The Baseballs in Hamburg (Café Keese)

Dienstag, 4. Mai 2010 - BiBi

Mal überlegen – hab ich schon mal so lange auf das Wiedersehen mit einer meiner favorisierten Bands warten müssen wie diesmal bei The Baseballs? Nö…eigentlich nicht. Im Dezember war ich das letzte Mal bei den Voc’n’Rollern – dann sollte es auf der neuen Tour im März ein mehrfaches Wiedersehen geben. Aber wegen dem anhaltenden und auch überwältigenden Erfolg der Band im europäischen Ausland, dem Gewinn des ECHOS als Beste Newcomer National und vielen, vielen Verpflichtungen und Terminen blieb keine Zeit, ein neues Tourprogramm zu erarbeiten. Also wurden die Konzert in dem Mai / Juni verschoben *schluck* - kann man nichts machen.

Doch dann kündigte sich ein ganz besonderes Konzert an – genannt die Secret Show. Tickets waren nicht im Verkauf, sondern konnten ertanzt werden. Nur einen kleinen Videoclip drehen, wie man zu den Klängen von „Umbrella“ tanzt, im Internet hochladen und hoffen, dass man ausgewählt wird. Tja, was soll ich sagen…so sehr ich mir ein Wiedersehen gewünscht hatte, aber das bring ich wirklich nicht. Ich habe wenig Lust, dass irgendwann ein Videoclip von mir / über mich in Deutschlands peinlichsten Homevideos gezeigt wird. Nein, geht gar nicht…also war mir bewusst, ich kann leider nicht zu diesem Konzert. Zuerst tröstete ich mich damit, dass es ja sicher auch weit weg von mir stattfinden würde…Berlin, Köln, München gar. Also nicht so schlimm, da könnte ich eh nicht mal so eben hin fahren. Aber dann wurde bekannt: Das ganze findet in Hamburg statt. Mein Aufjaulen kann man sich vielleicht vorstellen. Hamburg, nicht so weit von mir entfernt. Ich dachte immer nur: Der 4. Mai wird ein sehr, sehr trauriger Tag für mich.

Aber manchmal passieren einfach schöne Dinge – und liebe Menschen verhelfen einem zu glücklichen Momenten. In diesem Fall die Damen des Fanclubs, die mir und meiner Freundin Uta ermöglichten, doch bei diesem Konzert dabei zu sein. Kurz vor Ostern erreichte mich diese tolle Nachricht und trieb mir die Freudentränen in die Augen. Oh ja, wie schön. Als Location wurde Susis Showbar in der Großen Freiheit auf dem Kiez genannt. Och, ein Table-Dance-Schuppen? Eine spannende Angelegenheit.
Ungeduldig wartete ich, dass der April vergeht. Ende des Monats haute mich dann eine heftige Bronchitis aus den Schuhen. Oh nein, nicht schwächeln, nicht krank sein. Aber Antibiotika und gute Pflege taten ihre Wirkung und so war ich rechtzeitig wieder gesund – um die Fahrt nach Hamburg anzutreten. Ich hatte Urlaub genommen, um stressfrei anreisen zu können. An Bord hatte ich noch Michelle aus Bremen, die ich hier in der Nähe vom Bahnhof abholte…die Fahrt verlief auch vollkommen ereignislos und bis kurz vorm Ziel auch staufrei. Eine Baustelle in Hamburg bremste uns zwar ein wenig aus, aber wir lagen immer noch top in der Zeit. Ich steuerte auf dem Kiez dann auch zielstrebig die Parkgarage unter dem Spielbudenplatz an, denn die lag genau vor der Location…denn zwischenzeitlich war bekannt geworden, dass das Konzert ins Café Keese direkt auf der Reeperbahn verlegt worden war.
Kurioserweise war auch Uta gerade angekommen. Wir haben da ein echtes Talent – wir wohnen richtig weit auseinander – Niedersachsen / Sachsen-Anhalt – und trotzdem schaffen wir es immer wieder, fast auf die Minute genau gleichzeitig an dem verabredeten Ort einzutreffen. Große Wiedersehensfreude, seit Februar warteten wir auf ein Aufeinandertreffen. Nachdem ich dann Lisa, Thessie und Nicole, die bereits vor Ort waren, informieren konnte, dass ich nun angekommen bin, eilten sie zu mir, um ihr Gepäck in meinem Auto zwischen zu lagern.

Vorm Café Keese war noch nicht viel los, es war ja auch noch nicht mal 17 Uhr. Einlass sollte 19 Uhr sein, also setzten Uta und ich uns noch ein wenig in Sichtweite zum Eingang des Cafes und quatschten ausführlich. Als wir registrierten, dass es doch nach und nach voller wurde, stellten auch wir uns an…Hinter uns bildete sich eine schöne Schlange den Bürgersteig runter – aber das gefiel einem vom Ordnungspersonal des Cafes so gar nicht. Er guckte aus der Tür und rief, die Leute sollten doch bitte näher heran rücken, damit die „normalen Leute“ ungehindert auf dem Bürgersteig gehen könnten. Ja, genau…die Fans und die normalen Leute – zwei Welten prallen aufeinander :D

Aber dann hieß es: Einlass – hurra. Ich durfte mit dem ersten Schwung hinein – um dann nach kurzer Zeit wieder hinaus gebeten zu werden. Denn ausgerechnet die Gästeliste, auf denen unsere Namen standen, war nicht da. Wir mussten komplett aus der Schlange gehen, uns abseits hinstellen, während der Einlass der anderen Leute fröhlich weiter ging. Meine Laune sank schlagartig in die tiefsten Tiefen – völlig bedröppelt standen wir da. Aha, dafür nimmt man dann Urlaub, um rechtzeitig da zu sein…damit nun alle später Angekommenen lustig hinein spazieren durften. Aber zum Glück hatte eine beherzte Mitarbeiterin sich um die Angelegenheit gekümmert und kam mit weißen Bändchen, die uns ums Handgelenk gelegt wurden, zurück. Endlich durften auch wir hinein.
Tja…wir hatten dann die Wahl…irgendwie zweite oder dritte Reihe Mitte vor der niedrigen Bühne stehen – oder eben weit außen in der ersten Reihe. Wir entschieden uns für den Außenplatz…somit stand ich quasi das erste Mal in meinem Leben hinter dem Piano, das aufgrund der kleinen Bühne diesmal rechts platziert war. Glücklich war ich über den Platz nicht gerade, aber es hätte ja auch noch schlimmer kommen können. Uta tigerte dann los, um uns etwas zu trinken zu kaufen…um dann zu erfahren, dass man hier nichts kaufen kann, sondern beim Einlass Getränkemarken verteilt wurden, mit denen man kostenlos Getränke bekommt. Zum Glück traf Uta auf eine weitere freundliche Mitarbeiterin, die ihr sechs Marken gab. Zwei tauschte sie in Flüssiges um, die anderen brachte sie her und gab mir meinen Anteil. Oh, wie schön…die Marken waren quasi Gitarren-Pleks mit The Baseballs-Aufdruck. Damit war schon für mich klar, dass ich die nicht mehr aus der Hand geben würde.
Ein bisschen neidisch beäugte ich auch die schönen Eintrittsausweise, die alle außer uns weiße Bändchen-Träger um den Hals hatten. Da hatte man sich sehr viel Mühe gegeben – was mir dann auch beim Trinken auffiel, denn jeder Becher war ebenfalls mit The Baseballs-Schriftzug bedruckt…das dazu noch Susis Showbar auf den Bechern stand, war mir wurscht…Die Verlegung war ja auch erst kurzfristig bekannt geworden. Durchs Publikum liefen Ladys mit einem Bauchladen und boten etwas zu futtern an. Ich winkte aber dankend ab, als ich erfuhr, dass es sich unter anderem um gebackene Zwiebelringe handelte – huh…ich und Zwiebeln, das geht gar nicht.
Irgendwie wollte nun aber die Zeit nicht mehr vergehen. Michelle fragte alle fünf Minuten nach der Uhrzeit und jedes Mal waren wir erschüttert, dass wirklich erst fünf Minuten vergangen waren. Die Spannung war einfach zu groß, was uns erwarten würde. Ich ging davon aus, dass es sich um ein Konzert von höchstens einer Stunde handeln wird…man guckte mich ungläubig an, nein, sicher nicht…wird sicher volles Programm…hm, lassen wir uns überraschen. Ich bin lieber positiv überrascht, wenn es länger dauert als enttäuscht, weil ich mit einem vollen Konzert gerechnet habe.

Dann endlich, es ging schon hart auf 20.30 Uhr zu, kam ein Herr auf die Bühne, der sich wie ein Zirkusdirektor präsentierte und quasi auch so gekleidet war. Weiß geschminktes Gesicht, gestreifte Pluderhose, unangezündete Zigarre in der Hand. Er sprach ausschließlich englisch und begrüßte die Fans und die Mitarbeiter der Plattenfirma Warner, die sich an diesem Abend ja auch ein wenig selber feierten – sollte doch als Höhepunkt noch eine Goldene Platte an die Baseballs verliehen werden…aber soweit war es noch lange nicht. Erst einmal legte der Herr Zirkusdirektor mit einer funny Musiknummer los, um das Publikum aufzuwärmen…eigentlich ja auch eine gute Sache – nur danach passierte dann erstmal eine ganze Weile gar nichts mehr. Gut, es lief die ganze Zeit Rock’n’Roll-Musik von CD, sehr passend und sehr gut. Aber auf der Bühne: Nix…dann endlich tat sich was…der Herr kam zurück auf die Bühne, um eine Dame aus Berlin anzusagen. Ein kleiner Badezuber wurde gebracht und die Lady in weißem Vintage-Kleid und mit blonden, hochgetürmten Haaren begann ihre Show…sie strippte. Aha…naja, zu Susis Showbar hätte das natürlich auch super gepasst. Aber auch hier fand die Hübsche aus Berlin ordentlich Zuspruch, auch wenn das Publikum in den vorderen Reihen überwiegend aus weiblichen Besuchern bestand.
Ich raunte Uta nur leise zu: Ich hoffe, der Schlüpper bleibt an – aber so war es dann auch…ganz blank zog die Lady nicht. Gut, haben wir das gehabt…wieder nix auf der Bühne, wieder Pause. Mit meiner Geduld war es nun nicht mehr sehr weit her, Himmel, ich will doch endlich die Baseballs wieder sehen…ist doch nicht wahr.
Dann erschien der Herr Direktor wieder – um die nächste Stripperin anzusagen. Diesmal war es eine dunkelhaarige, nicht minder hübsche Frau, ebenfalls aus Berlin. Gut, also noch mal viel nackte Haut. Fein…wo bleibt da die Gleichberechtigung? Ein fescher Kerl, der sich nackig macht? He? Besteht die Belegschaft der Warner nur aus Männern, die sich diese Show hier selbst geschenkt haben? Oder haben gar die Voc’n’Roller auf diese Damen bestanden? Man weiß es nicht…Inzwischen war es einiges nach 21 Uhr – aber endlich kam der Backliner, um die Gitarre zu stimmen – gutes Zeichen. Und dann war es auch endlich soweit…The Baseballs wurden unter lautem Applaus angesagt. Zuerst betraten natürlich die Musiker der Baseballs-Band die Bühne und legten gleich mit „Release me“ los. Anhand der Setlist hatte ich schon feststellen können, dass ich mit meiner Vermutung, die Show geht nicht länger als eine Stunde, recht gut lag…lediglich 10 Songs standen drauf. Aber egal, da wird eben jeder noch mehr genossen und so stellte sich auch sofort das gewohnte Strahlen ein, als das Konzert startete. Beim zweiten Song „Angels“ war das Publikum auch schon gut gefordert, denn Mitsingen ist hier Pflicht. Vorn in den ersten Reihen klappte das natürlich auch reibungslos, die Lautstärke der hinteren Ränge ließ aber noch etwas zu wünschen übrig…
Meine Laune war auf jeden Fall wieder exzellent und auch der Platz etwas abseits störte nun gar nicht mehr. Im Gegenteil – es war schon interessant, Pianist Jan auf die flinken Finger schauen zu können.
Waren bisher zwei mir bekannte Titel gesungen worden, folgte nun „Sex on Fire“, im Original von King of Leon – und der Song hat mich nahezu umgehauen. So eine geile Umsetzung in den Rock’n’Roll – unfassbar gut. Basti, Sam und Digger gaben auch – wie gewohnt – richtig Vollgas, was auf der kleinen Bühne sicher nicht so einfach war.
Mit „Love in the Club“ folgte wieder ein bekanntes und lieb gewonnenes Lied, doch die nächste Nummer war dann doch eine Überraschung, und zwar eine gelungene: „Bad Romance“ von Lady Gaga. Da mag ich sogar das Original, auch wenn mir die Dame ansonsten sehr suspekt ist. Aber die Version von Sam, Digger und Basti ist doch noch mal eine Spur besser. Dazu wurden aber auch noch weitere Musiker auf die ohnehin kleine Bühne gebeten – die High Voltage Horns, eine dreiköpfige Bläsertruppe, die den Sound nun noch fetter machten. Eine tolle Begleitung.
Das folgende „Chasing Cars“ hatte ich bereits im Internet gehört und fand es klasse. Als der Song begann, kam ein Security-Mann, der den ganzen Abend etwas abseits stand und stellte sich zwischen Uta und mich…reine Vorsichtsmaßnahme, er hatte mir vorher schon gesagt, dass bei einem Song Feuer aus dem Klavier kommt und ich ein bisschen Abstand halten sollte…hierfür sorgte er auf diese Weise. Und das Klavier stand wirklich reell in Flammen – großartig. Der Song ist sowieso kaum wieder zu erkennen, kommt er im Original ja eher ruhig und getragen daher, brettert er im Rock’n’Roll-Style doch richtig. Kleine Randbemerkung: Auf der Setlist wird der Song liebevoll mit „Chasing Klaas“ tituliert, sicher vom Bassisten Klaas abgeleitet.

Bei „Umbrella“ wurde wieder lautstark mitgesungen, die Stimmung war auf dem Höhepunkt…und wenn’s am Schönsten ist, soll man ja bekanntlich aufhören (was ich für absoluten Blödsinn halte) – denn nun folgte „I’m yours“, womit das Hauptset auch schon beendet wurde. Eine kleine Bandvorstellung folgte noch, aber dann verließen alle Musiker die Bühne…nee nee, viel zu kurz, natürlich ertönte sofort lautes Zugabe-Gerufe. Leider verstummte das auch recht schnell wieder, weil eigentlich nur die vorderen Reihen richtig mitmachten…die Warner-Leute schienen sich schon wieder Drinks und Smalltalk zugewandt zu haben. Aber unser Zirkusdirektor stürmte nun wieder auf die Bühne und gab bekannt, dass nun die Übergabe der Goldenen Platte an Digger, Basti und Sam erfolgen würde. Ein Herr der Warner betrat hierzu das Podium und verkündete stolz, dass die Auszeichnung für 100.000 verkaufte Einheiten vom Album „Strike“ in Deutschland erfolgt. Super…nicht nur Edelmetall im europäischen Ausland, nein, auch hier im eigenen Land. Die Jungs haben es so sehr verdient und nahmen stolz die Platte von drei burlesquen Damen entgegen. Zwei davon hatten wir ja bereits spärlich bekleidet bewundern können…hm, ob die dritte auch noch…? Man weiß es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aber The Baseballs sagten nun erst einmal Danke – und das besonders ausgiebig zu ihren Fans. Basti bemerkte, dass einige Fans die Band doch im letzten Jahr häufiger als die eigenen Eltern zu Gesicht bekommen haben – was Digger zu der Bemerkung hin reißt, dass ihre Eltern darüber vielleicht auch ganz froh sind.
Aber nun versprachen sie, noch mal einen nachzulegen – es gab die ersehnte Zugabe, die aus „Hot’n’Cold“ und „The Look“ besteht. Einfach großartig, der Saal kochte, lauthals wurde erneut mitgesungen, nur die Warner-Leute brauchten wieder eine Extra-Einladung. Doch dann war das Konzert tatsächlich vorbei…der Ansager erschien und gab bekannt, dass die Baseballs später noch zwecks Autogramme etc. zurückkehren würden. Wir schnauften erst mal durch, hockten uns ein bisschen auf die Bühne, überall strahlende Gesichter, jeder freute sich, hier zu sein und das miterlebt zu haben. Sogar Fans aus Finnland waren vor Ort.
Und dann kam das, was ich vorher schon heimlich befürchtete – auch die dritte Damen legte noch einen Striptease hin. Ich zog mich etwas zurück an die Seite, genug nackte Haut für heute. Aber die Party ging ja auch danach noch weiter, wir bekamen noch mal eine Getränkemarke und ich gönnte mir mal ein Bierchen – alkoholfrei, versteht sich, denn die Abfahrt stand kurz bevor und am nächsten Tag wartete die Arbeit.
Als die Jungs zurückkehrten, war vor der Bühne natürlich viel los. Geduldig schrieben sie Autogramme und standen für Fotos zur Verfügung. Irgendwie verpassten Uta und ich den rechten Zeitpunkt, uns auch mal dazu zu gesellen und daher waren Sam und Basti schon wieder Backstage, als wir uns aufrafften. Von Digger wurden wir noch lieb begrüßt, bevor auch er nach hinten verschwand. Wir blieben noch eine Weile, die Party ging ja weiter…aber dann siegte doch kurz vor Mitternacht die Vernunft, denn der Heimweg dauerte ja doch eine Weile und ich hatte versprochen, Michelle noch an den Stadtrand von Bremen zu fahren, da die Regionalbahnen um diese Zeit ja längst nicht mehr fuhren.
Also verabschiedeten wir uns schweren Herzens vom Kiez und voneinander…und fuhren in die Nacht hinaus. Gegen halb zwei waren Michelle und ich am vermeintlichen Ziel – nur um festzustellen, dass auch in Bremen keine Straßenbahn mehr fährt. Sie hätte in der Kälte drei Stunden auf die erste am Morgen warten müssen– so was kann ich aber mit mir selber nicht vereinbaren, also lud ich sie wieder ein und fuhr noch in die Innenstadt zum Hauptbahnhof…riesiger Umweg und geht alles von meinem Schlaf ab, aber nicht zu ändern. Irgendwann kurz vor halb drei war dann auch ich endlich zu Hause und sah einer kurzen, unruhigen Nacht entgegen – aber bin voller Dankbarkeit, dass ich die Möglichkeit hatte, beim Geheimkonzert dabei gewesen zu sein…Danke Danke Danke :)

- BiBi -

zu den Fotos vom Geheimkonzert in Hamburg