The Baseballs in Magdeburg (Festung Mark)

Freitag, 20. Juli 2012 - BiBi

Nach einem bisher relativ verregneten Sommer steht heute mein Geburtstagskonzert an – gut, es ist ein Tag nach dem Geburtstag, aber das sehe ich nicht so genau…ich war total happy, als der Termin veröffentlicht wurde: The Baseballs in Magdeburg…Festung Mark. Meine Freundin Uta wohnt nicht weit weg von Magdeburg und sie war auch schon einmal in der Festung zu einem Konzert der Monsters of Liedermaching und war sehr angetan von der Location.
Deshalb freute sie sich mal mindestens genauso über den Termin und hat mir das Ticket quasi zum Geburtstag geschenkt *knuddel dafür*
Was mich richtig glücklich stimmt, sind die Wetterprognosen. Es sieht nach einem halbwegs sonnigen und nicht zu nassen Tag aus. Und so starte ich dann voller Vorfreude auf ein schönes Konzert und vielen lieben Menschen, die ich wiedersehen würde, mittags um kurz nach 12 Uhr…noch schnell Auto volltanken und ab auf die Autobahn…Na bravo, gerade 25 km von daheim weg stehe ich bereits im ersten Stau…und der ist nicht angesagt – keine Verkehrsfunkdurchsage meldet ihn, somit weiß ja auch mein schlaues Navi nichts davon. Zum Glück bin ich noch im eigenen Landkreis und kenne mich aus und verlasse die Autobahn bei nächster Gelegenheit, um wenigstens fünf Kilometer des Staus zu umfahren. Trotzdem kostet mich das ganze eine Stunde *grummel* - das geht ja gut los.
Aber zum Glück setzt sich das nicht so fort…es ist zwar sehr viel auf den Autobahnen los, immerhin ist ausgerechnet heute bei uns in Niedersachsen Ferienbeginn…aber es kommt zu keinen größeren Staus mehr…so treffe ich kurz nach halb vier in Magdeburg auf dem Parkplatz gegenüber der Festung Mark ein. Nun erst einmal strecken, für 1,50 Euro ein Parkticket lösen (was für ein Unterschied zu den 40 Euro in Amsterdam :D) und Uta anrufen. Sie ist bei ihrem Sohn, der in Sichtweite von der Festung ganz oben in einem Hochhaus wohnt – sie kommt kurze Zeit später angesaust, inzwischen ist auch Thessi zu mir auf den Parkplatz gekommen und es ist ein großes Wiedersehens-Hallo.
Bevor wir zur Festung schlendern, gibt’s noch ein Schmankerl…Uta hat mir kleine Himbeertörtchen gemacht, wie süß…so futtere ich eins davon, das zweite packe ich für später in den Kofferraum und ab geht’s zum Einlass. Dort geht die Begrüßung von lieben Menschen weiter, unter anderem kann ich die liebe Steffi aus der Schweiz mal wieder in die Arme schließen und wir können vollkommen entspannt auf den großen Treppen Platz nehmen – tolles Anstehen – äh, Ansitzen :). Um halb sieben soll Einlass sein, bis viertel nach sechs sitzen wir da alle gemütlich rum, zum Glück sind viele Stufen da, so verteilen sich auch die neu Hinzukommenden immer schön weiter nach oben.
Der Einlass verzögert sich etwas, gut 15 Minuten warten wir, bis es heißt: Rein – auch das geht total gesittet von statten (nur die aus Finnland angereisten Fans schreien laut beim reinrennen, was ich so auch noch nicht gehört habe :) und so finde ich mich dann im Innenhof der Festung auf der rechten Seite vor der Bühne wieder. Alles toll hier, nicht so riesig, Gastronomiestände sind ausreichend vorhanden. Ich suche schnell noch die Toilettenanlage auf, hier liebevoll als Donnerbalken ausgeschildert.
Am Bühnenaufbau erkennen wir, dass eine Vorband spielen wird. Und nachdem der Platz so einigermaßen gefüllt ist, jeder aber schön Platz hat und man locker stehen kann, betreten fünf junge Menschen die Bühne und legen mal wortlos los. Och…was ich höre, gefällt mir gut. Synthie-Pop mit schönen Melodien. Den Gesang teilen sich eine hübsch anzusehende junge Frau und ein wohlgeratener junger Mann, der auch ab und an zur Gitarre greift. Hauptinstrument ist aber auf jeden Fall der Synthesizer. Zwischendurch sagen sie dann auch ihren Namen: Cindy Ciser aus Magdeburg. Ein Name, der Programm ist. Etwas über eine halbe Stunde geben die fünf Musiker ihre Songs zum besten und fast alles gefällt mir sehr. Ich bin halt Kind der Achtziger und ihre Klänge erinnern an diese Zeit.
Mit viel Applaus wird die Band dann ins Off entlassen und die Umbauphase beginnt und geht zügig voran. Uta und ich haben eh so viel zu quatschen, dass die ganze Wartezeiten so schnell vergehen wie schon lange nicht mehr – und dann ist auch schon Showtime für den Hauptact.
Die Bandmusiker kommen auf die Bühne und starten – und dann sind auch Basti, Sam und Digger da und mit „No Diggity“ geht die Voc’n’Roll-Party los. Mir schauerts über den Rücken, so sehr freue ich mich, sie alle endlich wiederzusehen.
Und dann folgen sie, die immer gern gehörten Songs der Baseballs…“Hello“, „Bitch“, „I don’t feel like dancing“, „I do“, „Angel“ etc. Die Laune ist überall spürbar toll und schnell kristallisiert sich heraus, dass dieses Konzert auch für Basti etwas besonderes ist…ist Magdeburg doch seine Heimatstadt und so sind nicht nur Familienmitglieder vor Ort, sondern auch reichlich Leute, die auf die selbe Schule gegangen sind wie er. So auch die Mädels, die neben Uta stehen – und immer wieder werden sie auf zauberhafte Weise von Sam, Basti und Digger angesungen. Wobei Uta mir hinterher erzählt, die direkt neben ihr Stehende kannte augenscheinlich nicht einen Song und ist sicher nur mitgeschleppt worden *lach* - egal, Hauptsache, sie hatte Spaß.
Nervig ist lediglich ein betrunkener Typ, der ständig mit einem orangen T-Shirt wedelt, dies auch zwischenzeitlich zu Basti auf die Bühne wirft, der es aber nach einem kurzen Betrachten auch wieder zurück wirft. Trotzdem fühlt sich der Besoffski dazu berufen, die Bühne zu stürmen…drängt sich also durch die vorderen Reihen, klettert über die Absperrung (das alles mit nacktem Oberkörper), fällt im Graben gepflegt auf die Schnauze, erklimmt schon fast die Bühne, bis die Security endlich reagiert und ihn aus dem Graben trägt. Leider hat man ihn nicht komplett raus befördert, sonst hätte er nach dem Konzert nicht weiterhin allen auf den Sack gehen können. Ja, ich gestehe, ich habe wenig Geduld mit sinnlos betrunkenen Menschen…
Klasse ist, was wir alles so über Magdeburg lernen. Da werden Lieder angestimmt, die mir völlig fremd sind. Im Zuge, die Jungs singen vor und das Publikum singt nach, sollen Bee Gees-Hits gesungen werden. Digger fällt noch Stayin‘ Alive ein, bei Sam kommt kein Bee Gee-Song rüber und Basti nimmt eben eine Magdeburger Hymne, die natürlich besonders begeistert nachgesungen wird – und dann werden noch Sprüche geklopft wie: Wie spät ist es in Machdeburg? Und das Publikum antwortet laut: Achte durch – als nicht aus der Region stammend wirkt das alles schon sehr skurril und amüsant auf mich ;)
Beim Akustik-Set entdeckt Basti im Publikum seinen früheren Sozialkunde-Lehrer, der dann spontan auf die Bühne gebeten wird…und er kommt auch sofort angesprintet und reiht sich in die Rhythmus-Gruppe ein – ein sehr cooler Lehrer, der auch viel Applaus erntet.
Was mich dann noch völlig fasziniert ist der neue Song im Repertoire der Baseballs…“Call me maybe“. Ich gestehe, ich kann beim ersten Hören keine klare Verbindung mit einem aktuellen Hit aus den Charts aufbauen, aber mir gefällt sofort außerordentlich gut, was ich höre. Digger erklärt auch den Mitmachteil, denn immer wenn eine bestimmte Melodie gespielt wird, hat das Publikum laut das CALL ME MAYBE zu rufen und so macht das ganze gleich noch mehr Spaß.
Inzwischen höre ich das Original im Radio gefühlte 20 x am Tag und sofort höre ich mit dem inneren Ohr die Voc’n’Roll-Version, die tausendmal besser ist. Das Original hab ich vorher natürlich auch schon häufiger gehört, aber nie wirklich hingehört, denn 1. singts eine Frau (Carly Rae Jepsen), was per se schon nicht so prickelnd ist und 2. finde ich den Song auch eher nicht hörenswert – wie gesagt, im Original.
Natürlich fehlen auch Baseballs-Songs wie „Candy Shop“, „The Look“ oder das immer wieder Gänsehaut erzeugende „Torn“ heute nicht – ebenfalls dabei „Lets get loud“ mit dem Mitmachteil, alles dem Digger nachzusingen. Dabei gesteht er, dass er im Surf-Urlaub war und sich dabei eine Rippenprellung zugezogen hat. Deshalb wird jetzt überwiegend leise gesungen, das ganze verursacht ihm denn doch noch Schmerzen. Der Gute ist in diesem Jahr recht verletzungsanfällig, wie es scheint. Trotzdem hält er super durch. Besonders auch bei „A big hunk o’love“, wo Sam wie ein Mega-Rockstar Gitarre spielt, Basti verzückt den Triangel schlägt und Digger das Klavier und sich selbst zum brennen bringt. Diesmal hab ich auch den richtigen Platz, um das ganze gut zu beobachten.
Und wie es so ist, wenn man sich so sehr gut amüsiert – schon heißt es, der letzte Song steht an…“I’m yours“ wird noch begeistert mitgesungen, dann verlassen die Musiker unter viel Applaus die Bühne…nee nee, wiederkommen…schnell…die Zugabe-Rufe regeln das auch schnell und es gibt noch ein paar Zugaben – „Never ever“, „Quit playing games“, „Umbrella“ und „Born this way“ mit großem Mitmachteil. Und auch hier werden nochmal die Zuschauer im vierten Rang einbezogen – das sind nämlich die, die keinen Eintritt bezahlt haben, aber oben an den Festungsmauern stehen und dem Konzert lauschen. Sieht lustig aus, manche scheinen sich Picknick mitgebracht zu haben und genießen das Konzert so eben kostenlos und etwas weiter entfernt.
Doch dann ist die Musik aus, die Musiker von der Bühne und ich bin ein bisschen traurig, dass schon wieder alles vorbei ist. Einziger Trost: Ich kann mir endlich die Schuhe ausziehen und die bescheuerten Barfuß-Sohlen, die ich vormittags erst hinein gelegt habe, entfernen…Himmel, die sind völlig verknautscht und drücken wie Sau. Ich hab mir inzwischen auch schon Blasen an den Zehen dadurch geholt, die zwiebeln nicht schlecht. Daher gehen Uta und ich in die Festung, wo, von den Baseballs mehrmals laut angekündigt, eine Aftershow-Party stattfindet. Vor allem gibt’s auch ein paar Sitzplätze, so hocken wir uns mal eine Weile hin, trinken etwas, quatschen, beobachten durchs Fenster, wie Basti draußen, von einem Kamerateam verfolgt, Fanarbeit leistet und freuen uns, so ein entspannten und fantastisches Konzert erlebt zu haben.
Und da auch die anderen Musiker und Crewmitglieder so nach und nach den Weg in den Innenhof finden, stehen wir dann bald doch wieder draußen zum gucken und quatschen. Um Mitternacht können wir der lieben Steffi aus der Schweiz, die mit Thessi da ist, noch ein lautes Geburtstagsständchen singen, bevor sie und Thessi sich auf die weite Heimreise nach München machen – wo sie am nächsten Abend zum nächsten Baseballs-Konzert gehen wollen.
Bis Uta und ich uns auf den Rückweg zum Parkplatz machen, ist es auch schon kurz vor 2 Uhr – und der Weg wird für mich sehr humpelig, die aufgescheuerten Füße quälen mich jetzt doch sehr und jeder Schritt wird von meinem Schmerzgejammer begleitet. Aber dann haben wir es doch geschafft, ich zieh mir gleich mal andere Schuhe an (der Open Air-Konzertbesucher hat ja immer einiges an Wechselklamotten im Auto – man weiß ja nie ;), verspeise das zweite Himbeertörtchen und dann ist auch um 2 Uhr die Heimreise auf dem Plan…schweren Herzens verabschieden Uta und ich uns voneinander, nicht wissend, wann wir uns wiedersehen…aber wird sicher noch einmal in diesem Jahr klappen.
Ich fahre total entspannt und voller Glückhormone durch die Nacht und komme kurz vor 4 Uhr daheim an. Solche wunderschönen Tage braucht man einfach im Leben, um den Ärger und Stress, den es sonst so gibt (und der mir besonders in diesem Jahr schon in vielerlei Maße begegnet ist), für eine Weile vergessen oder auch nur mal weglächeln zu können…
-BiBi -

Fotos von The Baseballs in Magdeburg
Fotos von Cindy Ciser in Magdeburg