Die Schröders und Nullbock in Lübeck (Riders Café)

Freitag, 11. Dezember 2009 - BiBi

Es gibt Dinge, die mag man kaum glauben…so z. B., dass die Schröders auf Abschiedstour sind…bald soll es keine Auftritte der Punkrocker mehr geben. Lange hatte es sich angekündigt, aber wenn es soweit ist, ist es ja doch unfassbar. Micha und ich hatten keine Sekunde gezögert und uns Karten für das Konzert im coolen Riders Café in Lübeck gesichert. Wir lieben beide diesen Laden, wir lieben beide Die Schröders…also keine Frage, dass wir dabei sind. Es wird unser einzigstes Konzert auf der „Und tschüss“-Tour sein, also wollen wir es besonders genießen. Ich verzichte dafür sogar auf die Weihnachtsfeier in der Firma - und das wäre meine erste dort gewesen;)

Anfang Dezember erfahre ich, dass Support in Lübeck NULLBOCK aus Salzgitter sein werden. Jaaaaa…geil! Unsere zweitliebste Punkrockband :) – das kann ja was werden.
Mit Micha ist abgemacht, sie kommt mit dem Zug nach Verden und ich hole sie dort um halb vier vom Bahnhof ab, damit wir gemeinsam nach Lübeck starten können. Es ist ein hektischer Arbeitstag, die Löhne müssen fertig werden, da ich kommenden Montag und Dienstag Urlaub habe – dieses Wochenende ist sehr konzertreich, da muss das sein. Das freundliche Ansinnen meines Chefs, um 14 Uhr Feierabend zu machen, muss ich dankend ablehnen…keine Zeit und es macht auch keinen Sinn…immerhin arbeite ich in Verden, was soll ich also 1,5 Stunden bis Michas Ankunft machen – na, eben, weiter arbeiten. Um 15.15 Uhr dann endlich habe ich es geschafft. Löhne fertig, ich auch. Puh, eigentlich sehne ich mich nur noch nach meinem Sofa, meinem heimeligen Zu Hause, meinem Bett. Aber gut, Punkrock ist angesagt. Also schnell zum Bahnhof gehetzt, Micha musste noch 5 Minuten in der Kälte warten…und ab auf die Autobahn. Wir haben viel Zeit eingeplant, immerhin ist im Winter Richtung Norden nicht immer mit freien Straßen zu rechnen. Aber heute ist alles prima, wir kommen glatt durch. Wollen kurz vor Lübeck noch eben ein Rastplatz-Klo aufsuchen – aber ich gebe auf dem Parkplatz doch wieder Gas. Gerade ist ein Bus voller holländischer Jugendliche dort gelandet und es wimmelt vor Menschen – nee, darauf haben wir keine Lust. Also fahren wir durch, schauen schnell vor dem Riders vorbei, aber es ist so früh, da ist noch nichts los. Also gedreht und zurück zum Burger King, der in der Nähe ist. Dort gibt’s erst mal lecker Futter, man muss für so eine lange Nacht ja immerhin gut gestärkt sein. Gegen 19 Uhr kehren wir zurück zum Riders – immer noch nichts los. Nee, klar…Einlass ist um 20 Uhr, da wird sich auch noch nichts tun. Haste gedacht…kaum bin ich auf dem kleinen Parkplatz rückwärts eingeparkt, kommt ein weiteres Fahrzeug. Viele Kerle steigen aus…und wir erkennen den einen oder anderen. Nullbock ist gerade vorgefahren. Anstelle auszusteigen und Hallo zu sagen, hocken wir kichernd wie Teenager im Auto und haben echt Spaß dabei, warum auch immer :)

Kurz vor 20 Uhr bewegen wir uns auch mal langsam vor die Tür, bisher sind nur wenige Leute da. Drinnen wird noch gesoundcheckt…auch noch, als der Einlass beginnt, sind die Böcke auf der Bühne…Micha und ich sind ganz entsetzt, dass die schönen Sofas, die immer neben der Bühne an der Wand stehen, weg sind…nanu? Wir sind beide so müde und hätten uns da gern rumgefläzt…aber dafür steht dort ein netter Stand – bestückt mit Merchandise und Timmey…große Wiedersehensfreude!

Ansonsten ist jetzt Geduld angesagt – um 21 Uhr, wie groß angekündigt, ist noch lange keine Showtime…das ganze verzögert sich um 45 Minuten, aber dann endlich kommen Nullbock auf die Bühne. Naja, fast…der Drummer ist mir nicht bekannt, Adri klärt aber schnell auf, dass Dami an schweinischer Grippe oder so erkrankt ist und man eine Aushilfe mitgebracht hat. Der macht seine Sache aber super, obwohl er recht unhöflich von Flitze gedisst wird *gg*.

Die Böcke spielen ein Sammelsurium ihrer beliebtesten Songs und Micha und ich feiern schon mal richtig ab. Der Laden ist inzwischen auch gut gefüllt und die Laune klasse. Bei zwei Songs kommen zum einem O-Lee, zum anderen Sascha von den Schröders als Gasttrommler zum Einsatz.
Als die Böcke die Bühne verlassen, erstummt das Publikum aber relativ schnell, so dass die Band mal selber anfängt, Zugabe zu brüllen. Herrlich, wir stimmen natürlich sofort mit ein und freuen uns über einen weiteren Song und singen, tanzen, klatschen und hüpfen, wie aufgefordert, mit.

Nun sind wir auf jeden Fall sehr gut auf das finale Showdown der Schröders vorbereitet. Nach einer kurzen Umbaupause geht es dann auch endlich los. Eine recht traurige Musik erklingt und die Punkrocker aus dem Harz marschieren auf die Bühne und legen erstmal wie gewohnt mit „Scheissband“ los. Burgers Stimme klingt recht rauh, das erklärt er auch kurz darauf. Er ist eigentlich krank, das Konzert am Vortag in Berlin musste bereits ausfallen – aber nur, damit er seine Stimme schont, denn den Gig im Riders wollten die Schröders unbedingt spielen. Boh, bin ich froh…ich stelle mir gerade vor, wie wir abgehetzt in Lübeck ankommen und an der Tür hängt das Schild: Konzert fällt wegen Krankheit aus. Kann niemand was dafür, ganz klar…aber ist auch immer mein größtes Horror-Szenario. Aber auch hier ist es ja noch mal gut gegangen.
Wir können zu liebgewonnenen Songs wie „Immer mehr“, „Lalala“, „Lindenstraße“, „Emily“, „Westerwald“ und „Schmutzig Liebe machen“ richtig abfeiern. Ein sehr gelungener Mix aus alten Schröders-Klassikern und neueren Stücken wird von Hampy, Sascha, O-Lee und Burger geboten und vom Publikum auch begeistert aufgenommen. Hier geht es irgendwie sehr entspannt zu, klar pogen auch einige, aber doch eher gemäßigt, man wird nicht ständig angerempelt, so dass alle ihren Spaß haben können.
Ganz begeistert sind Micha und ich von den Stücken der allersten Schröders-Platte „Mutter horcht an deiner Tür“ – es gibt den Titelsong sowie „Als wärs der letzte Tag“ und „1000 nackte Weiber“.
Toll, dass wir die Stücke auch noch live erleben können.
Das Hauptset geht ins Finale mit „Als der Regen kam“, „30 m“, „Schrei“, „Frau Schmidt“ und „Heute hier morgen dort“. Bei „Frau Schmidt“ wird standardgemäß gefragt, wer denn Gitarre spielen kann und ein Mädel meldet sich…sie wird auf die Bühne geholt und erzählt Burger erst einmal, dass sie vor fünf Jahren schon mal mitspielen durfte…er fragt gleich, ob sie denn was dazu gelernt hat. Zu Recht, wie sich heraus stellt, denn sie muss ewig von Hampy eingewiesen werden und stellt sich nicht gerade besonders gut an. Eher peinlich, aber gut, wers braucht…
Obwohl es wirklich schon viele Stücke waren, wollen wir natürlich alle eine Zugabe. Die Schröders haben ja nun in den zwanzig Jahren ihres Bestehens so viele geile Songs an den Start gebracht, da geht dann doch noch was.
Im ersten Zugaben-Block erwartet uns „Lieber Gott“, „Tod in der Nordsee“ und „Liebeslied“ und es geht gleich über in den zweiten Zugabeteil, der mit „Schröder“ beginnt. Dazu kommt auch Adri von Nullbock noch mal auf die Bühne und singt mit.
„Saufen“ darf am heutigen Abend natürlich auch nicht fehlen – und dann kommt definitiv mein Highlight des Konzerts…die Schröders spielen ihre allererste Single „Candy“, die zur legendären Bravo-Fotolovestory vor Urzeiten entstand. Micha und ich hatten den Song noch nie gehört und ich bin so gespannt und freue mich unbändig, dass diese Wissenslücke jetzt auch geschlossen ist.
Mit „Nie wieder Rock’n’Roll“ soll dann eigentlich alles ein Ende finden, aber die Lübecker fordern weiterhin Zugaben, so dass Burger mit „Blues“ noch mal einen nachlegt…dann aber gehen die Lichter aus – und für Micha und mich endet unser letztes Schröders-Konzert. Wir sind ein wenig belämmert, traurig und finden es so schade. Warum soll man so was gutes nicht auch weiterhin genießen können? Liebe Schröders, es ist keine Schande, mal jetzt ein bisschen Pause zu machen und dann eine tolle Comeback-Tour zu starten. Das machen ganz andere auch :)

Nach dem Gig bin ich erstmal raus ans Auto…drinnen war es höllenheiß, da tut ein bisschen Abkühlung gut. Aber danach sind wir auch gleich wieder ins Rider und haben uns noch eine ganze Weile die Zeit vertrieben, bis es dann an den doch sehr traurigen Abschied geht. Doch da die Heimfahrt ja auch noch eine Weile dauern wird und Micha und mir die Müdigkeit in den Knochen steckt, müssen wir einfach los. Die Rückfahrt verläuft zum Glück recht reibungslos, so dass wir gegen vier Uhr bei mir eintreffen und eigentlich auch sofort ins Bett kriechen. Das war eine tolle Abschieds-Show…und in jedem Abschied liegt ja auch ein neuer Anfang ;)

- BiBi -

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den Schröders im Riders