band nun das erste Mal zu Gesicht bekommt. Weiter geht es mit "Don't cha" und der sehr gelungenen Umsetzung von "Hey there Delilah".
Das Konzert kurzerhand zum bisher besten Konzert der Tour erklärt, schade für die Osnabrücker, bei denen gestern Tourstart war. ;) Und da den Besuchern noch nicht genug Honig um den Bart geschmiert wurde, wird gleich noch behauptet, dass das zweite Konzert ja immer das schwerste sei, dass man bei dem Publikum aber keine Problem haben wird.

Generell gibt es natürlich viel vom aktuellen Album zu hören, doch auch neue Songs wie "Basket Case" sind dabei, bei dem drei Mädels auf die Bühne geholt werden, die diverse Rhythmusgeräte schwingen dürfen. Einige von ihnen scheinen doch sehr angetan zu sein, mal etwas näher an die drei Jungs ran zu kommen.
Nach "Stop and stare" und "Let's get loud" gibt es den ersten, eigenen Baseballs-Song "Fucking Lovesong" zu hören, eine flotte Nummer die direkt ins Ohr geht. Danach ist für die drei Frontmänner umziehen angesagt und die Band füllt die Pause mit einem Instrumentalstück.
Mit frischen Hemden geht es auch musikalisch in eine neue Richtung: es werden Barhocker vorne auf der Bühne postiert, auf denen sowohl Sänger wie auch Band platz nehmen um "Bleeding Love" a capella zum Besten zu geben. Sehr feine Sache. Das findet auch das Publikum und feiert schon das Anstimmen so frenetisch, dass man glatt nochmal von vorne anfangen muss. Danach folgen zwei Stücke, die ebenfalls auf den Barhockern präsentiert werden, diesmal allerdings mit Akustikgitarre und Bass begeleitet werden. Zum einen eine schöne Version von Marit Larsen's "If a Song could get me you", gefolgt von einem weiteren original Baseballs-Song, "When you're a Star".

Danach geht es wieder mit vollem Setup weiter, unter anderem mit "Viva la vida", bei dem das Publikum sich hinhocken soll und auch noch unten bleiben soll, obwohl die Band, die es vorher vorgemacht hat, wieder aufsteht. Das klappt auch halbwegs gut, Bibis Bericht zu Folge wohl besser als gestern in Osnabrück. Dann folgt der dritte und für heute letzte Baseballs-eigene Song "I wear a tie", für den sich die drei Jungs passenderweise extra Krawatten umbinden.

Nach "Poker Face" und "Gives you hell" gibt es bei "Umbrella" dann nochmal ein ordentliches Schlagzeug-Solo samt Wasserfällen auf der Bühne. Dann folgt mit "I'm yours" auch schon der letzte Song des regulären Sets, doch natürlich fordert das Publikum mehr und bekommt noch einen Nachschlag. Es gibt "Let me love you" und "Hot N Cold" bei dem passenderweise auf dem Klavierkasten ein ordentlich großes Feuer entzündet wird. Mit Spezialeffekten wird hier nicht gegeizt. Nach "She hates me" ist dann aber auch das Zugabenset beendet. Doch die Stimmung ist gut und außerdem steht ja noch ein Song auf der Setliste und deshalb gibt es noch "The Look" bei dem das Publikum nochmal ordentlich mitsingen muss, bevor dann endgültig Schluss ist.

Da Montag ist, beginnen recht schnell die Aufräumarbeiten. Auf der Bühne wird gepackt und wir werden von der Absperrung vertrieben. Da wir aber nach zwei Stunden Dauer-Rock'n'Roll auch richtig geschafft sind und Micha und ich eh langsam Richtung Bahnhof müssen, um unsere Züge noch zu kriegen, verziehen wir uns freiwillig recht flott in Bibis Auto, um kurz Kräfte zu sammeln. Wir bestaunen noch einmal den protzigen Nightliner-Bus samt Baseballs-Logo und machen uns dann mit Unterstützung von Bibis Navi Gisela auf den Weg zum Bahnhof. Leider bringt uns der schnelle Aufbruch gar nichts, denn vor dem Club stehen wir erstmal im Stau. Die Ampel an der nächsten Kreuzung ist wohl nicht darauf ausgelegt, dass so viele Autos aus einer kleinen Seitenstraße kommen. Das führt nun leider dazu, dass Micha und ich am Bahnhof eine ganze Weile warten müssen.

Meine Heimfahrt wird dann auch noch durch einen Baum auf der Strecke verlängert, so dass ich doch leicht genervt zu Hause ankomme. Das hervorragende Konzert hat mich dafür aber mehr als entschädigt.

Fazit: tolles Konzert, viel Spaß und man bekommt ordentlich was geboten fürs Geld. Lediglich an die teilweise doch sehr einstudierten Tanzeinlagen muss ich mich noch gewöhnen. Das ist teilweise schon sehr Boygroup-mäßig, nur müssen die ja überspielen, dass sie nicht singen können, das haben die Baseballs nun aber nicht nötig, da könnte man das choreografierte Getanze doch auch weg lassen. ;)
Auf jeden Fall ein schöner Abend, der auf jeden Fall nach einer Wiederholung verlangt.

- Robert

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