The Baseballs in Leipzig (Werk 1)

Samstag, 29. Mai 2010 - BiBi

Kurz vor 9 Uhr bin ich wieder wach – fühle mich zwar komplett kaputt, aber an Schlaf ist auch nicht mehr zu denken. Blödes Hotelbett, sonst sind die immer zu weich, aber so hart hatte ich noch nie eins.
Ich liege noch eine ganze Weile faul herum. Wir hatten besprochen, nicht im Hotel zu frühstücken, sondern treffen uns um 11 Uhr mit Nicole, die mit mir nach Leipzig fährt und wollen dann unterwegs frühstücken. Also keine Eile…aber so gegen 10 Uhr, als Uta auch wach ist, heißt es dann ins Bad und langsam mal in die Socken kommen, im wahrsten Sinn des Wortes.
Punkt 11 Uhr checken wir aus, Nicole hat sich auch schon gemeldet und ist vor dem Hotel eingetroffen. Ich räume noch ein bisschen im Auto herum, programmiere das Navi auf Utas Heimadresse, denn sie fährt heim, stellt ihr Auto dort ab und steigt in mein Auto um – die letzten 150 km fahren wir dann alle zusammen.
Bei schönem Sonnenschein brechen wir auf und anstelle der anvisierten Raststätte Zweidorfer Holz halten wir schon eine Raste früher an – nun gibt’s endlich mal wieder was handfestes in den Magen…Rührei und Brötchen, super.
Wir müssen auch nicht mehr Kolonne fahren, Uta startet irgendwie schneller durch als ich, da ich erst wieder das Navi einschalten muss und solch wichtige Dinge – dann aber wieder rauf auf die A2. Wir sind schon kurz vor Braunschweig und ich bin etwas verwundert, dass mir Gisela, mein Navi an der nächsten Abfahrt sagt, ich solle bitte runter von der Autobahn. Ich widerspreche aber nicht – und bin dann völlig irritiert, als sie fordert, auf der Gegenbahn wieder rauf Richtung Hannover zu fahren. Wieso das denn? Häh? Ich rufe einigermaßen verwirrt Uta an, die schon ein Stückchen weiter ist. Nee, falsch, ich soll Braunschweig-Hafen runter…also eine Abfahrt weiter. Na denn. Ich hätte gedacht, ich muss am Kreuz die Autobahn wechseln, aber wenn Uta meint, ich soll Hafen runter, ist das wohl so. Sie kennt sich hier besser aus als ich.
Also wieder rauf auf die A2 und nächste Abfahrt runter. Gisela will das auch. Gut…nur will Gisela schon wieder, dass ich auf der anderen Seite wieder auf die Bahn fahre – ja Himmelzackra, was soll das? Ich bin recht genervt, mir ist das auch peinlich Nicole gegenüber, die Arme muss ja denken, sie fährt mit einer Anfängerin mit. Zum Glück hat auch sie ein Navi dabei und schmeißt das nun mal an…ich rufe Uta erneut an und frage, ob ich wirklich durch Braunschweig fahren soll. Nee, ich soll nur die Autobahn wechseln…ja, aber das muss man doch am als nächsten folgenden Kreuz. Ja, da hatte sie sich vertan und versehentlich die Abfahrt Hafen genannt. Okay, hätten wir das…ich fahre also wieder auf die Autobahn, nehme das nächste Kreuz, wechsle auf die A 39 – zum Glück sagt Nicoles Navi das auch, meins will immer noch, dass ich nach Hannover zurückfahre – nun schalte ich das Teil endlich mal aus und wieder an, Mädchenmethode, um etwas zu reparieren…und muss dann feststellen, dass das Mistding drauf beharrt, dass ich zur Raststätte Zweidorfer Holz zurück fahre, die wir ja ursprünglich mal anvisiert haben. Okay, Rätsel gelöst…nun funktioniert auch mein Navi wieder und ohne weitere Störungen brausen wir durch die Landschaft, dem schönen Harz entgegen, links am Brocken vorbei und schon sind wir in Utas Heimat angekommen.
Fliegender Wechsel und weiter Richtung Leipzig…nicht gerade meine Lieblingsstadt, dort hab ich schon mal weinend im Auto gesessen, an einer Ampel gestanden und gedacht, ich werde nie nie nie in dem Club ankommen, den ich besuchen wollte, weil die ganze Stadt durch eine Demo gesperrt war und ich immerzu links abbiegen sollte, das aber überall verboten war. Diesmal hoffe ich, dass es mit Navi einfacher wird – und vor allem ohne Demo.

Und tatsächlich, wir rumpeln völlig störungsfrei durch Leipzig, dass es eine Freude ist. Und dann kommt mir die Gegend auch schon ein bisschen bekannt vor…ja, genau, wir sind am Werk 1 angekommen. Alles noch so, wie ich es von vor bald sechs Jahren in Erinnerung habe. Außer, das ein Haufen Polizisten und Einsatzwagen hier rumstehen – aber Rätsel schnell gelöst, auf der gegenüberliegenden Straßenseite findet ein Punk-Festival statt…denen gilt die Aufmerksamkeit der Ordnungshüter, nicht uns an sich harmlosen The-Baseballs-Fans :)

Wir entdecken auch gleich das Fanmobil von Edith, der netten Schweizerin, die heute ihr letztes Konzert hat, auch Thessie und Franzi sind da…die beiden fahren aber erst einmal mit Nicole zum Hotel, einchecken. Da wir nachts wieder heimfahren und uns auch fest vorgenommen haben, gleich nach dem Konzert abzuhauen, haben wir nichts weiter zu tun als uns schon mal vor dem Club auszubreiten. Es gibt immer noch das Café/Bistro, wie ich es in Erinnerung habe – und die haben Tische und Stühle im Innenhof vor dem Einlass aufgebaut…fein, so bequem hat man es selten mit der Warterei. Immerhin ist es erst kurz nach 15 Uhr und noch viiiiel Zeit. Leider hat das Café noch nicht auf – jeden Tag ab 12 Uhr, nur samstags ab 18 Uhr *gmpf* - aber wir sind auch Selbstversorger, jeder hat irgendwie was zu trinken oder zu futtern mit. Besondern niedlich finde ich Thessies Mini-Bananen :) – oder Franzi hat Erdbeeren dabei, auf der wohl vorher ein Wurm wohnte. Wir haben sowieso allerlei dummes Zeug im Kopf und die Unterhaltungen sind sehr lustig, chaotisch und manchmal auch recht sinnfrei. Aber es ist eine tolle Truppe, die sich da zusammen gefunden hat. Mareike und Nadine sind inzwischen auch angekommen, man hockt unterm großen Sonnenschirm auf angeketteten Stühlen und hat viel viel Spaß.
Irgendwann kommt jemand mal auf die glorreiche Idee, dran zu erinnern, dass heute der Einlass eine Stunde später beginnt als üblich. Boh, das hatten wir anderen alle irgendwie vergessen oder verdrängt, so ein Mist auch. Aber gut, auch das dämpft die gute Laune nicht. Die Mietfan-Geschichte wird weiter gesponnen und nimmt langsam Gestalt an. Auch wir würden gern einen Bus haben, der muss dann rosa mit pinken lachenden Herzen drauf sein…naja, ich führe das hier mal lieber nicht weiter aus.
Wir sind einigermaßen überrascht, als auch recht früh zwei recht junge Mädels kommen, die auch am Vortag in Hannover waren, strikt ohne ein Hallo an uns vorbei marschieren und sich vor der Eingangstür postieren…wollen die da jetzt vier Stunden stehen bleiben? Man kann es sich doch schön bequem machen. Aber gut, sie verharren…aber da wir nun keine Anstalten machen, aufzustehen und uns dazu zu stellen, sind sie wohl der Meinung, nun können sie auch noch mal los gehen – in der Zeit, wo sie weg sind, kommt ein Schwung weiterer Leute und natürlich stellen wir uns nun doch mal lieber am Einlass auf…wäre ärgerlich, wenn man so früh da ist und trotzdem nur als 15. reinkommt oder so. Immerhin hab ich die Bühne als relativ schmal in Erinnerung.
Als die beiden Mädels wiederkommen, sind sie sichtlich angesickt und beschweren sich überall um uns herum, dass man ihnen den Platz weggekommen hat – nun, bei uns beschweren sie sich nicht, denn dann hätten wir ihnen sicher auch gesagt, dass wir sichtbar schon vor ihnen vor Ort waren und niemandem den Platz weggenommen haben.
Irgendwie ist es total affig, so eng vor der relativ schmalen Eingangstür zu stehen, aber mach was dagegen…dumm auch, dass diese Tür halt auch allen offiziellen Mitarbeitern des Clubs als Durchgang dient…wir sind ständig nur am Platz machen, dadurch wird das Gedrängel gleich wieder größer. Sanitäter gehen ein und aus, Ordner ebenfalls. Ab und zu auch Bandmitglieder oder sonstige Crew-Angehörige. Die Wartezeit zieht sich, aber dann tut sich drinnen etwas. Die Tür ist ja auf und so kann ich mal live mit anhören, wie der Tourmanager die Security-Truppe über alles Wichtige informiert. Das finde ich sehr interessant, da unter anderem ganz klar gesagt wird, es gibt keine Einwände dagegen, wenn Fans zwei oder drei Clips filmen, nur sollte man eben darauf achten, dass nicht dauerhaft mitgefilmt wird. Einleuchtend…und warum durfte ich am Tag zuvor nun nicht mal einen Song filmen? Natürlich nehme ich mir vor, es heute noch mal zu versuchen, da ich „Sex on fire“ wirklich gern daheim auf der Festplatte hätte.

Dann beginnt der Einlass, das Personal ist sehr freundlich und umsichtig, alles geht völlig entspannt und ich finde mich am gewünschten Platz vor der Bühne wieder. Kaum stehe ich da, kommen die beiden Kleinen wie die Hasen angerannt, klatschen fast gegen die Absperrung, sind aber total glücklich über ihren Platz – den selben hatten sie auch in Hannover, da fanden sie ihn doof. Na denn…

Uta geht dann irgendwann noch einmal los und füllt unsere Wasserflaschen auf, so dass wir gut versorgt sind. Auch ein Getränk holen wir uns von der Bar, aber da hier keine Abstellmöglichkeit ist, trinken wir das bis zum Konzertstart schon aus, ist auch okay so.
Wie fast immer zieht sich die letzte Wartezeit etwas – das Schicksal der Fans ist es nun mal, ständig warten warten warten…aber frag mal einen Musiker – der erlebt es ja ähnlich…die warten auch ständig auf irgendwas.

Doch dann, relativ pünktlich um 21 Uhr, ist es endlich wieder soweit…das dritte Mal in Folge für mich und ich bin genauso erfreut wie in Bremen. Auch heute startet das Set wieder mit „When love takes over“ – der Vorhang fällt, die Show hat begonnen. Ich fühle mich heute so dermaßen sauwohl auf meinem Platz, die Absperrung ist super, die Bühne nicht so hoch wie in Hannover – ganz tolle Voraussetzungen für einen fantastischen Abend…zwar ist das Publikum in Leipzig nicht so laut wie in Hannover, aber dafür wesentlich aufmerksamer. So gelingt der Akustikteil ganz hervorragend und ich bekomme Gänsehaut bei „Hard not to cry“. Wahnsinn, was Musik für Emotionen auslösen kann.
Wir haben ganz viel Spaß, die Akteure auf der Bühne auf jeden Fall auch. Heute ist alles irgendwie befreit und ganz leicht und noch energiegeladener. Zu meiner großen Freude darf Lars heute wieder bei „I don’t feel like dancing“ seine Tanzkünste vorführen – nur die Auswahl der beiden Frauen, die auf die Bühne dürfen, ist irgendwie daneben. Aber man kann vorher nicht ahnen, dass da zwei sichtlich angetrunkene Selbstdarstellerinnen auftauchen. Die beiden müssen mehrfach dazu aufgefordert werden, doch mal kurz zuzuhören und auch zuzuschauen. Tja, auch wenn sie sich sicher sehr toll fühlten, haben sie sich echt zu Volldeppen mit ihrem Auftritt gemacht.
Wir lachen Tränen, als bei „Chasing Cars“ erneut das Grillbesteck vorgeholt wird und Jan wieder ein feines Stück Fleisch ins Feuer halten kann. Guten Appetit :)
Einziges Manko heute – und das ist mir vollkommen unverständlich: Ich versuche, das fantastische „Sex on fire“ zu filmen – und an derselben Stelle wie am Vortag kommt ein Ordner und untersagt mir das. Nur dass ich dieses Mal anfange zu diskutieren und ihm erkläre, dass ich durchaus weiß, dass es erlaubt ist, zwei oder drei Clips zu filmen. Antwort des Herren: Das gilt für uns, aber nicht für Sie. Ah ja, nee, ist klar. Soll ich mich aufregen? Im Leben nicht, mach ich halt meine Fotos weiter und gut ist. Ich freue mich auch, dass hier in Leipzig gute Sicht herrscht, der Bühnennebel zieht nach oben ab, denn die Halle ist sehr hoch. Hatte ich in Hannover ständig nur Nebel auf der Linse, sieht hier alles klar und scharf aus – rattenscharf :D

Wie gemein, als Basti mit „I’m yours“ wieder den letzten Song ankündigt. Och nö, nicht schon wieder so schnell alles vorbei. Aber noch gibt es ja die tollen Zugaben und diesmal wird „Hot’n’Cold“ dazu genutzt, das lustige FREEZE-Spiel zu spielen. Alles verharrt auf der Stelle, wenn die Musik verstummt und FREEZE gerufen wird…alle auf der Bühne und auch das Publikum. Allgemeine Erheiterung ruft Sam hervor, der wieder fast im Spagat verharren muss, dabei aber auch noch mit den Füßen wegrutscht…eieiei…

Nach einem richtig krachenden und laut mitgesungenen „The Look“ verschwinden dann Digger, Sam und Basti nebst fantastischer Baseballs-Band unter lautem Applaus von der Bühne. Och, schade…so schnell gehen drei Konzerte in Folge vorbei. Lang drauf gefreut und fertig. Aber in mir erwächst auch irgendwie der Gedanke, dass wir jetzt nicht einfach so losfahren können. Nee, das geht nicht, der Abend ist noch jung, wir gehen erst mal aus der Halle und suchen uns einen Stuhl – heiß war’s drin, hier drinnen dampft man quasi gut aus – und nach und nach findet sich die lustige Truppe wieder ein und ehe wir uns versehen, sind wir schon wieder in den lustigsten Geschichten, Fantasien und Spinnereien. Nadine schmeißt eine Runde Butterkekse und in uns wächst der Verdacht, die müssen mit Hasch versetzt sein, denn wir bekommen einen Lachflash nach dem anderen, mir tut bald schon jeder Muskel im Gesicht weh, weil das Gelächter einfach kein Ende nimmt. Es reicht nachher, dass jemand nur ein Wort in die Runde wirft…Brett – jeder weiß, dass das Brett aus Hannover gemeint ist und stülpt sich aus vor Lachen – oder Edding, auch gut. Denn in Leipzig beim Einlass ist Franzi ihr Edding-Stift abgenommen worden – böse…haben die geglaubt, sie will die Musiker damit anmalen? Was hätte ich da erst mit meinen drei Eddings machen können, die ich in der Tasche hatte und die mir nicht abgenommen wurden :D

Irgendwann möchte die Bedienung aus dem Cafe die Stühle zusammenstellen und bittet uns, doch aufzustehen…klar, machen wir, gehen aber auch nur ein paar Schritte weiter und hocken uns auf Bänke, die da herum stehen…es ist inzwischen schon so spät, dass es jetzt auch nicht mehr drauf ankommt. Ich hatte eh angekündigt, dass ich erst am Sonntag in den frühen Morgenstunden daheim sein werde, da will ich doch auch Wort halten. Und im Hellen fährt es sich sowieso viel besser.
Daher ist es dann auch schon halb drei, als wir aufbrechen. Der Tourbus ist auch bereits abgefahren, es gab einen tränenreichen Abschied der lieben Schweizerin und die Hoffnung auf ein Wiedersehen im September.
Uta und ich lachen im Auto noch weiter und dann, kurz vor dem Ortsausgang Leipzig, geht ein Aufschrei von uns beiden durchs Auto – wir sind plötzlich hinter dem Tourbus :D - über was man sich doch alles freuen kann.
Aber unsere Wege trennen sich auch schnell wieder, unsere Autobahnauffahrt kommt in Sicht, der Bus biegt anderweitig ab, wir winken ein letztes Mal und dann gebe ich Gas, denn 400 km liegen noch vor mir.
Uta lade ich bald drauf wohlbehalten zu Hause aus, Abschiede sind eigentlich traurig, aber uns geht’s gerade viel zu gut, um traurig zu sein…und so mache ich mich auf, die letzten 250 km zu packen.
Um halb sieben komme ich daheim an, eigentlich recht problemlos, nur die letzten 35 km waren etwas anstrengend, da sich langsam kleine Blitze vor den Augen auftun, die sicherlich mit der Müdigkeit zu tun haben. Komisch, genau ab dem Moment, wo die Fahrtstrecke auch mein täglicher Arbeitsweg ist, aber das schafft mein Auto ja auch quasi im Alleingang.
Als ich um halb acht im eigenen Bett liege, kann ich immer nur vor mich hinsummen: Jede Zelle meines Körper ist glücklich…denn so fühle ich mich ;)

- BiBi -

zu den Fotos aus Leipzig