Dick Brave and The Backbeats in Flensburg (Deutsches Haus) und Bremen (Modernes)

Dienstag, 13. März 2012 - BiBi

13.03.2012, Flensburg, Deutsches Haus

Dieses Jahr ist bisher für mich mehr als bescheiden gelaufen. Viel Ärger und Theater mit dem guten alten Auto – bis sich unsere Wege schweren Herzens Mitte Februar trennen mussten. Nun bin ich von Audi auf VW umgestiegen und dieser Teil meiner kleinen Welt ist wieder in Ordnung. Aber gleich darauf fing dann der Stress mit dem Vermieter an, der mich mit einem neuen Vertrag und sehr viel höheren Kosten beglücken möchte. Das alles macht mir momentan das Leben mehr als schwer – als wenn es mit der vielen vielen Arbeit nicht schon ausreichen würde. So stecke ich zwischen Baum und Borke – behalte ich mein geliebtes Zuhause oder strebe ich einem Umzug entgegen? Umziehen ist die Hölle, meine Ängste wuchsen so tagtäglich, die Laune sank in gleichem Maße und irgendwie munterte mich nichts mehr auf.
So sah ich den kommenden Konzerttagen auch eher ängstlich entgegen. Nach dem ganzen Stress einfach so losfahren und abschalten – das konnte ich mir schlecht vorstellen. Zu tief steckte ich im Alltagsgrau, traute mir kaum noch etwas zu und hätte mich am liebsten im Bett verkrochen. Aber gut, wenns einem schlecht geht, darf man sich mal eine Weile bemitleiden, dann muss aber auch wieder gut sein. Dem Leben entgegen lachen ist doch besser als den Kopf in den Sand stecken.
Ich stand morgens schon mit Kreislaufproblemen auf – sowas kenn ich eigentlich gar nicht - und startete dann am frühen Dienstagnachmittag Richtung Norden – um mich in Rade mit Petra zu treffen und in ihr Auto umzusteigen. Wir hatten uns dieses Jahr auch noch nicht gesehen…als wir zu Cosmo-Konzerten wollten, hat mein Auto mich im Stich gelassen und sie fuhr allein, als wir zum Adriano Batolba Orchestra wollten, wurde Petra krank und ich fuhr allein. Daher hatten wir uns schon genug zu erzählen, ich musste mir auch nochmal meinen Mist von der Seele reden…
Der Verkehrsgott meinte es gut mit uns, keinerlei Stau störte die freie Fahrt nach Flensburg. Ins Deutsche Haus sollte es gehen, einer Location, die wir beide noch nicht kannten. Dank Navi fanden wir auch zielstrebig dorthin, bretterten einmal kurz vorbei, drehen, zurück, ah, da ist der Parkplatz. Gut, kostete Geld, aber das Auto war in unmittelbarer Nähe.
Lediglich Ulrike, die uns auch gut bekannt ist, wartete bereits am Einlass, als wir kurz nach 16 Uhr eintrafen. So hockte ich mich auch noch eine ganze Weile ins Bushaltestellen-Häuschen neben dem Deutschen Haus. Als Petra und die frisch eingetroffene Karin sich zu mir gesellten, joggte Backbeat-Bassist Felix an uns vorbei und blieb zu einem kleinen Pläuschchen stehen. So konnten wir schon mal erfragen, wie die Tour gestartet war und erfuhren, dass der Gesundheitszustand aller Musiker und Crewmitglieder noch prima war…Puh, ein Glück.
Ein wenig Irritationen gab es, als ein Mitarbeiter des Kinos, das sich auch im Deutschen Haus befindet, meinte, der Einlass würde evtl. an einer Seitentür stattfinden…komisch…wir schauten und guckten – Karin fasste sich dann ein Herz, ging ins Foyer des Deutschen Hauses und erfuhr, dass wir auch alle gern hinein kommen könnten, um drinnen zu warten. Super, das war natürlich klasse, denn draußen blies eine steife Brise und drinnen befanden sich riesige Sofas, wo das Warten doch wesentlich angenehmer war. Zögerlich füllte sich das Foyer – letztendlich wären wir auch um 17.30 Uhr noch rechtzeitig gewesen, um ganz vorn dabei zu sein – aber weiß man das vorher?
Zu meiner Freude gesellte sich heute Andi aus Hamburg zu uns. Wir treffen uns ja immer wieder mal bei Konzerten – kennengelernt bei Die Happy, ist er der größte Konzertgänger, den ich so kenne.
Der Einlass begann pünktlich um 19 Uhr, es hatte sich eine ordentliche Schlange gebildet, ich hatte Petras Tasche dabei, ließ mich fein durchsuchen und kam so auch gut an der Bühne an. Meine Wasserflasche, die ich immer als überlebenswichtig bei einem Konzert empfinde, hatte ich in der Jackentasche mit hinein schmuggeln können. Ich will den Club sicher nicht um seine Einnahmen betrügen, aber während des Konzerts kommt man einfach nicht mal eben aus der ersten Reihe raus, um Getränke kaufen zu gehen. Und gerade mit meinem immer noch nicht ganz stabilen Kreislauf wollte ich ungern auf das wichtige Wasser verzichten.
Hochzufrieden mit meinem Platz in der ersten Reihe zwischen Petra und Andi merkte ich jetzt schon, wie die Anspannung der letzten Wochen langsam wich und das Gemüt wieder etwas heller wurde. Gute Voraussetzung :) – und noch besser war, als tatsächlich um Punkt 20 Uhr der Vorfilm auf der weißen Leinwand, die die Bühne verdeckte, los flimmerte. Was das denn? Pünktlicher Beginn? Ohne Vorband? Sowas ist man ja eher weniger gewöhnt…
Der Film war derselbe tolle Zusammenschnitt über das Verschwinden und Wiederfinden von Dick Brave wie auch schon auf der letzten Tour. Trotzdem konnte ich wieder herzhaft drüber lachen bzw. auch so manches Mal schaudernd weggucken.
Und dann der schöne Moment, wo die Leinwand fällt und Dick und die Backbeats auf dem Podest stehen und sich schon mal feiern lassen, bevor es mit großen Sprüngen an die Mikrofone geht. Zu meiner großen Freude startete das Set mit „Highschool Confidential“ – juchhu, sooo lange nicht mehr live gehört. „20 Flight Rock“ und „She’s the most“ folgten auf dem Fuß – und schon jetzt war ich mit den Gedanken weit weg von allem, was nervt und ärgert und wippte und sang euphorisch mit. Die Rock’n’Roll-Therapie wirkte bei mir schon bombastisch.
Dick musste sich am Anfang bei seinen Ansagen noch ein bisschen abmühen, um die ca. 1000 Konzertbesucher locker zu bekommen, aber hey, es klappte auf jeden Fall. Die Flensburger wollten Party und die bekamen sie auch. „This girl is trouble“ kam genauso gut an wie „Rolling in the deep“ . Bei letzterem war es mit dem Alleinsingen des Publikums beim Refrain nicht ganz einfach, aber ich hab‘s schon schlechter gehört. Nun forderte Adriano uns auf, doch mal kräftig für Chuck Berry zu applaudieren, denn jetzt würde ein Chuck Berry-Song kommen – sieh an: „Come on“ .
Dann folgte schon einer meiner liebsten Songs – immer noch: „Sitting Waiting Wishing“ . Irgendwie habe ich eine Affinität zu Liedern, die erst etwas langsam starten und dann richtig losbrettern. , das merke ich bei „No one knows“ ja auch immer wieder. Dazwischen kam aber noch das locker-flockige „It’s up to you“ und der Elvis-Klassiker „Lover Doll“.
Dick spielte heute ein wenig den Invaliden. Obwohl er augenscheinlich fit wie ein Turnschuh ist, schauspielerte er ein wenig, wenn er in die Knie ging oder sich mal wieder hinten runter beugte – als wenn die alten Knochen es nicht mehr so gut aushalten würden. Alles Quatsch – da wo andere Leute Muskeln und Sehnen haben, die knacken, reißen, schmerzen, scheint er Stahlbänder zu haben.
Eine riesige Freude machte mir das folgende Lied: „Americano“ – och, was hab ich mich gefreut, dass der Klassiker es ins Set geschafft hat. Und das nächste Highlight kam gleich hinterher – „I’ll be satisfied“ – das hatten wir auf der letzten Tour schmerzlich vermisst.
Danach wurde es nochmal recht schmusig mit „Look at you“, aber dann kam als Kontrastprogramm „American Idiot“, das ja doch um einiges mehr brettert.
Die Frage, ob wir Blues-Music wollen, wurde mehrfach wiederholt, da das Publikum nicht sehr euphorisch auf die Frage reagierte. Dick schnappte sich also das Mikro für die Blues Harp und sang davon, dass man mit Zähnen im Mund keinen Blues singen kann. Und dann folgte das Mundharmonika-Intro für „Black or white“. Der Saal kochte nun wirklich, trotzdem wurde mit dem wunderschönen „Just the way you are“ wieder etwas Tempo aus dem Set genommen. Aber auch nur, um dann quasi ins Finale zu gehen. „Just can’t get enough“ entpuppte sich als letzter Song des Hauptteils. Tobenden Applaus gab es danach für die Musiker auf der Bühne, die strahlend ins Off verschwanden – und sich trotz Zugabe-Rufen und euphorischen Gebrülle etwas Zeit mit der Wiederkehr ließen.
Falco kehrte zuerst allein auf die Bühne zurück und spielte ein wenig Klavier mit asiatischen Klängen dabei. Doch auch der Rest der Band erschien nun und als Dick „Take good care of my baby“ anstimmte, sangen die Flensburger schon mal gleich von Anfang an lautstart mit, was mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen wurde.
Bei der zweiten Zugabe „Walk this way“ musste Dick nicht mal großartig zum lauten Klatschen auffordern – das klappte schon quasi von allein. Nach dem Song verließ die Band die Bühne erneut und ließ ein völlig aufgeputschtes Publikum zurück, das natürlich nach einer weiteren Zugabe forderte – auch diese wurde zum Glück gewährt. Das Medley „Cream/Kiss“ war am Start, natürlich ließ es sich Adriano nicht nehmen, mit seiner Gitarre ins Publikum zu springen und dort seine Runden zu drehen, bevor er auf die Bühne zurückkehrte und sich wie ein Derwisch im Kreis drehte – es ist der helle Wahnsinn, dass dabei noch jeder gespielte Ton sitzt. Großartig!
Ich war schon ein wenig ängstlich, aber nun wurde ich beruhigt…“Always on my mind“ kam als nächstes und das Publikum war bei den ruhigen Tönen, die so glasklar rüber kamen, sehr leise und aufmerksam. Das war einfach zum Dahinschmelzen. Doch in diesem Zustand wird man hier natürlich nicht nach Hause geschickt – damit die Therapie auch richtig wirkt, fehlte natürlich noch der krönende Abschluss „Great balls of fire“ mit dem immer wieder begeisternden Wechsel der Instrumente. Nachdem die letzten Töne verklungen, die Musiker unter tosendem Applaus die Bühne verlassen und die Lichter angegangen waren, gab es auch für mich kein Halten – ich strebte ein wenig nach Abkühlung und frischer Luft. So ging ich schon mal zurück ins große Foyer, bis Petra und Co. auch so nach und nach dort eintrafen. Ein bisschen wurde noch gequatscht, aber dann verabschiedete sich einer nach dem anderen und auch wir zogen ab Richtung Parkplatz…bis zur Abfahrt verging auch nicht mehr viel Zeit – und auch wenn mein Navi mir diesmal nicht wirklich einen Burger King anzeigen wollten, fanden wir dann an der Autobahnabfahrt Schleswig noch einen geöffneten. Mitten im Essen dann vertraute Klänge aus dem Burger King-eigenen TV-Programm – da lief doch tatsächlich das Video von „Just the way you are“. Hach, was freuten wir uns – doch dann passierte es. Zum Schluss wurde natürlich eingeblendet, von wem denn dieses Lied ist – und da stand dann: Dick Brave & The BackSeats. Ich musste dermaßen lachen, dass ich mich am letzten Bissen des Long Chickenburgers verschluckte und noch eine halbe Stunde später im Auto husten musste. Verdammt :D
Irgendwann kurz nach 2 Uhr traf ich dann endlich daheim ein und konnte a) auf einen schönen Abend zurück blicken und b) mich auf einen tollen weiteren freuen – diesmal ohne weite Anfahrt, denn am nächsten Tag stand ein Konzert in Bremen auf dem Plan.

14.03.2012 Bremen, Modernes

Irgendwie fand ich heute gar nicht gut aus dem Bett – aber: Kreislauf war wieder okay, so soll das auch. Eine wirklich schnell wirkende Therapy ;) – ich ließ es gemütlich angehen und hatte noch einige Freizeit, bevor ich irgendwann nach 15 Uhr das Haus verließ. Um 15.30 Uhr war Treffen mit Petra auf dem Parkplatz von Daisys Diner in Oyten – eigentlich hatten wir auch vor, dort abends noch einzukehren – aber es war nur ein lockeres Vorhaben.
Mit meinem Auto ging es also nach Bremen in die Neustadt – zu meinem absoluten Lieblingsclub. Das Modernes ist früher ein Kino gewesen, daher ist auch der Raum ansteigend, es gibt ein auffahrbares Dach, vorn ist bereits eine feste Absperrung eingebaut – und man bekommt in unmittelbarer Nähe immer gut einen kostenlosen Parkplatz. Leider hatte man die Fläche, wo ich sonst gern stehe, inzwischen mit einem Parkverbotschild versehen, also musste ich, weil wir uns ja in einer Einbahnstraße befanden, noch eine Runde drehen, bis ich parken konnte.
Heute waren bereits zwei bis vier Leute vor uns da, aber das ist ja nicht weiter schlimm, zumal man zwei der Mädels auch kannte. So konnten wir gleich mal plaudern, bekam schon Tipps, wo man schnell auf die Toilette gehen kann (nochmals danke dafür, Claudia – wäre ich sonst nie drauf gekommen!). Da es aber noch früh und sehr ruhig war, verzog ich mich noch ins Auto – dank iPhone wird einem ja auch nie langweilig ;)
Irgendwann gesellte ich mich dann doch zu der inzwischen leicht gewachsenen Gruppe vor dem Eingang – und wir fragten auch schon mal die angereiste Security, ob denn mehr als nur die eine Tür geöffnet wird, wo wir alle anstanden. Oh ja, wurde uns mehrfach versichert, auf jeden Fall zwei Türen…ob nun die mittlere oder die ganz linke, wüsste man noch nicht. Ich nahm also wieder Petras Tasche, damit sie ohne Durchsuchung gleich durchsausen konnte und stellte mich mehr mittig – blieb dort aber auch recht allein. Was wohl dann die Einlass-Crew dazu bewog, doch nur diese eine Tür ganz rechts zu öffnen – super Sache  - ich hatte meine Mühe, nun dort auch noch hinein zu kommen und Petra musste eine ganze Weile warten, bis ich endlich an der Bühne ankam. Aber alles war gut, ich hatte mein schönes Plätzchen zwischen Dick und Phil und war sichtlich zufrieden.
Das Modernes füllte sich rasch, war doch auch schon seit Monaten ausverkauft. Ich hab lange gebangt, ob das Konzert nicht noch ins größere (und ätzende) Aladin verlegt wird und hatte bei diversen Leuten schon rumgeheult und gebettelt, dass es doch bitte bei der ursprünglichen Location bleiben soll. Die Atmosphäre ist hier einfach schöner. Und was auch in Bremen bei mir für regelrechte Begeisterungsstürme sorgte: Auch hier wurde pünktlich um 20 Uhr begonnen. Toll, ich hasse diese Wartezeit zwischen eigentlichem Beginn und dem tatsächlichen.
Vom Set her war es die gleiche Songauswahl wie am Tag zuvor in Flensburg, aber man muss sagen, das Bremer Publikum war ein noch besseres als das Flensburger. Hier wurde vom ersten Moment an gefeiert und Party gemacht, gejohlt und getobt. Die Musiker auf der Bühne waren auch sichtlich davon angetan und so schaukelte sich das ganze irgendwie gegenseitig immer höher. Das hat wirklich so viel Spaß gemacht. Mein Manko heute war nur, dass ich kein Wasser dabei hatte, weil ich ja die korrekten Einlasskontrollen hier kenne und gar nicht erst versuchte, eine Flasche hinein zu schmuggeln. Aber dankenswerterweise bekam ich vom Dick eine Flasche zugeworfen – thank you so much, Dear! So gab es auch kein Problem, die durchaus hohen Temperaturen im Club durchzuhalten.
Es gab soviel zu lachen auf der Bühne – sei es, dass der Adriano plötzlich wieder zum André wurde – oder das publikumsseitige Singen von „Rolling in the deep“ total schlecht war – hehe…alles machte gute Laune und meine ganzen mistigen Probleme der vergangenen Zeit waren sooo sooo weit weg. Einfach wunderbar, das hat den Kopf wieder frei gepustet und das Herz leicht gemacht.
Aber auch das schönste Konzert geht einmal vorbei und so war schon wieder viel zu früh Zeit für „Great balls of fire“ und dem tobenden Abschluss-Applaus. Happy und verschwitzt bin ich dann gleich raus an die frische Luft, ein bisschen ausdampfen und im nahestehenden Auto etwas ausruhen. Wir sind dann auch noch eine ganze Weile geblieben, hier und da in Gesprächen vertieft, bis es uns dann Richtung daheim zog. Petra musste am folgenden Tag arbeiten – und ich mochte auch einfach in die Heia. Und wie toll, dort schon nach einer kurzen Fahrzeit von 25 Minuten angekommen zu sein. Und zu Daisys Diner gehen wir dann eben das nächste Mal ;)
- BiBi -
Fotos von Dick Brave & The Backbeats in Flensburg
und Bremen