Adriano Batolba Orchestra in Hamburg (Fabrik)

Donnerstag, 12. Januar 2012 - BiBi

Nachdem ich in der vergangenen Woche zwei Auftritte von Cosmo Klein verpaßt habe, weil mein Autochen mich im Stich gelassen hatte, stand das gute alte Stück nun frisch repariert auf dem Hof und wartete auf eine neue Ausfahrt – nach Hamburg sollte es gehen zum langersehnten Auftritt vom Adriano Batolba Orchestra.
Nachdem Petra am Vormittag wegen eines akuten grippalen Effekts absagen musste, startete ich mit meiner Schwester, der ich das Ticket zu ihrem letzwöchigem Geburtstag geschenkt hatte, abends um 18 Uhr Richtung Hamburg. Und – oh Wunder – es hatte aufgehört, in Strömen zu regnen. So hatten wir eine recht angenehme Fahrt ohne Störungen und kamen dank Navi problemlos in Altona an. Ich war bisher erst einmal in der Fabrik, aber wußte noch, dass die Straße runter ein Parkhaus zu finden war – und richtig, da war es noch :D – Für einen Standpreis von 1,50 Euro für den ganzen Abend läßt man seinen Wagen ja gern in einer warmen Tiefgarage stehen. Nun noch die paar Meter zur Fabrik laufen und –tata – da waren wir…etwas früh, aber man kanns schlecht einschätzen, wie der Feierabendverkehr auf der Autobahn und in der Großstadt so ist. Aber 20 Minuten Warten ist nun auch nicht so schlimm. Wir waren die Ersten, die am Eingang standen…naja, so kanns gehen. Ich freute mich, dass mich Tourmanager Arndt gleich begrüßte, wir kennen uns ja auch schon seit einigen Jährchen aus den früheren Dick Brave-Zeiten.
So schließt sich dann wieder ein Kreis – André Tolba, früher Gitarrist in der Sasha-Band, danach Mitgründer von Dick Brave & The Backbeats und dort natürlich auch Gitarrist, ist nun mit seinem eigenen Orchester unterwegs. Für mich ist er einer der besten Gitarristen unseres Landes, ich bin jedes Mal fasziniert, was er aus diesem Instrument heraus holt. Und das ganze nun noch mit orchestraler Unterstützung…ja, ich freute mich schon lange auf diesen Abend.
Nachdem die Türen geöffnet wurden und wir als erstes in die Fabrik eintraten, mussten wir uns kurz orientieren – seitlich standen an beiden Seiten Tribünen, dort wollten wir Platz nehmen. Wir entschieden uns für die linke Seite und ich sorgte für den ersten Lacher, als ich mich hinsetzen wollte und sich plötzlich die ganze Tribüne nach hinten verschob…Hilfe, sie stand auf Rollen, die nicht arretiert waren, gut zu wissen. Kaum hatten wir dann unfallfrei Platz genommen, erschien meine liebe Freundin Anja, worüber ich mich riesig freute. Ansonsten füllte sich die Halle nur sehr zögerlich…wohl doch nicht ausverkauft, wie es bei Eventim den Anschein machte, als ich das Ticket für meine Schwester bestellen wollte…da gab es nämlich keine Karten mehr und ich musste bei einem anderen Ticketshop zuschlagen…um dann zu sehen, dass einen Tag später auch Eventim wieder Karten hatte. Muss man nicht verstehen, für mich bedeutete es nur doppelte Portokosten…
Um ca. 21.20 Uhr wurde es dann endlich dunkel im Saal und die Musiker betraten die Bühne…ich hatte eigentlich gedacht, es soll bereits um 21 Uhr los gehen, aber man ist ja eine gewisse Verspätung gewohnt :)
Das letztendlich das Konzert beinah ausgefallen wäre, weil es technische Probleme gab und einer der Band-Mitglieder sich als eine Art McGyver herausstellte, der durch seinen Reparatureinsatz den Ging gerettet hatte, wurde uns erst später von Adriano erzählt.

Einige der Musiker, die alle quasi in Unterhemd auf die Bühne traten, waren mir auch wohlbekannt…so Matt Hanson und Falco Caress von den Backbeats – aber auch Mark Leymann, seines Zeichen fantastischer Saxophonist, den ich früher häufig live gesehen habe. Falco spielte zu meiner Überraschung nicht Piano, sondern Kontrabass.
Nachdem Adriano in schickem Anzug nach einer Ansage von Falco die Bühne betrat, befanden sich somit 13 Musiker on stage. Ich war von den ersten Tönen an gefangen – wie großartig das klang – diese vielen Bläser im Rock’n’Roll-Style, einfach toll. Auch wenn ich mich noch nie als Fan von Big Band-Sound bezeichnen konnte, trifft dies doch absolut meinen Geschmack.
Dargeboten wurde eine schöne Auswahl von Songs aus vielen Jahrzehnten. Teils instrumental, teils aber auch mit Adriano als Sänger. Riesig freute ich mich über „Tonight“, das ja auch auf dem aktuellen Album von Dick Brave & The Backbeats zu finden ist – aber ich fand diese Nummer hier noch schmissiger, noch besser. Lustig, dass auch recht aktuelle Titel am Start waren, z. B. „Seven nation army“, im Original von den White Stripes. Nie hätte ich gedacht, dass man diesen Song so umwidmen kann.
Sehr gut gefiel mir auch „Ride it like you stole it“, „Hard luck, bad luck“ oder „Jean Jean Jeanny“. Und natürlich das tolle “20 Flight Rock”.
Teilweise verließen die Bläser die Bühne und Matt, Falco und Adriano agierten allein, so zum Beispiel beim großartigen „Summertime-Blues“, wo auch nachher das Publikum zum Mitsingen aufgefordert wurde.
Nachdem die restlichen Musiker wieder auf die Bühne zurückgekehrt waren, wurden auch ein paar Damen dazu gebeten. Ihres Zeichen bekannt als „The Silverettes“ belebten sie das Bühnenbild noch einmal erheblich – und singen konnten dir drei Mädels auch noch. Aber auch Adriano ließ es sich nicht nehmen und sprang von der Bühne mit Gitarre ins Publikum, um dort seine Runden spielenderweise zu drehen. So war immer eine Menge los, es wurde nie langweilig, ein Song reihte sich an den anderen, ab und an von launigen Ansagen des großen Meisters unterbrochen, der mehrfach versuchte klarzumachen, wer hier der Boss ist.
Die meiste Zeit stand ich direkt an der Bühne, aber wie eigentlich bei jeder Veranstaltung gibt es einen, der rücksichtslos seinen Spaß haben muss…ein alkoholisierter Fan hampelte dermaßen wild vorn herum und schlug mit seinen Armen um sich, dass es mir teilweise Angst und Bange wurde. Nachdem er immer näher gekommen war und auch rumrempelte, ohne es zu merken, ging ich dann zwischendurch zur Tribüne zurück, wechselte dann mal auf die andere Bühnenseite und bekam so von allen Seiten die Bühneneindrücke mit.
Viel zu schnell kam man zum letzten Song, einer großartigen Version des allseits bekannten „Cotton Eye Joe“. Aber auch wenn das Publikum nicht in großen Scharen in die Fabrik geströmt war, hatten die Anwesenden doch auf jeden Fall Bock auf mehr und johlten, klatschten und forderten Zugaben…die wurden auch gewährt…“Rock this town“ als Stray Cats-Klassiker war sicher sehr gut angebracht. Zum Abschluss gab es mit Unterstützung der Silverettes dann eine Ballade aus den tiefen Achtzigern: „Do you really want to hurt me“. Danach war dann wirklich Schluss…und das wäre von mir auch dann der einzige Kritikpunkt. Ich fand es nicht sehr glücklich, das Set mit so einem langsamen Lied zu beenden. Ich persönlich gehe lieber aufgepusht aus einem Konzert – und ich war da sicher auch nicht die einzige, denn irgendwie standen alle etwas belämmert da und dachten: Da muss doch noch was kommen.
Im Vorfeld gab es eine schöne Aktion: Man konnte sich in den Wochen vor den ABO-Konzerten bei Facebook melden, wenn man ein Konzertplakat mit Autogrammen haben wollte. Da in meinem langen Flur ja viele Konzertplakate hängen, dachte ich, das wäre dann eine schöne Bereicherung und ich hatte mich natürlich angemeldet. Und so blieben wir nach dem Konzert noch eine kleine Weile, bis ich das Plakat für mich und auch der kranken Petra von Adriano höchstpersönlich in Empfang nehmen konnte.
Nach einem kurzen Plausch mit Matt ging es dann aber hinaus in die Nacht. Gudrun und ich entschieden uns noch dafür, unterwegs an der Raststätte Hollenstedt einzukehren und uns lecker Riesencurrywurst mit Pommes einzuverleiben…das Frühstück war einfach verdammt lange her. Kurz nach halb zwei kehrte ich dann ins stürmische Fischerhude zurück und war froh, daheim zu sein – meine arme Schwester musste ja nun noch in ihr kaltes Auto steigen und weitere 35 km fahren. Aber wir waren beide auf jeden Fall einer Meinung: Das war ein toller Abend mit fantastischer Musik und darf gern wiederholt werden!
-BiBi -

Fotos vom Adriano Batolba Orchestra in der Hamburger Fabrik