Monsters of Liedermaching in Hannover (Faust)

Samstag, 24. April 2010 - BiBi

Die Monsters sind auf ihrer 16. Tour...ein ehrfürchtiges Erschauern ergreift mich. Wie…sechzehnte Tour? Wahnsinn. Und wie großartig das ganze immer weiter gewachsen ist. Viele ausverkaufte Konzerte in der ganzen Republik zeugen von dem anhaltenden Erfolg dieser Liedermacher-Band. Sicher können die sechs auch schon größere Hallen füllen, aber mir sind weiterhin die etwas kleineren Clubs lieber. Deshalb fahre ich heute mit Freude nach Hannover ins Faust. Eigentlich eine schöne Location, nur die Lage ist der Horror für mich. Obwohl ich schon mehrfach dort war, gehört Verfahren in dem Wohngebiet mit den zugeparkten Straßen und verzweifelte Parkplatzsuche immer dazu. Ich hoffe, heute nicht, denn ich habe ja Gisela, mein Navi am Start und hoffe, dass sie da intelligenter ist als ich.

Da der Einlass bereits um 18.30 Uhr beginnen sollte, starte ich mal um kurz nach 16 Uhr und fahre bei schönstem Sonnenschein und mit Winterreifen gen Hannover – hey, am Tag zuvor hab ich morgens noch die Autoscheiben komplett freigekratzt…Sachen gibt’s…

Gisela ist wunderbar – ich muss mich nicht verfahren, zack, da ist das Faust-Gelände. Parkplätze? Fehlanzeige…*grummpf* - aber nein, hallo, da…der ist wie für mich gemacht. Große Parklücke dichte bei. Da klappt auch das Rückwärts-Einparken mit dickem Audi :)
Ich bin happy und schlendere zum Eingang. Dort ist noch niemand, ich vermag auch auf den Bierbänken nebenan keine bekannten Gesichter ausmachen. Also noch etwas in die warme Sonne hocken, Himmel, haben wir lange drauf warten müssen nach diesem unendlichen Winter.

Um 18 Uhr stell ich mich mal vor die Tür, die ersten zwei haben sich auch schon dort eingefunden – und dann kommen auch schon die Braunschweiger Wiebke und Jörg um die Ecke…immer schön, die beiden wieder zu sehen. Kurz drauf ist die Schlange hinter uns schon gut gewachsen, auch Uta und Markus aus Oldenburg treffen ein, haben vorher noch schön im Café gesessen. Denn wären wir ja zusammen…Einlass beginnt einigermaßen pünktlich und wir okkupieren die erste Reihe. Ganz eng stehen die Bänke vor der Bühne. Gute Sache eigentlich, so kann wenigstens niemand während des Konzerts vor einem auftauchen und sich mal da hinstellen. Stressfreier ist das so.
Kaum sitzen wir, muss ich aber mal schnell die Örtlichkeiten besuchen. Pipi, Hunger, Kalt…so sind wir Frauen halt. Auf dem Rückweg bleibe ich dann am Bühnenende an einem scharfkantigen Metallteil hängen…rischratsch…Riesenriss im Shirt. Kacke ist das, ich renn jetzt rum wie ein Penner mit zerfetzten Klamotten und außerdem mochte ich das Shirt. Naja, ärgern bringt nix…lieber vorfreuen auf die Monsters.
Die Halle füllt sich superschnell und war ja auch bereits im Vorfeld ausverkauft. Hannover halt. Ist hier absolut üblich. Wir spekulieren mal, wer denn Vorband ist, wenn es eine gibt…sieht aber irgendwie nicht so aus, denn im Anschluss am Konzert soll auch noch Disco stattfinden. Wahrscheinlich startet das Konzert deshalb schon so früh…wobei mir die Wartezeit dann doch sehr lang wird. Denn wie angekündigt geht es nicht um halb acht los, sondern fast eine halbe Stunde später…sei es drum, wenn’s losgeht, ist die längste Wartezeit vergessen. Und schön, dass es direkt ohne Vorband losgeht.

In Hannover läuft es – wie erwartet – großartig. Irgendwie ist es von der Stimmung her dort immer am besten. Ein großartiges Publikum, es wird vom ersten Ton an gefeiert. Die Setlist ist ähnlich wie auch schon auf der Februar-Tour, ich erspare daher diesmal die komplette Auflistung. Alles Wichtige ist dabei, Klassiker wie Neuerungen. „Schlittschuh-Lied“ als Opener, Gassenhauer wie „Türen“, „Schlecht im Bett“, „Sexkranker Ex-Punker“ gleich hinterher. Kein Wunder, dass der Club jetzt schon kocht und die Temperaturen absolut schweißtreibend sind.
Große Überraschung ist für mich im ersten Set der Song vom Looser Wilhelm – exellent dargeboten von Burger – „Armer Willy“ – saugeil :D

Eine ruhige Zeit wird erforderlich, um Tottes „Pianist“ zu lauschen – das klappt so leidlich, der eine oder andere Zwischenruf bleibt nicht aus. Mit Rüdis „Frühling“ wird dieser herzlich begrüßt und das Lied gleichzeitig bis nächstes Jahr eingemottet. „Vier Meter“ beschließt das erste Set und die Monsters entlassen uns in die Pause. Diese nutzen meine Banknachbarn dann ausgiebig für Rauchen, Klo, Merch-Stand besuchen und ich bin damit betraut, auf die Plätze aufzupassen. Davon bin ich dann irgendwann sehr genervt, denn immer wieder kommen neuen Leute, die der Meinung sind, dass natürlich in der ersten Reihe noch reichlich freie Plätze sind, die Leute schon nach Hause gegangen sind oder sonst was. Man kann Gutmütigkeit auch ausnutzen und bleibt mal komplett 30 Minuten beim Rauchen…ist ja jemand da, der aufpasst. Naja…ist gut gegangen, ich habs scheinbar jedem erklären können, dass die Leute, die hier vorher gesessen hatten, gleich auch wieder hier sitzen möchten.

Dann kehren die Monsters aber auch endlich auf die Bühne zurück und starten die 2. Halbzeit mit „Marzipan“. Ich freue mich, dass in diesem Durchgang auch die nicht gehaltene Hochzeitsrede von Labörnski dabei ist – oder Tottes –Nicht-Fußballlied. Das wird allerdings ein wenig verhagelt durch einen absolut volltrunkenen Zuschauer, der wie ein Irrer vor uns durch die Reihe geht – na ja, gehen ist bei ihm nicht mehr möglich. Er stolpert und fällt ca. fünfmal der Länge nach auf den Fußboden und dreimal mindestens auf die auf den Bänken Sitzenden. Was soll das? Wobei man es dem Typen nicht mal ankreiden kann, der merkt wirklich gar nichts mehr, reagiert auch auf nichts. Endlich ist er durch die Reihe durch auf der anderen Seite – aber auch nur, um sich dann gleich wieder auf den Rückweg zu machen. Dasselbe traurige Spiel noch mal. Ich jaule mehrfach auf vor Schmerzen, denn er tritt heftig zu und trifft dabei mein entzündetes Nagelbett…eieiei…
Aber auch auf der Bühne wird das ganze registriert und Pensen sagt mal eben einer Ordnungskraft Bescheid, der den Suffski dann wohl unter Kontrolle hat, denn einen weiteren Vorstoß wagt der nicht. Danke Pensen, du bist mein Held :) - Nun können wir uns wieder voll auf die Musik konzentrieren.
Das Publikum wird auch immer lauter, wie von den Monsters gefordert. Die Mitsing-Chöre sind in einer atemberaubenden Lautstärke, einfach Hammer. Kommt natürlich gut bei Songs wie „Blasenschwäche“ oder „Fröschen weinen nie“. Labörnski macht aus „Moti“ ein irres Wildwest-Special, Indianergeheul ertönt hinter uns und alle haben Pipi in den Augen vor Lachen. Aber auch der ruhige Balladenteil klappt ganz wunderbar, das hatte ich gar nicht erwartet. Es kehrte wirklich so was wie Ruhe ein und man konnte die Songs genießen, diesmal war Fred auch mit seinem „Musikküssen“ am Start. Toll, das auch mal live zu hören, der Text ist einfach genial.

Viel zu schnell ist es schon Zeit für den letzten Song „Reine Poesie“ – und obwohl das Publikum tobt und die Monsters-Oh-oh-oh-oh-Rufe immens laut sind, dauert es eine Weile, bis die Männer zurück auf die Bühne kommen. Was aber auch gleich erklärt wird, sie mussten sich schnell noch eine Zigarette teilen. Sei ihnen gegönnt.

Der Zugabenteil ist zum Glück auch gut gefüllt mit belieben Sachen wie „Interesse ist gut“, „SuSuSu“ oder „Schönheits-Chirurgie“. Fred weist darauf hin, dass die Tradition, bei diesem Song beim Refrain aufzustehen, in Hannover entstanden ist. Leider hat Uta neben mir mit Kreislaufschwierigkeiten zu kämpfen und muss schlagartig den Club verlassen, ich sorge mich doch und bin froh, als ein paar Songs später ihre Sitznachbarin, die sie begleitet hatte, wieder kommt und berichtet, Uta geht’s schon besser, sie hat Kreislauftropfen genommen und guckt jetzt von hinten zu. Leider verpasst sie dadurch natürlich auch den heißen Sitzpogo-Teil bei „Sabine hat auf Sand gebaut denn Horst hat keinen Hunger“…
Bei der grandiosen Stimmung wird uns auch der letzte Song ohne Verstärker nicht vorenthalten und nach einem großen Schlussapplaus verlassen sechs glückliche Liedermacher die Bühne. Ich suche auch relativ schnell das Weite, denn frische Luft ist es, was ich begehre. Wie schön, dass ich auch gleich Uta wieder finde, der es schon deutlich besser geht. Ist Mist, aber mir auch schon passiert…die Luft war zum Schneiden, da können einem schon mal die Sinne schwinden.

Draußen tummelt sich auch noch der eine oder andere Musiker, man kann noch ein wenig quatschen – aber dann mache ich mich auch auf die Rückreise und bin nach gerade mal einer Stunde daheim…1 Uhr, das ist eine zivile Zeit – aber was noch besser ist: In nur einer Woche gibt es ein Wiedersehen beim traditionellen Kater-Konzert im Hamburger Logo…ick freu mir :D

- BiBi -

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