Boppin' B in Hameln (Sumpfblume)

Freitag, 5. März 2010 - BiBi

Da ich überzeugt bin, dass der Winter nun endlich auf dem Rückzug ist, traue ich mich auch wieder auf die Straßen, um zu tollen Konzerten zu fahren.
Eigentlich wäre ich am heutigen Freitag in Leipzig, um den Tourstart von The Baseballs zu erleben, aber da die Band zur Zeit von ihrem Erfolg ein wenig überrollt wird (im Ausland sowieso und am Vorabend dann auch den Gewinn des ECHOS als Beste Newcomer National), wurde die Tour um zweieinhalb Monate verschoben, damit genug Zeit zum Vorbereiten eines neuen Programms bleibt.

Natürlich eigentlich schade, aber gleichzeitig macht es auch neue Möglichkeiten frei – nämlich ins schöne Hameln zu fahren, um meine liebste Scheißkapelle endlich wieder zu sehen. Es ist schon März und es gab noch keine Gelegenheit für mich – das Konzert in Emden ein paar Wochen vorher musste ich trotz gekaufter Tickets für Mutter, Schwester und mich doch wegen des extremen Glatteises ausfallen lassen.
Aber diesmal will ich mich durch nichts abschrecken lassen. Der Schnee ist endlich weggetaut – und nur weil die im Radio sagen, es gibt in dieser Nacht neue schwere Schneefälle, lasse ich mein Vorhaben nicht wieder sausen.
Ich sammle meine Mutter, die die Boppin-Bande auch unbedingt wieder sehen möchte, ein und auch Jenny aus Oldenburg und so fahren wir recht stressfrei ins schöne Weserbergland. Tja, kurz bevor wir an unserer Autobahnabfahrt auf der A2 sind, geht es dann los…Schneefall *urgs* - auf den 20 km Landstraße ins Rattenfängerstädtchen sind die Straßen schon unangenehm voll geschneit. Egal, weiter…Navi Gisela führt mich super bis vor die Location, die den zauberhaften und originellen Namen „Sumpfblume“ trägt – und direkt vor der Eingangstür können wir parken.
Da wir eine dreiviertel Stunde vor Einlass angekommen sind, verziehen wir uns noch in das angeschlossene Bistro und trinken was Nettes. Am Tisch nebenan findet sich gerade die Band ein, um zu speisen – auf unserem Tisch liegen viele kleine Tütchen Gummibärchen und meine Mutter entpuppt sich als absoluter Fan und schnuckelt eine Tüte nach der anderen weg – Begründung: Es ist Abendbrotzeit, ich hab doch Hunger. Darauf hingewiesen, dass man hier auch lecker zu zivilen Preisen was essen kann, entlockt ihr nur den Spruch: Nö, dafür bin ich zu geizig. Jenny und ich amüsieren uns prächtig und stellen uns vor, wie beim nächsten Besuch in der Sumpfblume ein Bild meiner Mutter im Eingang hängt mit der Warnung, es würde sich um eine skrupellose Gummibärchen-Vernichterin handeln.

Gegen 19.30 Uhr begeben wir uns nach draußen, die Damen wollen noch eine rauchen, da trifft mich fast der Schlag, denn alles ist schon weiß verschneit. Boh…das wird ja eine schlimme Heimfahrt. Aber ich will mir die Laune nicht vermiesen lassen und wir gehen erst mal in den Club. Noch ist es sehr leer, die haben auch irgendwie umgeräumt seit meinem letzten Besuch. Da gab es Sitzplätze im hinteren Bereich des Raums…jetzt sind große Sitzstufen im Halbkreis vor der Bühne aufgestellt, sehr genial. Wir beziehen so gleich einen dieser Teile, da meine Mutter ja nicht so gut stehen kann mit ihrem Kunstknie und auch ich finde das ultra bequem.
Bei der Vorband, die um 20.30 Uhr auf die Bühne kommt, bleibe ich auch noch sitzen. The 4 Rivets heißen die Herrschaften, spielen eine flotten Rock’n’Roll mit vielen Coversongs und gefallen mir nicht schlecht. Die Sängerin ist vielleicht nicht die beste, hat aber durchaus eine in meinen Ohren angenehme Stimme. Klingt ein bisschen wie Wanda Jackson. Und auch von genau der ist ein Song dabei – ebenso vertreten sind Johnny Cash oder Iggy Pop.

Einziger Nachteil – ich hatte direkt vor dem Konzert mit Jenny drüber gesprochen. Vorbands sind ja ganz hübsch, aber die sind wie Besuch und fangen nach einer gewissen Zeit an zu stinken. Und eine Vorband, die eine volle Stunde spielt, ist mir für gewöhnlich einfach zu viel. Noch ein Song und noch ein Song…Mama Mia, man ist schließlich in erster Linie wegen Boppin’ B da. Kann auch sein, dass mir das Schneegestöber draußen mehr Sorgen macht, als gut ist. Auf jeden Fall bin ich froh, als die Band endlich von der Bühne geht.
Zum Glück lässt sich Boppin’ B nun nicht mehr viel Zeit und nach einer kurzen Umbaupause geht es auch endlich los mit den Aschaffenburgern. Natürlich stehen Jenny und ich nun vor der Bühne, um die Songs genießen zu können. Heute startet das Programm mit „Army of Rock’n’Roll“, „The only way“ und „Honey Hush“. Dann schon mein erstes Highlight…”Take me away”, daran kann ich mich gar nicht satt hören.
Das Rufen des Band-Slogans „Scheisskapelle“ zum folgenden Lied klappt nach meiner Meinung nicht so dolle. Nicht sehr laut und mal gar nicht synchron. Aber gut, der Raum ist auch nur locker gefüllt, sicher haben sich doch einige vom einsetzenden Schnee abhalten lassen, hier vor Ort zu sein.
„Up jump the devil“ gehört zu den neueren Songs und ich finde es auch richtig spitze, freue mich aber dann wie Bolle, als es endlich mal wieder „Those were the days“ gibt – mit den dazugehörenden ewigen Ansagen und Neckereien. Ich lache mich kringelig beim Schlagabtausch zwischen Franky und Micha. Franky wird als Metallschnecke bezeichnet, der kontert und tituliert Micha als Fettschnecke – außerdem wird über den Mittelaltermarkt gesprochen, der gerade in Hameln stattfindet – und über mittelalterlichen Sex, den Franky praktizieren würde. Zum Glück wird das nicht näher erläutert. :)

Nachdem Songs wie „King of Bongo“, „Mercury“, „Hot Rod Girl“ und „Chemical Reaction“ auf dem Programmplan standen, kommt ein Song, den ich irgendwie gar nicht kenne…denke ich…aber der Text…verflixt, der kommt mir so bekannt vor. Beim zweiten Refrain raffe ich dann endlich, dass es sich um „Here she comes again“ handelt. Hey, den Song hab ich noch nie live gehört und ich lache mich über mich selbst kaputt, dass ich das erst so spät erkannt habe…wie doof kann man sein?

Im Hauptprogramm gibt es noch „Just rockin’ and rollin’“, „Rooftop“, „Jump jive and wail“, „Hand in Hand“ und „Mädcheninternat“ zu hören, bis es dann mit „Bop won’t stop“ zum krönenden Abschluss kommt.
Aber das Publikum will natürlich nicht jetzt schon nach Hause gehen und so brüllen wir nach Zugaben…die werden auch umgehend gewährt. „Winds of change“ ist dabei, wird aber nicht besonders gut mitgesungen. Über „Radio“ freue ich mich riesig und bei „Blitzkrieg Bop“ geht’s sowieso immer richtig ab.

Und noch eine Premiere gibt es für mich…“Studebaker“ vom THE LOOK-Album, damals noch mit Sänger Markus. Von Micha gesungen hab ich es noch nicht gehört. Toll :)

Aber dann ist auch das längste Konzert einmal vorbei. Wir quatschen noch kurz mit Golo, aber treten dann auch recht zügig die Heimreise an…denn als wir aus dem Club gucken, sehen wir, was für Schneeberge inzwischen vom Himmel gekommen sind. Also Auto frei schaufeln – okay, ein Handfeger tut es auch noch und langsam Richtung Heimat zockeln. Puh…die Heimfahrt ist nicht angenehm, erst nach halb drei bin ich zu Hause und total verkrampft. Aber wir haben Glück gehabt, denn nach uns scheint es etliche Unfälle gegeben zu haben, wie der Verkehrsfunk meldet. Auf der A2 herrscht scheinbar das blanke Chaos und auch die A7 ist stark betroffen. So gesehen können wir froh sein und schauen auf einen sehr gelungenen musikalischen Abend zurück.

- BiBi -

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