The Baseballs in Hannover (Capitol)

Freitag, 28. Mai 2010 - BiBi

Juchhuh, ein neuer Tag. Wetter sieht hier gut aus, trotzdem komme ich nicht in die Gänge. Dabei muss ich doch mein Täschchen packen, immerhin bleibe ich auch mal eine Nacht weg. In Hannover haben Uta und ich ein Hotel gebucht, weil wir ja am nächsten Tag gleich weiter nach Leipzig fahren wollen.
Um 13.30 Uhr will ich eigentlich los fahren, aber durch meine Bummelei wird es 15 Minuten später. Um 15 Uhr ist geplant, am Hotel einzutreffen.
Nun, mir fällt aber unten am Auto ein, dass ich unbedingt noch mal das Kühlwasser nachschauen wollte…und ja, da muss ein bisschen nachgefüllt werden. Deckel abschrauben, Wasser auffüllen, nach dem Deckel greifen – und was passiert? Das Drecksding kullert in den Motorraum. Waaaah…wo ist er hin? Ich kann ihn nirgends sehen. Ich ziehe den Ölmessstab und stochere herum, aber nirgendwo sehe ich ihn. Und nu? Vor Wut über mich selber erst mal kurz heulen, aber das hilft jetzt nicht wirklich konstruktiv weiter. Dumm geboren und nix dazu gelernt, blond bleibt blond…ich bin so sauer auf mich selber. Wo ist jetzt der Held, der mir aus der Patsche hilft? Ja, schon klar, ich lebe nicht im Märchenland, also selbst ist die Frau. Ich beschließe, vorsichtig zur nächsten Werkstatt zu fahren. Ist nur ein Kilometer, aber das ist so eine Dorfwerkstatt, der Mechaniker uralt und klapprig, aber vielleicht hat der ja eine Ahnung, wo so ein Deckel hinrollt, wenn er runter fällt.
Zum Glück hat er auch sofort Zeit und blickt in den Motorraum: Nö, der ist weg, den findet man so nicht wieder. Ja aber bitte, wo ist er hin? Irgendwo in der Verkleidung. Die abzubauen ist teuer. Kannst dir lieber einen neuen Deckel kaufen. Jaaaa, will ich ja, hast du einen? Nee, da musst du woanders hin…Aha…
Er versichert mir aber, wenn ich langsam fahre, passiert nichts bis zur nächsten VAG-Werkstatt. Ich eiere also los, ruf mal schon vorsorglich Uta an, denn um 15 Uhr kann ich nicht mehr in Hannover sein.
Aber der Mensch muss ja auch mal Glück haben und so wird mir bei der nächsten Werkstatt schnell und kompetent geholfen. Etwas über 13 Euro lege ich auf den Tresen und kann glücklich mit einem neuen Deckel von dannen ziehen. Puh, nun ist es halb drei, jetzt aber Gas geben. Zum Glück gibt’s keinen Stau oder nennenswerte Hindernisse und so treffe ich schon kurz nach halb vier beim Hotel ein und kann einchecken.
Uta hat so zügig wohl noch gar nicht mit mir gerechnet und wir freuen uns beide auf das, was vor uns liegt. Erst noch ein wenig quatschen, frisch machen und los. Sie fährt, mein Navi bringt uns sicher durch die Stadt. Ah, da, das Capitol. Dahinter abgebogen, dann langsam, genau, hier ist die Einfahrt zum Parkhaus des insolventen Ihme-Centers. Uta fragt, ob wir runter fahren müssen, aber nee, ich meine mich zu erinnern, dass ich das letzte Mal auch ebenerdig geparkt habe.
Aber so gruselig habe ich dieses Parkhaus nicht in Erinnerung. Wie sieht das hier denn aus? Baustelle? Totaler Verfall? Es ist unbeleuchtet, der Boden überall kaputt, zerlöchert, Brocken liegen herum…boh…und wo ist der Ausgang zum Capitol? Langsam und vorsichtig fährt Uta durch diese Ruine. Bloß nicht noch einen Reifen kaputt machen oder so. Wie das doch in einem halben Jahr alles verfallen kann. Wir haben große Mühe, überhaupt eine Möglichkeit zu finden, das Parkhaus zu Fuß zu verlassen. Ganz am Ende dann endlich eine Tür, die offen ist. Sie führt in eine Art große Garage – und dort steht der Bandbus. Na so was. Hm, eigentlich ist es sicher nicht gedacht, dass wir da lang laufen, aber wo sollen wir sonst? Uta lässt mich aus dem Auto, fährt aber lieber zur Einfahrt zurück, damit wir nachts lieber außen ums Gebäude zum Parkhaus gehen können und dann nicht quer durch die Geröllhalde müssen.
Vor dem Capitol angekommen, werden wir schon mit fröhlichem Hallo begrüßt. Lauter bekannte Gesichter sind es, die vor dem Einlass bereits warten. Schweiz, Duisburg, Dortmund, Nordheim – aus allen Ecken sind die Leute gekommen. Es ist 17 Uhr, also nur noch zwei Stunden warten. Ich frage Mareike, der ich den Tipp mit dem Parkhaus gegeben habe, ob sie auch dort parkt. Ja, ist die Antwort…und sie empfindet es auch nicht als kaputt, dunkel oder sonst was. Häh? Ich schaue auch am Capitol entlang und entdecke den eigentlichen Ausgang – warum haben wir das drinnen nicht gefunden? Ich bin verwirrt. Uta geht dann noch mal mit Mareike ins Parkhaus, weil sie etwas aus dem Wagen holen will –und beide kommen lachend wieder. Na herzlichen Glückwunsch…wären wir die Einfahrt hinunter gefahren, wären wir auch im hellerleuchteten, sauberen Parkhaus gelandet und hätten den eigentlichen Ausgang nehmen können. Natürlich parkt Uta ihr Auto auch erst einmal um – und dann haben sie und Mareike auch gleich eine clevere Idee, denn die Tür, aus der man das Parkhaus verlässt, bleibt verschlossen, wenn sie erst einmal ins Schloss gefallen ist. Das bedeutet, man kann dort raus, aber nicht zurück, muss also doch nachts ums Gebäude herum laufen. Also schnappen sie sich ein Brett und stellen es in die Tür, damit die nicht vollständig schließt. Wir sind alle gespannt, ob das Brett nach dem Konzert noch da ist.

Nun heißt es aber erst weiter warten. Die Zeit zieht sich irgendwie, obwohl ich zwei ganz nette junge Holländerinnen kennen lerne. Sie sind des Deutschen nicht mächtig, ich sprech kein Holländisch…aber mit Englisch klappts einwandfrei und wir quatschen und quatschen. Eine der beiden hat einen großen, großen Wunsch – sie war bereits in Amsterdam bei einem Baseballs-Konzert und heute möchte sie sehnlichst ein gemeinsames Foto mit Digger…am liebsten möchte sie auch beim Konzert auf die Bühne – ich verspreche ihr, falls es gelingt, Fotos zu machen und gebe ihr mal sicherheitshalber meine Visitenkarte.
Mir tun heute schon arg die Füße weh, aber hilft ja nix…da muss man durch.
15 Minuten vor dem eigentlichen Einlass fangen die Ordner plötzlich an, mit Gittern vorm Einlass zwei Schleusen zu bauen. Na super, das fällt ihnen aber früh ein. Wir müssen alle immer weiter zurück, was sich als schwierig gestaltet, denn hinter uns sind ja schon lange Schlangen. Sehr unprofessionell, die Gitter hätten doch längst nachmittags aufgestellt werden können, kenne ich eigentlich auch so im Capitol.
Der Einlass lässt auch auf sich warten, ungeduldigt hibbel ich vor mich hin – und dann öffnen die Ordner plötzlich die Türen und winken, wir könnten kommen. Häh? Dafür haben sie jetzt die Schleusen gebaut, dass sich alle durchstürzen und im Eingang stecken bleiben? Sinnlose Aktion…
Endlich sind wir drin vor der Bühne, stehen schon recht weit rechts außen, aber das ist nicht schlimm, Hauptsache vorn. Nervig nur die hohen Gitter, die im Capitol ja fest eingebaut sind. Da hängt man irgendwie recht komisch vor. Nun, ich bin froh, drin zu sein, gehe auch noch mal auf die Toilette und freue mich, dass ich meine leere Wasserflasche noch in der Jackentasche habe – die fülle ich am Waschbecken mit Leitungswasser auf und bin auf jeden Fall so besser gerüstet als am Vortag. Auf dem Rückweg kaufe ich aber natürlich auch noch Mineralwasser – sehr teuer hier. 2,50 Euro für einen Becher Billigwasser – naja, Hannover eben.
Uta bringt uns dann auch noch einen Becher mit und so sind wir flüssigkeitstechnisch fantastisch versorgt.
Nach einer weiteren Wartestunde ist es dann endlich soweit. Das Capitol ist anständig voll und die Leute haben Bock auf Musik. So werden die Musiker schon bejubelt, als sie noch hinter dem Vorhang agieren – und oh Überraschung, heute geht es nicht mit „Monday Morning“ los, sondern zu meiner großen Freude mit dem bisher noch nicht gehörten vervoc’n’rollten „When love takes over“ – sehr geil. Der Vorhang fällt, die Show ist gestartet. Der Publikums-Lärmpegel ist in Hannover von Anfang an extrem laut. Was sich toll beim Mitsingen z. B. bei „Angels“ anhört. Vom Songablauf her ist das Konzert ziemlich identisch mit dem am Vortag in Bremen. Klar, dass den Herren auf der Bühne aber trotzdem allerlei abwechslungsreicher Unsinn einfällt, um das Publikum zu unterhalten.
Zum Beispiel wird diesmal bei „I don’t feel like dancing“ niemand auf die Bühne gebeten, vielleicht wegen der hohen Absperrung…so gibt’s keine Tanzeinlage von Lars, aber Sam, Digger und Basti haben sich natürlich etwas anderes einfallen lassen. Alle sollen wie irre tanzen und hampeln und wenn die Musik aufhört und FREEZE gerufen wird, dann verharren alle stocksteif auf der Stelle. Das sieht natürlich sehr witzig aus, besonders, weil die Herren auf der Bühne auch kräftig mithampeln und hopsen und Basti mehrfach auf einem Bein stehend einfrieren muss oder Sam gerade fast Spagat macht.
Beim Akustikteil ist es leider sehr, sehr laut. Zwischenrufe aus dem Publikum, lautes Johlen und Pfeifen stören natürlich, wenn die Töne etwas leiser sind. Da bin ich froh, dass ich am Vortag in Bremen doch „Hard not to cry“, „Human“ und „Bleeding love“ so genießen konnte, denn heute versteht man nicht sehr viel.
„Monday Morning“ findet auch den Weg ins Programm, wird dann einfach zusätzlich gespielt.
Beim energetischen „Chasing Cars“ staune ich nicht schlecht, als Pianist Jan diesmal ein Steak im Klavier-Feuer grillt und auch in dieses herzhaft beißt.
Wie immer viel zu schnell geht das Konzert dem Ende entgegen, dabei dauert es doch schon ca. 2 Stunden. Die Hannoveraner sind total aus dem Häuschen, eine Schallwelle des Lärms schwappt nach vorn, ich halte mir sogar die Ohren zu, weiß aber, das es nun schon wieder zu spät ist…Tinitus ist mir diese Nacht gewiss.
Zuerst kehren die Akteure für „Lets get loud“ und „Hot’n’Cold“ auf die Bühne zurück, verschwinden dann aber wieder und lassen sich noch mal zurück rufen…denn ohne „The Look“ soll auch der heutige Abend nicht beendet werden. Die Leute geben stimmtechnisch noch mal alles, sowohl auf als auch vor der Bühne. Zwei Stunden haben wir mit Digger, Basti und Sam gesungen, getanzt, geklatscht, gewunken und gefeiert, aber dann ist die Show vorbei. Meine Füße jaulen quasi auf, denn mit dem letzten Ton der Musik kehren die Schmerzen zurück…aua, sitzen, ein paar Minuten, bitte. Da das im Club nicht möglich ist, hier auch gleich eine Aftershow-Party mit guter Rock’n’Roll-Musik startet (als ersten Song spielen sie mal gleich den guten Dick Brave, der meine Leidenschaft zu dieser Musik ja eigentlich richtig geweckt hat), möchte ich gern raus. In der Nähe des Eingangs zum Parkhaus sind Treppenstufen, die laden zum Sitzen ein.
Dort treffen wir uns auch irgendwie alle wieder…erst mal ausdampfen, abkühlen…und dann feststellen: Verdammt, das Brett ist weg, jemand hat die Tür zum Parkhaus wieder richtig verschlossen. Aber dann findet sich jemand, der eh zum Auto muss und der stellt das Brett wieder in die Tür. Tja, und von dem Moment an lasse ich es quasi nicht mehr aus den Augen – jeder, der sich dem Eingang nähert, wird böse angefunkelt…nix anfassen…da wollen wir nachher durch. Aber erst einmal hocken wir alle zusammen und freuen uns über das geniale Konzert…ich erzähle irgendwann, dass ich früher mit einer Freundin immer davon gefaselt habe, mal Fan als Beruf auszuüben…quasi ein Mietfan zu werden. Stellt uns in die erste Reihe, wir sind begeisterungsfähig…und machen richtig Alarm. Diese Idee gefällt auch den Mädels aus der ersten Reihe und wir ergehen uns in kreativen Ideen, wie das umzusetzen ist.
Die beiden netten Holländerinnen sind auch dabei und ich übersetze immer wieder mal, was wir für einen Blödsinn faseln.
Diese Nacht wird noch sehr lang, erst um halb drei kehren Uta und ich in unser Hotel zurück – natürlich durch die Tür mit dem Brett…Uta ist auch gut organisiert, sie hat ein paar Würstchen im Reisegepäck und da das Frühstück schon sehr, sehr lange zurück liegt, freu ich mich darüber. Morgens zwei Brötchen, nachts eine Bockwurst…so ist das Tourleben. Die anschließende Nacht wird sehr unruhig, ich kann kaum schlafen, Füße tun einfach weiter weh, auch im Liegen. Obwohl ich ein Zimmer mit zwei Einzelbetten gebucht hatte, haben wir eins mit Doppelbett bekommen und es tut mir total leid, dass ich mich hin- und her wühle, aber auf der harten Matratze finde ich irgendwie so gar keine geeignete Schlafposition…aber gegen sechs Uhr dämmere ich dann wohl doch langsam mal ein – der neue Tag ist längst angebrochen, der uns dann nach Leipzig führen soll…

- BiBi -

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