Peter Schilling in Niedernhausen (Rhein-Main-Theater) - von Gastautorin Kerstin

Samstag, 28. Januar 2012 - BiBi

Ich konnte am 28.1.2012 einen weiteren weißen Fleck auf meiner persönlichen Konzertlocations-Karte füllen: Rhein-Main-Theater Niedernhausen und ein Konzert von Peter Schilling stand auf dem Programm. Ich war sozusagen als Wiederholungstäterin dort, nachdem ich bereits im August 2011 in den Genuss des Liveprogramms von Herrn Schilling gekommen war. Dieses Konzert in Niedernhausen war bereits zwei Mal verschoben worden. Erst von März 2011 auf November 2011 und dann wegen Terminschwierigkeiten auf diesen 28. Januar. Ein ganz besonderer Termin, war es doch auch der 56. Geburtstag des Sängers.
Zunächst kurz zur Konzerthalle. Das Rhein-Main-Theater kannte ich bisher dem Namen nach nur als Musicaltheater und genau so ist es auch aufgebaut. Ein großer Innenraum, mehrere Balkone und ein Oberrang. Parkhaus für 3 Euro (bei Veranstaltungen) und ein Hotel direkt nebenan. Über die A3 in der Nähe von Frankfurt sehr gut zu erreichen, ohne größere Fahrten durch irgendwelche Innenstädte unternehmen zu müssen.
Mein Sitzplatz war in Reihe 1, etwas weiter rechts außen aber noch im Bühnenbereich. Die Balkone und oberen Ränge waren für das Konzert gar nicht erst in den Verkauf gegangen. Die Wartezeit bis zum Einlass konnte man sich im Foyer bei Brezeln und Getränken verkürzen. Gelegenheit für mich, einen Blick über das Publikum schweifen zu lassen. Die erwarteten Anfang-Vierziger mischten sich mit deren Kindern und auch älteren Herrschaften, was möglicherweise am Radiopartner der Veranstaltung, HR4, lag. Um 19.30 wurde der Saal geöffnet. Neben mir blieben zunächst 4 Plätze zur Mitte hin frei und als das Konzert um kurz nach 20 Uhr begann waren die zwei mittigsten davon noch immer unbesetzt. Gelegenheit für mich, weiter zur Mitte zu rücken.
Das Intro des Konzert ist der Titel „Das Wyoming Syndrom“ vom Album „Das Prinzip Mensch“ aus dem Jahr 2006, ein nahezu reines Instrumentalstück. Von diesem Song ging es dann direkt in „Es ist soweit“ über. Schon beim Einlass wurde man darauf hingewiesen, dass heute der Geburtstag von Herrn Schilling sei und man doch bitte nach dem ersten Song in „Happy Birthday“ einstimmen sollte. So geschah es dann auch. Er schien überrascht und erfreut über den großen Chor und bedankte sich mehrfach dafür. Sein Geschenk an uns zurück (Zitat) folgte direkt im Anschluss mit der Ansage: „Ich weiß doch, was ihr wollt. Und ihr kriegt es auch!“ – Major Tom! Gut, damit hatte er das abgehakt, worauf man in manch anderen Konzerten warten muss bis zu den Zugaben: Den größten Hit. Ich finde, das ist eine gute Taktik, dann sitzen die weniger interessierten Zuschauer nicht die ganze Zeit auf heißen Kohlen und warten nur auf diesen einen Song, ohne den anderen Stücken auch nur die geringste Aufmerksamkeit zu schenken. In den Refrain von Major Tom konnten natürlich dann auch alle einstimmen. Ich behaupte ja immer, JEDER kennt EINEN Song von Peter Schilling und kann diesen auch im Refrain mitsingen, dies hat sich wieder bewiesen.
Der danach folgende Titel, Die Wüste lebt, ist zwar schon aus 1983 aber wenn man dem Text zuhört stellt man fest, dass er heute vielleicht noch besser in die Zeit passt als damals. Mich nervte nur etwas, dass alle in ihren Sitzen festzukleben schienen. Die Stücke sind jetzt nicht gerade in einer Schmusestimmung arrangiert und ich gab mich gezwungenermaßen einem Sitzpogo hin und hoffte auf die Aufforderung des Herrn Schilling, uns die Beine vertreten zu dürfen. So weit war es aber leider noch nicht. Erst zwei Songs später, nach „Wer, wenn nicht Du“ und „Was ist, wenn Gott mitten unter uns wär“ und zu Beginn von „Sonne, Mond und Sterne“ kam es endlich! Die Leute um mich herum erhoben sich teilweise eher widerwillig aus ihren kuscheligen Sitzen, um wenigstens mal für 10 Minuten ein echtes Rockkonzertfeeling aufkommen zu lassen. Ich weiß, warum ich Sitzkonzerte nicht mag!!
Aus Sonne, Mond und Sterne ergab sich dann ein Medley. In einem Reggae-Rhythmus begann die Band, zunächst „So Lonely“ anzustimmen. Es folgten noch „With or without you“ und „The Joker“. Sehr toll, diese Songs live von Peter Schilling zu hören was wieder bewies, dass er mehr kann als den einen großen Hit.
Auf dieses Medley folgte einer meiner Lieblingssongs: „Das gute Gefühl des richtigen Wegs“. Auch ihm bedeute dieses Lied sehr viel, beschrieb er das Stück in der Ansage.
Auf die Ankündigung einer danach folgenden kurzen Pause kam noch „Das Ende der Unschuld“, in dem es um die zunehmende Ausbeutung und Zerstörung der Erde und deren unumkehrbaren Folgen geht. Schon war die erste Stunde um. Ach, hatte ich erwähnt, dass die Leute sich natürlich gleich nach dem oben erwähnten Medley wieder auf ihre Sitze gepflanzt hatten?? *nerv*
Ich habe nicht auf die Uhr geschaut, ob die Pause wirklich nur 10 Minuten gedauert hat. Überbrückt wurde die Zeit mit Einspielung bekannter Hits Instrumentalversionen. Gerade als man sich auf der Bühne für die Fortsetzung des Konzerts bereit machte schallte „Lucky Day“ von Sasha durch die Lautsprecher…
Der erste Song nach der Pause war Terra Titanic. Neben Major Tom und Die Wüste lebt der dritte der großen Hits von Peter Schilling aus den 80er Jahren. Mit viel Nebel begleitet schallte der Titel durch die übrigens akustisch sehr gute Halle. Während des Songs flog ein Briefumschlag auf die Bühne. Als er zu Ende war rief jemand rein, und machte Peter auf diesen Umschlag aufmerksam. Es dauerte ein wenig, bis er durch seine In-Ears begriff, worum es ging. Es waren wohl Eintrittskarten für den VfB Stuttgart und übergeben von den „Augsburger Schwestern“. Diese beiden heute auch schon etwas älteren Damen, so erklärte Herr Schilling, hätten ihn in den 80er Jahren regelrecht „verfolgt“. „Wir wussten noch nicht einmal, welche Fernsehsendung anstand, sie wussten schon, welches Hotel!“, erklärte er. Diese weitere Unterbrechung in seinem Programm brachte den Protagonisten ein weiteres Mal ein wenig aus dem Konzept.
Nun kam ein weiterer Coversong. Diesen habe ich schon in durchaus schlechteren Versionen gehört als in dieser. „Du trägst keine Liebe in dir“ von Echt sein eines seiner Lieblingsstücke und daher spiele er es. Sehr belebend in dieser Rock-Version!!
Auf den nächsten „The different Story“ folgte eine weitere Überraschung im Progamm. Ein Kinderchor betrat die Bühne, um Peter bei „Kevin“ zu begleiten. Dieser Song beschreibt einen Teil seiner eigenen Kindheit und wurde im Rahmen seiner Schirmherrschaft für den Deutschen Kinderschutzbund aufgenommen. Die Kinder intonierten aber zuerst den Refrain von ABBA’s „Thank you for the music“ in deutscher Sprache als Geburtstagslied.
Kevin jagt mir immer eine Gänsehaut über den Rücken.
Jedes der Kinder hatte eine langstielige gelbe Rose, die sie alle an Peter übergaben, als sie die Bühne verließen. Einige dieser Blumen verteilte er daraufhin an sein Publikum.
Nun folgte ein Solopart, den Peter Schilling nur mit Akustikgitarre bestritt. Es begann mit Lady in Black (Uriah Heep), der erste Song, den er spielen lernte weil er praktischerweise nur zwei Akkorde hat. Als nächstes dann ein Stück, welches er dann in der Disco „L’Etoile“ bei Maurice damals in Stuttgart „für ein Bier und 10 Mark“ spielen durfte: Country Roads. Der nächste Titel war schon schwieriger zu erarbeiten, stundenlang habe er mit dem Plattenspieler Nadel vor, Nadel zurück Stück für Stück die Akkorde herausgehört: American Pie. Nachdem er dann endlich seinen ersten Vertrag hatte wurde er nach Hamburg beordert, um einen Werbesong einzusingen, das Teekanne-Lied. Wenn man es da so hört fällt einem auf, dass man es erstens kennt und zweitens es tatsächlich die Stimme von Peter Schilling war, die man dort hörte! Nach diesem ersten „Erfolg“ setzte er sich dann hin und schrieb seinen ersten Hit. Es folgte eine Akustikversion von Major Tom.
Damit war das Konzert auch schon fast zu Ende. Der letzte Song vor der Zugabe war noch einer „für die Jungs“ und hieß „Emotionen sind männlich“.
Bei dem lahmen Publikum ließen sich Peter und die Band nicht lange bitten und standen schnell für eine weitere Aufführung von Terra Titanic wieder auf der Bühne. Laut Setlist hätte es stattdessen eine Akustikversion von „Ich vermisse dich“ geben sollen, die fiel aber wegen Lustlosigkeit des Publikums berechtigterweise aus! Schade für die, die’s gerne gehört hätten (wie mich) aber leider auch verständlich.
Schon vor der Zugabe kündigte er an, dass er anschließend ans Konzert noch Autogramme geben würde im Foyer, worauf man auch nicht wirklich lange warten musste. Er schrieb und schrieb und schrieb, bis die Autogrammkarten aus waren und erst mal Nachschub besorgt werden musste! Sehr geduldig und freundlich ging er auf alle Wünsche ein und schien es überhaupt nicht eilig zu haben, auf seinen Geburtstag noch mit seinen Leuten in der Bar anzustoßen. Pluspunkt!
Bei all der Lobhudelei möchte ich aber nicht unerwähnt lassen, dass er während der Show doch teilweise unkonzentriert wirkte. Er verpasste Einsätze zu Strophen oder Refrains und bei Major Tom stolperte er auch einmal über den Text. Vielleicht lag es an den vielen Ablenkungen durch Geburtstagslieder oder daran, daß das Publikum so verschlafen war. Vielleicht auch daran, daß Peter Schilling ja zurzeit nicht auf Tour ist und daher nicht jeden Abend in Übung bleibt. Hier und da paßten auch Töne nicht, was ich jetzt mal auf die frisch auskurierte Erkältung, wie er zwischendurch erklärte, schiebe. Vielleicht bin ich von meinen anderen Sängern auch einfach verwöhnt.

- Kerstin -

Fotos von Peter Schilling in der Niedernhausen