The Baseballs in Köln (Live Music Hall)

Montag, 7. June 2010 - BiBi

Auf ein letztes – nach einer verdammt guten Zeit vor den Bühnen unseres Landes ist heute der letzte Termin für mich. Danach kommt eine dreimonatige Pause, aber für trübe Gedanken ist keine Zeit. Ich habe Urlaub und es soll nach Köln gehen in die Live Music Hall – eine Location, die ich noch nicht kenne. Ich checke vormittags noch die Seite des ADACs und höre Verkehrsfunk, aber alles scheint frei zu sein. Super Voraussetzungen. Kurz vor halb zwölf ist Abfahrt, an der Shell-Tankstelle in Oyten noch den Tank füllen, wieder 100 Euro weg, puh. Touren ist teuer ;) – aber dann rauf auf die A 1 – nach fünf Kilometer stehe ich dann auch schon wieder. Stau, plötzlich, einfach so. Mist. Gerade losgefahren und schon wieder Ende, das kann ich überhaupt nicht leiden. Schuld ist ein Lkw, der einen Unfall in der Baustelle verursacht hat. Ich verliere über eine halbe Stunde bei nur vier Kilometern Stau, das geht ja gut los.
Bis hinter Münster läuft es dann wieder einigermaßen flüssig, trotz diverser Tagesbaustellen und festen Baustellen, aber dann stehe ich das nächste Mal…das ganze passiert noch zweimal, ich bin schon völlig entnervt. Habe auch vergessen, dass vor Köln wieder mal keine Parkplätze kommen, also nirgends die Chance, noch mal die Toiletten aufzusuchen.
Zum Glück ist wenigstens der obligatorische Stau in und um Köln noch nicht da, ich bin schon fünfhundert Meter vor der Location, als ich einen Burger King entdecke. Juchhuh, da ist ja das gewünschte Klo – mit einer kalten Cola-Light verlasse ich den Laden wieder und setze meine Fahrt fort. Ich muss lachen, denn ich komme direkt am Underground vorbei, den Laden kenn ich dann doch wieder – hätte mir das mal wer gesagt, dass die beiden Clubs nur 300 m auseinander liegen.
Vor der Live Music Hall sitzen schon die ersten Fans und ich kenne sie fast alle:) – wir haben in den letzten Tagen tolle Zeiten verlebt und ich freu mich aufs Wiedersehen. Man brüllt mir was zu, ich soll irgendwo parken, aber da steht ein Parkverbot-Schild. Mareike hilft mir dann von meiner langen Leitung und macht mich drauf aufmerksam, dass dieses Schild erst in vier Tagen gültig ist. Super, somit hab ich einen Parkplatz gleich vis à vis zur Eingangstür des Clubs. Und obwohl überall was von Parkschein steht, ist der Parkautomat defekt, also können wir auch noch kostenlos parken. Supergut.
Nach einer ausführlichen Begrüßung machen es sich alle wieder gemütlich, diverse Decken liegen auf dem Bürgersteig, die Mädels sind toll ausgerüstet mit frischem Obst, Süßkram, Getränken. Sehr gut organisiert. Ich muss erst mal runterkommen, ich hasse solche Stauautofahrten, die einfach nur viel Zeit kosten. Vier Stunden war ich unterwegs, das hätte auch in guten drei gehen können. Direkt vor der Eingangstür des Clubs sind feste Geländer, so dass man sich quasi schon richtig anstellen kann, keiner kann von der Seite reindrängeln, finde ich toll. Zwei Mädels stehen auch schon vor der Tür, gut, sie waren ganz früh da, das steht ihnen zu.
Maike kommt als nächstes, noch bevor ich ihr eine SMS schicken kann, dass ich jetzt vor Ort bin. Aber als Kölnerin hat sie ja auch die kürzeste Anfahrt von uns allen. Wir setzen uns auf eine Stufe etwas abseits und tauschen uns erst einmal aus. Immer mehr Leute treffen ein, stellen sich alle brav an – der Bürgersteig füllt sich quasi. Ist ja auch tolles Wetter, wenn ich bedenke, dass es bei uns total regnerisch und kalt war, sitzen wir hier in der angenehmen Sonne. Ja, das Wetter in Köln ist irgendwie immer besser als daheim.
Blöd ist, dass irgendwann zwei Mädels kommen, an sich sehr sympathische und direkt zu den beiden stürmen, die direkt vor der Tür stehen…über die Absperrung klettern und da mal stehen bleiben. Hm…naja…
Maike und ich gesellen uns daraufhin auch wieder zu den anderen, denn solche Szenen finden wir alle nicht so prall. Und in dieser etwas misslichen Situation kommt es dann zu einer großen Überraschung…Uta steht plötzlich vor mir. Häh? Na so was…die Freude ist groß, auch wenn ich zwischenzeitlich mal ein bisschen so was geahnt hatte, als sie von mir Mareikes Kontaktdaten haben wollte. Toll, dass Uta ihren Plan, beim letzten Konzert auch dabei zu sein, in die Tat umgesetzt hat. Ihr ist zwar klar, dass es bei den vielen Leuten, die schon da sind, nicht mehr für die erste Reihe reicht, aber das stört sie nicht weiter. Ich mache mir auch langsam Sorgen. Denn zu den vier Mädels, die ja schon direkt vor der Tür stehen, gesellen sich zwei weitere. Jetzt ist aber auch mal gut, die kommen viel später als andere und stellen sich direkt vorn an?
Jemand macht nun auch den Mund auf und versucht, das auf freundliche Art zu klären…Antwort darauf: Tja, ihr macht das ja auch immer, jetzt machen wir das…wobei die beiden zuletzt dazu gekommenen beteuern, nicht da vorn stehen bleiben zu wollen. Na denn…nur die Behauptung, dass wir so was auch machen, finde ich schon frech…ich für mein Teil kann sagen, dass ich bisher bei den Konzerten früh genug da war, um auch vorn stehen zu können. Und mich nicht vorgeschmuggelt habe – und von den anderen ist mir das auch bekannt. Aber gut, dann können wir davon ausgehen, dass es jetzt von Konzert zu Konzert schlimmer und nerviger wird. Das hab ich alles schon mal durch…schade.

Wir stellen uns nun auch in die Absperrung auf, besser ist das. Richtig frech wird es dann, als die beiden Mädchen, die vorher beteuerten, sich nicht da vorn einreihen zu wollen, doch plötzlich über die Absperrung klettern…na toll. So werden aus zwei, die sich anstellen, eben mal sechs. Nächstes Mal zehn? Nein, das war alles andere als fair und freundlich.

Der Einlass beginnt relativ pünktlich, da kommt es dann zum nächsten Nervenakt…bei der Taschenkontrolle soll ich meine Kamera zeigen. Gern doch…und dann heißt es: Nee, die darf nicht rein, die ist zu groß und professionell. Nee, oder? Dasselbe ist Micha in Dortmund passiert, unsere Fotoapparate sind ähnlich groß. Also, das Gehäuse ist größer als eine durchschnittliche Digicam. Man sagt mir, wenn ich eine normale Digicam hätte, wäre es okay, aber so nicht. Ich diskutiere, erkläre, dass diese abgegriffene Kamera vier Jahre alt ist und einfach nur ein größeres Gehäuse hat. Kein Einsehen bei der Einlassfrau. Sie will noch jemanden holen, der sich der Sache annimmt, aber an mir rennen immer mehr Leute vorbei, ich kriege die absolute Krise…seit halb zwölf unterwegs, 350 km gefahren für dieses Konzert – dieses letzte Konzert für eine längere Zeit und ich steh da und muss rumdiskutieren, weil die Leute zu dumm sind, um allein aus der fahrenden Bahn zu gucken. Profikamera, wenn ich so einen Scheiss höre…Es hilft aber nichts, ich hab die Wahl: Kamera abgeben oder warten, bis irgendwann mal jemand kommt, der eine andere Entscheidung treffen könnte. Ich gebe natürlich die Kamera ab, um überhaupt mal in die Halle zu können. Ich bin total genervt…als ich dann drin bin, steht die erste Reihe natürlich schon rappelvoll, zum Glück hat man an mich gedacht und ein Plätzchen freigehalten, auch wenn’s sehr, sehr eng ist. Aber Hauptsache vorn auf der von mir bevorzugten rechten Seite. Uta steht hinter mir, sie geht auch noch mal los, um Getränke zu besorgen. Auch heute klappt der Wasserflaschentrick. Wir haben beide eine kleine leere Flasche dabei, die sie nun mit Leitungswasser füllt.
Zum Glück ist neben der Bühne noch das große Tor auf, sonst wären die Temperaturen jetzt schon absolut tropisch in der Halle. Dadurch, dass wir so dicht gedrängt stehen, wärmen wir uns auch noch gegenseitig. Und die Herren Musiker lassen heute auch eine Weile auf sich warten. Stand nicht auf dem Ticket, dass es pünktlich beginnt? Nein, so ist das wirklich nicht. Aber endlich wird dann das große Tor geschlossen und man kann Aktivitäten hinter dem großen Tuch, das den Blick auf die Bühne versperrt, ausmachen. Ja, es ist soweit…die finale Show für viele von uns beginnt. Auch heute wieder mit „When love takes over“ – aber als nächstes folgt dann ungewöhnlicherweise „Don’t cha“. Das lässt erahnen, dass es heute vielleicht eine kleine Änderung gibt. Doch nun feiern wir erst einmal zu den liebgewonnenen Stücken wie „Hey there Delilah“, „Love in the Club“ oder „Monday Morning“. Die Aussage „im Schweiße seines Angesichts“ passt heute nicht nur zu Sam…nein, auch Digger und Basti fangen relativ früh an, zu tropfen. Dem Publikum geht es nicht anders. Die Stimmung in Köln ist bombastisch, da kommt „Sex on Fire“ gerade richtig. Woohoo…wird das immer besser?

Bei „I don’t feel like dancing“ gibt’s dann auch eine kleine Neuerung. Der arme Lars hat sich ein wenig an der Hand verletzt und kann daher heute nicht den Vortänzer für uns machen. Aber Sam, Basti und Digger bitten trotz allem einige junge Damen auf die Bühne und übernehmen den Part dann halt selber. Digger beginnt und legt einen Solotanz im Stile des Steptanzes hin. Großer Jubel, jetzt die Damen, die es auch richtig probieren und toll machen.
Sam tanzt als nächstes – gewohnt sexy mit irrem Hüftschwung…die Ladys tun es ihm gleich. Und Basti ist der Oberkracher, er scheint ein wenig „Prinz von Bel Air“ geschaut zu haben und tanzt in bester Carlton Banks-Manier. Auch mit dem dazugehörenden Gesichtsausdruck! Fantastisch, ich ärgere mich einmal mehr, dass ich meine Digicam nicht habe, denn das hätte ich sicher gern mitgefilmt. Riesen-Jubel, was für ein Spaß.
Die Hitze in der Live Music Hall ist schon unbeschreiblich und noch immer stehen wir dicht gedrängt. Nach „Fucking Lovesong“ gibt es auch heute wieder das fantastische Instrumentalstück der Baseballs-Band.
Der Acapella-Teil wird sehr bejubelt, aber trotzdem nicht völlig kaputt gebrüllt. Man kann genießen und sich freuen. Und immer noch ist „Hard not to cry“ einfach wundervoll.
Und nun überraschen uns The Baseballs tatsächlich noch mit was Neuem – „Three Lions“, die wohl bekannteste Fußballhymne – im Angedenken zur bald stattfindenden Fußball-WM haben Basti, Digger und Sam das Stück ordentlich vervocnrollisiert und das Publikum singt begeistert mit – Football’s coming home :)
Zwischenzeitlich sind die Ordner so vorausschauend und reichen Becher mit Wasser herum, denn der Flüssigkeitsverlust in dieser Bruthöhle ist natürlich gewaltig. Besser so, als dass die ersten Kreisläufe zusammen sacken.
Mit „Angels“, „Crazy in Love“ und „Chasing Cars“ geht’s dann auch schon zum finalen „I’m yours“ über. Heute pufft und knallt es irgendwie alle Nase lang, der Pyrotechniker vom Dienst, Digger, hat sich mal richtig austoben können. Immer wieder erschrecke ich und lach mich dann darüber halb kaputt. Aber wartet ab, auch wir haben noch was vor…

Lauthals brüllen alle Zugabe, ich muss aber erst mal ordentlich Wasser trinken, mein T-Shirt ist inzwischen irgendwie ziemlich durchgeweicht, bah. Und die Temperaturen bleiben suptropisch, auch, als die Band samt Hauptakteure auf die Bühne zurückkehrt. Mit „Lets get loud“ wird die erste Zugaberunde eröffnet – und bei „Hot’n’Cold“ ist dann unser Moment da. Kirsten und Miri haben Konfettikanonen für den Hausgebrauch mitgebracht. Beim Einlass wurden die uns zwar abgenommen, aber eine Ordnerin brachte sie dann wohl nach Rückfrage tatsächlich vor Beginn der Show zurück zu uns. Und nachdem wir dem Vorsänger Digger alles fein nachgegröhlt haben, zählt er hoch: One two one two three four – und zack, lassen wir die Dinger hoch gehen. Meine Güte, kommt da viel Konfetti raus, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Wir sind auch nicht alle zeitlich synchron, denn die schwitzigen Finger machen das Öffnen der Kanonen etwas schwierig, trotzdem sieht das ganze ziemlich cool aus und der Graben vorn liegt voller Papierschnipsel…irgendwie kleben die auch an einem dran, das ist aber nicht weiter schlimm.
Nochmal verschwinden alle von der Bühne und weitere Zugaben werden gefordert. Jaaa, auch dieser Wunsch wird erfüllt und mit „Let me love you“ und „The Look“ erleben wir ein grandioses Finale. Die Halle steht Kopf…
Doch nun ist Schluß, Finito, Ende, Basta – so ein Mist…so lange auf die kleine Tour gefreut und wie im Sauseschritt ist sie auch schon wieder vorbei. Ich hab jetzt viel zu tun, denn ich habe mich nach dem Einlass nicht mehr auf die Toilette getraut, weil die Reihen schon so eng gefüllt waren und ich befürchtete, nicht mehr an meinen Platz zurück zu kommen – und dem Merchandise-Stand will ich auch unbedingt einen Besuch abstatten, die Micha wünscht sich ein Brettchen und ich will auch endlich mal gucken, was es dort so gibt. Und dann muss ich natürlich noch meine Kamera wieder abholen…ein nach dem anderen arbeite ich ab, zuletzt geht’s zum Eingang. Dort steht die Ordnerin bereits mit meiner Kamera und pöppelt den Aufkleber ab, den sie raufgepappt hat. Trotzdem bekomme ich das gute Stück nicht einfach wieder, sondern muss erst meine Eintrittskarte mit meinem Aufkleber vorzeigen, den sie auch von der Karte pöppelt…hat wohl sonst nix zu tun, die Dame. Ich versuche auch noch einmal, heraus zu finden, was an der Kamera nun verkehrt war, dass sie nicht mit hinein durfte. Tja, sie ist zu groß, also das Gehäuse. Das ist das einzigste Argument…weil Profikameras sind ja auch groß. Mal ehrlich, die haben in ihrem Leben noch nie eine Profikamera gesehen, denn dann würden die so einen gequirlten Mist nicht erzählen. Nun gut, was soll ich mich noch ärgern, ist eh alles vorbei. Ist meine Fotografiersucht mal eben nicht befriedigt worden, so sei es.
Im Innenhof ist es natürlich recht voll, aber ich finde noch ein Plätzchen zum Hinhocken – ausdampfen heißt die Devise. Nur lang ist es uns nicht gegönnt, die Security will den Hof leer haben und bittet uns vors Tor. Auch egal, gegenüber steht mein Auto, ich kann mich also auch fein auf den Kofferraum-Rand hocken, aber vorher wechsle ich noch das Shirt…immer schön, wenn man trockene oder saubere Sachen im Auto hat. Da wir uns alle lange nicht mehr sehen werden, ist es uns nicht eilig, in die verschiedenen Himmelsrichtungen zu verschwinden. Überall Gespräche und wir machen auch noch ein feines Gruppenfoto – unsere Baseballs-Fan-Familie…
Als dann Abfahrt angesagt ist, verabreden wir uns teilweise noch beim Burger King um die Ecke – gute Idee, vor der langen Heimfahrt noch etwas futtern. Ich habe Nadine an Bord, die ich danach ins nächtliche Dortmund fahre – wie schön, eine meiner liebsten Städte mal wieder by night zu erleben, ich fühle mich dort immer gleich ganz vertraut.

Die Heimfahrt verläuft auch problem- und spannungsfrei, ich fahre in die Dämmerung und komme im Hellen nach Hause – es ist kurz nach fünf und ich bin heilfroh, am nächsten Tag Urlaub zu haben. Ausschlafen wünsche ich mir…dass es mich dann fast von den Füßen haut und ich zwei Stunden nach dem Einschlafen mit 39 Grad Fieber und Schüttelfrost aufwache, gehört zwar nicht zum Ursprungsplan, aber jetzt ist die Tour vorbei und ich hab Zeit, wieder auf die Beine zu kommen.

- BiBi -

zu den Fotos aus Köln - nee, nicht klicken – hast nicht sehr aufmerksam gelesen, oder? Ist natürlich ein Spaß – es gibt ja von mir diesmal keine Fotos…