The Baseballs in Bielefeld (Kamp)

Montag, 14. Dezember 2009 - BiBi

Reichen drei Stunden Schlaf pro Nacht? Tja, wenn man nicht mehr hatte, muss es wohl reichen. Irgendwelche Phantomschmerzen haben verhindert, dass ich eine ruhige Nacht hatte – ich stehe momentan dermaßen unter Strom – im Job und auch privat, dass ich überhaupt nicht mehr zur Ruhe komme.
Aber ich denke mir, bald ist Weihnachten mit ein paar freien Tagen, da kann ich noch genügend schlafen – nun ist erstmal Spannenderes angesagt…mein letzter Besuch eines Baseballs-Konzerts – im Jahre 2009, versteht sich. Bielefeld ist der Ort des Geschehens, Kamp heißt die Location. Ein wenig wundert mich das, denn dort spielen sonst meine Monsters of Liedermaching oder doch eben eher kleinere Bands. Aber da ich generell auf kleine Clubs stehe, freue ich mich, die Voc’n’Roller in einem nicht eben riesigen Laden zu sehen. Einziges Manko: Ich bin allein, ganz allein…niemand begleitet mich und ich weiß auch von niemanden, den ich aus Baseballs-Fankreisen kenne, dass er kommt. Och…da kann das Anstehen und der Einlass schon blöd werden.
Solche Gedanken plagen mich, als ich um 15 Uhr hier starte. Noch schnell tanken – das dritte Mal seit Freitag *eek*– und ab auf die Autobahn. 2 Stunden dauert die Fahrt, wenn es gut geht – und eigentlich geht’s auch gut bis kurz vor Bielefeld, da ruft mein Chef an und ich muss erst mal telefonisch ein paar wichtige Probleme mit ihm lösen. Dabei stehe ich hinter einem Klohäuschen auf einem Autobahnparkplatz – eisekalt ist es und sehr laut…komische Situation irgendwie :)

Dann geht es endlich weiter, aber in Bielefeld ist Baustelle und Superstau, nichts geht mehr voran. Ich biege einfach mal falsch ab, Gisela (Navi) muss neu rechnen und führt mich dann aber zielgerichtet zum Kamp. Der große rote Bus steht vor der Location und die Göttin der Parkplätze ist mir auch hold. Alles gut gegangen, nun ist es halb sechs, also noch 1,5 Stunden Zeit bis Einlass. Ein Schild an einer Tür sagt, zum Einlass geht es über den Hof – und guck, da stehen auch schon einige Leute. Aber sie stehen an einer zugigen Hausecke. Warum, erklärt man mir schnell. Sie sollen nicht vor der Tür stehen, da fühlen sich die Mitarbeiter und Jugendlichen, die sich in diesem Jugendzentrum aufhalten, gestört. Was für ein Scheiß ist das denn? Wir quatschen niemanden dumm an oder machen Radau. Bis halb sieben stehen wir also an dieser dummen Häuserecke, dann wird es mir zu dumm und ich schlage vor, doch mal zur Eingangstür vorzugehen. Es jagt uns auch niemand dort weg, das wäre ja auch noch schöner. Nun ist noch ein bisschen frieren angesagt – und ich treffe eine Bekannte wieder, mit der ich schon in Bielefeld auf einem Sasha-Konzert zusammen gestanden habe und die mich auch in Osnabrück beim Tourstart der Baseballs angesprochen hat. Juchhuh, das freut mich – vor allem, weil sie, nachdem wir endlich rein dürfen, neben mir steht. Sylvia, ihr Freund Marcus und ich quatschen ausgiebig, ich fühle mich sehr wohl in ihrer Gesellschaft und so vergeht die Zeit bis zum Beginn des Konzert dermaßen schnell, dass ich mich noch gar nicht richtig mental vorbereitet habe, als das Licht verlöscht und die ersten Klänge von „Release me“ ertönen. Aber sofort ist die Hibbeligkeit und Freude über die Musik da. Das rieselt richtig den Rücken runter…fantastisch.

Wir feiern von Anfang an richtig mit – der Ablauf ist mir inzwischen ja gut bekannt. Basti, Digger und Sam haben das sonst eher etwas träge ostwestfälische Publikum schnell im Griff, der Mitsingpegel ist hoch, der Saal richtig voll und alle haben einen Heidenspaß. Auch hier ist das Akustikset ein absolutes Highlight. Die Freude über „If a song could get me you“ scheint überall gleich groß zu sein.
Aber gleich nach dem Akustikteil gibt es dann eine große Überraschung – völlig ohne Ansage gibt es einen neuen Song namens „Monday Morning“. Wow, darüber freu ich mich riesig. Das folgende „Viva la Vida“ ist definitiv eines meiner Lieblingsstücke im Konzert. Auch wenn sich in Bielefeld scheinbar so einige Leute beharrlich weigern, sich beim Song hinzuhocken, ist die Stimmung fantastisch. Bei „I wear a tie“ fällt mir auch heute auf, dass die Krawatten immer hässlicher werden – ich vermute, man geht inzwischen im 1-Euro-Shop einkaufen…aber Marcus gelingt es, die Krawatte von Digger zu fangen und vermacht sie natürlich sogleich seiner Liebste Sylvia.
Nachdem bei „Umbrella“ der Saal überzukochen droht, gibt es auch in Bielefeld ein weihnachtliches Lied…“Let it snow“. Ich hatte Sylvia und Marcus vor dem Konzert vom Dortmunder Gig am Vortag erzählt und wir guckten, ob auch in Bielefeld diese Schaumsprühmaschinchen stehen, haben aber nichts entdecken können.
Tja, hätten wir mal besser geschaut – denn rieseln regnen die Schaumflocken in Massen auf uns herab…nicht wie in Dortmund weit ins Publikum hinein – nee, diesmal bekommen die ersten Reihen den ganzen Segen ab. Oben an der Decke sammeln sich große Mengen Schaum an den Scheinwerfern und fallen von Zeit zu Zeit lawinenartig hinab. Digger wird beinah von so einem Flatschen getroffen, vor mir auf der Bühne türmen sich Schaumberge – und ich bekomme einen Lach-Flash und kann mich kaum noch beruhigen. Danach sind wir zwar klebrig von dem ganzen Schaum, aber die Idee ist einfach klasse! Schaumparty deluxe:)

Aber nun ist schon wieder der letzte Song des Hauptsets, „I’m yours“ dran und mir wird wehmütig klar, dass es das dann für mich Baseballs-Konzerttechnisch für dieses Jahr gewesen ist. Nein, nicht daran denken, laut Zugabe brüllen und weiter feiern. Ich habe heute auch großes Glück gehabt und meine Wasserflasche dabei. Diesmal gibt es keine ausgetrocknete Kehle und ich hab richtig Power, um auch die Zugaben locker zu überstehen.
Dort geben Digger, Sam und Basti samt Baseballs-Band noch mal Vollgas und treiben die Stimmung im Saal noch höher. Selbstverständlich will das Publikum auch nach „She hates me“ noch eine weitere Zugabe und bekommt sie mit „The look“. Aber dann ist tatsächlich Ende der Show…man schaut überall in strahlende, glückliche Gesichter.

Ich bin auch viel zu aufgedreht und hochgepusht, als dass ich nun traurig sein könnte – der Blues über eine längere Wartezeit auf neue Konzerte stellt sich dann für gewöhnlich später ein. Die Situation ist insofern schwierig, als dass einfach noch keine neuen Termine bekannt sind.
Für mich ist heute klar, dass ich mal gucke, ob ich die drei Voc’n’Roller nach dem Konzert kurz sprechen kann. Ich möchte mich quasi verabschieden und vor allem für die großartigen Konzerte bedanken, die sie uns beschert haben. Sylvia und Marcus schließen sich an und so gucken wir erst noch drinnen ein bisschen herum und machen uns dann auf in die Kälte Richtung Tourbus…auch jetzt quatschen und schwatzen wir so viel, dass mir die Wartezeit nicht sehr lang vorkommt…und mein Vorhaben ist auch von Erfolg gekrönt. Kurz nach Mitternacht kann ich mich dann hochzufrieden auf den Weg Richtung Heimat machen. Mit Diggers Ankündigung im Ohr, dass die Termine für die nächste Tour im März sehr bald bekannt gegeben werden…und tatsächlich…bereits am nächsten Tag tauchen die neuen Konzerttermine auf und ich bin schon wieder im Stress…im Tourplan- und Konzerttickets-Besorge-Stress…hach, mir geht’s echt gut!

- BiBi -

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