Cosmo Klein & Phunkguerilla in Hamburg (Soul Kitchen)

Samstag, 29. September 2012 - BiBi

Tatsächlich ist es inzwischen über ein Jahr her, dass ich Cosmo Klein live erleben konnte. Anfang des Jahres verhagelte mir mein vor sich hin sterbendes Auto zwei Möglichkeiten, diese großartige Stimme hier im Norden Deutschlands zu erleben. Daher wartete ich sehnlichst auf die lange angekündigte Tour der Phunkguerilla-Truppe…und tatsächlich, kaum ist der Herbst da, ist auch eine kleine Tour da. Zu meiner großen Freude gibt es auch tatsächlich gleich zwei Konzerte in Norddeutschland – Hamburg und Bremen. Juchhuh!
Leider gab es im Vorfeld einige Irritationen, denn das Etablissement, wo Cosmo mit der Phunkguerilla in Hamburg auftreten soll, wurde von der Stadt geschlossen. Hm…und nu? Aber man versicherte, dass der Laden namens Soul Kitchen bis zum Konzerttag wieder geöffnet hat. Dem vertrauend starten Petra und ich also am Samstagabend nach Hamburg-Wilhelmsburg. Ich freu mich ja auch immer, wenn ich neue Locations kennenlernen kann…
Auf der Facebook-Seite der Soul Kitchen stand etwas von Konzertbeginn 21 Uhr, so schlussfolgern wir, dass Einlass dann sicher 20 Uhr sein wird – und da der Stau-Gott uns hold ist, treffen wir schon um 19.30 Uhr am Ziel ein…etwas irritiert, denn das ganze sieht schon abenteuerlich aus. Wie eine große Scheune, an der Seite eine Laderampe mit einem geöffneten Tor. Hm…ist das der Eingang? Auf dem Hof riesige Pfützen, Petra parkt und wir stapfen über den Hof Richtung Laderampe. Ich entdecke auf dem ansonsten recht dunklen Hof (furchtbar, dass es schon wieder so früh dunkel wird) zwei Dixie-Klos…und sag noch so zum Spaß, ob das mal nicht die Toiletten für diesen Laden sind. Wir lachen beide bei der Vorstellung und steigen die selbstgezimmerten Stufen zur Laderampe hoch…okay, hier ist eigentlich noch so gut wie niemand…die paar Männer, die da drinnen rumlaufen, scheinen zum Personal oder so zu gehören.
Einer kommt zu uns rüber, wir fragen, wann denn Einlass ist – ach, naja, so um 21 Uhr oder so…vor halb elf würden die Musiker nicht anfangen zu spielen *eek* - nicht doch, dann sind wir ja viel zu früh. Wir plaudern mit dem netten Kerl, der uns von der Schließung und der gestrigen Wiedereröffnung der Soul Kitchen erzählt, von dem Betreiber-Kollektiv etc.
Da eine Freundin von uns bei einem Gewinnspiel zwei Freikarten gewonnen hat, nun aber verhindert ist und diese Tickets quasi an uns abtreten wollte, sprechen wir den Typen drauf an…in der Erwartung, wir müssen jetzt was schriftliches vorlegen oder sonst was…aber der weiß von keinen Freikarten, hat damit aber Null Problem und sagt uns, dass wir dann wohl kostenlos dabei sind. Ach guck, vielen Dank. Dann frage ich, ob ich denn mal auf Toilette dürfte, auch wenn noch kein Einlass ist…wobei man überhaupt kein Problem damit hätte, dass wir gleich drin bleiben in der Halle. Nur das mit den Toiletten…naja, für das Anstellen des Wassers hat es nun nicht mehr gereicht, daher sind – richtig – die Dixies draußen die Toiletten für den Club…waaah…nicht doch. Wir müssen zwar lachen, aber sind doch einigermaßen geschockt. Das ist nicht so prickelnd.
Aber man gibt uns Tipps, wo wir noch auf Klo können…die Straße runter, da wäre die Honigfabrik mit Cafes und so – oder auf der anderen Seite des Kanals, da ist die „Tonne“, da wären auch gerade Cosmo mit seinen Leuten zum Essen.
Also ziehen wir erst einmal ab, aber ich muss leider doch noch eins der Dixie-Klos aufsuchen – manche Dinge kann man nicht ewig aufschieben. Zum Glück sind die Toiletten noch unbenutzt und sauber. Trotzdem ist das in der Finsternis alles andere als ein Spaß.
Aber dann fahren den beschriebenen Weg Richtung „Tonne“, stolpern da durch die Gegend, suchen hier, suchen da…aber finden das Lokal nicht. Ich fühle mich total unwohl, Hamburg-Wilhelmsburg ist nicht so der tollste Stadtteils Hamburg…überall rennen Gruppen von Jugendlichen rum, trinkend und so. Ich will eigentlich nur noch weg, das ist nix für mich. Also wieder ins Auto, diesmal steuern wir dann die Honigfabrik an…die Nerven liegen langsam etwas blank…kein Parkplatz zu bekommen, in diesem Gewerbegebiet ist eh alles vollgestellt mit Lkw und Anhänger. Petra schlägt vor, zum McDonalds zu fahren – an der Autobahnabfahrt hatten wir einen gesehen. Jawoll, erleichtert stimme ich zu – und wer mich kennt, weiß, was das heißt, denn ich mag Mäckes überhaupt nicht.
Auch dort ist es eher alles ekelig…Der Fußboden fettig, die Tische vollgestellt mit Essensresten. Nee nee, bäh. Aber für ein paar Chicken Nuggets reicht’s dann doch und wir gehen noch einmal auf ein richtiges Klo, in der Hoffnung, das war es dann für den Abend.

Gegen 21 Uhr kehren wir zur Soul Kitchen zurück – dort ist aber immer noch nicht wirklich was los…vier, fünf Leute sind erst da. Ich hole uns mal eine Fritzz-Cola, kleines Fläschchen…nur nicht viel trinken ist die Devise des Abends, obwohl ich mich auch schäme…schon freien Eintritt bekommen, da möchte man den Laden ja doch irgendwie unterstützen.
Wir machen es uns gemütlich, so gut es geht. Man muss sagen, der Schuppen ist schon etwas abgerissen, aber man sieht auch die Liebe, mit dem die Betreiber das da aufgebaut haben. Tresenbereich ist sehr schön – es gibt an der Seite ein Podest, drauf stehen alte Sofas und Sitzgruppen. Davor vier alte Kinositze, auf einem nehme ich Platz. Petra zieht sich einen Korbstuhl ran. Überall stehen auf den Tischen Snacks wie Salzstangen oder auch Schüsseln mit Gummibärchen.
Der nette Typ kommt vorbei und bietet uns frisches Obst an – ich muss lachen, weil ich das schon etwas skurril, wenn auch cool finde. Er versteht das wohl irgendwie falsch und meint, da wäre nix zu lachen, er hätte sogar extra frische Birnen aus dem Alten Land anzubieten. Trotzdem lehnen wir ab – aber das hat schon viel Liebe, finde ich.
Leider ist es saukalt in der Halle – das Eingangstor steht ja auf, es zieht gewaltig durch den Raum. Ich bin so froh, dass ich mich entschieden hatte, eine warme Fleece-Jacke anzuziehen und auch Petra hat eine Winterjacke an…trotzdem klappern wir mit kalten Füßen und Händen etwas vor uns hin. Aber dann wird uns warm ums Herz, denn wir entdecken unter den neuankommenden Zuschauern vertraute Gesichter. Cosmos Eltern und sein Bruder nebst Frau kommen hinein. Das Wiedersehen ist sehr herzlich, haben wir uns doch schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen.
Die Soul Kitchen füllt sich auch nur sehr zögerlich – und ich hab irgendwann einfach die Schnauze voll, in der Kälte rumzuwarten – sehne mich nach dem heimischen Sofa. Petra und ich amüsieren uns aber so einige Male – denn unter den Leuten hier sind auch so einige Mädels, die ich eher der Clubbing-Szene zuschreiben würde…gestylt und aufgebrezelt…natürlich nur in kleinen Grüppchen unterwegs – wir fragen uns, wie die wohl reagieren, wenn sie gemeinsam aufs Klo wollen und dann von den Dixies erfahren…an den Gesichtern können wir es dann ablesen, wenn sie am Eingang nach den sanitären Anlagen fragen *lach* - they are not amused!
So um 22.15 Uhr kommt dann die zauberhafte Maya Saban an, die für den Background zuständig ist…sie ist ebenso entsetzt über die Dixies draußen und meint, es könnte wohl noch eine halbe Stunde dauern, bis die Show anfängt…boh, noch länger warten. Aber zum Glück ist es dann doch schon um halb elf plötzlich soweit, alle Musiker kommen auf die Bühne und es geht los. Der Saal ist nicht voll, aber immerhin sind doch einige Leute da und die haben auch Bock auf die Veranstaltung, das ist das wichtigste.
Petra und ich stehen allein vor der Bühne, der Rest der Leute im größeren Halbkreis ein Stück hinter uns, aber das ist uns ja egal und es ändert sich auch im Verlauf des Konzerts noch…die Leute rücken näher nach vorn, trotzdem ist genug Bewegungsfreiheit. Sehr gut. Das Set startet mit „Love in progress“, immer ein guter Auftakt.
Cosmo springt auch recht schnell von der niedrigen Bühne, um das Publikum zum Mitmachen zu animieren, weiter nach vorn zu locken. Leider bremst ihn das Kabel am Mikro doch etwas aus…für den Mann braucht’s einfach ein Funk-Mikro, damit er den vollen Raum ausnutzen kann :)
Aber die Mission gelingt schon gut – das Hamburger Publikum wärmt sich durch Mitklatschen, Mitsingen und Mittanzen gut auf. So folgen Songs wie „Ooh“, „Short Story Life“, „Boyz & Girls“ und mein geliebtes „Beautiful mind“.
Mit „Grandpa“ geht etwas Tempo aus dem Set, eben die einzige Ballade und das ist auch schön. Doch viel Zeit zum Durchatmen ist nicht, denn druckvoll starten die Musiker wieder durch mit „Trilogy“ oder „When lil Boys“. Toll auch immer die einzelnen Soli der fantastischen Band. Heute von den mir bekannten Musikern dabei: Klaus Fischer an der Gitarre, Ray D. Blake am Bass, Felix Lehrmann an den Drums. Zwei Bläser und ein Keyboarder geben aber auch ihr bestes.
Cosmo weist immer wieder mal auf das kommende Album hin – im nächsten Frühjahr soll es soweit sein. Ich bin in dieser Hinsicht sehr skeptisch, denn ich warte schon seit mehreren angekündigten Frühjahren drauf :D
„Pray now“ wird als neuer Song angekündigt und geht auch sofort ins Ohr und in die Beine. Tolles Stück…dann ist Extrem-Partytime mit „I“ll make zu feel“, das quasi in mein Lieblingsstück „Let’s work“ übergeht und auch heute bin ich wieder mehr als begeistert über den immer schneller werdenden Rhythmus. Leider ist es auch quasi das letzte Stück des Hauptsets, doch zum Glück sind die Hamburger ja jetzt richtig warm geworden und verlangen lautstark eine Zugabe. Und ich bin auch warm geworden und ziehe endlich die dicke Jacke aus :D
Und – na klar – Zugabe gibt es auch mit „Everlasting now“…doch dann ist das Konzert auch wirklich vorbei, eigentlich ist es noch gar nicht so spät trotz des späten Anfangs. Nur lange aufhalten wollen Petra und ich uns auch nicht mehr, vor lauter Angst, doch noch dringend auf die Toilette zu müssen. Wir plaudern noch hier und da ein bisschen und verabschieden uns dann. Draußen treffen wir auf dem dunklen Hof noch auf Cosmo, sagen schnell tschüss und rauschen davon – wissend, dass es ja in sechs Tagen in Bremen ein Wiedersehen geben wird.
Doch das Trauma Dixie-Klo wird noch eine Weile bleiben, fürchte ich…;) So wünsche ich der Soul Kitchen und ihren Betreibern alles Gute und dass sie weitermachen können – hoffe aber, nicht so schnell wieder dorthin zu müssen – zumindest nicht solange man draußen auf Plastik-Klos muss.
- BiBi -

Fotos von Cosmo Klein & The Phunkguerilla in Hamburg