The Baseballs in Magdeburg (Moritzhof)

Dienstag, 3. November 2009 - BiBi

Los los, BiBi…raus aus den Federn…es ist 10 Uhr und in zwei Stunden willst du los…da ist vorher noch so viel zu erledigen und schlafen kannste auch am nächsten Wochenende oder so.
Ja, gut…mein innerer Schweinehund hat sich überreden lassen und lässt mich die wärmende Bettdecke zurück klappen. Brrr…ist kühl heute Morgen. Also frisch ans Werk. Die alte Fassade etwas putzen, wienern und restaurieren, Konzerttasche packen, Navi programmieren, Akkus laden – und schon ist es Zeit für die Abfahrt. Heute geht es nach Magdeburg. Mein letztes The Baseballs-Konzert auf ihrer aktuellen STRIKE-Tour steht an. Das letzte? Schluck. Nee, nicht daran denken. Erstmal freuen, soooo sehr. Diesen Tag habe ich nämlich meiner Freundin Uta zu verdanken.
Ich bin ja nun ständig in den Konzertclubs des Landes unterwegs und habe einen Haufen Spaß. Aber zurzeit bin leider auch immer leicht klamm – so viel ist jeden Monat zu zahlen und der Sprit will und will einfach nicht preiswerter werden. Daher wäre eine Fahrt allein nach Magdeburg (immerhin 500 km hin und zurück) für mich momentan gar nicht realisierbar. Uta hingegen ist so fleißig und arbeitet stundenrund. Daher kommt bei ihr der Freizeitausgleich immer viel zu kurz. Und nachdem ich ihr vor kurzem mitteilte, wie sehr ich bedauere, nicht nach Magdeburg kommen zu können und mir ihr gemeinsam ein Baseballs-Konzert zu zelebrieren, hat sie mich kurzentschlossen eingeladen, Geld für Sprit überwiesen, die Tickets besorgt und gesagt, ich kann es ruhig annehmen – damit tu ich mich eigentlich immer schwer, aber den Wunsch, sie dieses Jahr noch einmal zu sehen und ein gemeinsames Konzert mit ihr zu erleben, überwiegt. Begeistert hatte ich zugesagt…ja, und nun ist es soweit, ich bin auf der Reise nach Magdeburg, der alten Heimat von Baseballs-Mitglied Basti.

Da Uta sich auch den Nachmittag freimachen kann, wollen wir uns schon um 15 Uhr treffen, um auch noch ausgiebig quatschen zu können. Das läuft ja sonst immer über Mails, aber Auge in Auge ist es doch noch besser. Ich bin sehr zügig in Magdeburg, ärgere mich ein bisschen, dass ich nach einer schönen Sonnenscheinfahrt ab der Landesgrenze Sachsen-Anhalt die Scheibenwischer einschalten muss. Was soll das denn? Wo ist die Sonne hin? Egal, sie scheint zurzeit ausreichend in meinem Herzen.
Dank Gisela (Navi) finde ich sofort den Moritzplatz, freue mich, den roten Tourbus mit dem fetten Baseballs-Logo vor dem Club stehen zu sehen, kreise ein wenig und finde flott einen Parkplatz. So, das hätten wir schon mal. Eine SMS an Uta, dass ich da bin, sie ruft gleich zurück, braucht noch ein bisschen. Aber dann finden wir uns und besprechen, was zu tun ist. Eigentlich hatten wir angedacht, zu einer Autogrammstunde der Baseballs in einem Plattenladen zu fahren…andererseits wissen wir auch nicht so recht, was wir da sollen. Nee, dann doch lieber in ein McCafe zum Klönen. Das Navi führt uns hin, es ist zwar nur ein normaler McDonalds ohne Cafe, aber das geht auch. Wie im Flug geht die Zeit vorbei und gegen halb sechs machen wir uns auf den Rückweg zum Club. Dort gehen wir schon mal in den Innenhof, wo am hinteren Ende der Eingang zur Konzertlocation ist. Aber – buh…das ist nicht erwünscht. Eine beschürzte Frau kommt und scheucht uns wieder auf die Straße und schließt das Eingangstor ab…sie würden aber in einer halben Stunde aufmachen und auch den Einlass beginnen. Ich finde das seltsam, denn eigentlich soll der Club ja erst um 19 Uhr öffnen, aber gut. Ist auch echt kalt draußen…wir verkrümeln uns also in Utas Auto…kaum sitzen wir, fährt ein Transporter vor, dem Basti, Digger und Sam entsteigen. Ach so? Na, sie kommen wohl von der Autogrammstunde. Das Tor ist inzwischen wieder aufgeschlossen und drei Mädels vom Vortag kommen auch gerade an. Wir begrüßen uns und stehen nun im Innenhof…an einen verfrühten Einlass ist nun nicht mehr zu denken, keine Rede davon. Irgendwann gehen Uta und ich zur Club-Eingangstür, da kommt mir eine Frau nach, die gern meine Tasche kontrollieren möchte. Denn Getränke sind verboten. Ja, ist mir klar, ich hab auch keine dabei. Ich zeige meine Tasche und sie sagt ganz entsetzt, ich hätte ja was zu Essen dabei. Ich gucke sie fragend an…will sie meinen Fotoapparat als Lebensmittel bezeichnen? Nö, sie zeigt auf die Box…das wäre doch eine Brotdose. Ja – genau...ich hab mir ein paar Stullen mitgebracht??!! Ich kläre sie darüber auf, dass sich in dieser Box mein Navi befindet, das ich nicht im Auto lassen möchte. Damit gibt sie sich zufrieden…ich hatte schon Angst, dass sie auch noch nachschauen und mal abbeißen will.

Unsere Geduld wird auch sehr auf die Probe gestellt. Denn weder ist der Einlass früher noch überhaupt pünktlich. Erst werden noch ordentlich Tickets an der Abendkasse, die in einer Ecke vom Hof platziert wird, verkauft. Gute Sache, aber warum müssen wir dann alle frierend draußen rumstehen? Endlich, um 19.30 Uhr erbarmen sich die Organisatoren und öffnen ihre Türen…nun aber ab zur Bühne. Aber da großes Stauen…es gibt keine Absperrung im regulären Sinne. Ich meine, ich stehe auch gern direkt an der Bühne, mach ich ja nun auch oft genug. Aber ein rotweiß-gekringeltes Flatterband als Absperrung habe ich auch noch bei keinem Konzert gesehen. Das alles amüsiert uns doch einigermaßen :) – ansonsten eine nette Location, Bühne nicht so hoch. Ein Aufpasser klärt uns auf, dass das Flatterband nach dem ersten Song, wenn die Stoffbahnen gefallen sind, entfernt wird und man zur Bühne vor könne. Ah,okay, es dient dem Schutz der Publikums – die Musiker hätte es wohl auch nicht wirklich schützen können. Aber von uns geht ja nun eh keine Gefahr aus.

Der Laden füllt sich zusehend. Klar, es ist nicht so eng und voll wie in Hamburg, aber sieht doch durchaus angenehm gefüllt aus. Sicher so 350 Leute. Ich bin total ungeduldig, möchte, dass es endlich los geht und gehe bestimmt meinem Umfeld mit meinem Genöhle auf den Senkel. Aber das ist nun mal das Leben eines Fans…ewig warten, warten und noch mal warten für eine kurze gute Konzertzeit – und danach dann am besten wieder warten. Aber aus dem Musikerlager hört man ja ähnliches…die warten auch ewig…auf Soundcheck, auf Auftritt, auf Abfahrt.

Aber um 20.30 Uhr ist es dann endlich soweit. Der Raum wird dunkel, Musiker betreten die Bühne, das Intro zu „Release me“ erklingt. Die Spots gehen einzeln an, Basti, Sam und Digger starten hinter den weißen Stoffbahnen, die dann fallen. Tatsächlich wird das Flatterband nun entfernt, wir schieben unsere Taschen und Jacken zur Bühne vor und halten aber selber noch ein wenig Abstand. Denn Kameramann und Fotografen agieren bei den ersten drei Songs noch, werden dann aber gebeten, zu gehen. Nun herrscht freier Blick auf gut gelaunte Musiker und das ganze nimmt Fahrt auf. Ich bin so gespannt, wie es Uta gefällt. Sie hat The Baseballs ja bereits einmal im Juni beim Sachsen-Anhalt-Tag gesehen – aber das ist schon eine Weile her und ein eigenes Tourprogramm ist ja doch eine andere Sache. Aber ich sehe schnell, wie es auch sie packt und sie vor sich hin strahlt. Auch der Rest des Magdeburger Publikums hat Spaß – ich ja sowieso. Einmal mehr staune ich, wie gut die drei Stimmen von Digger, Sam und Basti harmonieren. Basti mit seiner vielseitig einsetzbaren Stimme, die er auch in die Höhe schrauben kann – Digger mit einem hohen Wiedererkennungswert in der Stimme, leicht rotzig, wie ich es liebe – und Sam, der mit seinem Gesang, seinem Timbre die Seele streichelt und absolutes Wohlbehagen verursacht…das ganze funktioniert bei schnellen Nummern wie „Love in the club“, „Lets get loud“ oder „Fucking lovesong“ ebenso gut wie bei Balladen à la „Stop and stare“.

Lustig wird es wieder bei „Basket Case“ – zwei Mädels werden auf die Bühne geholt…Digger singt die neben ihm Stehende schmachtend an – sie hingegen schmachtet Sam an – aber dann kann Digger die Aufmerksamkeit doch noch auf sich ziehen und als die Mädels nachher die Bühne verlassen, steht Sam wieder als einziger da, ohne von den Mädels verabschiedet zu werden.

Uta und ich hatten im Vorfeld ein wenig über die Songs geplaudert, die sie nun noch nicht von CD kennt – und besonders gespannt ist sie auf „If a song could get me you“ – und was soll ich sagen – bei ihr schlägt der Song genauso gewaltig ein wie bei mir (und eigentlich allen anderen).

Als es bei „Viva la vida“ für alle wieder heißt, sich hinzuknien, ergeht heute eine spezielle Aufforderung: „Auch Bastis Mama, bitte“…diese protestiert ein wenig, denn sie hat Rücken und darf dann auch stehen bleiben.
Mein lädiertes Knie knirscht heute auch sehr heftig beim in die Hocke gehen, aber das ist dann auch schnell wieder vergessen, als erst Digger, dann Sam und danach auch noch Basti vor mir auf die Knie gehen und mich hinreißend ansingen. Ich grinse sicherlich im Kreis, gut, dass man sich in solchen Momenten nicht selber anschauen kann :)

Und wie soll es anders sein – die Zeit rast nur so dahin – nach gefühlten 20 Minuten heißt es: der letzte Song „I’m yours“ – nee, viel zu schnell. Die Magdeburger fordern lautstark Zugaben und bekommen sie natürlich. Bei „Let me love you“ werden einmal mehr The Baseballs zur Band und die Band zu The Baseballs, bei „Hot’N’Cold“ brennt das Klavier und bei„She hates me“ nimmt ein Slow-Motion-Part von Digger, Basti und Sam die Geschwindigkeit einen kurzen Moment aus dem Song. Aber wirklich nur kurz, dann kracht der Song weiter zu einem fulminanten Finale.
Doch die Magdeburger wissen: Hier geht noch was – und richtig, die letzte Zugabe, „The Look“ wird uns auch nicht vorenthalten. Ein letztes Mal singen alle lautstark mit, dann verschwinden The Baseballs und Band von der Bühne. Uta fällt mir begeistert um den Hals und bedankt sich bei MIR, dass ich da war…wobei der ganze Dank doch allein ihr gebührt, dass ich da sein durfte. Ich sehe es ihr an, sie hat sich den Voc’n’’Roll-Virus eingegangen. Heilungschancen: Sehr gering bis gar nicht vorhanden ;)

Heute vergesse ich auch nicht wieder, an den Merchandise-Stand zu gehen. Endlich erstehe ich das Konzertplakat, das in meinen Konzertplakat-Flur einen Ehrenplatz erhalten soll…und einmal Buttons nehme ich auch gleich mit, da kann ich ja auch irgendwie nie Nein sagen.
Dann verlassen wir den Saal, denn ich mag draußen im Hof ein bisschen auf einer Bank sitzen und abkühlen.
Da es auch noch recht früh ist, haben wir es nicht so eilig, nach Hause zu kommen. Uta und ich wissen ja, dass wir uns nun einige Monate nicht mehr sehen werden, da muss man noch die gemeinsame Zeit ausnutzen. Zu unserer großen Freude zeigen sich die Baseballs auch bald auf dem Hof, um Hallo zu sagen, ich kann noch Fotos mit Uta und den Jungs machen und gegen Mitternacht sagen wir dann Bye-Bye und dackeln zu unseren Autos. Der Abschied fällt schwer, aber hilft ja nichts. Ich habe noch 250 km vor mir und muss, genau wie Uta, am nächsten Tag arbeiten.

Erst auf der Rückfahrt wird mir richtig bewusst, dass jetzt wirklich einige Wochen Pause für mich angesagt sind. Erst Mitte Dezember gibt es ein Wiedersehen mit dem fröhlichen Voc’n’Roll-Trio. Aber für Melancholie ist jetzt auch nicht die richtige Zeit, ich bin viel zu aufgeputscht und als dann noch „Viva la Vida“ im Radio läuft (leider nur von so einer unbedeutenden Band wie Coldplay), feiere ich im Auto eine Party mit mir selber…so beschwingt benötige ich auch nur 2 Stunden für den Heimweg. Entschuldige bitte, guter alter Audi!

- BiBi -

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