Boppin' B in Lüneburg (Garage)

Samstag, 19. Dezember 2009 - BiBi

Eigentlich ist es Wahnsinn, was ich da heute wieder vor habe. Draußen herrschen arktische Temperaturen – jenseits der Minus 10 Grad, was in der norddeutschen Tiefebene nicht eben üblich ist. Es fällt auch immer wieder etwas Schnee, die Straßen sind rutschig, mein Auto nicht wirklich auf den Winter vorbereitet…und trotzdem will ich mir nicht schon wieder den Spaß an einem Boppin’ B-Konzert nehmen lassen. Zweimal musste ich dieses Jahr schon krankheitsbedingt verzichten, nun ergreife ich die letzte Gelegenheit in 2009, die Jungs live zu erleben…da ist das Wetter wurscht, ich kompensiere fehlende Winterbereifung mit 25jährige Fahrerfahrung (und früher hatte niemand Winterreifen und ich fuhr ein Auto mit Heckantrieb – das war schlimm!) und versuche, pünktlich gegen 17 Uhr mit der aus Oldenburg angereisten Jenny zu starten. Naja…nur möchte mein Auto nicht anspringen, die Batterie hat diese eiskalten Minusgrade nicht gut verkraftet. Aber zack zack…Jenny fährt ihr Auto vor meins, ich überbrücke rasch und auf Schlag springt der gute alte Audi an. Nun kann es losgehen. Blöd nur, dass auch das Wischwasser eingefroren ist. Klar hab ich da Frostschutz drin, aber doch nicht für minus 20 Grad…so schleiche ich recht blind über die Autobahn – schnell geht’s ja doch nicht voran – wir halten auch mal zwischendurch, um die Scheiben sauber zu bekommen, aber danach ist es eigentlich noch viel schlimmer. In Lüneburg fahre ich eigentlich nur nach Gefühl und Ansage des Navis – ich will zum Bahnhof, um Anja abzuholen, die aus Hamburg angereist ist. Fünf Minuten kommen wir zu spät, landen fast noch im Blindflug auf Bahngleisen, aber dann können wir Anja einsammeln und die letzten 2,5 km zur „Garage“ sind ein Klacks. Dort stehen eine Handvoll Leute frierend vor dem noch verschlossenen Eingang und gehen auch schnell wieder. Ich parke auch in absoluter Sichtweise zur Tür, wir bleiben aber noch im Auto. Bevor da nicht geöffnet wird, steigen wir nicht aus. Aber lang ist die Wartezeit nicht und wir können in den Club…das erste Mal bin ich hier – eine große Halle mit hübschen Tresen und einer hohen Bühne, vor der eine Absperrung steht. Ich muss lachen, erinnert mich ein wenig an die Absperrungen der Baseballs-Konzerte. Bei Boppin’ B kennen wir das eigentlich nicht, aber die Absperrung dient auch eher dazu, irgendwelche Aufbauten vor der Bühne abzuschirmen.
Neben der Bühne befinden sich auch Podeste, da hocke ich mich drauf und friere still vor mich hin, denn es ist im Club SAUKALT. Ich habe eh zwei Jacken an, es ist auch gar nicht daran zu denken, davon nur eine auszuziehen. Was ist hier denn los? Keine Heizung da? Irgendwie wird nur kalte Luft reingepustet – und Disconebel. Okay, ist es halt nicht nur kalt, sondern stinkt auch noch...
Ich habe heute so gar keine Lust auf Vorband, hoffe aber, die ist dann bald dran, damit der Hauptact auf die Bühne kann…aber nix da, irgendwann erfahren wir, dass die Vorband HEPCAZZ erst um kurz vor 21 Uhr anfangen soll. Boh…das sind dann mal zwei kalte Stunden Wartezeit. Inzwischen bin ich genervt und ärgere mich, dass ich nicht in meinem warmen Wohnzimmer sitze. Da ist so kuschelig und hier muss ich so frieren.

Aber auch die längste Wartezeit geht vorbei und die drei Musiker der Lüneburger Band gehen auf die Bühne…ordentlich, was sie abliefern – und irgendwie auch eine ganze Stunde lang. Ich bleibe aber hocken, mir ist immer noch kalt – Eisbeine sind Programm.

Doch dann verlässt die Vorband die Bühne und der relativ zügige Umbau für Boppin’ B ist im vollen Gange – und dann starten die Aschaffenburger auch endlich. Ich stehe inzwischen mit Jenny direkt vor der Bühne…hinter uns ist es auch passabel voll und ich hoffe auf gute Stimmung an diesem Abend. „Rock’n’Roll“ ist schon mal ein toller Opener, gefolgt von „The only way“ und „Honey Hush“. „Rooftop“ habe ich schon lange nicht mehr gehört…aber nun kommt die Probe aufs Exempel. „Scheisskapelle“ – nur leider stellt sich Lüneburg als relativ leise heraus. Die Boppin-Bande zieht sein Programm weiter durch, mir fehlen ein bisschen die spaßigen Ansagen, die sich sonst oft entwickeln.
Meine Highlights im Hauptset sind „Hot Rod Girl“, „Just rockin’“,”Runaround Sue”, „Hold on“ und „Up jump“.
Bei meinem geliebten “If you believe” ist mir der Micha am Ende etwas zu harmlos…ich vermisse diesen irren Showdown, mit dem er am Ende oft ans Werk geht. Aber gut, ich kann es ihm nicht verdenken…die Temperaturen sind immer noch kühl bis kalt. Ich habe mir inzwischen zwar den Schal abgebunden und eine Jacke ausgezogen, aber die zweite muss anbleiben…Ich glaube, dies ist mein erstes Clubkonzert, wo kein Tropfen Schweiß fließt – trotz Tanzerei und lauthals Mitsingen.
Nach „Mädcheninternat“, „Mercury“ und „The Bop won’t stop“ endet das Hauptset…und die Lüneburger applaudieren zwar brav, aber nicht eben euphorisch. Jenny, Anja und ich fangen an, lauthals nach einer Zugabe zu rufen. So geht’s ja nicht…hier einfach von der Bühne und Schluß…nee, nee. Hilft auch, die Lüneburger werden auch munter und unterstützen uns. Und die Band kehrt zum Glück auf die Bühne zurück.

Micha hatte vorab schon festgestellt, dass die Garage eher ein Parkhaus ist, was die Größe angeht…stimmt…daher ist es wohl auch immer noch saukalt. Gibt’s doch gar nicht…

Hach, zu meiner großen Freude wird bei der Zugabe auch „Fools fall in love“ gespielt, das hab ich echt vermisst. Plötzlich dann entert auch der Drummer der Vorband die Bühne und trommelt mal mit Thomas mit – das schaut gut aus:) – und ein weiteres Herr betritt die Bühne und spontan wird das ganze eine Session, denn er schnappt sich das Micro und performed einen Chuck Berry-Song. Weitere Zugabesongs sind dann das vorher noch nie gehörte „Hipp Hopp Jump’n’Jive“ sowie „Drive my car“.
Als grandioser Abschluss bekommt Jenny einen Wunsch erfüllt: One day“ von der CD „100 %“ – sehr cool, ich glaube, das habe ich auch zum ersten Mal live erlebt.

Dann aber ist das Konzert wirklich aus – und ich muss mir sofort wieder Jacke und Schal anziehen, um nicht komplett auszukühlen. Brrr…wir arktisch. Wir trollen uns auch bald zum Stand, um noch ein bisschen mit der Band zu quatschen. Die DJ-Musik stellt sich als countrylastig heraus und man kann es gut anhören (im Gegensatz zum Beginn der Veranstaltung, wo wir zwei Stunden lang ausschließlich Boss Hoss auf die Ohren bekommen haben – auch wenn ich die Band mag, finde ich das doch sehr einseitig).
Aber die Unruhe lässt mich nicht los: Springt mein Auto gleich an? Draußen ist es schließlich immer noch super kalt…und ich habe Anja versprochen, sie nach Hamburg zu bringen, weil um diese Zeit natürlich keine Züge mehr fahren. Also verabschieden wir uns schweren Herzens von unseren lieben Rock’n’Rollern – nicht, ohne dass ich verspreche, sofort Bescheid zu sagen, wenn’s Auto nicht anspringt, sie würden dann alle anschieben helfen. Ich flehe im Stillen darum, dass der Wagen anspringt, denn das mag ich nun auch niemanden antun…und ja, mein Audi meint es gut mit der Boppin-Bande und der Motor ist auf Schlag da – ein Glück;)

So schnuddeln wir ohne Verzögerungen nach Hamburg – ach nein, am Ortsausgang Lüneburg kehren wir noch bei Mc Donalds ein – ich hasse ja normalerweise diese Fastfoodkette, aber ich habe auch keine Energie mehr, nun noch den Burger King zu suchen. Also bestelle ich doch mal das, was ich früher bei Mäckes mochte – einen Big Mac – und lache mich halb schlapp, denn was aus dem Teil geworden ist, mag ich kaum glauben. Der ist fast um die Hälfte geschrumpft und verdient den Namen BIG nun wirklich nicht mehr. Lachhaft…aber gut, Hunger treibts rein, mein Frühstück ist immerhin 14 Stunden her. Danach dann geht’s ohne Umwege nach Hamburg, direkt vor Anjas Haustür…und da beginnen dann ganz ominöse Zahnschmerzen, die sich irgendwie nur mit kalter Flüssigkeit stoppen lassen. So saufe ich auf der Rückfahrt ins heimatliche Fischerhude fast eine ganze Flasche Cola Light leer, denn nach jedem Schluck hören die Schmerzen auf, um danach dann wieder zu beginnen. Seltsames Ding.
Egal, ich bin froh, als ich kurz nach vier Uhr zu Hause eintreffe und mir tut Jenny leid, die nun noch die 100 km nach Oldenburg weiter muss – denn inzwischen hat es erneut angefangen zu schneien…das war ein sehr anstrengender und kalter Abend, aber auch ein sehr schöner…klasse, dass wir beim letzten Boppins-Konzert im Norden 2009 dabei sein konnten.

- BiBi -

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