Dick Brave and The Backbeats in Bochum (Zeltfestival Ruhr)

Sonntag, 26. August 2012 - BiBi

Ich habe eine Turbo-Woche hinter mir – seit Dienstag herrschte in meinem kleinen Leben irgendwie Ausnahmezustand…Möbelanlieferung, Geschäftsreise ins Brandenburgische mit Übernachtung und dann das Doppelkonzert Dick Brave & The Backbeats und The BossHoss in Köln. Samstag einkaufen, Haushalt und dann ist auch schon Sonntag und ich vollende diese außergewöhnliche Woche mit einem weiteren Konzerttag. Heute führt uns der Weg nach Bochum zum Zeltfestival Ruhr. Vor zwei Jahren war ich das erste Mal dort, damals waren The Baseballs der Grund – heute sind’s Dick und seine Mannen.
Halb eins bin ich pünktlich am Treffpunkt Daisys Diner in Oyten und steige um in Petras Auto. Heute ist viel los auf den Autobahnen, aber keine Staus – nur starker Regen, der uns weite Strecken begleitet und eine flotte Fahrt unmöglich macht. Meine Laune ist nicht die beste – bisher hatte ich bei den Open Airs dieses Jahr immer ein Heidenglück – und mir steht der Sinn überhaupt nicht danach, nun in Bochum noch stundenlang im Regen auf Einlass ins große Sparkassenzelt zu warten. Überhaupt schade, dass das Konzert in das größte Zelt verlegt wurde – vor zwei Jahren war ich in dem zweitgrößten Zelt, dort gestaltete sich das Anstehen auch total angenehm, da der Einlass in unmittelbarer Nähe von Toiletten, Futterbuden etc. war.
Beim Sparkassenzelt hatten die Internet-Recherchen nicht so ein positives Bild ergeben – aber man will ja nicht vorher schon meckern und so kommen wir 30 Minuten später als eigentlich geplant in Bochum an…ist ja eigentlich eher Witten, eben direkt Stadtgrenze. Auch der Parkplatz vor dem Eingang ist rappelvoll, aber Petra gibt nicht auf und nach drei oder vier Runden ergattert sie einen freien Platz. Juchhuh…
Viele Fans sind auch noch nicht da – Kerstin, unsere Lieblingszwillinge, die relativ neu kennengelernten Claudia und Simone…Und schon zeigt sich die Problematik. Es gibt zwei Einlässe, an denen Schleusen gestellt sind. Einmal auf der schmalen Seite des Zelts, ganz hinten – und einmal an der linken langen Seite. Hm…wo stellt man sich jetzt an? Ich stell mich mal gar nicht an, in Sichtweite des einen Einlasses stehen ein paar Bänke, da nehme ich Platz – und muss auch schon meinen Regenponcho überstreifen, denn es gibt einen ordentlichen Guss – wäääh…aber zum Glück bleibt das dann auch der einzige für die nächsten Stunden. Es ist zwar recht kühl und nach den heißen Tagen in der letzten Woche fröstel ich das erste Mal seit längerem wieder mal…aber es ist aushaltbar. Irgendwie teilen sich auch alle auf, da wir weiterhin ratlos sind wegen den Einlässen. Nach und nach erscheinen immer wieder mal Neugierige, die aber auch meist gleich wieder gehen, um erst über das Zeltgelände zu bummeln. Hier gibt es ja viele tolle Stände mit Leckereien oder Kunstgegenständen, Schmuck, Kleidung und sonstigem zu entdecken.
Ich freue mich, heute Sarah wiederzusehen. Sie haben Petra und ich in Amsterdam kennengelernt und heute treffen wir endlich wieder aufeinander. Sie kommt auch relativ zeitig und stellt mir ihre Freundin Bea vor. Beide stellen sich am 1. Eingang an, da auch sie in die erste Reihe wollen…
Die Zeit schleicht vor sich hin, Einlass ist ja erst halb acht – Petra hat sich entschieden, an der langen Seite anzustehen, weil der Weg zur Bühne dort kürzer ist. Ich will ihr eigentlich auch dorthin folgen, aber bleibe dann doch an der kurzen Seite stehen – bis die Security eintrifft und uns fast höhnisch mitteilt, das wäre ja jetzt blöd, aber hier wäre kein Einlass und wir sollen verschwinden („Hauen Sie hier ab“). Man hat schon viel erlebt, aber das ist einfach frech. Wenn man schon keine Informationsschilder hin hängt, dass hier kein Einlass stattfindet, obwohl es der erste zu erreichende Eingang ist, muss man nicht noch verhöhnt und angemacht werden. So flitzen wir, die wir eben dort schon in den Schleusen standen, zum anderen Eingang. Ich stelle mich da auch nicht hinter den viel später als ich Angekommenen an, sondern arbeite mich gleich zu Petra vor, die als erste in der zweiten Schleuse steht. So…fertig, sollen doch alle motzen, dann motz ich aber zurück. Sagt aber keine was laut. Irgendwie ist es dort dann auch sehr lustig, wir erzählen dummes Zeug und lachen kräftig, Ich glaube, am meisten über eine Sache, die wir so auch in all den Jahren Konzerte noch nicht erlebt haben – die Security-Leute bringen nämlich leere Becher mit und auf die Frage, ob Plastikflaschen denn mit hinein dürften, sagten sie, nein, aber wir füllen die Getränke in Becher um und die können dann mit hinein. Bitte? Ist doch nicht wahr. Wir stellen uns vor, wie jeder von uns dann mit drei Bechern versucht, zur Bühne zu laufen, vorn aber kaum noch was ankommt – die Getränkemenge dann gemessen wird, quasi Spiele ohne Grenzen – und zack, ist die Zeit rum und ich bin völlig erstaunt, dass es nun schon rein geht. Natürlich ohne dass wir Getränke in Becher umfüllen lassen – wer hat denn für sowas Zeit?
An der Bühne angekommen, finde ich mich neben Petra in der ersten Reihe rechts vor Phil wieder – wunderbar, toller Platz…riesiges Zelt, alles liegt im dunklen…aber ich freu mich, dass auch Sarah und ihre Freundin Bea es fast neben mir ganz nach vorn geschafft haben. Durch die Umsortierung beim Einlass sah es erst nicht so gut aus, aber nun können wir alle zufrieden sein und auf den Start der Show warten.
Eine tolle Sache, die ich auch noch nie erlebt habe: Hier geht ein Getränkeverkäufer durch den Graben und man kann eine Halbliter-Flasche Cola, Fanta oder Wasser erstehen. Super. Nur dann der Wermutstropfen (neben einem Preis von 3,50 Euro für einen halben Liter Tafelwasser): Er schraubt den Verschluss ab und behält ihn ein…erklärt es damit, dass er es müsste, weil die Verschlüsse ja als Wurfgeschoss genutzt werden könnten. Ja klar…da würden wir den Musikern blutige Platzwunden mit verpassen – hingegen ist das Werfen mit den Flaschen natürlich eher zu vergleichen mit Wattebäuschchen-Weitwurf. Abgesehen davon, dass keiner von uns irgendwas wirft (außer natürlich schmachtende Blicke), kann ich diese Argumentation schon wieder nicht nachvollziehen. Egal, ich hab eine Flasche Wasser gekauft – und da ich weiß, dass ich sie hundertpro einmal umschmeißen werde, bastel ich mir aus einem Stück meines Plastik-Regenponchos einen Pfropfen, den ich in den Flaschenhals stopfe…gute Idee, denn natürlich trete ich die Flasche beim Konzert wirklich das eine oder andere Mal um…das wäre eine sehr teure Pfütze geworden.
Aber nun ist es auch endlich kurz nach halb neun, das Zelt sieht sehr voll aus – und die Musiker betreten unter Applaus die Bühne…es geht los: „Highschool Confi“ ist die Nummer 1, diesmal geht’s auch zum Glück mit „20 Flight Rock“ und „She’s the most“ weiter. Wir bekommen somit ein volles Set mit all unseren Lieblingssongs wie „Sitting Waiting Wishing“, „Tonight“, „This girl is trouble“, „Rolling in the deep“, „Come on“ (die Ansage könnte mal kürzer sein…sechsmal fragen, ob man Chuck Berry kennt, ist etwaaaas übertrieben ;), „I’ll be satisfied“, „American Idiot“ etc.
Der Blues-Teil bei „Black or white“ wird irgendwie immer besser, finde ich. Heute ist auch der Ton und die Lautstärke im Gegensatz zum Konzert in Köln vor zwei Tagen auch tausendmal besser…der Mega-Tinnitus, den ich mir in Köln eingefangen hatte, ist zum Glück schon wieder abgeklungen, so dass ich heute einfach alles genießen kann. Die Stimmung in Bochum ist meiner Meinung nach auch einfach großartig, alle haben Spaß und machen mit. Der Applaus donnert nach jedem Song und so entwickelt sich das Konzert zu einem der besten in diesem Jahr. Blöderweise scheint’s auch mein letztes zu sein, denn weitere Termine, die ich wahrnehmen kann, stehen nicht an. Egal, für Trauer ist hier und heute keine Zeit! Und viel zu schnell sind wir schon bei „Just can’t get enough“, mit dem heute das Hauptset abgeschlossen wird.
Aber natürlich gibt’s bei dem tollen Publikum und lautstarken Aufforderungen auch noch die verdienten Zugaben. Scheinbar ist man ein bisschen kurz mit der Zeit, denn „Cream/Kiss“ fehlt leider. Schade – aber gut, dass man nicht auf „Always on my mind“ verzichtet hat. So schmachten wir noch einmal kräftig, bis „Great balls of fire“ das Programm in gewohnter Manier beendet. Puh, war das geil! Lauter glückliche Gesichter zeigen mir, dass ich nicht allein so empfinde. Ein bisschen quatschen wir noch hier und da, aber es zieht uns auch nach draußen. Es ist immer noch trocken und so können wir alle gemütlich zu den Autos schlendern. Draußen treff ich noch die Lisa, eine Freundin aus dem Baseballs-Kreisen, die mit ihrer Mama da ist. Aber auch sie muss leider los und so verabschieden wir uns alle und ziehen unserer Wege.
Petra und ich halten noch hinter Osnabrück, um fünf Minuten vor Ladenschluss einen Burger King zu stürmen…bisschen Fastfood nach einem Konzert ist ja immer angesagt. Nachdem wir satt sind, geht’s weiter gen Norden…stellenweise regnet es wieder, aber das stört jetzt auch niemanden mehr. In Oyten heißt es dann auch für uns beide Abschied nehmen und nur 10 Minuten später bin ich daheim und kann auf eine turbulente Zeit zurück blicken…bin ich froh, dass ich am folgenden Montag Urlaub habe, denn ich habe vor, den Tag mal gaaaaanz ruhig zu begehen, was mir auch gelingt. Schöner wäre es nur, wenn man wüsste, wie es denn weiter geht mit Dick und seinen Jungs…Termine, die Herren, wir brauchen Termine ;)

- BiBi –

Fotos von Dick Brave & The Backbeats beim Bochumer Zeltfestival Ruhr