Dick Brave and The Backbeats in Kiel (Kieler Woche)

Donnerstag, 21. June 2012 - BiBi

Kieler Woche – die sechste…glaub ich zumindest. Oder war ich schon sieben Mal dort? Egal…erstaunlich nur, dass ich, als ich in den neunziger Jahren zwei Jahre in Kiel gearbeitet habe, ums Verrecken nicht auf die Kieler Woche wollte – und nun doch so gern immer wieder dorthin fahre. Und dieses Jahr haben wir da ja auch den Hauptgewinn gezogen. Sonnenschein – wo gibt’s denn sowas? Ich erinnere mich, dort doch sonst schon häufiger völlig durchgeregnet worden zu sein.
Da geht’s mittags hier mit richtig guter Laune auf die Autobahn…erste Zwischenstation ist der neue Autohof in Rade, da bin ich mit Petra um halb zwei verabredet. Als ich in Stuckenborstel auf die A 1 fahre, bin ich richtig erschrocken, denn es kommen etliche Autos genau dort von der Autobahn runter – Hilfe, denke ich, ist irgendwo ein Stau, eine Vollsperrung, wovon ich nichts weiß und gleich hinein gerate? *eek* - will nicht…aber es ist eh zu spät, ich bin schon auf der Auffahrt zur Autobahn und als ich mir die abfahrenden Fahrzeuge so anschaue, wird mir was klar…alle voll mit jungen Leuten – ah, die Anfahrt fürs Hurricane Festival in Scheeßel ist in vollem Gange. Auch wenn’s erst Freitag startet, sichern sich die Festival-Junkies ja jetzt schon die besten Zeltplätze. Also alles okay und ich muss nicht in einer Vollsperrung stecken bleiben. Leider gerate ich dann aber ein paar Kilometer vor Rade doch in einen Stau und verspäte mich daher um bald eine halbe Stunde…ein liegen gebliebener Lkw in der Baustelle ist schuld. Nicht zu ändern.
Aber dann ist der Stau geschafft und Petra und ich düsen mit ihren Auto weiter und kommen völlig staufrei in Kiel an…dort verhaspelt sich mein Navi dann einmal und schickt uns ein bisschen in die Irre, doch auch das ist schnell ausgestanden. Wir hatten uns einen Parkplatz ganz in der Nähe des Einlasses aufs Konzertgelände ausgesucht – und obwohl diese Stellfläche dann leider gesperrt ist, finden wir ein paar Meter weiter doch ein Plätzchen. Super, für mich eine große Erleichterung. Im Vorjahr hatten wir auf dem offiziellen Kieler Woche-Parkplatz gestanden – und der Rückweg war für mich dann doch sehr furchtbar, da ich so meine Probleme habe mit großen Menschenmengen, durch die ich gehen muss. Hab ich nur noch Köpfe um mich herum, bekomme ich irgendwie Beklemmungen und Herzrasen. Angefangen hat das mal auf einer Veranstaltung beim Hessentag in Bad Arolsen vor genau 9 Jahren (ja genau – auch bei einem Dick Brave-Auftritt). Seither vermeide ich halt, mit Menschenströmen mitlaufen zu müssen. Warte nach einem Konzert so lange, bis sich die Menschenmenge etwas aufgelöst hat etc.
Nun werden wir aber erst einmal von unseren Lieblings-Zwillingen, die in der Sonne vor der Einlass-Schleuse sitzen, begrüßt. Och, haben wir das gut. Traumhaftes Wetter, der Wind ist zwar mittelstark, aber auf keinen Fall kalt und so kann man es super aushalten. Als wir hören, dass auf der Bühne der Soundcheck beginnt, beschließen wir, aufs Gelände zu gehen, denn noch sind die Einlässe offen. Dort setzen wir uns weit am Rand auf ein Mäuerchen, gucken zu und quatschen viel.
Ursprünglich stand im Internet, dass Einlass ca. 3 Stunden vor dem Konzertbeginn, der mit 19.30 Uhr angesetzt war, stattfinden sollte. Im Gegenteil zu den vorherigen Jahren war diesmal auch Eintrittsgeld zu zahlen…wohl mehr eine Schutzgebühr, denn 6,75 Euro ist ja wirklich fast geschenkt und ich begrüße das auch sehr. So eine Gebühr hält wenigstens die Leute ab, die eh nur zum Saufen auf die Kieler Woche gehen (und dabei aber nicht ihre Getränke dort kaufen, sondern massenhaft Flaschen mitbringen, über deren Scherben man dann nachts laufen darf). Die können auch außerhalb der Konzert-Area feiern und da ihr Leergut kaputt kloppen.
Um 16.45 Uhr kommt dann ein Ordner zu uns, um mitzuteilen, dass der Platz jetzt gesperrt wird, Einlass um 17.30 Uhr sein wird und man doch bitte, vor die Einlass-Schleuse gehen soll. Dann guckt er mich freundlich an und sagt, seine Kollegen und er hätten beschlossen, dass ich drin bleiben darf, aber die jungen Damen müssten eben raus. Ich denke eine Sekunde drüber nach, ob ich beleidigt sein soll oder erfreut, aber nee, ich bin sehr erfreut darüber und bedanke mich artig. Die alte Dame bleibt somit hocken und die jungen Damen gehen vom Platz.
Wer jetzt glaubt, dass ich ruhig und gelassen bin, täuscht sich. Ich bin zwar nun schon auf dem Gelände, aber will ich mich natürlich nicht so allein vor die Bühne stellen, sondern auch erst kurz, bevor der Einlass beginnt, denn irgendwie hab ich ja doch Angst, dass man mir sonst sagt: Ach, du stellst dich dahin? Dann kannste auch draußen bei den anderen warten :D – so beäuge ich jede Bewegung des Sicherheitsleute, beobachte, was passiert und wann es wohl los geht. Kurz vor halb sechs gehe ich dann zu einer jungen Frau, die so ein Ticketlesegerät in der Hand hat und frage, ob sie wohl mein Ticket checken möchte. Nö, möchte sie nicht…aha…aber sie sagt im selben Augenblick auch ihren Kollegen Bescheid, dass die nun die Schleusen öffnen können und ich eile mal lieber schnell zur Bühne – keine Minute später folgen dann auch die Mädels und wir freuen uns über unsere schönen Plätze vor dieser recht hohen Bühne. Was für ein Unterschied zu dem letzten Konzert im kleinen Amsterdamer Club. Dafür stehen wir hier jetzt aber auch im Sonnenschein und fühlen uns sehr wohl. Mein Vorhaben, doch noch mal zum Mäuerchen zurück zu gehen und dort sitzend zu warten, bis sich der Platz füllt, vergesse ich irgendwie, denn wir haben uns doch immer noch viel zu erzählen und so vergehen die zwei Stunden Wartezeit bis zum Konzertbeginn wirklich schnell…das kenn ich auch anders, da zieht sich die Zeit wie Kaugummi.
Aber nun ist es halb acht und ein Mitarbeiter von Radio Hamburg, welche die Bühne ja dieses Jahr sponsern, sagt Dick Brave & The Backbeats an…riesige Nebelschwaden wabern vor und auf der Bühne – bei dem Wind hat man doch ordentlich zu tun, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Aber die Nebelmaschinen arbeiten auf Hochleistung und irgendwann im Konzert raune ich Petra zu, dass die Kieler Innenstadt inzwischen bestimmt vollständig gesperrt wurde, weil sie völlig vernebelt ist – denn in die Richtung zieht der ganze Dampf ab.
Aber trotz Nebel erkennt man, wer da denn jetzt die Bühne betritt…im Laufschritt erscheinen die Musiker und los geht es mit „Highschool Confidential“. Irgendwie komisch, bei hellem Tageslicht zu feiern, wenn man sonst nur dunkle Clubs gewohnt ist – aber irgendwie auch super! „Twenty Flight Rock“ und „She’s the most“ sind die nächsten Songs – ganz wie gewohnt. Vor der Bühne sind Horden von Fotografen – ich wundere mich, wer da alles zugelassen wird. Klar, die meisten haben professionelle Fotoausrüstungen…aber was die junge Frau vor mir da mit ihrem Handy zu suchen hat, mit dem sie Fotos macht, ist mir nicht ganz klar…oder eine weitere Frau, die mit einer Mini-Digicam fotografiert – warum haben die sich akkreditieren lassen –um 6,75 Euro Eintritt zu sparen? Man weiß es nicht.
Nach dem dritten Song müssen die Damen und Herren der Foto-Front eh gehen und ich bin gänzlich verwirrt…denn nun gibt es einen ganz anderen Songablauf als gewohnt. Als nächstes folgt „Just can’t get enough“ – Hilfe…sind wir denn schon kurz vor der Zugabe? Nein, natürlich nicht, aber wenn man häufiger auf Konzerte geht, verwirrt einen sowas etwas :D – egal, denn die Stimmung auf dem Platz ist ausgesprochen gut, einige tausend Zuschauer sind wohl doch zusammen gekommen trotz Eintritt und singen zur Freude der Musiker natürlich lauthals mit.
In der Reihenfolge kann ich die Lieder, die folgen, leider nicht wiedergeben – hab nicht mitgeschrieben oder eine Setliste geholt. Aber alles ist doch sehr gemischt, die schnellen Songs sind auf jeden Fall irgendwie alle am Start. „Tonight“ oder „American Idiot“ – „Used somebody“ oder „No one knows“ – aber auch etwas weniger temporeiches wie “Come on” und “Just the way you are” werden zum besten gegeben.
Viel Spaß hat Dick wieder beim Intro von „Black or white“, denn voller Inbrunst singt er ins extra Mikro den Blues – trotz Zähne im Mund – und ich lach mich immer noch scheckig darüber…
Das Prince-Medley aus „Cream“ und „Kiss“ ist heute auch schon im Hauptset an der Reihe und Adriano lässt es sich auch hier nicht nehmen, die Bühne zu verlassen und durch die Menschenmenge zu toben, bevor er unter dröhnendem Applaus auf die Bühne zurückkehrt und seine Pirouetten dreht. Dick steht währenddessen wie ein Surfer auf dem Klavier und macht seine Posen.
Ich bin völlig geschockt, als es plötzlich heißt: Thank you very much – und die Musiker winkend die Bühne verlassen. Hilfe, Hauptset schon vorbei…laut Zugabe rufen, damit noch mehr kommt. Klappt auch in Kiel immer wieder gut und Falco kehrt zunächst allein zurück, um ein schönes Solo zu spielen…dann folgen die anderen und „Take good care“ ist dran. Danach geht das Tempo noch einmal hoch mit dem Klassiker „Walk this way“ und danach ist dann mit „Great balls of fire“ leider wirklich Feier-Abend ;) – Mensch, viel zu kurz, nur knapp 1,5 Stunden. Ach, wie schade, ich könnte noch ein bisschen. Aber hilft ja nichts. Der Platz leert sich sehr schnell, auch wenn um 21.30 Uhr noch eine Kieler Showband auftreten soll. Uns interessiert es ja auch nicht wirklich und eigentlich ist es auch super, so früh heimfahren zu können. Immerhin ist Freitag ein Arbeitstag und so ist der Schlafmangel nicht zu groß. Wir machen uns also auch auf den Weg zum Auto und fahren beschwingt Richtung Heimat. Den kurzen Stopp bei einem Burger King in einer Autobahnraststätte hätten wir uns besser gespart, das Essen ist kalt und liegt mir noch stundenlang wie eine Granate im Magen.
Um Mitternacht bin ich wieder daheim und fühle mich richtig toll sonnen- und musikdurchflutet. Kieler Woche – immer wieder gern!

- BiBi –

Fotos von Dick Brave & The Backbeats auf der Kieler Woche