Boppin' B in Müden/Aller (Kubus)

Freitag, 9. November 2012 - BiBi

So…und jetzt endlich ist es soweit – ich fahre zu meinem allerersten Boppin‘ B Konzert in 2012…okay, wir haben schon November, eigentlich ist das ein bisschen spät für das erste Konzert des Jahres. Aber es war ja vorher irgendwie nix zu machen. Nach dem katastrophalen ersten Halbjahr mit all den persönlichen Problemen, dass mir oft die Lust raubte, einfach mal loszufahren, gab es auch noch einige Absagen bei den Konzerten der Boppin-Bande…leider immer bei denen, die ich mir ausgeguckt hatte. Nun…egal, endlich ist es ja soweit. Es ist Freitag, meine Arbeit liegt hinter mir, also fertig machen und los. Um halb sechs hole ich meine Mutter ab, die sich auch schon lange auf diesen Tag freut, weil sie endlich „ihre Jungs“ wiedersehen kann. Natürlich hat sie auch diesmal wieder kleine Geschenke besorgt, ein Schokolädchen für die Herren hat sie ja immer dabei.
Ich finde das irgendwie immer niedlich von ihr. Immerhin wird sie in einem halben Jahr stolze 80 Jahre…andere Menschen ihres Alters wagen es nicht mehr, zu Rock’n’Roll-Konzerte zu gehen.
Ich schaue mir ja die Locations immer aus, zu denen ich sie mitnehmen kann. Denn durch ihre künstlichen Kniegelenke schafft sie es nicht, das ganze Konzert mit vorherigen Wartezeiten durchgehend zu stehen. Nun war ich aber bereits in Müden an der Aller, wo unsere heutige Reise hingehen soll…2008 bei den bombastischen Schröders war das…ich erinnere mich gut, ein Club in der Wallachei, irgendwie sehr abgelegen – aber gefiel mir gut. In der großen Halle standen seitlich Tische und Stühle und daher weiß ich, die Mama hat‘s da gut. Ich natürlich auch :)
So starten wir fröhlich und frohen Mutes. Klar, ich bin schon etwas müde, die Woche war lang und es war die Lohn-Woche, da hab ich immer besonders viel zu tun…aber egal…das steh ich durch.
Die Autobahnen sind recht voll, aber es geht trotzdem zügig voran. Auf Höhe Hannover verlasse ich die A7 und fahre Richtung Burgdorf auf der A 38…kurz vor Burgdorf dann sagt das Navi, runter von der Autobahn…nun gut, denke ich, die hört ja eh gleich auf…das wir nun komplett durch die Stadt brettern müssen, fast durch Fußgängerzonen (Tempo 20 ist ausgeschildert), finde ich sehr seltsam und ich schimpfe vor mich hin…haben die noch nichts von Umgehungsstraßen gehört?
Dann bin ich plötzlich in einem Gewerbegebiet – und das Navi lenkt mich auf eine Straße zu, die aber gar nicht mehr richtig existiert. Sie ist mit Betonpollern zugebaut. Huch…ich folge einfach meiner Orientierung und kurve durch die Gegend in der Annahme, ich komme so wieder auf die Hauptstraße, die ich quasi schon sehen kann…laut Navi fahre ich durchs grau, denn diese Straßen existieren in der Software noch nicht. Na denn…aber mein Plan geht auf, ich lande wieder auf der Hauptstraße und weiter geht’s über Land Richtung Müden…hoffe ich, denn ausgeschildert ist der Ort nicht.
So 10 km vor Müden heißt es dann: Links abbiegen. Ich mache es und kriege die Krise…ich bin auf einem einspurigen Sträßchen und muss kurvenreich durch Wiesen und Felder fahren. Ich rechne jeden Moment damit, dass die Straße gleich aufhört oder zumindest zu einem unbefestigten Feldweg wird. What the fuck…aber ich erinnere mich, dass es 2008 auch schon so eine mistige Fahrt war (erstaunlich, wie man schlechte Sachen doch verdrängt, aber trotzdem sickern die dann ja irgendwann wieder ins Gedächtnis)…damals war ich mit der Micha unterwegs und wir haben uns kaputt gelacht über diesen Weg. Aber da hatte ich auch noch kein Navi – und daher dachte ich, mit diesem technischen Hilfsgerät wird alles einfacher. Nur scheinbar nicht in dieser Gegend.
Es dauert lange, bis endlich mal wieder ein Licht, ein Haus, eine Bebauung auftaucht. Ich bin inzwischen richtig genervt, so über Stock und Stein mag ich das gar nicht gern. Aber gut, irgendwann taucht dann auch mal ein Hinweisschild nach Müden auf…wie oft ich inzwischen die Straße gewechselt habe, kann ich gar nicht mehr zählen. Noch bevor der Ort richtig beginnt, lenkt mich das Navi wieder in die Wildnis…und diesmal sagt es, ich soll wirklich einen Feldweg langfahren. Hm…ich fahre zwar erst einmal hinein, weil ich auch ein weiteres Auto da fahren sehe, aber ich drehe dann wieder um – der andere Wagen ist nämlich auch stehen geblieben und bewegt sich keinen Zentimeter mehr…das ist mir nicht geheuer. Ich denke, ich komme auch irgendwie anders dort hin und fahre eine kleine Straße weiter, in der Hoffnung, das Navi wird sich umorientieren. Macht es auch…und schickt mich im Kreis, sagt ständig, ich soll umdrehen etc. Hilfe, ich raste gleich aus. Ich erinnere mich inzwischen, dass Micha damals im Ort dreimal fragen musste, bis wir den Club fanden, weil auch nichts ausgeschildert ist…meine Blase macht mich inzwischen verrückt, aber die Kurverei nimmt kein Ende. Ich fahre also wirklich in den Ort hinein, das Navi rechnet mal wieder neu, aber ich sehe immer nur, dass ich im Kreis fahren soll und mich dem eigentlichen Ziel immer weiter entferne.
Also angehalten, als ich zwei junge Mädels auf Fahrrädern sehe und gefragt, ob sie den Weg kennen. Sie erzählen, ich muss komplett aus dem Ort hinaus, zweimal links und dann wäre ich da. Da wäre ein Busunternehmen nebenan…ja, ich war aber ja eben immer an einem Busunternehmen, da ging ja der Feldweg rein. Nein, das wäre ein anderes Unternehmen, sagten sie. Hm…kleiner Ort, aber zwei Busunternehmen in einem Gewerbegebiet…na ja. Ich folge also ihren Anweisungen, raus aus dem Ort, links, links…fahre die Straße lang und komme – genau, wieder am Feldweg an. Inzwischen bin ich total mit den Nerven runter, sauer und hab keinen Bock mehr, brauch eine Toilette und will nur noch ankommen. Also fahr ich jetzt doch den Feldweg hinein, folge dem kurvenreich einen Kilometer oder so, bis wieder Lichter in der Wildnis auftauchen – und ach guck, da ist das Kubus…Wie bescheuert…
Puh, also angekommen. Aussteigen, aber leider ist der Club noch nicht auf, also warten wir noch am Eingang 10 Minuten und ich heule mich bei einem dort stehenden Mitarbeiter aus, wie dämlich ich es finde, nicht mal Hinweisschilder zu stellen. Dann können wir endlich rein, ich gehe aber sofort nach dem Bezahlen auf Toilette und bleib da mal eine Weile…langsam runterkommen, tief durchschnaufen…nun wird alles gut.
Als ich in den Saal komme, bin ich das nächste Mal angezickt…keine Tische und Stühle, nein…hohe Stehtische und Hocker sind jetzt das Mobiliar. Verflucht…Mama hat sich schon seitlich an einen Tisch gestellt und mit meiner Hilfe klettert sie auf den Hocker. Für mich ist das gar nichts und auch sie hält das nicht lang durch und krabbelt wieder runter. So ein Dreck…naja. Und zu allem Überfluss ist ja auch noch eine Vorband am Start, also müssen wir noch lange warten, bis der Haupt-Act startet…
Sich groß mit meiner Mutter unterhalten ist nicht möglich. Der Club ist natürlich musikalisch beschallt (fragt nicht, was für Songs man da zu hören bekommt…Klassiker der Achtziger, nenne ich es mal höflich – „Rasputin“ von Boney M ist mir noch im Gedächtnis)…durch die Beschallung muss die Mama aber ihr Hörgerät ausschalten, somit hört sie auch kaum, wenn ich ihr was erzähle.
Um 21.15 Uhr, nachdem ich vor lauter Langeweile schon dachte, einpennen zu müssen, startet dann die Vorband, eine Ska-Band aus Braunschweig – namens Dynamo-Ska Braunschweig. Nun denn…da stehen drei Typen auf der Bühne, was ich für eine Ska-Truppe schon komisch finde…Gitarre, Bass, Schlagzeug. Ska ohne Bläser? Als dann der Sänger den ersten Ton von sich gibt, war es das für mich. Der kann nicht singen und damit ist der Drops für mich leider gelutscht. Auch wenn nach dem ersten Song doch noch drei Bläser dazu kommen, werde ich mit denen nicht warm. Ich langweile mich, gehe aus Verzweiflung auf Klo und an den Merch-Stand, aber die Typen hören nicht auf zu spielen. Auch wenn außer ein paar Suffis kaum noch Applaus kommt, meinen sie, dann noch mal eben zwei Zugaben geben zu müssen. Über eine Stunde, die sich wie Kaugummi dehnte…nee, too much. Ich denke inzwischen nur noch, so ein Scheiß, warum bin ich nicht schön daheim auf meinem Traumsofa und gucke die heute angekommene DVD-Serie „Nachbarn“. Ja, ich bin gnaddelig und ungnädig, motzig und maulig – und müde dazu.
Und das ganze tut mir ja selber total leid, denn ich hab mich so lange gefreut, die fünf Aschaffenburger endlich wieder zu sehen. Vor allem, nachdem das neue Album ja erst seit kurzem da ist, ich es super finde und so gespannt auf die Songs in der Live-Version bin. Und nochmal mehr, weil ich weiß, dass Micha die Band zum Ende des Jahres verlassen wird, was ich mir nur schwer vorstellen kann und was mir ein wenig das Herz bricht…das ist für mich halt eine Einheit und ich kann mir einen anderen Sänger dort nicht vorstellen. Aber gut, die Zeit wird es bringen und ich hoffe, ich werde unvoreingenommen auch im neuen Jahr zu Konzerten gehen können.
In der Umbaupause, als ich schon Plattfüße habe, entdeckt meine Mutter hinten neben der langen Bühne einen Stapel mit Stühlen und organisiert mal eben zwei. Na, das hätten wir mal eher auf die Reihe kriegen sollen. Aber besser spät als nie. Und dann ist es auch endlich soweit, die Band kommt auf die Bühne---jaaaaaa.
Ich stell mich auch gleich mit vor die Bühne, wo eigentlich nur ein paar eingefleischte Fans sich einfinden. Das restliche, nicht so riesig zahlreiche, aber ausreichend vorhandene Publikum steht noch etwas weiter zurück. Egal…ich winke, so dass auch die Mama erst einmal nach vorn kommt…
Die Jungs starten mit „Call it Rock’n’Roll“, was super ist, da es a) von neuen Album ist und ich es b) einfach klasse finde. Und so ist mein Frust auch schnell vergessen. Es gibt einen kleinen Energieschub und der Stress langsam fällt ab. Und so kommt es heute zu einer gelungenen musikalischen Mischung aus Klassikern und Songs neueren Datums. Von der „Monkey Business“ gibt es im Hauptset noch „Are you gonna be my girl“, „Change my life“ und „Enjoy the silence“, einem super gelungenem Cover.
Vom vorherigen Album „B.A.N.G.“ bekommen wir „The only way“, „Mercury“, „Up jumped the devil“, “I keep it simple” und “Hot Rod Girl” zu hören. Und noch ein wenig älter ist das Album “Rock’n’Roll Radio”, vertreten mit “King of Bongo”, “Rockin Rollin Stone“ und „I can’t dance“. Letzteres ist ja etwas ruhiger und da hätte ich mir tatsächlich eines der langsameren Stücke der neuen Platte gewünscht – aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert.
Was ich auch bemerke, als dann „Chemical reaction“ erklingt…okay, also ist das auch nach acht Jahren immer noch voll im Programm. Ich glaube, ich hab noch kein Konzert erlebt, wo der Song fehlte. Gut, „If you believe“ fehlt heute auch nicht, aber das freut mich, denn den mag ich immer noch sehr.
Und mindestens ebenso freue ich mich über „Why“ vom Album „42“ – woohoo…das liebe ich so sehr. In diese Klasse kann sich dann auch „Broken hearted story“ einreihen. Eine traumhafte Ballade.
Kurz vor Konzertbeginn hatte ich noch mit einer lieben Bekannten aus Fankreisen gesprochen und wir bejammerten das Ausscheiden von Micha…und sie sagte etwas, wo ich ihr nur beipflichten konnten: Egal, wie gespannt wir auf den neuen Sänger sind, es gibt Songs, die möchte man nicht von ihm hören. Die soll Micha jetzt noch singen und dann ist gut…und „Broken hearted story“ gehört dazu! Punkt!
Ich bin beim Konzert immer gewechselt zwischen vor der Bühne stehen (etwas seitlich, um keinen zu stören) und dann wieder zu meinem Stuhl zu gehen, da ich die Mama auch nicht so allein sitzen lassen wollte, denn ihr wird das Stehen nach drei oder vier Songs zu anstrengend und sie genießt das Konzert eben sitzend von der Seite. Da muss ich mich noch mit zwei Suffköppen anlegen, die meinen, sich nun direkt vor die Mama stellen zu müssen…aber nicht, um dem Konzert zu lauschen, sondern um lauthals zu quatschen. Ich hab sie dann mehrfach sehr dringend aufgefordert, dass doch einfach zwei Meter weiter links oder rechts zu machen, aber die waren so abgefüllt, dass sie mich nur mit blutunterlaufenden Augen anglotzten und gar nicht verstanden, was ich möchte. Nun, ich schiebe sie dann einfach ein wenig zur Seite und dann trollen sie sich auch.
Viel zu schnell ist das Hauptset dann aber auch vorbei und anhaltender Applaus bewegt die Herren Musiker zum Glück noch zu einer Zugabe. Und die hat es in sich…denn es gibt noch zwei Songs vom neuen Album und zwar „Gloria“ und „Mambo #6“ – beide finde ich obersuperklasse! Beendet wird das Ganze dann mit dem guten alten „The Look“…und dann ist auch endgültig Schluss…schon schade, denn nur einen Zugabenblock bin ich gar nicht gewohnt.
Meine Mutter macht sich jetzt auf dem Weg, um ihre Päckchen an die Boppins zu verteilen, sagt überall brav danke für die schöne Musik und dann ist es für uns auch schon Zeit für die Heimfahrt.
Mir graut schon vor dem Rückweg…jetzt in tiefster Nacht durch die Mombretzien zu düsen macht mich nicht glücklich…aber dann kommt alles anders. Ich überhöre die dringenden Anweisungen des Navis und fahre einfach ein kleines Stückchen vom Club entfernt auf eine Hauptstraße (und nicht über den Feldweg zurück), diese Hauptstraße mündet bald drauf auf eine Bundesstraße und so komme ich ohne Wallachei ganz normal Richtung A 38. Und kurz vor Burgdorf, wo das Navi mich wieder durch die Innenstadt locken will, ignoriere ich die Anweisungen nochmal und folge einfach weiter dem Straßenverlauf…und komme so direkt auf die Autobahn, ohne Burgdorf auch nur zu streifen. Häh? So einfach wäre es gewesen, wenn die Navitante Bescheid gewußt hätte? Na danke…Fazit: Hinfahrt: 2,5 Stunden – Rückfahrt: 1,5 Stunden…um 2 Uhr liefere ich die müde Mama zu Hause ab und freu mich auch schon a) auf mein Bettchen und b) aufs nächste Konzert, denn es gibt dieses Jahr noch ein paar Wiedersehen mit den fröhlichen Aschaffenburgern.
-BiBi -

Fotos von Boppin‘ B in Müden