The Baseballs in Hamburg (Große Freiheit 36)

Montag, 2. November 2009 - BiBi

So, eine Woche ist vergangen – es wird allerhöchste Zeit für mein nächstes The Baseballs-Konzert. Aber anstatt mich einfach nur zu freuen, plagen mich seit Tagen die schlimmsten Alpträume. Heute soll es nach Hamburg gehen – ursprünglich ins Knust, aber wegen der großen Nachfrage ist das Konzert in die Große Freiheit 36 verlegt worden. Im Vorfeld hadere ich mit diesem Schicksal. So sehr es mich für die Band freut, dass sie in Hamburg in einer größeren Location auftreten können, so sehr graust es mich vor diesem Club. Der Laden an sich ist natürlich in Ordnung, nur liegt er halt mitten im Kiez, ich finde das Anstehen dort blöd, die Parkplatzsituation ist schlecht – und beim Einlass ist dort bisher immer noch alles schief gegangen. Ich hab ja doch einige Erfahrung von Dick Brave – und Sasha-Konzerten in der Großen Freiheit. Dort hatte ich meinen Platz in der ersten Reihe dann wirklich nur dem Einsatz meiner Freundinnen zu verdanken, die freigehalten haben, wenn ich mit den Ordnern rumdiskutieren musste, dass mein Fotoapparat ein Fotoapparat und kein Camcorder ist – und schon gar keine Spiegelreflexkamera…
Nur – heute bin ich allein, verlassen von allen – keiner kommt mit ins Konzert. Und was, wenn jetzt derselbe Scheiß wieder passiert? Steh ich dann in der dritten Reihe? Nicht auszudenken – undiskutabel - geht gar nicht. Eine Freundin, der ich die Ohren vollheule, tröstet mich, ich könne ja, falls es mit der ersten Reihe nicht klappt, nach oben auf die Galerie. Ja genau, da fühl ich mich auch wohl – weit weg von der Bühne. Menno!

Da mir auf telefonische Anfrage in einem Plattenladen auf dem Kiez mitgeteilt wird, dass ein dort ursprünglich geplantes Schaufensterkonzert, von dem ich zufällig erfahren habe, soeben abgesagt wurde, brauche ich auch nicht so früh nach Hamburg starten. Gegen 18 Uhr da sein sollte reichen, rechne ich mir aus. Einlass ist 20 Uhr – das passt sicher.
Als ich kurz nach 16 Uhr dann losfahren möchte, spinnt mein guter alter Audi. Fehlzündungen krachen laut wie Diggers Pyros und der Wagen tut sich sehr schwer mit dem Anspringen – aber er läuft – geht schon beim Abbiegen auf die Straße das erste Mal aus…ich bekomme ihn wieder an, nach einem Kilometer an der ersten Kreuzung stirbt der Motor wieder ab – und das war es dann auch. Batterie leer gelutscht. F*CK…und nun? Fluchend steige ich aus, greife zum Handy, rufe meine Mutter an…sie wohnt nur 300 m entfernt: Mama, komm schnell, ich brauche Überbrückungshilfe.
Als ich Motorhaube geöffnet habe, Überbrückungskabel aus dem Kofferraum geholt und schon mal anklemme, kommt sie auch schon angesaust. „Kind, willst du nicht lieber mit meinem Auto fahren?“ Nein, Kind will nicht. Mein Auto tut es schon, und kaum sind die Kabel angeklemmt, springt mein Auto brav an…und geht auch bis Hamburg nicht mehr aus. Die Fahrt verläuft völlig ereignislos – ein Glück, denn bis zum frühen Nachmittag herrschte auf der A 1 noch vollkommenes Chaos, da drei Lkw ineinander gekracht waren und eine Vollsperrung mit 20 km Stau verursacht hatten…hat sich aber alles in Wohlgefallen aufgelöst.
Die leidige Parkplatzsuche ist auch irgendwann beendet, ich bin ganz zufrieden, muss nicht zu weit laufen und kostenlos ist das Plätzchen auch noch.

Vor der Großen Freiheit dann: zwei Fans warten erst…puh, ein Glück…besonders, da ich eine der beiden, die Lisa, schon von den letzten Konzerten kenne. Ich freu mich riesig, mache mich mit Steffi bekannt und kann langsam anfangen, mich zu entspannen. Ich berichte von meiner Erfahrung mit diesem Club und man verspricht mir, freizuhalten, wenn ich wieder aufgehalten werden sollte. Ich bin fast bereit, zu glauben, dass diesmal alles anders ist und auch ich ohne Verzögerungen in den Club gelange.
Irgendwie haben wir viel zu erzählen und die Zeit geht gut voran, es wird auch immer voller…man muss schon aufpassen, dass sich die Leute nicht seitlich reindrängen. Dann pünktlich 20 Uhr Einlass, zuerst geht alles gut, die Taschen werden gründlich durchsucht, aber da ich keine Getränke dabei habe, sollte es kein Problem sein. Ja, haste gedacht…aber mitnichten: Was ist das denn da? Mein Fotoapparat. Hm, der sieht aber komisch aus. Warum? Das ist ein normaler Fotoapparat von Sony.
Nee, damit müssen Sie zu meinem Kollegen. AAAAAAARRRRRRRR…nicht schon wieder.
Diesmal wird er nicht für einen Camcorder gehalten, sondern für eine Profikamera…na ja…klar. Haben die eigentlich alle noch nie Profikameras gesehen? Ich bin fassungslos, muss dem nächsten Ordner den Zoom vorführen und dann endlich lässt er mich hinein. Natürlich sind in der Zwischenzeit locker 30 Leute an mir vorbei – und hätten die lieben Mädels nicht wirklich einen Platz für mich freigehalten, wäre jetzt meine Laune richtig im Eimer. Danke, Danke, Danke:) – ihr seid wirklich super!
Nun stehe ich da vorn und versuche, ein weiteres Mal, mich abzuregen. Irgendwann möchte ich noch mal auf die Toilette, als ich wiederkomme, ist der Club schon so voll, dass ich davon Abstand nehme, mich noch am Tresen wegen eines Getränks anzustellen und kämpfe mich zu meinem Platz zurück. Dabei hab ich jetzt schon Durst wie eine Bergziege. Aber Kaugummikauen hilft erst einmal drüber hinweg. Wie immer ist die letzte Stunde vor dem Gig die längste, aber auch die ist irgendwann vorbei, es wird dunkel und im rappelvollem Club johlt die feierwütige Menge los.
Die Hamburger sind von Anfang an richtig laut, richtig euphorisch und feiern die Voc’n’Roller spätestens ab dem Moment, wo die drei Stoffbahnen beim ersten Song fallen, als würde es kein Morgen mehr geben. Nach all dem Stress bin ich einfach nur glücklich, jetzt genau hier zu stehen und lasse mich mitreißen von der fabelhaften Stimmung. Ob „Release me“, „Hey there Delilah“, „Crazy in love“ oder „Love in the Club“ – überall ist der Jubel riesig. Bei “Angels” gibt es gewaltige Mitsingchöre
Heute wird auch mitgefilmt. Ich störe mich für gewöhnlich nicht an Kameras, aber ein Kameramann hält permanent aufs Publikum und das irritiert dann doch ein wenig. Besonders, da er ja direkt vor uns steht. Der Graben hinter der Absperrung ist nur sehr schmal, was sich in dem Sinne als vorteilhaft zeigt, dass die Baseballs dann auch in den Graben springen und sich auf die hinteren Plattformen der Absperrgitter stellen. Das zeigt mal wahre Publikumsnähe…auch werden vorn Hände geschüttelt – schöne Geste.
Zu „Basket Case“ werden wieder zwei Frauen auf die Bühne geholt, eine niedliche Pettycoat-Trägerin ist dabei, die sich so schwungvoll beim Tanzen dreht, dass es fürs Publikum tiefe Einblicke unter den fliegenden Rock gibt ;)
„Stop and Stare“ ist für mich auch diesmal wieder mit Gänsehaut verbunden, irgendwie kann ich mich daran nicht satt hören.
Der erste eigene The Baseballs-Song „Fucking Lovesong“ wird auch wunderbar vom Publikum aufgenommen. Super daran ist auch der Solopart der Band, während die Jungs backstage die Hemden wechseln. Das Einbeziehen der Band in diese Show gefällt mir persönlich sowieso sehr gut.
Nun ist es Zeit für das Akkustik-Set, beginnend mit dem Acapella-Stück „Bleeding love“ – und auch in Hamburg gibt es wahre Begeisterungsstürme bei „If a song could get me you“ – das Lied hat sich auf jeden Fall schon zu einem großen Highlight entwickelt – ist auch genial umgesetzt.
Aber auch das nächste Stück „When you’re a star“, Eigenkreation der Baseballs, kommt verdammt gut an. Und zack – schon ist das Akkustik-Set wieder vorbei. Schluß mit Lustig, Schluss mit Ausruhen. Jetzt wird wieder gerockt. „I don’t feel like dancing“ oder „Viva la vida“ gehören auf jeden Fall in die Mitsing- und Mittanzabteilung. In Hamburg geht auch wirklich das gesammelte Publikum in die Knie und erhebt sich erst wieder zum Refrain.

„I wear a tie“ als dritter Baseballs-eigener Song wird ja dadurch eingeleitet, dass Basti, Sam und Digger sich eben eine Krawatte umbinden. Irgendwie hatte ich erwartet, dass Sam, der am Anfang der Tour noch so seine Probleme mit dem Krawattenknoten hatte, inzwischen fit beim Binden ist…aber nööö. Seine Bindetechnik ist noch nicht so wirklich ausgefeilt und erheitert Band und Publikum doch sehr.

Was mich so ein klitzekleines bisschen stört ist der Typ neben mir. Also nicht er als Typ…aber er macht das ganze Konzert nichts anderes als zu filmen und zu fotografieren. Er hat einen Camcorder dabei, eine Digicam und ein Fotohandy und alle Geräte werden abwechselnd benutzt – durchgehend. Ich gebe irgendwann auf, zu vermeiden, den jungen Mann beim Tanzen anzustoßen, damit seine Bilder nicht verwackeln – dafür ist es einfach zu eng und zu voll…und wenn von 1000 Fotos 200 unscharf sind, ist es wohl auch nicht weiter schlimm.

Doch nun geht’s auch quasi schon ins Finale mit „Poker Face“, dem frenetisch gefeierten „Umbrella“ und „I’m yours“. Unter ohrenbetäubendem Applaus verlassen Baseballs und Band die Bühne und lassen sich nicht allzu lange um eine Zugabe bitten.
Aber Zugaben gibt es ja nur mit Gegenleistung. Und so klatscht das Publikum bei „Let me love you“ kräftig mit. Aber da das nicht ausreicht, werden auch Sound- und Lichtleute aufgefordert und zu guter Letzt natürlich die Baseballs-Band. Digger übernimmt dafür den Kontrabass, Sam schnallt sich Lars’ Gitarre um und Basti geht ans Piano. Und so performen eben die Bandmitglieder großartig weiter und fegen singend über die Bühne.
So aufgeputscht geht es weiter mit „Hot’n’Cold“ und „She (fucking) hates me“. Jeder gibt jetzt alles und ich finde kaum Worte, diese enorme Energie und rasende Stimmung zu beschreiben. Das muss man einfach selbst erleben…aber ich bereue zutiefst, dass ich mir vor der Show kein Getränk besorgt habe, denn mir klebt schon fast die Zunge am Gaumen fest – DUUUURST.

Aber natürlich hat auch Hamburg noch eine weitere, letzte Zugabe verdient und bekommt „The Look“ auf die Ohren. Hierfür müssen wieder alle mitsingen und jedem macht es einen Heidenspaß.

Dann fällt wirklich der letzte Vorhang – die Show ist aus, ich steht geplättet und halb verdurstet da und denke immer nur: Wow, wie geil war das denn nun wieder?
Da es am Hauptausgang brechend voll ist, öffnen die Ordner eine Seitentür und bevor ich es richtig realisiere, stehe ich auch schon auf der Straße. Nun, so schnell wollte ich den Club eigentlich gar nicht verlassen, wollte doch eigentlich auch mal den Merch-Stand besuchen und vor allem was zu trinken kaufen. Nun ist es aber dafür zu spät. Auch egal.

Draußen vor dem Club spiele ich auf jeden Fall meine eigene Nebelmaschine – Dampfwölkchen wabern um meinen Kopf – auch ein Zeichen, dass es ein echt heißes Konzert war. Da wir noch so fröhlich beisammen sind, zieht sich meine Abfahrt auch noch eine ganze Weile hin. Durst ist irgendwann vergessen, wir schwatzen fröhlich vor uns hin und ich freu mich, so nette Fans kennen gelernt zu haben.

Aber um halb zwei sitze ich dann doch endlich im Auto, nuckele mal eben eine Flasche Cola Zero leer und fahre dann beschwingt durchs nächtliche Hamburg Richtung Heimat. Eine tolle Stadt, die immer für besondere Konzerte gut ist. Gegen drei Uhr bin ich dann endlich zu Hause und freue mich, dass der kommende Tag mir ein weiteres Konzert beschert.

- BiBi -

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